Médoc-Notizen Jan. – März 2019


Februar 2019

 

Ende des Airbus A 380

Der Airbus A 380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt, was er wohl auch für lange Zeit bleiben wird, aber er ist, anders als man das erwartet hatte,  kein wirtschaftlicher Erfolg geworden. Als er 2007 zum ersten Male im Liniendienst abhob, schien er eine rosige Zukunft zu haben, doch es zeigte sich bald, dass die vom Hersteller erwarteten Verkaufszahlen nicht erreicht werden würden, vor allem, weil nach dem A 380 auf dem Markt erschienene Flugzeuge  weniger Betriebskosten verursachen. Folglich wurden die Fertigungsraten immer wieder herabgesetzt, doch nun ist der Zeitpunkt erreicht, wo die Kostenbremse greifen muss und das Ende der Produktion angeordnet wird.

Mittlerweile sind rund 230 dieser Riesenvögel, die bis zu 850 Passagiere transportieren könnten, im Einsatz, doch ist der Absatz so stockend geworden, dass 2021 der letzte Airbus A380 ausgeliefert werden wird. Damit werden auch die Anlieferungen von Teilen für diese Riesenflugzeug in Pauillac und deren Umladung auf Flussschiffe beendet werden ebenso wie die meist spektakulären Durchfahrten der Transportschiffe unter dem Pont de pierre in Bordeaux.

(P. Rabiller: A 380 : l’histoire d’un atterrissage forcé, in: SUDOUEST, 15. 02. 2019)

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Bildstörungen

Im nördlichen Médoc gibt es viele Fernsehnutzer, die aus verschiedenen Gründen ihre Programme über Antenne empfangen. So richtig zufrieden ist man damit z. B. in Lesparre aber eher selten, denn bei Sturm oder stärkerem Regen fallen immer wieder bestimmte Programme aus. Die Zuschauer in Lesparre werden von einem Sendemast bei Saint-Germain d’Esteuil versorgt, bei dem es offenbar ungelöste technische Probleme gibt. Zuständig für den Betrieb dieser Senderanlage ist die Agence nationale des fréquences radio (ANFR). Die Stadtverwaltung von Lesparre weist immer wieder per Telefon oder Schreiben auf Störungen und Unzulänglichkeiten hin, doch folgt darauf keine wirkliche Prolembehebung. Für ein paar Tage geht es besser, danach fallen wieder mehr und mehr Programme aus. Die Verantwortlichen in der Mairie von Lesparre sind inzwischen mehr als unzufreiden, aber geholfen hat das noch nicht. Jetzt empfihelt man allen Fernsehnutzern, ihre Beschwerden direkt an die AFNR zu richten. Eine Garantie, dass damit die Probleme gelöst werden, ist das aber wohl nicht.

(J. Lestage: TNT : des problèmes de réception qui exaspèrentin: SUDOUEST, 12. 02. 2019)

 

Abschied von Bordeaux

Alain Juppé, mit Unterbrechungen seit 1995 Bürgermeister von Bordeaux, legt sein Amt nieder, um in den Conseil constutionnel aufzusteigen, der in etwa dem deutschen Bundesverfassungsgericht entspricht. Diese von der Öffentlichkeit mit Überraschung aufgenommene Nachricht, verbreitete sich am Nachmittag des 13. Februar wie ein Lauffeuer und löste eine Reihe von Spekulationen, Fragen und Überlegungen aus. Für Juppé ist die Berufung in dieses Gremium eine Anerkennung seiner Lebensleistung, deren Berechtigung allgemein akzeptiert wird, auch wenn seine politische Karriere nicht frei von Brüchen war. Er war nicht nur Bürgermeister von Bordeaux und Präsident des Gemeindeverbandes Bordeaux, sondern Premierminister, zweimal Außenminister und Verteidigungsminister, kehrte danach aber wieder in sein Amt in Bordeaux zurück und hinterließ mit der von ihm initiierten Umgestaltung des Stadtbildes namentlich im Hafenbereich Spuren, die ihn überdauern werden. Für Bordeaux ergibt  sich nach dem Weggang von Juppé die Frage der Nachfolge, die in den nächsten Wochen geklärt werden muss. Bis dahin erfüllt Juppé seine Verpflichtungen als Bürgermeister, auch wenn alle wissen, dass er bald drauf der Stadt den Rücken kehren wird.

(J. Desport / B. Dive: Juppé, les coulisses de son départ de Bordeaux, in: SUDOUEST, 14. 02. 2019)

 

Absage des Bordeaux-Marathons?

Der Maire de Bordeaux, Alain Juppé, ließ auf einer Pressekonferenz, auf der noch nicht von seinem Abschied die Rede war, erkennen, dass er in großer Sorge sei wegen des für Samstag, 27. April 2019, geplanten Bordeaux-Marathons. Er befürchte chaotische Zustände, wenn dann noch Demonstrationen der Gilets jaunes stattfänden. Man wisse zwar nicht, ob das noch der Fall sein werde, aber man müsse wohl oder übel mit dieser Eventualität rechnen und die Planungen darauf abstellen. Juppé ließ erkennen, dass die Stadtverwaltung derzeit zwei Optionen prüfe. Entweder werde der Marathon für dieses Jahr komplett abgesagt oder er werde auf den Sonntag nach dem ursprünglich geplanten Termin verlegt. Es gebe, so verlautete es aus der Stadtverwaltung,  in dieser Frage noch keine Entscheidung, doch stehe außer Frage, wer für diese Problematik verantwortlich sei.

(Alain Juppé envisage d’ajourner le marathon, in: SUDOUEST, 12. 02. 2019)

 

Wasserstoffzüge im Médoc?

Schon seit geraumer Zei müht sich der LREM-Abgeordnete B. Simian, die Bahnlinie Bordeaux-Le Verdon in Schwung zu bringen. Dafür schlägt er vor, Brennstoffzellenzüge einzusetzen, die auf die marode Oberleitung dieser Strecke verzichten würden, die ansonsten für über 40 Millionen Euro saniert werden müsste. Auch auf den bislang noch von Dieselfahrzeugen befahrenen anderen Stecken der Nouvelle-Aquitaine (rund 2.200km von insgesamt 3.500 km) könnten die Wasserstoffzüge zum Einsatz kommen. Sie hätten den Vorteil, dass bei ihrem Betrieb keine Abgase entstünden und dass an den bestehenden Stecken keine kostspieligen Investitionen vorgenommen werden müssten.

Dabei sind bereits in Niedersachsen und in den Niederlanden Wasserstoffzüge aus französischer Produktion im Einsatz, zur Zufriedenheit der Betreiber, wie man hört. Die 14 in Niedersachsen eingesetzten Züge haben 81 Millionen Euro gekostet, dazu kam eine von der Bundesregierung finanzierte Servicestation, an der die Wasserstoffzüge betankt werden. Danach haben sie eine Reichweite von 600 km. Die SNCF beobachtet aufmerksam die Ergebnisse, die aus Niedersachsen übermittelt werden, doch ist wegen der Kosten mit einem schnellen Einsatz in Frankreich nicht zu rechnen. Außerdem sind Wasserstoffzüge zwar im Betrieb umweltfreundlich, aber der dafür benötigte Wasserstoff muss erst einmal erzeugt werden. Und dafür wird Energie benötigt, die nur dann ohne Umweltbelastung auskäme, wenn sie z.B. aus Windkraft- oder Photovoltaikanlagen käme.

(J.-D. Renard: Le train à hydrogène entrera-t-il en gare ? in: SUDOUEST, 12. 02. 2019)

 

Wintergäste

Man wüsste gern, wie viele Enten, Reiher und Kormorane ihren Winter im 265 ha großen Naturschutzgebiet von Bruges bei Bordeaux verbringen, aber ganz genau kann das niemand sagen. Sicher ist jedoch, dass rund 40 Vogelarten Gefallen daran finden, ihren Flug in die Winterquartiere hier zu beenden und darauf zu warten, dass sie den Rückweg in ihre sommerlichen Brutgebiete antreten können. Und sicher ist auch, dass die Zahl der überwinternden Vögel in diesem Naturschutzgebiet über 5.000 liegt. Dieses Zahlen wurden von den Mitarbeitern der Naturschutzbehörde ermittelt, die dort, ausgerüstet mit leistungsfähigen Ferngläsern immer wieder Zählungen durchführen, bei denen sich herausstellt, dass das Naturschutzgebiet bei Bruges offenbar eine gute Adresse bei Vögeln ist, die ein  Winterquartier suchen. Bei den Krickenten hat man festgestellt, das ihre Zahl von Winter zu Winter stark variiert, wobei man inzwischen herausgefunden hat, dass dies von der Stärke der Wintereinbrüche im Norden Europas abhängt. Dabei weiß man inzwischen, dass die Vögel nicht von den Minusgraden in ihren Quartieren vertrieben werden, sondern von den Schwierigkeiten, dann Nahrung zu finden. Das lässt sich zum Beispiel gut bei den Störchen zeigen, die mehr und mehr darauf verzichten, die Winter in Afrika zu verbringen, sondern schon früher Station machen, weil sie damit weniger lange Wege zurücklegen müssen, um in ihre sommerlichen Brutgebiete zu gelangen. Während der Winterzeit werden in dem Naturschutzgebiet von  Bruges regelmäßig Führungen für Interessierte angeboten, die nächste am 17. Februar von 9.00 bis 12.00h. Anmeldungen : Tel. 05 56 57 09 89.

(Cr. Morice: Ces oiseaux passent l’hiver chez nous, in: SUDOUEST, 11. 02. 2019)

 

 

Rosé auf dem Vormarsch

Für viele Menschen ist Bordeaux in erster Linie eine Herkunftsbezeichnung für Rotweine. Seit einiger Zeit ist da jedoch einiges in Bewegung geraten, denn die roten Bordeauxweine sind dabei, ihre einst unangefochten dominierende Stellung langsam zu verlieren. Der Prozess, der derzeit zu beobachten ist, geht zwar nur in kleinen Schritten voran, aber es ist unverkennbar, dass die Verbauchergewohnheiten beim Wein einem Wandel ausgesetzt sind. Das ist in den letzten Jahren, als viele Weinbaubetriebe fasziniert auf den Export, und hier in erster Linie nach China, geblickt haben, nicht so recht wahrgenommen worden. Tatsächlich werden aber immer noch 56% der in Frankreich abgefüllten Weinflaschen  im Herkunftsland abgesetzt und verbraucht. Dabei zeigte sich jedoch, dass der Rotweinabsatz im Departement Gironde strukturell auf dem Rückzug ist. Zwar sind im Bordelais immer noch 85% der erzeugten Weine rot, doch haben sich die Vorlieben der Verbaucher verschoben in Richtung auf leichtere und fruchtigere Weine mit weniger Taninnen. Und diese Verschiebung kommt den Roséweinen zugute, die seit Jahren auf dem Vormarsch sind und in den letzten 25 Jahren ihren Marktanteil verdoppelt haben. Gleichzeitg mit dieser Entwicklung ist festgestellt worden, dass der jährliche Pro-Kopf-Verbauch an Wein deutlich gesunken ist. Heutzutage nimmt ein Durschnittsfranzose pro Jahr 45 Liter Wein zu sich, vor dreißig Jahren waren es noch 72 Liter.

Das mit Abstand bedeutendste Anbaugebiet für Rotweine in Frankreich ist das Bordelais, wo 2015 insgesamt 1,082 Millionen Hektoliter erzeugt wurden. Danach folgt das Rhônetal mit 0,7 Millionen Hektolitern. Die übrigen Appelations folgen mit Abstand: Bergerac und Umgebung (0,362 Mio hl), Languedoc-Roussillon (0,3 Mio hl, Vallée de la Loire (0,144 Mio hl, Beaujolais (0,111 Mio hl) und Bourgogne (0,082 Mio hl).

(C. Compadre: Face aux ventes de rosé, le vin rouge trinque, in: SUDOUEST, 09. 02., 2019)

 

Erfolge für TGV

Voll Stolz gab die Verwaltung der SNCF an, dass man im letzten Jahr 18,1 Millionen Passagiere auf den Höchstgeschwindigkeitzügen zwischen Paris und Bordeaux gezählt habe. Damit sind die Erwartungen, die auf 4 Millionen zusätzlicher Passagiere nach der Eröffnung dieser Linie gehofft hatten, deutlich übertroffen worden. Alles in allem konnte man zusätzliche 5,5 Millionen Passagiere zwischen Paris und Bordeaux registrieren. Dabei profitierte jeder dritte Reisende von Sonderangeboten wie Ouigo. Mit dieser Entwicklung einher ging eine Abwanderung von Fluggästen der Relation Paris-Bordeaux in Richtung Schiene. Der Flughafen Mérignac zählte 19% weniger Fluggäste mit dem Ziel oder dem Herkunftstort Paris, doch bleiben die damit unter den Kalkulationen der SNCF. Trotz des für die Bahn erfreulichen Gesamtbildes ist die Stecke Paris-Bordeaux noch in den roten Zahlen, mit ca. 30 Millionen Euro pro Jahr, allerdings weit weniger als die früher angesetzte Zahl von 300 Millionen. Rundum zufrieden ist hingegen der Maire von Bordeaux, Alain Juppé, für den die neue Schnellverbindung viele neue Anreize für die Entwicklung der Region um  Bordeaux gebracht hat.

(N. César: LGV Bordeaux-Paris : un succès, mais qui ne ruisselle pas, in: SUDOUEST, 08. 02. 2019)

 

 

Gilets jaunes, Akt XIII

Während am 13. Aktionstag der Gilets jaunes frankreichweit die Teilnehmerzahlen deutlich zurückgegangen sind gegenüber dem vorigen Samstag, ist in Bordeaux ein Anstieg der Demonstranten auf rund 5.000 zu verzeichnen gewesen (nach 4.000 vor einer Woche). Damit hat sich Bordeaux wohl oder über den Titel einer Art bastion des gilets jaunes geholt, was für viele Bewohner der Stadt kein Grund zur Zufriedenheit sein dürfte. Auch an diesem Samstag begannen die Demonstrationen in Bordeaux friedlich, aber sie blieben es nicht. Nachdem der Zug der Gilets jaunes sich an der Place de la Bourse formiert hatte, zog er wieder Richtung Kathedrale Saint-André, wo gegen 17.00h von Vermummten Wurfgeschosse gegen die Polizeikräfte geschleudert wurden, die daraufhin Wasserwerfer einsetzten und mit Tränengas antworteten. Gegen 17.45 h wurde die Place Pey Berland an der Kathedrale geräumt, doch gingen die Gewalttätigkeiten in Nebenstraßen weiter, wo zwei Autos in Flammen aufgingen. Gegen 19.00 h hatte sich der harte Kern der Demonstranten auf rund 100 reduziert, die von den Ordnungskräften nicht aus den Augen gelassen wurden, bevor sie sich dann zerstreuten,

(X. Sota: Gilets jaunes à Bordeaux : 5 000 manifestants, des incidents en fin de cortège, in SUDOUEST, 09. 02. 2019, 20.02h, Internet-Ausag.)

 

Erstaunlich oder beruhigend?

Wenn am kommenden Sonntag eine neuer Präsident in Frankreich gewählt würde, hieße nach den Ergebnissen der letzten Umfragen der neue Amtsinhaber so wie der alte, nämlich Emmanuel Macron. Er würde sich im zweiten Wahlgang mit 65% der Stimmen vor Marine Le Pen durchsetzen, für die 44% der Voten abgegeben würden. Im ersten Wahlgang käme E. Macron auf 30%, vor Marine Le Pen mit 27%, Jean-Luc Mélenchon mit 12%, gefolgt von anderen, die mit Abstand dahinter blieben. Unerwartet wäre bei den Ergebnissen, dass E. Macron im ersten Durchgang mit 30% besser abschnitte als bei der Wahl 2017, als der den ersten Platz mit 24% der Stimmen erreichte.

(Le Figaro.fr avec Reuters: Macron réélu si la présidentielle avait lieu dimanche, in: Le Figaro, 08. 02. 2019, 14.34h, -Ausg.))

 

Trendwende

Die Vermarktung von Musik im weitesten Sinne ist auch in Frankreich ein mächtiger Wirtschaftszweig. Bislang dominierten dabei die Verkäufe von Tonträgern, in letzter Zeit hauptsächlich CD und Vinyl-Platten. Das Jahr 2018 hat allerdings ein Ereignis erlebt, das zwar erwartet, nun aber doch etwas überraschend eingetreten ist: Erstmals haben die Umsätze, die aus dem Herunterladen von Musiktiteln aus dem Internet resultieren; die Zahlen übertroffen, die beim Verkauf der bisher führenden CD beziehungsweise Vinyl-Platten entstanden sind. Noch ist der Vorsprung der Verkaufsergebnisse beim Herunterladen klein, aber die Marktexperten gehen davon aus, dass der Trend sich fortsetzen wird und dass der Absatz von CD weiterhin schrumpfen wird. Dabei wurde das Marktgeschehen stark vom Verhalten der 16-24jährigen bestimmt, für die der Zugang zu Musik bevorzugt über das Smartphone geht. Und damit einher geht eine Verstärkung des Umsatzes von oft kurzlebiger Popmusik und eine Abkehr von dem, was wenig scharf umrissen als klassische Musik bezeichnet wird.

(C: Jonathan: Musique : cette fois, le disque a perdu la bataille, in: SUDOUEST, 07. 02. 219, Abend-Ausg.)

 

Rafale für Katar

Bordeaux ist nicht nur eine Stadt mit zahlreichen touristischen Anziehungspunkten, es ist auch Sitz einiger weltweit operierender Firmen der Hochtechnologie. Dazu zählt der Flugzeughersteller Dassault, der neben einer Produktreihe von leistungsfähigen Geschäftsflugzeugen das Kampfflugzeug Rafale produziert, dessen Montage in Bordeaux-Mérignac erfolgt. Kürzlich wurde die erste für einen ausländischen Abnehmer bestimmte  Rafale in einem Festakt an die Luftwaffe von Katar übergeben, das insgesamt 36 Rafale geordert hat. Davon sollen 21 Maschinen in 2019 ausgeliefert werden, die letzten dann 2022. Der milliardenschwere Auftrag kommt nicht zuletzt der Fertigungsstätte in Mérignac zugute, wo ein großer Teil der im Südwesten tätigen 3.000 Beschäftigten von Dassault arbeitet.

Trotz ihrer militärischen Qualitäten haben es die Rafale bislang auf den internationalen Märkten schwer gehabt. Erst seit 2015 bestehen Lieferverträge in das Ausland. Neben den Abnehmern aus Katar werden 24 Flugzeuge dieses Typs nach Ägypten gehen. 36 weitere werden an Indien geliefert. Bei Dassault geht man davon aus, dass weitere Verträge folgen werden, so dass die Fertigungsstraßen der Rafale in Mérignac für die nächsten zehn Jahre ausgelastet sein werden.

(N. César: Le Qatar reçoit son premier Rafale à Bordeaux, in: SUDOUEST, 07. 02. 2019)

Bilder der Rafale:Klick

Umfragwerte

Die Meinung der Franzosen über ihren Staatspräsidenten hat nach einem Tief im Dezember 2018 ins Positive gedreht, recht deutlich sogar. Anfang Februar 2019 waren 34% der Franzosen mit ihm zufrieden, etwas mehr sogar als vor der Krise der Gilets jaunes, als er auf 33% kam. Nach dem Tief von 23% im Dezember hatte er im Januar 5% dazu gewonnen und 6% im Februar. Gleichwohl werden die Politik und das Verhalten von Emmanuel Macron kritisch gesehen. 74% der Franzosen meinen, er habe zu viel Distanz zu den Problemen der einfachen Leute, 67% sind mit seiner Wirtschaftspolitik unzufrieden. 60% der Befragten meinen, er habe zu wenig für die Erneuerung des Präsidentenamtes getan. Positiv bewerten die Franzosen hingegen die Außenpolitik, von der 54% der Befragten denken, dass sie die Interessen Frankreichs gut vertrete.

(La cote de Macron remonte de 6 points, in: SUDOUEST, 06. 02. 2019)

 

 

Wein für Japan

Für die französischen Weinexporteure gibt es derzeit nicht viel gute Nachrichten. Der Brexit droht, in China hat das Wachstum abgebremst und die USA zündeln mit Handelskriegen. Da kommt das soeben abgeschlossene Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Japan äußerst gelegen, denn dadurch werden Weinexporte nach Japan nicht mehr mit Zöllen belegt. Dadurch werden französische und andere aus der EU kommende Weine um 15% billiger, was ihre Stellung auf dem japanischen Markt, wo sie der Konkurrenz aus außereuropäischen Anbieterländern ausgesetzt sind, deutlich verbessert. Demnächst sollen ähnliche Vereinbarungen mit Südkorea und Vietnam abgeschlossen werden. Die französischen Exporteure erwarten, dass ihre Umsätze in Japan danach deutlich zulegen werden. Im letzten Jahr haben sie Wein für 502 Millionen Euro nach Japan geliefert, das auf dem siebten Platz der Länder liegt, in die Wein aus Frankreich exportiert wird. Dabei nimmt Frankreich den ersten Platz der Weinexporteure aus der EU nach Japan ein, alle anderen EU-Länder haben zusammengenommen etwas weniger Wein nach Japan exportiert als Frankreich allein.

(C. Compadre. Le Japon ouvre grand son marché, in: SUDOUEST, 05. 02. 2019)

Kommt ein Referendum?

Das Journal du Dimanche, dem nachgesagt wird, dass es manchmal das Gras wachsen hört, dabei aber oft gut informiert ist über das, was in Regierungskreisen aktuell ist, will erfahren haben, dass erste Vorbereitungen für ein Referendum getroffen worden sind, das unter Umständen zeitgleich mit den Wahlen zum EU-Parlament im Mai stattfinden könnte. Nach Ansicht gut informierter Kreise könnten in diesem Referendum mehrere Fragen gestellt werden, die z.B. auf die in letzter Zeit häufiger geforderte Reduzierung der Zahl der Abgeordneten der Nationalversammlung bezogen sein könnte. Denkbar erscheint auch, dass abgestimmt wird über die Zulässigkeit der Kumulierung von Ämtern oder die Gewichtung des Vote blanc bei Wahlen. Noch ist nichts entschieden, aber denkbar wäre es schon, dass Staatspräsident Macron den Weg eines Referendums beschreitet, um damit die politischen Verhältnisse in Frankreich wieder zurecht zu rücken, indem sichtbar gemacht würde, dass die überlaut zu hörenden Forderungen der Gilets jaunes und ihrer Sympathisanten nur von einer Minderheit der Franzosen geteilt werden.

(Sudouest.fr: Grand débat et gilets jaunes : Emmanuel Macron songerait à organiser un référendum, i SUDOUEST, 03. 02. 2019, 14.56h, Internet-Ausg.)

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Kaninchenplage

Der Stadtpark von Bordeaux ist ein Ort, der viele Besucher anzieht, darunter auch solche, die nicht gern gesehen werden, z. B. Kaninchen. davon gibt es mittlerweile rund 3.000. Früher schätzte man ihre Zahl auf rund 1.000. Die richteten auch schon einige Schäden an, aber verglichen mit den gegenwärtigen Zuständen war das noch erträglich. Ärgerlich ist, dass die kleinen Nager so ziemlich alles anfressen, was in ihre Reichweite kommt und dass sie den Untergrund durch ihre Baue massiv destabilisieren, so dass Spaziergänger und Jogger immer wieder einsinken und sich dabei Verletzung zuziehen. Besonders ärgerlich erscheint es, dass die Kaninchen seit einiger Zeit die Rinde älterer Bäume anfressen und deren Existenz damit gefährden. Zwei derartige geschädigte große Bäume gelten inzwischen als verloren. Die Verwaltung des Parks sieht sich in einer Notwehrsituation und überlegt, wie man der Kaninchen auf möglichst natürliche Weise Herr werden kann. Nach längerem Überlegen hat man sich entschlossen, mit Frettchen auf die Kaninchen Jagd zu machen. Dazu wird der Park im Abstand von einigen Tagen an zehn Tagen für das Publikum geschlossen, damit die Frettchen bei der Jagd möglichst wenig gestört werden. Man hofft, dass das Kaninchenproblem damit gelöst werden kann, sicher ist man nicht.

(Aude Boilley: Des furets contre la prolifération des lapins, in: SUDOUEST, 28. 01. 2019

 

Gilets jaunes, Akt XII

Der 12. Aktionstag der Gilets jaunes hat am Samstag, 2. Februar 2019, in Frankreich wieder Zehntausende Demonstranten mobilisiert. Schwerpunkte waren einmal mehr Paris, Toulouse, Nantes und Bordeaux. Nach Angaben der Behörden wurden 58.600 Demonstranten gezählt, etwas weniger als an den vergangenen Samstagen. Als Besonderheit wurden diesmal die Verletzungen, die Demonstrationsteilnehmer durch den Einsatz der Ordnungskräfte erlitten haben, thematisiert, wobei besonders der Einsatz von Hartgummigeschossen durch die Polizei attackiert wurde. Dabei war offenbar an der Wahrnehmung der Demonstranten vorbeigegangen, dass der Conseil d’État den Einsatz dieser und anderer Waffen als zulässig erklärt hatte, wenn Polizeikräfte angegriffen werden und sich nur mit diesen Waffen verteidigen können. Nicht überraschend, dass in einem emotional aufgeheizten Klima bei den Gilets jaunes niemand den Versuch machte, zu erklären, wie die Ordnungskräfte sich gegen die gewalttätigen Attacken radikalisierter Demonstranten zur Wehr setzen könnten ohne ihrerseits zu Zwangsmaßnahmen zu greifen.

Im Verlauf der Demonstrationen des 2. Februar gab es wieder eine Reihe von gewaltsamen Aktionen, die von Demonstranten ausgingen. In Bordeaux wurden etwa 4.000 Gilets jaunes gezählt, mithin etwas weniger als am letzten Samstag, doch waren die gewaltbereiten Casseurs wieder zur Stelle, die Wurfgeschosse gegen die Ordnungskräfte schleuderten und damit den Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern provozierten. Schließlich ging auf dem Cours d’Alsace-Lorraine erneut ein Auto in Flammen auf.

(Le 12e samedi des «Gilets jaunes» a rassemblé des dizaines de milliers de personnes, in: Le Figaro, 02. 02. 2019, 21.Internet-Ausg.)

 

Januar 2019

 

Autobahnmaut

Mit unschöner Regelmäßigkeit heben alljährlich zum 1. Februar die Betreibergesellschaften der Autobahnen in Frankreich die Höhe der Autobahngebühren an. Das geschieht nach einem für Außenstehende schwer nachvollziehbaren Verfahren, das, soviel ist sicher, den Unternehmen, die die Gebühren einkassieren, satte Gewinne beschert. 

Die vertragliche Grundlage für die Festsetzung der Mauthöhe wurde 2006 geschaffen, als ein großer Teil des französischen Autobahnnetzes vom Staat an private Betreiber verkauft wurde. Die damals von den Erwerbern der Rechte für die wirtschaftliche Nutzung der Autobahnen gezahlte Summe von 14,8 Milliarden Euro hat sich als überaus lukratives Investment erwiesen, denn die Gewinne aus den Mauteinnahmen haben sich so entwickelt, dass sie, nach Strecken unterschiedlich, mehr oder weniger deutlich über der Inflationsrate liegen. 2016 legten die Mautgebühren um 1,2% zu, 2017 waren es 0,9%, 2018 1,5% und 2019 1,8%. Autofahrer und Politiker ärgern sich je nach Temperament kräftig oder still über diese Situation, aber die Betreibergesellschaften haben ihre 2006 unterschriebenen Verträge, die ihnen das Recht zur Gebührenerhöhung zuerkennen, wenn sie dies begründen können. Das gelingt nahezu mühelos, da Transparenz in diesem Bereich kaum herzustellen ist. In den letzten drei Jahren konnten die Betreiber an ihre Aktionäre Dividenden in Höhe von 10 Milliarden Euro ausschütten und damit ein betriebswirtschaftliches Ergebnis erzielen, das seinesgleichen sucht. Allein 2017 haben die sieben Gesellschaften, die 90% des in privater Trägerschaft befindlichen Autobahnnetzes verwalten, einen Reingewinn 2,8 Milliarden Euro verbucht.

Im Vorfeld der diesjährigen Gebührenerhöhung hat die Transportministerin versucht, die Betreiber zu einer maßvollen Preisgestaltung zu bewegen, doch hatte sie damit nur einen partiellen Erfolg, der darin bestand, dass der Gruppe der Autobahnnutzer, die bestimmte Stecken regelmäßig auf dem Weg zur Arbeitsstelle und zurück befahren, eine Tarifermäßigung eingeräumt wurde, die die Bilanzen der Betreibergesellschaften jedoch nicht beeinträchtigt. Immer wieder aufkommende Forderungen, die Privatisierung der Autobahnen rückgängig zu machen, scheitern am Geld, denn ein Rückkauf durch den Staat würde nach überschlägigen Schätzungen zwischen 30 und 40 Milliarden Euro erfordern. Und die sind in den Kassen des französischen Staates nirgendwo aufzutreiben.

(D. Richard: Des autoroutes toujours plus chères, in: SUDOUEST, 01. 02. 2019

 

 

Winterschlaf

Claveria und Sorita, die beiden Bärinnen, die im Oktober trotz massiver Proteste einer Gruppe von Bärengegnern in den Pyrenäen ausgesetzt worden sind, haben sich offenbar gut eingelebt und ihre jeweils rund 100 km² großen Reviere in Besitz genommen. Inzwischen haben sie sich, wie das Office national de la chasse et de la faune sauvage (ONCFS) mitteilt, zur Winterruhe begeben. Sie haben sich bei der Wahl ihrer Höhlen Zeit gelassen. Sorita hat sich ein Lager im französischen Teil der Pyrenäen gesucht, Claverina wird den Winter im spanischen Aragon verschlafen. Beide tragen Senderhalsbänder, die zur Zeit keine Ortsveränderungen melden. Bei beiden wird gehofft, dass sie im Frühjahr Nachwuchs bekommen werden, aber bislang sind das nur Hoffnungen. Genaueres wird man erst in den nächsten Monaten wissen. Die Koordinaten der Winterschlafhöhlen der beiden Bärinnen werden geheim gehalten, weil immer noch befürchtet wird, dass die Bärengegner Aktionen unternehmen könnten, die den Bärinnen schaden.

(Les ourses dorment enfin, in: SUDOUEST, 29. 01. 2019)

 

Nach Sturm Gabriel

Der als erster schwerer Wintersturm angekündigte Sturm Gabriel ist über Frankreich hinweggegangen, und er hat im Südwesten wenig Unheil angerichtet. Zwar erreichte er in Böen Windgeschwindigkeiten von 130 km/h und an der Küste gab es Wellen von rekordverdächtigen 12,9 m Höhe vor Cap Ferret, doch alles in allem hielten sich, namentlich im Médoc,  die Schäden in Grenzen. Immerhin waren im Südwesten Frankreichs zeitweise rund 20.000 Haushalte ohne Strom, davon 1.500 im Departement Gironde. Einige  Bäume wurden entwurzelt und umgestürzt, Äste brachen ab, aber die Wälder blieben, anders als bei früheren Stürmen  intakt.

(Sudoeust fr. avec AFP: Après la tempête Gabriel : le point dans les départements du Sud-Ouest, in: SUDOUEST, 30. 01. 2019, Internet-Ausg.)

 

 

Schwerer Wintersturm

Für die Nachmittags- und frühen Abendstunden des 29. Januar haben die Meteorologen für die Westküste Frankreichs einen starken Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis zu 130 km/h in Böen bei Wellenhöhen bis zu 10 m vorausgesagt. Der Sturm, dem der Name Gabriel gegeben wurde, wird die Küsten des Médoc am Dienstag vornehmlich in der Zeit zwischen 18.00h und 21.00h treffen. Die Meteorologen von Météo France haben für das Departement Gironde Alarmstufe orange ausgegeben und damit zum Ausdruck gebracht, dass der kommende Sturm die Küsten mit besonderer Wucht treffen wird. In Bordeaux werden Windgeschwindigkeiten von 90 km/h mit Böen bis zu 115 km/h erwartet. Während der von Météo France verhängten Alarmstufe orange ist die Geschwindigkeit für alle Kraftsfahrzeuge auf allen Straßen des Vorhersagegebiets auf 80 km/h begrenzt. Für Lkw von über 7,5 t und für Busse gilt eine generelles Überholverbot.

Die Fähren zwischen Royan und Le Verdon und zwischen Blaye und Lamarque verkehren während der Stunden nicht, in denen der Sturm besonders aktiv ist.

(C. De. Vidéo. Tempête en Gironde : vents à 130 km/h, vagues submersives et vitesse à 80, in: SUDOUEST, 29. 01. 2019, 16. 28h. Internet-Ausg.)

 
 

Anfang 2018  gab es in Europa rund 22.000 grenzüberschreitende Patenschaften zwischen Gemeinden. Davon entfielen 2.200 auf deutsch-französische Partnerschaften. Die erste davon wurde schon 1950 zwischen Ludwigsburg und Montbéliard abgeschlossen. Dieses Art der Beziehungen zwischen Städten unterschiedlicher Nationalität findet bei rund 75% der Befragten eine uneingeschränkte Zustimmung. An der Spitze der Begegnungen stehen mit 72% Besuche anlässlich lokaler Feste oder ähnlicher Ereignisse, gefolgt von Schüleraustauschen mit 62% und Sportereignissen (bei 40%). Die altersmäßige Zuordnung der Teilnehmer an derartigen Veranstaltung ergibt, dass über 40% der Gruppe der über 60jährigen angehört, 37% gehören zu den 30 bis 60jährigen, während die weniger als 30jährigen 23% ausmachen. Bei den bis 1990 vereinbarten Partnerschaften dominierte die Zufriedenheit über die deutsch-französische Aussöhnung nach den Kriegen, während mit zunehmendem Abstand von diesen Ereignissen inzwischen bei den Entscheidungen für die Anbahnung von Städtepartnerschaften das Interesse an der Ausweitung des Blickfeldes und der Gewinn von Einsichten und Anregungen dominiert.

Im Verbreitungsgebiet des SUDOUEST wurden mehr als 600 Partnerschaften mit Orten in 44 Ländern gezählt. An der Spitze stehen dabei Verbindungen zwischen französischen und spanischen Städten (169), gefolgt von französisch-deutschen jumelages (117) und mit Abstand zwischen Italien und Frankreich (67). Auf diese drei Länder entfallen 59% der Städtepartnerschaften, die übrigen  41% verteilen sich auf 41 Länder. Eine besonders fruchtbare Zeit für die Vereinbarung von Städtepartnerschaften waren die 80er und 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, in denen 360 der bestehenden Verbindungen vereinbart wurden. Danach ließ zwar die Intensität bei den Neuabschlüssen nach, doch vergrößerte sich die Gesamtzahl der Partnerschaften weiter.

(https://www.dfi.de/pdf-Dateien/Staedtepartnerschaft/CP_Sondage%20jumelages%20fr-all_FINAL.pdf

und: A. Tinel: SE JUMELER POUR MIEUX SE CONNAÎTRE, in MAGSO, 26. 01. 2019)

 

 

Abgeräumt

Seit 2014 gab es Streit in einem Waldgebiet auf dem Boden der Gemeinde Lacanau. Auslöser war ein luxuriöser Bau von 500 m² Wohnfläche, den der Unternehmer Bernard Decons, seines Zeichens Inhaber eines bemerkenswert großen Eisenhandels in Le Pian-Médoc hatte errichten lassen. Da der Bau in einem mehrfach geschützten Waldgebiet lag und er ohne Baugenehmigung errichtet worden war, forderte der Bürgermeister von Lacanau seinen sofortigen Abriss. Der erfolgte nicht. Stattdessen ließ Decons eine Riege hochkarätiger Anwälte antreten, die den Versuch unternahmen, den Bau zu retten. Sie führten an, der Neubau sei lediglich der etwas erweiterte, ansonsten aber identische Wiederaufbau einer Jagdhütte, die dort einst gestanden hatte. Das Gericht nahm angesichts der Größe des Neubaus diese Argumentation leicht belustigt zur Kenntnis, gab aber ansonsten der klagenden Kommune Lacanau recht. Als alle Rechtsmittel erschöpft waren, rückten schließlich die Bagger an und räumten das luxuriöse Jägerdomizil ab. Mittlerweile sieht man dort, wo bis vor kurzem noch der ungenehmigte Bau gestanden hatte, eine rückstandsfrei abgeräumte weiße Sandfläche. Der einstige Besitzer des Jägerrefugiums, Bernard Decons, hat das nicht mehr erleben müssen, er verstarb während der juristischen Streitereien.

(J. Lestage: La villa illégale de Decons a été rasée, in: SUDOUEST, 25. 01. 2019)

 

 

Soulac 1900, Auflage 2019

Vom 31. Mai bis zum 2. Juni 2019 wird die 16. Auflage von Soulac 1900 wieder viel Publikum in die Badestation im nördlichen Médoc locken. Der thematische Schwerpunkt dieses Jahres wird der Jazz sein und man darf darauf gefasst sein, auf allen Straßen und Plätzen kleinere und größere Bands in Aktion zu erleben. Wer will, wird in ein Riesenrad Modell 1900 steigen können, um von oben herab das festliche Treiben zu begutachten. Weiterhin wird es Kinderkarussells aus der vermeintlich guten alten Zeit geben, urtümliche Fahrräder werden in Betrieb zu sehen sein und nicht zuletzt ehrwürdige alte Autos, deren betagteste Modelle aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg stammen. Im Publikum werden wieder viele zeitgemäß gekleidete Gestalten zu sehen sein, die teils ihre eigene Garderobe zeigen, teils auch geliehene, die über die Veranstalter erhältlich ist. Für die Anreise wird wieder ein Dampfzug aus Bordeaux heranschnaufen, der wie in früheren Jahren den Auftakt für die diesjährige Ausgabe von Soulac 1900 geben wird.

( https://www.medoc-atlantique.com/agenda/soulac-1900-1051542 )

 

 

Schönheitskur

Das alte Zentrum von Pauillac um die Kirche herum ist im Laufe der Jahre so unansehnlich geworden, dass die Stadtverwaltung sich genötigt sah, etwas zu unternehmen. Man plante ein neues Zentrum, stellte dabei jedoch fest, dass einige alte Gebäude im Wege standen. Folglich wurde beschlossen, diese Häuser aufzukaufen und sie abzureißen. Diese Arbeiten laufen zur Zeit im zweiten von geplanten drei Akten der Sanierung des Zentrums. Mit dem Abschluss dieser Arbeiten wird für Juni 2019 gerechnet. Dann soll, ausgehend von den Kais, eine neue repräsentative Achse von der Gironde zur Kirche führen, in die zwei neugestaltete kleine Plätze eingefügt werden, auf denen ein Miroir d’eau und ein Brunnen errichtet werden sollen. Neu angelegt werden sollen auch zwei Parkplätze. Weiter sollen in einem renovierungsfähigen Gebäude nahe der Kirche ein anspruchsvolles Restaurant und ein Hotel entstehen. Die Kosten für die zweite Ausbaustufe der Umgestaltung des Stadtzentrums von Pauillac werden 1,7 Millionen Euro betragen, die zum größten Teil aus Mitteln bestritten werden sollen, die aus staatlichen Förderprogrammen kommen, so dass die Gemeinde Pauillac nur 268.000 Euro aufbringen muss.

(J. Lestage: Pauillac veut une autre vue pour son centre-ville, in: SUDOUEST, 24. 01 2019)

Anm. d. Redaktion: Der Miroir d’eau in Pauillac wird es zwar nicht aufnehmen können mit dem in Bordeaux, ein Blick auf diesen erklärt aber besser als Worte, was ein Miroir d’eau ist: Mehr: Klick

 

 

Geldautomaten in Bordeaux

Seitdem die Gilets jaunes Samstag für Samstag durch die Straßen von Bordeaux ziehen und dabei offenbar Wert darauf legen, dass nachher zu sehen ist, wo sie langgezogen sind, wird es für die Bewohner des Innenstadtbereichs von Bordeaux zunehmend schwerer, an Bargeld zu kommen. Nach jeder Demonstration der Gilets jaunes sind Geldautomaten mehr oder weniger schwer beschädigt, einige von ihnen sogar so stark, dass sie kaum wieder instand gesetzt werden können. Für die Banken, die diese Automaten aufstellen und unterhalten, ist es eine richtig teure Angelegenheit, die Funktionsfähigkeit der Geldautomaten nach dem Durchzug der Demonstranten wieder herzustellen. Im Bereich Cours de la Marne und Place de la Victoire gibt es kaum noch einen funktionsfähigen Geldautomaten. Die Kosten, die den Banken entstehen, die die Automaten betreiben, belaufen sich für einen simplen Wechsel des Geräts auf 12.000 bis 14.000 Euro. Wenn Reparaturen durchgeführt werden, gehen die Kosten rasant in die Höhe, bis zu 50.000 Euro pro Gerät. Erstaunlich, vielleicht aber auch nicht, dass bei denen, die diese Schäden verursachen, noch niemand darüber nachgedacht hat, wer letztendlich diese und andere Schäden bezahlt, die in direktem Zusammenhang mit den Aktionstagen der Gilets jaunes stehen.

(É. Gomez: Après les manifestations à Bordeaux : retirer de l’argent en ville devient mission impossible, in: SUDOUEST, 23. 01. 2019, 8.24h, Internet-Ausg.)

 

Alle Grundstücke verkauft

Auf der letzten Sitzung des Gemeinderates  von Vendays-Montalivet am 18. Januar 2019 stand auf der Tagesordnung ein Punkt, der sich mit den jüngsten Grundstücksverkäufen der Gemeinde befasste. Dabei ging es um eine Fläche, die etwa 200 m von der Avenue de l’Océan und 800 m vom Strand entfernt liegt, mithin also eine besonders attraktive Lage. Die Gesamtfläche des Baulandes beträgt 12.356 m², für die ein Verkehrswert von 1.853.400 Euro angesetzt wurde, was einem Quadratmeterpreis von 150 Euro entspricht. Die Gesamtfläche wurde in 14 Parzellen aufgeteilt, die Größen zwischen 800 und 899 m² haben. Als die Grundstücke angeboten wurden, gab die Gemeinde bekannt, dass sie in erster Linie an Erwerber verkaufen wollte, die darauf Häuser errichten würden, die als Erstwohnsitz genutzt würden. Daraufhin gingen in kurzer Zeit mehr als 50 Gebote bei der Gemeinde ein, an die schließlich die 14 Parzellen vergeben wurden, wobei, wie dies im Verkaufsprospekt angekündigt worden war, Einwohner von Vendays-Montalivet bevorzugt wurden.

(L. Llobell: Lotissement : tous les terrains vendus, in: SUDOUEST, 23. 01. 2019)

 

Feuchtgebiete

Die Tage vom 21. Januar bis zum 3. Februar 2019 werden weltweit dem Schutz der Feuchtgebiete gewidmet. Damit soll ein Landschaftstyp in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, der oft nur wenig Beachtung findet. Das gilt auch für das Médoc, in dem große Flächen einst periodisch überschwemmt wurden, die heutzutage, wie etwa die Mattes, trockengelegt sind. Seit 2011 kümmert sich der Verein Écoacteurs en Médoc darum, durch eine Reihe von Veranstaltungen, auf die Problematik der Feuchtzonen aufmerksam zu machen, um damit für ihren Erhalt zu werben. In diesem Jahr soll besonders auf die Folgen des Klimawandels für die Feuchtzonen hingewiesen werden. Insgesamt 17 Veranstaltungen sind vorbereitet, um auf die Besonderheiten dieses Landschaftstyps hinzuführen. Im letzten Jahr gab es 14 Exkursionen, an denen 345 Interessierte teilgenommen haben. Einzelheiten zu den geplanten Terminen bietet die Internetseite des Vereins Écoacteurs en Médoc.

(M. Lemesle: Pour prendre conscience des zones à préserver, in: SUDOUEST, 23. 01. 2019)

Zur Internetseite der Écoacteurs en Médoc: Klick

 

Zigarettenverkauf

Der Verkauf von Tabakwaren hat in Frankreich im letzen Jahr um 9,3% abgenommen. Die Verkaufszahlen haben sich zwar in den letzten Jahren stetig verringert, aber der Rückgang des letzten Jahres war in seiner Größenordnung unerwartet und überraschend. Geschrumpft ist auch der Verkauf von Tabak zum Selberdrehen, da ging der Umsatz um 9,40% zurück. Die Rückgänge sind offenbar auf die Preiserhöhungen der jüngsten Vergangenheit zurückzuführen, nach denen gegenwärtig ein Päckchen Zigaretten um 10 Euro kostet. Die kontinuierliche Erhöhung der Verkaufspreise für Tabakwaren werden auch in Zukunft fortgesetzt, die Planungen dazu stehen schon für die Zeit bis November 2020 fest. Mittlerweile sind in den Verkaufspreisen für Zigaretten und Tabak Steuern in der Größenordnung von 80% enthalten, nur 8,74% gehen an Verkäufer und Hersteller. Man könnte daher erwarten, dass der Schmuggel, bei dem diese Steuern unterlaufen würden, einen erheblichen Umfang erreichen würde. Das ist jedoch nicht der Fall, nur 4% bis 5% der in Frankreich gerauchten Zigaretten stammen aus Schmuggelaktionen.

(J. Rousset: Baisse record des ventes de tabac : et si fumer, c’était vraiment terminé ? in: SUDOUEST, 17. 01. 2019)

 

Hohe Koeffizienten und starker Wellengang

Es wird ungemütlich an den Médoc-Küsten. In den kommenden Tagen sind dort hohe Koeffizienten zu erwarten (105 und 107 am Dienstag, d. 22. Januar, 108 am Mittwoch und 106 und 102 am Donnerstag), die zusammen mit einem erwarteten starken Seegang mit Wellenhöhen über 4 m und dazu einem kräftigen Wind von bis 70 km/h in Böen dem Dünengürtel an der Küste kräftig zusetzen können. Verglichen mit den Ereignissen des Winters 2013/2014 bleibt zwar alles im Rahmen, doch kann es an einigen Stellen zu begrenzten Überschwemmungen kommen.

Alles in allem haben die bisherigen Stürme des Winters 2018/2019 den Stränden noch nichts Schlimmes zugefügt, aber der Winter ist noch nicht vorbei.

(J. D. R.: Grandes marées, grosse houle et coup de vent sur la côte atlantique mardi et mercredi, in: SUDOUEST, 20. 01. 2019, 11.46g, Internet-Ausg.)

Erläuterungen zu Koeffizienten: Klick

 

Gilets jaunes, Akt X

Auch am dritten Januarsamstag zogen Gilets jaunes demonstrierend durch viele französische Städte, insgesamt mehr als 80.000, und signalisierten damit, dass sie das Dialogangebot von Präsident Macron nicht als Lösung der gegenwärtigen Probleme sehen.

in Bordeaux demonstrierten rund 4.000 Gilets jaunes, die ihren Zug an der Place de la Bourse begannen und quer durch die Stadt zur Place Pey Berland zogen, wo es dann wieder brennende Barrikaden und Zusammenstöße mit den Ordnungskräften gab.

(Sudouest.fr. und AFP: Acte X : plus de 80 000 gilets jaunes dans la rue malgré le lancement du grand débat, in SUDOUEST, 19. 01. 2019, 22.41h, Internet-Ausg.)

 

Einwohnerzahlen Grayan

Am Samstag, dem 12. Januar, hielt Serge Laporte, Bürgermeister von Grayan-et-L’Hôpital, seine Neujahrsansprache. Er verkündete dabei, dass Grayan am 1. Januar 1370 Einwohner hatte (2015 waren es 1340) und begrüßte die neuen Bürger seiner Kommune. Die drei wichtigsten Wirtschaftsbereiche der Gemeinde waren im vergangenen Jahr erneut  die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und der Tourismus, der für die Gemeindekasse am ergiebigsten ist, wobei hauptsächlich das Centre naturiste Euronat und der gemeindeeigene Campinglatz in Le Gurp beitragen. Im neuen Jahr werden die Arbeiten zur Restaurierung und zur Erweiterung der Gemeindeverwaltung in Angriff genommen, die sich über zwei Haushaltsjahre erstrecken werden. Mit besonderer Zufriedenheit verwies der Bürgermeister auf das Kulturzentrum der Gemeinde mit seinen großzügigen Räumlichkeiten für Ausstellungen und Vorträge und die Bibliothek mit ihren 750 eingeschriebenen Benutzern.

(M.C.: Grayan compte 1 370 habitants, in: SUDOUEST, 17. 01. 2019)

 

Schnee in Sicht

In der Region Nouvelle-Aquitaine dreht das Wetter auf leicht winterlich. Nachdem das Hochdruckgebiet, das bis dahin das Wetter bestimmt hatte, sich in Richtung Azoren verlagert hat, wird eine Kaltfront heranziehen und in den nächsten Tagen für Niederschläge sorgen, die auch im Flachland in Schnee übergehen können. Richtig winterlich wird es damit aber nicht, denn der Schneefall wird nicht sonderlich ergiebig sein und die Temperaturen werden nach dem Durchzug der Kaltfront bald wieder leicht ansteigen, bevor sie dann erneut absinken.

(Sudouest.fr: Il pourrait neiger en plaine la semaine prochaine, même en Nouvelle-Aquitaine, in: SUDOUEST, 18. 01. 2019, 12.59h, Internet-Ausg.)

 

Fahrräder in Bordeaux

Bordeaux nimmt in der französischen Rangliste der Städte mit dem meisten Fahrradverkehr den dritten Platz ein. 8% der innerstädtischen Ortswechsel werden per Fahrrad absolviert. Die Stadtverwaltung plant, diese Zahl bis 2020 auf 15% zu bringen, was allerdings nur gelingen wird, wenn die Fahrräder auch sachgerecht und sicher abgestellt werden können. Dazu sind im Großraum Bordeaux bislang 10.000 massive Abstellbügel installiert worden. Die haben jedoch den Nachteil, dass dort die Fahrräder unter freiem Himmel stehen, und mit dem Schutz gegen Diebstähle sieht es auch nicht besonders gut aus. Wer hier eine komfortable und sichere Unterstellmöglichkeit sucht, kann sie am Bahnhof finden, wo zwei überdachte Fahrradgaragenhallen zur Verfügung stehen, die besonders von Leuten genutzt werden, die mit der Bahn ankommen und danach weiter zu ihrer Arbeitsstelle fahren müssen. In den Fahrradhallen gibt es Schließfächer für Helme und ähnliches und das alles zu moderaten Preisen. Eine Monatskarte kostet sieben, eine Jahreskarte 22 Euro. Um die Fahrradbenutzung weiter anzukurbeln, sollen in den nächsten vier Jahren 70 Millionen Euro ausgegeben werden, mit denen die Fahrradfreundlichkeit von Bordeaux weiter gesteigert werden soll. Wie es aussieht, ist man da auf dem richtigen Wege, denn die Zahl der Fahrradbenutzer hat in Bordeaux im letzten Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 17% zugelegt.

(X. Sota: Les parkings à vélos couverts font le plein, in: SUDOUEST, 16. 01. 2019)

 

SNCF

Bei der französischen Staatsbahn SNCF ist nicht alles so, wie es sein sollte. Auch da gibt es viele Strecken, die dringend restauriert werden müssen. Für 2019 sind dafür für das Gebiet der Nouvelle Aquitaine 480 Millionen Euro vorgesehen. Davon sollen einige besonders marode Strecken profitieren wie etwa die Verbindung Bordeaux – Sarlat, für die über 80 Millionen Euro eingeplant sind und die Strecke Bordeaux- Irun, für die ebenfalls über 80 Millionen Euro bereitgestellt werden. Warten muss hingegen die Verbindung Bordedaux – Nantes, obwohl es dort südlich von Saintes Langsamfahrstrecken gibt, auf denen die Züge maximal  60km/h fahren dürfen und wo die Gleisanlagen seit dem Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts  nicht erneuert worden sind. Bezeichnenderweise fehlt mal wieder die Strecke Bordeaux-Le-Verdon, obwohl auch hier, besonders bei der Oberleitung, die Altersschwäche des Materials immer wieder zu Störungen führt.

(J.-D. Renard: Une longue liste de travaux pour la SNCF, in: SUDOUEST, 15. 01. 2019)

 

 

Mondfinsternis

Am Montag, dem 21. Januar 2019, wird es in den frühen Morgenstunden eine totale Mondfinsternis geben, die, vorausgesetzt, die Wolkenlage spielt mit, in Frankreich gut zu beobachten sein wird. Da der Mond dann mit einer Entfernung von 357.344 km von der Erde nahe bei dem Punkt seiner Umlaufbahn sein wird, bei dem er der Erde am nächsten ist, wird es auch einen „Super-Mond“ geben. Der Mond wird sich genau eine Stunde, eine Minute und 59 Sekunden im Kernschatten der Erde aufhalten. Dabei wird die Mondfarbe ins Kupferrote wechseln, wobei gleichzeitig die Leuchtintensität des Mondes stark abnimmt. Die Mondfinsternis beginnt um 3h 36 mn 29sec mit dem Eintritt des Mondes in den Halbschatten der Erde. Um 5h 41mn 17 sec tritt der Mond in den Kernschatten ein, den er nach rund einer Stunde und zwei Minuten wieder verlässt. Der Höhepunkt der Mondfinsternis wird im Südwesten Frankreichs um 6h 12m n 29sec erreicht. Die angegebenen Zeiten gelten auch für das nördliche Médoc.

(A. Tauziac: La seule éclipse totale de Lune de 2019 aura lieu le 21 janvier, voici où et comment la voir, in: SUDOUEST, 11. 01. 2019, 12.57, Internet-Ausg.)

 

Gurp TT 2019

Das diesjährige Rennen in Le Gurp, die 17. Auflage der Gurp TT, die zum Championnat de France de course sur sable gehört, war spannender als manches in der Vergangenheit, denn zwei noch relativ junge Fahrer, der Brite Nathan Watson und der Belgier Yentel Martens haben sich einen packenden Kampf geliefert. Bis etwa zur Hälfte des Rennens führte der Belgier, dann übernahm der Brite die Spitze und gab sie bis zum Schluss nicht mehr ab. Er trug sich damit zum zweiten Male in die Siegerliste in Le Gurp ein. Auf dem dritten Platz kam Milko Potisek vor Jeffrey Dewulf und Jérémey Van Horebek ein. Vor dem letzten Rennen dieser Disziplin in Le Touquet nimmt Milko Potisek dank seines dritten Platzes in Le Gurp die Spitzenposition in der Gesamtwertung ein

(J. Lestage: Watson en seigneur, in: SUDOUEST, 14. 01. 2019)

 

 

Gilets jaunes: Akt IX

Am 9. Aktionstag der Gilets jaunes hat die Zahl der Teilnehmer wieder zugenommen auf frankreichweit rund 84.000, doch waren die gewaltsamen Konfrontationen mit den Ordnungskräften ebenso wie die Zahl der Sachbeschädigungen ruckläufig. In Bordeaux fanden sich auf der Place de la Bourse 6.000 Gilets jaunes ein, die teilweise im Sturmschritt einen Zug durch die Straßen vollführten. Als in  der Nähe des Grand Théâtre aus einer Gruppe Gewaltbereiter Steine und andere Wurfgeschosse gegen die Ordnungshüter geschleudert wurden, formierte sich ein Kordon aus besonnenen Demonstrationsteilnehmern zum Schutz der Polizisten. Danach trat der größte Teil der Gilets jaunes den Heimweg an, während eine kleinere Gruppe in Richtung Place Pey Berland zog und dort dann doch noch einige Gewalttätigkeiten beging. So, wie es aussieht, ist am nächsten Wochenende mit einer Fortsetzung zu rechnen.

(Fl. Moreau: Toujours plus nombreux, in: SUDOUEST, 13. 01. 2019)

 

Gewalt gegen Medienvertreter

Beim 9. Aktionstag der Gilets jaunes haben sich schon vorher aufgetretene Tendenzen zur Gewalt gegenüber Journalisten und Medienvertretern verstärkt. Für die Vereinigung der Reporter ohne Grenzen ist damit eine Linie überschritten, die es erforderlich macht, Alarm auszulösen. Die Liste der Vorkommnisse ist lang. In Rouen wurde ein Mitarbeiter eines Fernsehteams verprügelt. Er erlitt einen Nasenbeinbruch. In Toulouse wurde eine Videojournalistin massiv attackiert und ihr angedroht, sie zu vergewaltigen. In Toulon wurde ein Journalistenteam bedroht, das Gewaltaktionen der Gilet jaunes filmte. In mehreren Städten wurde die Auslieferung von Zeitungen behindert.

(AFP: «Gilets jaunes» : «un cap a été franchi» dans les violences envers les journalistes, in: Le Figaro, 13. 01. 2019, 15.16h, Internet-Ausg.)

 

 

Flughafen Mérignac

Die Passagierzahlen des Flughafens Bordeaux-Mérignac machen weiter das, was sie seit Jahren tun: sie legen zu. Im letzten Jahr wurden 6,8 Millionen Reisende gezählt, 9,3% mehr als im Vorjahr. Zur Zeit laufen Diskussionen darüber, ob eine der beiden Landebahnen des Fluggeländes stillgelegt werden kann. Es handelt sich dabei um die Rollbahn 11/29, die in Richtung Pessac – Martignas-sur-Jalle verläuft, die jedoch nur 10% bis 15% des Flugbetriebs aufnimmt, während der Hauptanteil über die Startbahn 05/23 geht, die in Richtung Mériganc – Le-Haillan- Saint Jean d’Illac verläuft. Der Grund für die ungleiche Auslastung der Startbahnen liegt in der Ausrichtung zu den hauptsächlichen Windrichtungen. Dabei ist die Bahn 05/23 besser gelegen, da sie gut zur vorherrschenden Windrichtung liegt und aus diesem Grund von den Piloten bevorzugt wird, die so kürzere Start- und Landestrecken haben. Entschieden ist über die Stilllegung der weniger frequentierten Startbahn noch nicht, doch spricht einiges dafür, zumal viele andere Flughäfen sich mit einer einzigen Startbahn begnügen, ohne dabei Kapazitätsprobleme zu haben.

(O. Delhourmeu: L’aéroport va-t-il passer de deux à une piste ? in: SUDOUEST, 11. 01. 2019)

 

Gurp TT 2019

Erst am 10. Januar 2019 kam die lang erwartete und für die Durchführung des Wettbewerbs unerlässliche Genehmigung des Präfekten für die diesjährige 17. Auflage des Motorradrennens Gurp TT. Vorangegangen war eine Zusammenkunft in der Präfektur, bei der die Veranstalter erläutert hatten, wie die Vorgaben umgesetzt worden waren, die ihnen die Behörden auferlegt hatten. Am Wochenende der Veranstaltung werden sich mehr als 150 freiwillige Helfer dafür einsetzen, dass die Rennen reibungslos ablaufen und dass die Auflagen der Behörden erfüllt werden.

Für das Hauptrennen werden 580 Fahrer an den Start gehen. Zusammen mit den anderen Wettbewerben werden es rund 900 Teilnehmer sein, die sich bemühen werden, im Sand von Le Gurp Pokale und Preise einzufahren. Der Steckenverlauf wird abweichen von den bisherigen Gewohnheiten, denn es wird keine Abschnitte geben, die durch die weißen Dünen führen. Dafür wurden die Streckenanteile, die durch den Wald gehen, verlängert. Insgesamt ist die Rennstrecke auf 14 km verkürzt worden, einen Kilometer weniger als früher. Davon gehen vier Kilometer über den Strand und 10 km durch den Wald. Die Veranstalter rechnen mit Gesamtausgaben von rund 130.000 Euro für die Veranstaltung, wobei sich kostenmindernd auswirkt, dass alle Maschinen, die zur Herrichtung der Strecke eingesetzt werden, von Sponsoren und Spendern unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. 90% der Kosten werden durch die Startgelder der Teilnehmer hereingeholt, der Rest wird von Ausstellern und Betreibern von Verkaufsständen erbracht. Man rechnet mit 15.000 bis 18.000 Besuchern.

(J. Lestage: « Cette année, il y a du lourd sur la ligne départ », in: SUDOUEST, 11. 01. 2019)

 

 

1 Million Schaden

Eigentlich hätte man wissen können, dass die Tram in Bordeaux namentlich in den Abschnitten, in denen die Stromversorgung nicht über die Oberleitung kommt, ein empfindliches System ist, mit dem pfleglich umgegangen werden muss. Bei den vielen Aktionen der Gilet jaunes in den letzten Wochen war wohl niemand, der sich Gedanken in dieser Richtung machte. Nachdem man einen ersten Überblick hat, konnten die Verantwortlichen der Straßenbahn in Bordeaux eine erste Schadensbilanz ziehen. Dabei sind die meisten Schäden durch die zum Teil heftigen Feuer verursacht worden, die direkt die Kabelschächte geschädigt haben, die unter den Gleisen verlegt sind und die nicht nur die Stromversorgung besorgen, sondern auch die Steuerung der Signalanlagen und die Beleuchtung der Haltstellen sicherstellen. Am 8. Dezember wurde durch ein starkes Feuer auf dem Cours d’Alsace-Lorraine das gesamte Kabelsystem unter der Fahrbahn zum Schmelzen gebracht. In der Folge mussten umfangreiche Reparaturen durchgeführt werden, die die gesamte folgende Nacht beanspruchten und Kosten von 200.000 Euro verursachten. Für die möglicherweise noch folgenden Akte der Gilets jaunes wünschen sich die Verantwortlichen für die Tram, dass die Wege der Protestaktionen so geführt werden, dass die Straßenzüge, in denen die Tram verkehrt, davon ausgespart werden. Die Hoffnung, dass die Akteure von selbst darauf kommen, dass  ihre Protestaktionen so duchgeführt werden könnten, dass fremdes Eigentum dadurch nicht zu Schaden kommt, haben sie offenbar nicht. Allein im Bereich der Straßenbahn sind inzwischen Schäden von rund einer Million Euro zusammengekommen, die letztlich von der Allgemeinheit getragen werden müssen.

(E. Gomez: Gilets jaunes : 1 million d’euros de dégâts sur le tramway, in: SUDOUEST, 10. 01. 2019

 

 

Brandanschlag in Lesparre

Auf die Unterpräfektur in Lesparre ist in der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2019 ein Brandanschlag verübt worden. Er wurde von den Angestellten am Morgen entdeckt, als sie ihre Arbeit aufnehmen wollten. Beschädigungen an der Eingangstür lassen erkennen, dass die Brandstifter offenbar das Gebäude unbrauchbar machen wollten. Neben den Schäden im Eingangbereich wurde durch die Hitze eine Fensterscheibe zerstört. Im ganzen Haus waren starke Rauch- und Russspuren zu bemerken, die dazu führten, dass die Unterpräfektur am 9. Januar nicht für den Publikumsverkehr geöffnet werden konnte. Die Untersuchungen des Vorfalls durch Polizei und Experten der Feuerwehr laufen noch. Der Präfekt, der am Morgen nach dem Brand die Schäden in Lesaprre in Augenschein nahm, verurteilte den Anschlag scharf. Belastbare Hinweise auf  Täter und Hintergründe gibt es bislang noch nicht.

(J. Lestage: in: SUDOUEST, 09. 01. 2019, 11.51h, Internet-Ausg.)

 

Super-Archiv

Der in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges gegründete SUDOUEST ist seit Jahren die auflagenstärkste regionale Tageszeitung des Südwestens Frankreichs. Am 8. Janaur 2019 wurde ein neuer Service  vorgestellt, der einen direkten Zugang zu den Archiven der Zeitung ermöglicht und damit jedem, der sich für die Geschichte dieses Teils Frankreichs interessiert, den Zugriff auf eine Fülle von Artikeln, Fotos, Grafiken etc. ermöglicht, die in den 75 Jahren seit Bestehen der Zeitung veröffentlicht worden sind. Damit sind 2,8 Millionen Zeitungsseiten (im PDF-Format), 5,5 Millionen Artikel und unzählige Bilder zugänglich, die bis in die Gründungszeit der Zeitung und zum Teil noch davor bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts  zurückreichen. Erschlossen wird dieser Fundus von einer  leistungsstarken Suchfunktion, die meist mehr Ergebnisse liefert als man erwartet hat und ohne weitere Sichtung verabeiten kann.  Abonnenten des SUDOUEST können pro Monat zehn Artikel, bzw. Suchresultate herunterladen, der Zugang zu der Suchfunktion steht jedoch allen Internetnutzern zur Verfügung. Erste Tests der Suchfunktion lieferten beeindruckende Ergebnisse. Ob und zu welchen Bedingungen Nichtabonnenten  Archivmaterialien herunterladen können, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Von Ende Januar an wird es einen auf dieses Archivpotential zugeschnittenen kostenlosen Newsletter geben.  

(Sudouest.fr: Les archives de „Sud Ouest“ vous ouvrent leur univers, in: SUDOUEST, 08. 01. 2019, 6.37h, Interet-Ausg.)

 

Beschwerdehefte – cahiers de doléances

Die Konfrontationen der letzten Wochen zwischen protestierenden Gilets jaunes und den staatlichen Institutionen haben zwar viele Gewaltausbrüche gezeigt aber nur wenige Ansätze geliefert für einen konstruktiven Austausch von Meinungen zwischen den Protestierenden und den Inhabern der staatlichen Macht. Vor diesem Hintergrund hat die Vereinigung der ländlichen Bürgermeister Frankreichs angeregt, in den Gemeindeverwaltungen Beschwerdehefte (cahiers de doléances) auszulegen, in denen sich die Bürger zu den für sie drängendsten Problemen äußern können. Diese Idee ist in vielen Kommunen aufgegriffen worden, so auch in Blasimon im Departement Gironde. Nachdem eine Reihe von Bürgern von dem Angebot Gebrauch gemacht haben, haben die Bürgermeister die Eintragungen ausgewertet und nach der Häufigkeit geordnet.

Ganz oben bei den Sorgen steht dabei die Kaufkraft, deren kontinuierliche Abnahme in den letzten Jahren beklagt wird, wobei besonders auf die Rentenempfänger verwiesen wird, die oft nicht über die Mittel verfügen, um einen Platz in einem Seniorenheim bezahlen zu können.

In einem zweiten Komplex lassen sich Forderungen zusammenfassen, die eine Anhebung des Mindestlohns (SMIC) verlangen und schließlich wird gefordert, das Besteuerungssystem gerechter zu gestalten, indem die, die viel haben, proportional stärker herangezogen werden sollten als Geringverdiener. Insbesondere wird die Wiedereinführung der Vermögenssteuer verlangt, deren Abschaffung einseitig nur den besitzenden Schichten zugute gekommen sei.

Ein weiterer Punkt, in dem Unzufriedenheit herrscht, betrifft die ungleiche Zuteilung staatlicher Mittel, von denen in den Städten pro Kopf der Bevölkerung 2 Euro zugewiesen werden, während in den ländlichen Bereichen, in denen ein Drittel der Franzosen leben, jeweils nur ein Euro angewiesen wird.

In einem vierten Komplex lassen sich Klagen über einen zu großen Aufwand der staatlichen  Behörden zusammenfassen und auch die Unzufriedenheit über die zu große und damit zu teure Zahl der gewählten Volksvertreter. Erst an achter Stelle tauchen zur allgemeinen Überraschung Forderungen auf, die die Begrenzung der Zuwanderung zum Ziel haben, woraus geschlossen wird, dass diejenigen, die ihre Stimme den extrem rechts eingestellten Gruppierungen geben, dies nicht in erster Linie wegen der Flüchtlingsproblematik tun. 

Die gesammelten Beschwerdehefte sollen in den nächsten Wochen dem Staatspräsidenten und dem Regierungschef zugeleitet werden. Die können dann, und wenn sie gut beraten sind, werden sie es tun, die Beschwerden analysieren und hoffentlich daraus die Schlüsse ziehen, die zur Beendigung der gegenwärtigen Krise führen können.

(J. Desport: Cahiers de doléances : les récits d’une fracture, in: SUDOUEST, 07. 01. 2019)

 

 

Unterstützung für Kurzarbeiter

Muriel Pénicaud, die französische Arbeitsministerin, hat bekanntgegeben, dass sie 32 Millionen Euro bereitgestellt habe, um den mittlerweile 58.000 Personen, die durch Aktionen der Gilets jaunes zur Kurzarbeit gezwungen worden seien, zu helfen. Die damit unterstützten Arbeitsplätze befinden sich vor allem im Handel, im Baugewerbe und im Handwerk, während die Industrie nur in geringem Maße betroffen sei. Die Ministerin erklärte, dass die Auswirkungen auf die Beschäftigten vor allem Arbeitnehmer mit geringen Einkommen beträfen, was sie sehr beunruhige. Sie fügte hinzu, das man zur Zeit die indirekten Auswirkungen der von den Gilets jaunes ausgelösten Aktionen noch nicht abschätzen könne, doch gebe es schon deutliche Anzeichen dafür, dass die Investitionen ausländischer Unternehmen zurückgefahren würden und damit Arbeitsplätze, die man erwartet habe, nicht eingerichtet würden.

(Sudouest.fr et AFP: Une aide de l’Etat pour les personnes en chômage partiel pendant la crise des gilets jaunes, in: SUDOUEST, 06. 01. 2018, 18.10h, Internet-Ausg.)

 

 

Gilets jaunes, Aktionstag VIII

In Bordeaux haben sich am ersten Januarsamstag rund 4.600 Teilnehmer zu einer neuen Aktion der Gilets jaunes zusammengefunden. Damit stiegen die Teilnehmerzahlen wieder auf das Niveau an, das sie vor den Feiertagen in Bordeaux hatten. Auch am 5. Januar flogen Steine gegen die Ordnungshüter und wurden Autos umgestürzt und in Brand gesetzt. Auf den mitgeführten Spruchbändern zeigten sich Züge der Radikalisierung. So wurde der Frexit gefordert und der Beginn einer neuen, der VI. Republik angekündigt. Zumindest in Bordeaux ließ sich nicht erkennen, dass die Bewegung der Gilets jaunes einen rational gesteuerten konstruktiven Kurs einschlagen will.

(En images : Les Gilets jaunes encore très mobilisés à Bordeaux ce samedi, in: SUDOUEST, 05. 01. 2018, 21.23h, Internet-Ausg.)

 

Holzknappheit

Die forstwirtschaftlichen Betriebe im Südwesten Frankreichs wehren sich gegen Vorwürfe der holzverarbeitenden Industrie, die behaupten, die Waldbesitzer verknappten absichtlich das Angebot, um höhere Preis durchzusetzen. Tatsächlich werden zur Zeit Preise um 50 Euro pro Kubikmeter Holz verlangt und gezahlt, mit denen die Waldbesitzer recht zufrieden sind. Dabei übersteigt die Nachfrage das Angebot, so dass bei den weiterarbeitenden Betrieben davon gesprochen wird, Kapazitäten teilweise stillzulegen und für die Mitarbeiter oder einzelne von ihnen Kurzarbeit anzusetzen. Die Waldbesitzer führen an, dass sie immer noch die Folgen des schweren Sturms Klaus vom 23. und 24. Janaur 2009 spüren, der 593.000 ha Wald zum Teil zu mehr als 40% in Mitleidenschaft gezogen hatte. Von diesen besonders betroffenen Flächen sind mittlerweile 182.000 ha wieder angepflanzt worden, zu denen 2019 weitere 20.000 ha kommen werden, so dass die Schäden von Klaus bald nicht mehr sichtbar sein werden. Dennoch lösen diese Programme die gegenwärtigen Probleme der Holzindustrie nicht, die angibt, dass sie jährlich rund 3 Millionen Kubikmeter Holz mehr benötigt als auf dem Markt zu erhalten sind. Die Waldbesitzer sehen das Defizit allerdings wesentlich kleiner bei 0,5 bis 1 Million Kubikmeter jährlich. Diese Lücke könnte geschlossen werden, wenn die Waldbesitzer, denen nur kleine Flächen unter 25 ha gehören, die Bestände schlagen würden, die inzwischen das Reifealter erreicht haben.

(V. Deymes: « Non, les sylviculteurs ne font pas de rétention ! », in: SUDOUEST, 02. 01. 2019

 

Blockade

In den Morgenstunden des 3. Januar hat eine Kommandoaktion, bei der einige der Akteure gelbe Westen trugen, das Kraftstoffdepot von Bassens blockiert. Ein Video, das bald darauf im Internet auftauchte, stellte die Verbindung zur der Bewegung der Gilets jaunes her. Die aus mehreren Dutzend Personen bestehende Gruppe ging dabei offenbar nach einem vorgefertigten Plan vor. Es wurden mehrere große Betonblöcke auf die Fahrbahn der Departementsstraße 113 geschoben, die, weil sie unbeleuchtet waren, erhebliche Gefahren für den Straßenverkehr darstellten. Vor einem der Eingänge in das Depot wurde ein großer Reifenstapel aufgeschichtet, vor einem anderen errichtete man Barrikaden, die anschließend angezündet wurden. Zur Sperrung einer weiteren Straße wurde eine große Baumaschine aus einem nahe gelegenen Betrieb entwendet und in Brand gesteckt. Als die Behörden von der Blockade erfuhren, wurde eine Polizeiabteilung dorthin entsandt, die die Blockade schnell beendete und die auf den Straßen deponierten Hindernisse entfernte. Die Blockierer flüchteten und hinterließen ein Arsenal von verwendungsbereiten Molotowcocktails. Der Sprecher der Polizei erklärte, die Aktion vor dem Depot stelle eine neue Stufe in der Auseinandersetzung der Gilets jaunes dar, wobei man neben einer überlegten Planung ein hohes Maß an Gewaltbereitschaft erkennen könne. Besonders gefährlich sei es, dass in einer Umgebung, in der strikte Regeln für den Brandschutz gelten, unbedacht Feuer angezündet worden seien, die im schlimmsten Fall verheerende Folgen haben könnten. 

(É. Artigue-Cazcarra: Opération commando autour du dépôt pétrolier, in: SUDOUEST, 04. 01. 2019)

 

 

Hafenpläne

Die Maison de tourisme et du vin (MTV) in Pauillac arbeitet im Auftrag des Bürgermeisters schon jetzt daran, die künftige Anlegebrücke für seegehende Kreuzfahrtschiffe, deren Fertigstellung für 2021 erwartet wird, zu einem Erfolg werden zu lassen. Bis es so weit ist, müssen unter anderem derzeit laufende Untersuchungen des Untergrundes für die neue Konstruktion abgeschlossen werden. Zu dem Paket geplanter Baumaßnahmen gehört auch die Verschönerung der Fußgängerzone, auf der demnächst die  Kreuzfahrtpassagiere in den Ortsmittelpunkt von Pauillac geleitet werden sollen. Fast abgeschlossen sind die Studien für die Lenkung des künftigen Autoverkehrs, für die umfangreiche und über mehrere Wochen gehende Zählungen der Verkehrsströme durchgeführt worden sind. Anfang 2019 wird eine Zusammenkunft der an der Planung beteiligten Instanzen, zu denen der Port Autonome de Bordeaux, der Präfekt und natürlich die Stadtverwaltung von Pauillac gehören, stattfinden, an der die  nächsten Arbeiten beraten und beschlossen werden sollen. In diese Überlegungen einbezogen werden sollen auch die Geschäftsleute von Pauillac, wobei allerdings noch nicht ganz geklärt ist, in welcher Form und in welchem Umfang an dem neuen Anleger Geschäftslokale errichtet werden sollen. Alles in allem wird aber schon kräftig die Werbetrommel gerührt, damit der geplante Superanleger von Anfang an die Beachtung findet, die sich die Initiatoren wünschen. Die Erwartungen sind da, und sie sind wohl berechtigt, wenn man sieht, dass der Kreuzfahrttourismus einen kräftigen Aufwind erlebt.

(Pascale Moinet-Cordonnier: Le projet Terminal Médoc avance bien, in: SUDOUEST, 01. 01. 2019)

 

 

Brückensperrung 1995

Der Pont de pierre in Bordeaux ist von wirklich zentraler Bedeutung für den Stadtverkehr von Bordeaux, und wenn er gesperrt ist, erinnert man sich noch lange daran. 1995 gab es eine solche Sperrung, weil der Pfeiler Nr. 7 marode geworden war und man fürchtete, dass er zusammenbrechen könnte. Um das zu verhindern, wurde die Brücke für jegliche Art von Verkehr gesperrt, einschließlich Fußgänger. Das war natürlich ein Problem für den innerstädtischen Verkehr. Die Stadtverwaltung suchte nach einer Lösung und fand sie, indem ein kostenloser Übersetzdienst eingerichtet wurde. Da es den heutigen Wassertaxidienst noch nicht gab, wurde die Burdigala für 3.000 Franc pro Tag gechartert, die in ihrem ersten Leben als Fähre zwischen Blaye und Lamarque Dienst getan hatte. Sie überquerte die Garonne zwischen der Place des Quinconces auf dem linken und dem Anleger vor der alten Gare d’Orleans auf den rechten Garonneufer. Die Burdigala machte 24 Überfahrten täglich, bei denen sie pro Tag bis zu 2.000 Passagiere, für alle kostenlos, beförderte. Da die Reparaturen zügig vorangingen, konnte die Brücke schon nach drei Monaten wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Stadtverwaltung hatte allerdings Planungen in den Schubläden für den Fall, dass die Instandsetzung langwieriger sein würde. Dann hätte man die Armee aktiviert, um eine Behelfsbrücke zu bauen, was jedoch nicht notwendig war..

(J.M. Le Blanc: Fin 1995 : le « Burdigala » pour franchir la Garonne, in: SUDOUEST, 31. 12. 2018)

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Kaviar aus Aquitanien

Es gibt zwar seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts keinen Kaviar mehr aus Wildfängen in der Gironde, aber dennoch werden allein von den vier in der Vereinigung Caviar d’Aquitaine zusammengeschlossenen Zuchtbetrieben jährlich 34,5 Tonnen Kaviar auf den Markt gebracht. Angesichts der auch hier zunehmenden internationalen Konkurrenz vornehmlich aus China sucht man nach Wegen, die heimische französische Produktion wettbewerbsfähig zu erhalten. Schon seit mehreren Monaten liegt beim Institut national de l’origine et de la qualité (Inao) Aquitaine-Poitou-Charentes ein Antrag auf Erteilung einer geschützten Herkunftsbezeichnung. Wenn diese erteilt wird, ist damit der Kaviar aus der Region Aquitaine eindeutig zu unterscheiden von anderen Herkunftsgebieten. Die südwestfranzösischen Produzenten wollen damit erreichen, dass der von ihnen praktizierte Qualitätsstandard auch nach außen hin dokumentiert wird und sich absatzfördernd auswirkt. Ohne eine solche Maßnahme fürchtet man, von der billiger produzierenden ausländischen Konkurrenz vom Markt gedrängt zu werden. Die Produzenten des Kaviars führen dabei an, dass ihre Herstellungskosten über denen der Konkurrenz liegen, weil sie bei den Futtermitteln, die sie ihren Zuchtstören verabreichen, auf Gehalt ud Qualität Wert legen. So werden nur hochwertige Fischmehle verfüttert und bei den Getreidebestandteilen darauf geachtet, dass keine genbehandelten Erzeugnisse verwendet werden. Die Prozedur, die zur Anerkennung der geschützten Marke Kaviar Aquitaine führen soll, läuft schon seit vier Jahren, was jedoch bei Verfahren ähnlicher Art nicht unüblich ist. Als nächstes werden jetzt Expertisen erstellt, die belegen sollen, dass die Produktionsverhältnisse tatsächlich schutzwürdige Besonderheiten aufweisen. Da damit externe Prüfinstitutionen befasst sein werden, wird die gesamte Prozedur bis zur Erteilung eines Markenschutzes für den aquitanischen Kaviar noch zwei bis drei Jahre beanspruchen. Die Produzenten hätten es gern schneller, sie finden sich aber mit dem Zeitrahmen ab, weil sie die erwarteten Vorteile recht hoch einschätzen.

(V. Deymes: Le caviar d’Aquitaine veut protéger ses grains, in: SUDOUEST, 30. 12. 2018)

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Neujahrsaktion der Gilets jaunes in Bordeaux

Die Polizei hat in der Silversternacht  kurz nach 21.00h eine Gruppe von rund 200 Gilets jaunes zum Verlassen des Pont d’Aquitaine veranlasst, nachdem diese den Verkehr über die Brücke praktisch zum Erliegen gebracht hatten und sich darauf einzurichten schienen, die Blockade über eine längere  Zeit fortzusetzen. Als aus der Gruppe der Giles jaunes Feuerwerkskörper gezündet wurden, was gegen ein formelles Verbot der Präfektur verstieß, schritten die Ordnungshüter ein und räumten die Brücke. Die Gilets jaunes, die zuvor angekündigt hatten, dass ihre Aktion ohne Gewaltanwendung verlaufen sollte, folgten den Anordnungen der Polizei und gaben die Brücke ohne Umstände frei.

(Sudouest.fr.: Vidéos. Bordeaux : 200 gilets jaunes évacués du pont d’Aquitaine, in: SUDOUEST, 31.12.2018, 21.38h. Internet-Ausg.)

 

 

Teure Sache

Vor drei Jahren wurde die neue Region Nouvelle-Aquitaine aus den alten Regionen Aquitaine, Poitou-Charente und Limousin gebildet, wobei man große Hoffnungen auf Einsparungseffekte hatte. Mittlerweile hat der Rechnungshof der neuen Region sich  ans Werk gemacht und dabei festgestellt, dass die Kosten nicht gesenkt worden sind. Dafür gibt es mehrere Gründe. So ist zum Beispiel die Zahl der Abgeordneten im Regionalparlament der Nouvelle-Aquitaine genauso groß wie zuvor in den drei alten Regionen, allerdings erhalten die gewählten Volksvertreter jetzt höhere Bezüge, wie das der französischen Praxis entspricht, weil sie eine größere Zahl von Bürgern vertreten. Diese Erhöhung der Abgeordnetendiäten schlägt mit 790.000 Euro zu Buche. Zugenommen hat die Anzahl der Mitarbeiter der Abgeordneten von 34 auf 49, was neue Kosten in Höhe von 500.000 Euro jährlich verursacht. Einsparungen ergaben sich jedoch bei den Reisekosten der Abgeordneten, da man so oft wie möglich Videokonferenzen organisierte. Auch bei der Zahl der im Dienst der Nouvelle-Aquitaine stehenden Angestellten und Beamten hat man durch vorsichtiges Verhalten bei Neueinstellungen Einsparungen erreicht, doch ist die Gehaltssumme insgesamt zwischen 2011 und 2015 um 10 bis 15% angestiegen, offenbar durch Zahlungen von Prämien und Zulagen, um die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich mit der Zusammenlegung abzufinden, zu steigern. Mehrkosten entstanden auch dadurch, dass die Bediensteten der Nouvelle-Aquitaine bis zu 70 Stunden jährlich weniger arbeiteten als vom Gesetz her vorgeschrieben. Die Folge davon war, dass 108 zusätzliche Stellen geschaffen werden mussten, die natürlich Kosten verursachten. Undurchsichtig waren und blieben auch die Prämien und Zulagen, die sich z. B. in  Poitou-Charentes jährlich pro Mitarbeiter durchschnittlich auf 6431 Euro beliefen, zusätzlich zum eigentlichen Gehalt, versteht sich. Dass der Rechnungshof zahlreiche Stellen aufgespürt hat, in denen Einsparungspotentiale liegen, ist das eine, doch ob daraus schnell nachhaltige Folgen resultieren, steht auf einem anderen Blatt..

(D. Richard: Nouvelle Aquitaine : le chantier des économies toujours ouvert, in: SUDOUEST, 29. 12. 2018)