Orchideen

Orchideen

Auch in Frankreich gibt es eine Anzahl wild vorkommender Orchideenarten, deren Höhen zwischen Größen von wenigen Zentimetern bis zu einem Meter variieren. Orchideen haben kräftige Wurzeln, die jedoch kaum Saugwurzeln aufweisen. Für ihr Überleben ist daher die Symbiose mit einem kleinen Pilz (mycorhize) wichtig, der die Voraussetzungen dafür schafft, dass die Orchideen die Mineralsalze aufnehmen können, die es ihnen ermöglichen zu wachsen und zu gedeihen. Da die Orchideen ohne die Lebensgemeinschaft mit dem Pilz, auf den sie angewiesen sind, nicht gedeihen können, sind Versuche, Orchideen auszugraben und an einem anderen Standort anzusiedeln, zum Scheitern verurteilt. Außerdem stehen Orchideen unter einem strengen Naturschutz, der verbietet, dass sie gepflückt oder verpflanzt werden.

Wer sich der Beobachtung oder gar dem Fotografieren von Orchideen verschrieben hat, hat ein schönes Hobby, und er hat gute Gelegenheiten, seine körperliche Beweglichkeit zu trainieren, da Orchideen meist bodennah wachsen und sich nur dann gut beobachten lassen, wenn man sich zu ihnen herabbegibt.

Wir stellen in der Folge die Orchideen vor, die wir bisher im Médoc entdecken und fotografieren konnten.

 

 

Einschwieliger Zungenstendel (serapias lingua) – Sérapias Langue

Der Einschwielige Zungenstendel ist ein Orchideengewächs, das ebenso wie manche Artgenossen im Deutschen einen Namen trägt, dessen Sinnhaftigkeit sich erst nach längerem Nachforschen erschließt, oder auch nicht. Er hat  einen Stängel von 10 bis 35 cm Länge und einen  Blütenstand, der aus bis zu acht Blüten besteht, deren zungenähnliche Form der Pflanze ihren Namen verschafft hat. Die Blütenfarbe variiert  im Bereich rötlich violetter Farbtöne. Diese Orchideenart ist im westlichen Frankreich häufig anzutreffen, wenn die Bodenbeschaffenheit der Pflanze zusagt. Im Französsichen heißt diese Orchidee sérapias langue, und das hört sich schon deutlich besser an.

Auf den ersten Blick fällt es dem Betrachter schwer, an dieser Orchidee etwas zu entdecken, was den Erwartungen entspricht, die man mit dem Namen verbindet.

   Erst wenn man sich zu einer ausgiebigen Verbeugung entschließt, und die Pflanze von mehr als einer Seite betrachtet, …

sieht man das und ist beindruckt.

  Und wenn man sich weiter bodennah bewegt, kommt man auch zu solchen Einblicken.

_______________________

 

Pyramiden-Orchidee


Eigentlich blühen Pyramiden-Orchideen erst vom Mai an bis Juli. 2014 waren sie im Médoc schon früher dran.

 


Und hier noch ein anderer Blütenstand.

 

Pyramiden-Orchidee, manchmal und eigentlich präziser: Pyramiden-Hundswurz, französisch Anacamptis en pyramide, (anacamptis pyramidalis) wie alle Orchideengewächse geschützt, Vorkommen in ganz Europa, Höhe bis 40 cm, dabei relativ große Variationsbreite, wohl abbhängig von der Bodenqualität, Blütezeit von Mai bis Juli. Kalkliebend, Vorkommen vor allem auf  sandigem Magerrasen. Die Pflanze bildet Knollen aus, aus denen im Folgejahr die neuen Pflanzen entstehen.

Eine Orchidee, die ihre oberirdischen Teile komplett zeigt.

Es ist offensichtlich, dass die pyramidenförmige Gestalt der Blütenstände nicht  immer perfekt ausgebildet wird.

 

Ein Ausschnitt aus einer Fläche, auf der es zahlreiche Pyramidenorchideen gab. Man sieht auch, in welchem pflanzlichen Umwelt diese Orchidee gedeiht und sich wohlfühlt.

_______________________

 

Ohnhorn-Knabenkraut

Das Ohnhorn-Knabenkraut (Orchis anthropophora) ist eine weitere Orchidee, bei der man sich fragen kann, wie sie wohl zu ihrem Namen gekommen ist.

 

Das Ohnhorn-Knabenkraut kann bis zu 40 cm groß werden, wobei es eine große Zahl nacheinander aufgehender Blüten hat.

 

Das Besondere an diesen Blüten ist, dass sie Gebilde hervorbringen, die zu allerlei Assoziationen anregen. Die Franzosen nennen diese Orchidee orchis homme-pendu, also wörtlich: Orchidee gehängter Mann, was sicher nicht besonders nett ist, doch mehr über die Pflanze aussagt als die deutsche Bezeichnung.
Größenvergleich

 


Ein Bild, das zeigt, wie die Blüten nacheinander aufgehen.
________________________

 

Langblätteriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia),

Auch diese Orchidee trägt einen Namen, der sich nicht sofort erschließt, wenn man die Pflanze sieht. Die Blüten fallen zwar durch ihr helles Weiß auf, aber dass man es mit einer Orchidee zu tun hat, sieht man wohl eher nicht sofort. Dies hier ist ein kleineres Exemplar dieser Orchidee, die es bis zu Größen von 40 bis 60 cm bringt.

 

Erst wenn man sich die Blüten genauer anschaut, bemerkt man die für Orchideen typische auffällige Gestalt.

 

                     Wirkungsvoll, wenn sie paarweise auftreten.

 

Am liebsten siedeln sie in größeren Gruppen im Halbschatten von Bäumen, sofern ihnen der Boden zusagt.

__________________________

 

Ragwurz – Ophrys arachnitiformis

(Spinnenförmige Ragwurz, auch Spinnenähnliche Ragwurz) eine Orchidee, die schon zeitig im Frühjahr blüht. Sie liebt arme Böden, z. B. in Dünenbereichen. Experten können mehrere Arten unterscheiden, was dem Laien in der Regeln nicht möglich ist, weil die Farbgebung und auch die Gestaltung der Blüten eine recht große Bandbreite zeigt. Eins ist jedoch leicht festzustellen: wie alle Orchideen sind auch diese streng geschützt.

 

Eine Ragwurz, die wir im nördlichen Médoc gefunden haben. Sie ist nicht so groß wie die folgenden Blütenaufnahmen vielleicht vermuten lassen. Deshalb haben wir die Fingerspitze ins Bild gesteckt.

 


Erst die Ausschnittvergrößerung der ersten Aufnahme zeigt, welche Mühe sich die Natur gegeben hat bei der kunstvollen Gestaltung dieser Blüte .

 

Beeindruckend auch, wie variantenreich die verschiedenen Blüten gestaltet sind.

 


Noch ein anderes Muster

 


Hier stehen zwei Pflanzen ganz dicht beieinander.

 


Und noch eine Variante

 


Manchmal muss man länger hinschauen, bevor man die individuellen Eigenheiten einer Blüte entdeckt.

 

Eigentlich kann man sich diese Pracht gar nicht lange genug anschauen. In natura gibt es da allerdings ein Problem: die Blüten sind nicht so groß wie sie hier vielleicht erscheinen und sie sind recht bodennah angebracht. Da muss dann jeder mit seinem Rücken ausmachen, wie lange man sich in betrachtender Position diesen Augenschmaus gönnt.
Übrigen, alle Orchideen waren nach unserem Besuch genauso heil und gesund wie davor, und das nicht nur, weil sie unter Naturschutz stehen.