Médoc-Notizen Jan. – März 2020

Februar 2020

Umgehungsstraße Le Taillan

Die seit langem in der Planung und nunmehr, wenn auch vorübergehend gerichtlich gestoppt, in der Bauphase befindliche Straße zur Umgehung des Ortskerns von Le Taillan hat seit den ersten Überlegungen eine höchst wechselvolle Geschichte erlebt. Auf der einen Seite stehen die Gemeindverwaltung und viele Einwohner, die die sich täglich mitten durch ihren Ort wälzende Blechlawine nicht mehr ertragen wollen, auf der anderen Seite stehen umweltbewusste Naturbeflissene, die mit einer Serie von Gerichtsentscheidungen versucht haben, Tiere zu schützen, die dort leben, wo einst die neue Straße verlaufen soll. Am 12. Februar hat das Verwaltungsgericht in Bordeaux den (vorerst?) letzten Einspruch gegen die Baugenehmigung für den Straßenbau zurückgewiesen und damit die Baustellenampeln wieder auf freie Fahrt gesetzt. Bei der bisherigen Findigkeit der Gegner der Umgehungsstraße kann man sicher sein, dass irgendwann neue Einwendungen folgen, zumal die ersten Äußerungen der Naturschützer nach dem Richterspruch in diese Richtung zeigen  Wenn die Bauarbeiten ohne weitere Verzögerungen ablaufen, wird mit der Fertigstellung der Ortsumgehung für Ende 2021 gerechnet, was nicht nur von den Einwohnern von Le Taillan, sondern von allen Médocbewohnern, die nach Bordeaux fahren wollen, begrüßt werden wird.

(J.-M. Le Blanc: La déviation du Taillan autorisée, in: SUDOUEST, 18. 02. 2020)

 

Wie ein guter Wein entsteht

Kein Kellermeister der Welt wird der Öffentlichkeit preisgeben, wie und auf welchen Wegen er seine Weine zustandebringt, obwohl in diesem Bereich ein großes Interesse an Information und Aufklärung besteht. Das bei Pauillac gelegene Château Grand-Puy-Lacoste hält sich zwar in den Details ebenfalls sehr bedeckt, gibt aber Einblicke in die Prinzipien und Grundsätze, die befolgt und angewendet werden, um „große“ Weine zu erzeugen. Das Geheimnis, das hier angewendet wird, ist die Technik der „assemblages“, die vom Prinzip her relativ einfach zu erklären ist. Für das Château Grand-Puy-Lacoste bedeutet dies, dass auf den 55 Parzellen des Châteaus die Weinlese just zu dem Zeitpunkt erfolgt, in dem die Trauben den optimalen Reifegrad erreicht haben. Die geernteten Trauben werden getrennt nach ihren Herkunftsparzellen weiter verarbeitet, so dass etwa vierzig verschiedene Basisweine entstehen, die anschließend durch die „assemblage“ der Kellermeister zusammengeführt und zu den Weinen gemacht werden, die schließlich auf Flaschen gezogen in den Verkauf gelangen. Für das Château Grand-Puy-Lacoste bedeutet das, dass drei Qualitätsstufen erzeugt werden, die in unterschiedlichen Mengen und zu unterschiedlichen Preisen in den Handel gebracht werden. In der obersten Qualitäts- und Preisstufe wird der Wein unter dem Namen Grand-Puy-Lacoste  zu Preisen von 60 bis 80 Euro pro Flasche angeboten. In der zweiten Stufe heißt der Wein Lacoste Borie und wird in der Spanne von 25 bis 35 Euro vermarktet. Der dritte Wein des Châteaus wird als Pauillac de Grand-Puy-Lacoste zum Preis von rund 20 Euro verkauft. Beruhigend dabei ist wohl, dass die Entscheidung darüber, welcher Wein sein Geld wert ist, vom Abnehmer und Verbraucher getroffen wird.

(C. Compadre: Les secrets de naissance des grands vins, in: SUDOUEST, 17. 02. 2020)

 

 

(Noch ) gute Exportzahlen für Wein und Spirituosen

Die französische Vereinigung der Exporteure von Wein und Spirituosen (Fédération des exportateurs de vins et spiritueux (FEVS) hat in einem Rückblick auf das vergangene Jahr festgestellt, dass die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahr im Volumen um 0,7% und im Wert um 5,9% zugelegt haben. Insgesamt wurden Wein und Spirituosen im Wert von 14 Millionen Euro ausgeführt. Diese auf den ersten Blick guten Zahlen müssen jedoch relativiert werden, da nach Angaben der Experten darin vorgezogenen Verkäufe enthalten sind, die mit Blick auf die heraufziehenden internationalen Handelskonflikte getätigt wurden, wobei die Ausfuhren in die USA ein besonderes Gewicht haben, denn sie machen rund ein Viertel der Exporte in diesem Bereich aus. Seit den von den USA im Oktober 2019 verhängten Strafzöllen auf Wein und Spirituosen sind die Exporte dorthin praktisch zum Stillstand gekommen. Ähnlich düster sehen  die Aussichten für die Exporte nach Großbritannien aus. Und auch die Zahlen der Ausfuhren nach China gehen zurück, wobei niemand einschätzen kann, in welcher Größenordnung künftig noch Alkoholika nach China exportiert werden. Die Aussichten für Japan und Korea sind hingegen günstig ebenso wie für Südamerika, doch bestehen Zweifel, ob die dort möglichen Zuwachszahlen die Verluste auf den drei wichtigsten Märkten USA, China und Großbritannien ausgeglichen werden können. Den Exporteuren wurde jedenfalls geraten, sich auf ein schwieriges Jahr 2020 einzustellen. Von den 2019 im Export von Alkoholika erlösten 14 Milliarden Euro wurden übrigen 3,1 Milliarden Euro für Cognac erwirtschaftet, 3,1 Milliarden Euro für Champagner und 2 Milliarden Euro für Bordeauxweine.

(C. Compadrre: Exportations : les vins et spiritueux tiennent leur rang, in: SUDOUEST, 13. 02. 2020)

 

 

Erosion: Reaktion und Gegenmaßnahmen

Für niemanden, der die sandigen Küsten des Médoc kennt, ist es ein Geheimnis, dass die geballten Angriffe von Wind und Wellen auf die Dünen am Strand dazu führen, dass die Küstenlinie mehr und mehr zurückgedrängt wird. Nach recht übereinstimmenden Einschätzungen der Fachleute wird bis 2050 ein bis zu 50 m breiter Streifen der heutigen Strände dem Atlantik gehören. An den Küsten der Nouvelle-Aquitaine werden dadurch 5.000 Wohnungen und rund 600 Gewerbebetriebe verlegt werden müssen. Anders als für das dem Untergang geweihte Appartementhaus Le Signal in Soulac, dessen Eigentümer mit rund 7 Millionen entschädigt werden, werden die Besitzer von Gebäuden, die künftig zurückverlegt werden müssen, keine Entschädigungszahlungen aus öffentlichen Kassen erhalten, sondern Beihilfen von jeweils bis zu 250.000 Euro aus einem noch zu errichtenden Fonds erhalten. Dieser Fonds soll gespeist werden von einer Art Grunderwerbsteuer, die auf alle Immobilientransaktionen im Wert von mehr als 100.000 Euro erhoben wird, die im küstennahen Bereich getätigt werden. Gleichzeitig soll ein konsequenter Baustopp für die Bereiche ergehen, die in absehbarer Zukunft von der Erosion bedroht werden können.

(B. Beziat: Relocalisations et indemnisations, in: SUDOUEST, 13. 02. 2020)

 

 

Noch ein Sturm

Nach Ciara bzw. Sabine vom 9. bis zum 11. Februar und  Inés am 13. Februar kommt nun zum Wochenende Dennis. Davor gab es noch einen Sturm, der auf dem Nordatlantik Wellen bis zu 20m Höhe produzierte, der jedoch ohne Namen blieb, weil er kein Land berührte. Allen diesen Stürmen ist gemeinsam, dass sie relativ weit nördlich zogen und hauptsächlich über die britischen Inseln und Nordfrankreich nach Europa vordrangen. Für die Meteorologen sind diese kurz aufeinander folgenden heftigen Stürme gut zu erklären, denn sie verdanken ihre Existenz den zur Zeit besonders starken Luftdruckgegensätzen auf dem nördlichen Atlantik. Sturm Dennis fiel überdies dadurch auf, dass in seinem Entstehungsgebiet westlich von Island der Luftdruck innerhalb von 30 Stunden um 70 hPa fiel. So wie es aussieht, kann der Luftdruck noch bis auf 915 hPa fallen und damit sich dem bisherigen Rekord nähern, der 1993 verzeichnet wurde. Trotz allem muss man sich aber in der Nouvelle-Aquitaine keine Sorgen machen, da auch Sturm Dennis dort nur mit Ausläufern zu bemerken sein wird.

(A. Tauziac: Après Ciara et Inès, la tempête Dennis attendue ce week-end, in: SUDOUEST, 14. 02. 2020, 16.ooh, Internet-Ausg.)

 

 

Rückblende

Jean-Paul Lescorce, der vielseitig engagierte Kenner der Lokalgeschichte von Soulac, hat eine neues Buch vorgestellt, in dem er den Blick zurücklenkt auf die Geschichte seines Heimatortes. Im Mittelpunkt steht dabei das alte Casino, das am 30. November 1926 ein Raub der Erosion wurde. Der Band mit dem Titel L’Établissement de bains – Casino de la Plage ist bei den Édtions Aliénor erschienen, er ist der zehnte in einer Reihe von Publikationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geschichte von Soulac nachzuzeichnen. Wie in allen Veröffentlichungen von Jean-Paul Lescorce üblich, werden zahlreiche Bilder aus der nahezu unerschöpflichen Sammlung des Autors vorgestellt. Der Leser erfährt sounter anderem, dass die ersten für den Badebetrieb bestimmten Bauten in Soulac von Antoine Trouche errichtet wurden, dass die ersten Badekabinen mit warmen Duschen 1861 eingeführt wurden und dass die blau-weiß gestreiften Badekabinen 1902 ihre Premiere am Strand von Soulac hatten. Empfehlung der Redaktion: kaufen.

(M. Caporal: Jean-Paul Lescorce raconte le casino in: SUDOUEST, 11. 02. 2020)

 

 

 

Neuer Anleger für Kreuzfahrtschiffe

Der amtierende Bürgermeister von Pauillac, Florent Fatin, strebt eine weitere Amtszeit an, in der er die seit Beginn seines Mandats verfolgte Politik fortsetzen will. Dazu gehört an wichtiger Stelle die weitere Förderung des Oenotourisme, dem Tourismus rund um den Wein also. Neben der bereits erfolgreichen engen Kooperation mit den Châteaux in und um Pauillac soll auch der Kreuzfahrttourismus gefördert werden. Dabei ist geplant, einen dauerhaft verfügbaren Anleger für Kreuzfahrtschiffe herzurichten, an dem Schiffe anlegen können, die zu groß für den Hafen von Bordeaux sind. Diese Anleger soll in Pauillac-Trompeloup entstehen, an der Stelle, an der zur Zeit die Bauteile für den großen Airbus A 380 angelandet und umgeladen werden auf kleinere Schiffe, die die Garonne hinauf bis Langon fahren. Da der Bau dieses Airbusmodells im nächsten Jahr eingestellt werden wird, werden die Hafenanlagen in Trompeloup ab Oktober 2021 für andere Verwendungen verfügbar, so dass nach einer Umbauzeit von rund zwei Jahren dort eine Anlegestelle für große Kreuzfahrtschiffe entstehen kann. Damit würde angeknüpft an frühere Zeiten, in denen in Trompeloup regelmäßig seegehende Passagier- und Frachtschiffe anlegten.

(J. Lestage: « Ce qui m’anime, c’est de défendre ma ville », in: SUDOUEST, 08. 02. 2020)

 

 

Orkan Ciara/Sabine: erste Bilanz

Der Orkan, der im westlichen Europa und in Frankreich Ciara genannt wird, in Deutschland aber Sabine heißt, war, wie vorhergesagt, von überdurchschnittlicher Heftigkeit. Obwohl die stürmischen Aktivitäten am Abend des 10. Februar noch anhalten, scheint der Höhepunkt des Unwetters überschritten, so dass eine erste Bilanz gezogen werden kann.

Dabei kommt Frankreich alles in allem relativ glimpflich davon. Im besonders betroffenen Norden Frankreichs wurden allerdings 11 Verletzte gezählt, zusätzlich fiel für 40.000 Haushalte der Strom aus. Betroffen waren davon vor allem die Normandie, die Region Hauts-de-France nördlich von Paris und Departements im Osten. Am Abend des 10. Februar bestehen noch Unwetterwarnungen für die Alpes-maritimes und Korsika.

Der Südwesten Frankreichs ist diesmal vergleichsweise gut weggekommen. Bis jetzt wurden aus diesem Gebiet keine nennenswerten Sturmschäden gemeldet.

(Sudouest.fr /AFP: En images : la tempête Ciara fait plusieurs morts en Europe, au tour de la Corse, in SUDOUEST, 10. 02. 2020, 21.56h, Internet-Ausg.)

 

 

Neue Ausstellung

In dem gründlich renovierten Naturkundemuseum von Bordeaux wir in diesen Tagen die erste hausgemachte Sonderausstellung nach der Wiedereröffnung dem Publikum zugänglich gemacht. Dargestellt wird die afrikanische Savanne, wobei rund 160 Tiere aus dem Bestand des Museums gezeigt werden, von denen etwa 90% zum ersten Mal zu sehen sind. Die Tiere werden in einer naturnahen Umgebung an einer Wasserstelle gezeigt, so dass man sie gut betrachten kann. Darunter werden seltene Exponate sein wie ein schwarzes Nashorn aus Südafrika, das jedoch aus Angst vor Dieben ohne die Originalhörner gezeigt wird. Der didaktische Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Verdeutlichung der Bedrohung der inzwischen viele frei lebende Tierarten in Afrika ausgesetzt sind, so dass befürchtet werden muss, dass sie bald ganz verschwunden sein werden. Die Ausstellung läuft bis zum 31. Dezember 2020.

(Chr. Loubes: Bordeaux : la savane africaine, tout sur la nouvelle exposition du Muséum, in: SUDOUEST, 04. 02. 2020, 14.40h, Internet-Ausg.)

 

Orkan Ciara

Die Vorhersagen für den Orkan Ciara stablisieren und konkretisieren sich. Er wird ab Sonntag Abend die britischen Inseln und das nördliche Drittel Frankreichs heimsuchen. An den Küsten im Norden werden Windgeschwindigkeiten bis zu 140 km/h erwartet. Ausläufer, die etwas schwächer ausfallen dürften, werden die Vendée und die Charente maritime berühren. Dabei kann es aber an der gesamten Atlantikküste bei hohen Koeffizienten bis zu 106 am Montag im Zusammenspiel von Sturm und hohen Wellen zu Schäden an der Dünenkante kommen. Erschwerend kommt hinzu, dass das stürmische Geschehen unter Umständen mehr als 12 Stunden anhalten wird und damit den Druck auf die Küsten zusätzlich erhöhen wird.

(J.-D. Richard: Tempête Ciara : des rafales pouvant atteindre 140 km/h attendues dans le nord de la France dimanche, in SUDOUEST, 08. 02. 2020, Interent-Ausg.)

 

 

Gefahr für Tomaten?

Die französische Agence de sécurité sanitaire hat vor dem Tomato Brown Rugose Fruit Virus (ToBRFV), einfacher „Jordan-Virus“, gewarnt, das in den Nachbarländern Frankreichs festgestellt wurde. Das Virus befällt Tomaten und Paprikapflanzen und schwächt diese nachhaltig, so dass die Früchte welk und farblos werden und nicht mehr vermarktet werden können. Bekämpfungsmöglichkeiten sind bislang nicht bekannt. Die einzigen Gegenmaßnahmen bestehen darin, befallene Pflanzen auszureißen und zu vernichten. Für Verbraucher geht keine Gefahr von dem Virus aus, doch entsprechen Früchte, die von befallenen Pflanzen stammen, nicht den allgemeinen Qualitätsanforderungen. Die französischen Tomatenanbauer stellen fest, dass bis jetzt das Virus noch nicht in Frankreich aufgetreten ist, doch ist Vorsicht angebracht. Aus diesem Grunde sollten alle Verdachtsfälle umgehend gemeldet und betroffene Pflanzen eliminiert werden.

(J.-C. W.: Virus qui s’attaque aux tomates : pas de panique, in: SUDOUEST, 05. 02. 2020)

 

Neues von Sturm Ciara

Schon seit ein paar Tagen stehen im nördlichen Atlantik die Zeichen auf Sturm. Erwartet werden dabei Windstärken, die einen ausgewachsenen Orkan erwarten lassen. Während man bei den ersten Prognosen noch nicht sagen konnte, wo sich dieser Orkan vornehmlich austoben wird, geht man inzwischen davon aus, dass er vor allem die britischen Inseln und den Norden Frankreichs  treffen wird. Die ersten Wellen werden ab Sonntag den Norden Frankreichs erreichen. Die Schwere der Sturmböen wird dabei südlich von der Loire deutlich abnehmen, doch werden auch dort wegen der recht hohen Koeffizienten während der Flutphasen die Küsten harten Attacken ausgesetzt sein.

(J.-D. Renard: Tempête Ciara : le Nord de la France en première ligne, gare au risque de submersion dans le Sud-Ouest, in: SUDOUEST, 06. 02. 2020, 18.25h, Internet-Ausg.)

 

Sturm Ciara im Anmarsch

Aus der Analyse der gegenwärtigen Luftdruckverteilung auf dem nördlichen Atlantik leiten die Meteorologen die Erwartung ab, dass zum Beginn der kommenden Woche ein kräftiger Sturm das Wetter im nordwestlichen Europa bestimmen wird. Es ist zwar noch zu früh, um genauere Aussagen über die Zugrichtung des Sturms und die besonders betroffenen Regionen zu machen, aber nach den bislang vorliegenden Daten wird angenommen, dass der Sturm von besonderer Kräftigkeit sein wird. Es wird erwartet, dass er in der Zeit zwischen Sonntag, 9. und Dienstag, 11. Februar, auf die französische Atlantikküste treffen wird. Angesichts der dann recht hohen Koeffizienten ist damit zu rechnen, dass die Küste einiges auszuhalten haben wird. Da das Sturmzentrum gegenwärtig noch in einer Entfernung von 2000 km auf dem Atlantik liegt, ist es möglich, aber nicht sicher, dass sein Schwerpunkt relativ weit im Norden über Schottland und die britischen Inseln hinweggehen wird, doch sicher ist noch nichts.

(A. T.: La tempête Ciara devrait balayer l’ouest de l’Europe en début de semaine prochaine, in: SUDOUEST, 05. 02. 2020, Internet-Ausg.)

 

Autobahnmaut

Mit unschöner Regelmäßigkeit tritt, von seltenen Ausnahmen abgesehen, am 1. Februar in Frankreich ein Ereignis ein, das besonders bei den Autofahrern Zorn und Unverständnis produziert: die Erhöhung der Autobahngebühren. In diesem Jahr fällt die Erhöhung mit durchschnittlich 0,90% moderater aus als in den Vorjahren, als 2018 1,55% und 2019 1,86% aufgeschlagen wurden, doch wächst damit die Bereitschaft bei den Betroffenen nicht, die Erhöhungen gut zu finden. Der Unmut wird dabei in erster Linie davon genährt, dass die Betreibergesellschaften  seit der Privatisierung der Autobahnen im Jahre 2006 satte Überschüsse erzielen, die deutlich über der Inflationsrate liegen. So haben bei Vinci Autoroutes die Einnahmen im ersten Halbjahr 2019 um 2,6% zugenommen gegenüber dem ersten Halbjahr 2018, ohne dass sich das Verkehrsaufkommen nennenswert verändert hat. Die Betreibergesellschaften verweisen beständig darauf, dass ihre Erhöhungen auf dem Boden der mit dem Staat geschlossenen Verträge vorgenommen werden, was im Grundsatz von niemandem bestritten wird. Gleichwohl mehren sich die Stimmen, die beklagen, dass die Verträge einiges an Unklarheiten und Grauzonen enthalten, die aufgeklärt werden müssen. Zu diesem Zweck hat der Senat, die zweite Kammer des französischen Parlaments,  eine Kommission eingesetzt, die eine grundlegende Bestandsaufnahme der Betreiberverträge vornehmen soll. Ergebnisse werden im Verlauf des Sommers erwartet, doch ist längst nicht sicher, dass damit die Mauthöhe zurückgeführt werden wird.

(J.-D. Renard: Et voici revenu le tempsde la hausse au péage, in: SUDOUEST, 01. 02. 2020)

 

 

Tod des letzten Lascaux-Entdeckers

Simon Coencas, der letzte Überlebende der vier Jugendlichen, die 1940 die Grotte von Lascaux entdeckt haben, ist am 2. Februar 2020 in Paris im Alter von 93 Jahren verstorben. Die Grotte von Lascaux gilt wegen ihrer unvergleichlichen Malereien als einer der weltweit bedeutendsten Höhepunkte der frühgeschichtlichen Kunst. Die Entdeckung ergab sich mehr zufällig, als 1940 vier Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren ein Loch in einem Höhenzug oberhalb ihres Heimatortes Montignac untersuchten, das Zugang zu einer Höhlung gab, die im weiteren Verlauf in die Grotte mit den Malereien führte. Simon Coencas war 2016 zum letzten Mal am Ort der Entdeckung, als er an der Eröffnung des naturgetreuen Faksimiles der Originalgrotte teilnahm, die heute einen beeindruckenden Einblick in die Malereien von Lascaux gibt. Das Original der Grotte ist seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts für die Öffentlichkeit gesperrt, weil durch die Atemluft der Besucher Schäden an den Malereien eingetreten waren, die nur mit großen Mühen bekämpft werden konnten.

(Le dernier découvreur de Lascaux est décédé, in: SUDOUEST, 03. 02. 2020)

Mehr zur Höhle von Lascaux: Klick

 

Baustelle am Tour de l’Honneur

Der aus dem 13. Jahrhundert stammende  Tour de l’Honneur ist zusammen mit der wesentlich jüngeren Orgel in der Kirche Notre-Dame das einzige kunstgeschichtlich bedeutende Denkmal aus der Vergangenheit von Lesparre. Der Tour de l’Honneur selbst ist in den Jahren nach 2000 einer umfangreichen Sanierung und Renovierung unterzogen worden, für die 1,5 Millionen Euro aufgewendet worden sind. Mittlerweile hat das darin untergebrachte Museum, das mit dem Schwerpunkt auf der Alltagsgeschichte der vorindustriellen Zeit den Blick bis in die Frühgeschichte des Médoc öffnet sich einen soliden Ruf erarbeitet, dem im letzten Jahr 6.500 Besucher gefolgt sind. In diesem Jahr sollen die ehemaligen Pferdeställe neben dem Tour de l’Honneur saniert werden und zunächst ein neues Dach erhalten. danach wird der Innenausbau unternommen, wobei noch nicht ganz geklärt ist, wofür die neue Räumlichkeiten genutzt werden sollen. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt derzeit, dort das Office de tourisme unterzubringen, was sinnvoll erscheint, zumal der derzeit noch in Lesparre präsente Verkehrsverein demnächst nach Pauillac umziehen wird.

(V. Faugerolle: L’annexe de la Tour de l’honneur en chantier, in: SUDOUEST, 30. 01. 2020)

Mehr zum Tour de l’Honneur: Klick

 

 

Ein dunkles Kapitel

Der Hafen von Bordeaux blickt auf eine bald 2000jährige Geschichte zurück, und in dieser Zeit hat es neben glanzvollen auch weniger präsentable Momente gegeben. Zu der letztgenannten Kategorie gehören Ereignisse aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, als in Bordeaux Schiffe ausgerüstet wurden, die für die damals noch relativ neuen französischen Besitzungen in der Südsee bestimmt waren. An Bord dieser Schiffe befanden sich Frauen, die aus verschiedenen Gründen mit der Justiz in Konflikt geraten waren und mehr oder weniger lange Gefängnisstrafen zu verbüßen hatten. Diesen Frauen war die Freiheit versprochen worden,  wenn sie sich von einem in Bordeaux ausgerüsteten Schiff in die französische Südsee bringen ließen, um sich dort  zu verheiraten. Die Männer, die dort auf Frauen warteten, waren ehemalige Sträflinge, die nach Verbüßung ihrer Strafen als Siedler auf die französisch gewordenen Inseln gebracht worden waren, die sie allerdings nach ihrer Häftlingszeit nicht verlassen durften.

Das erste Schiff, das aus diesem Grund aus Bordeaux auf die Reise geschickt wurde, war der Dreimaster L’Ernestine, der schließlich mit 74 Frauen und drei Kindern auslief. Nach dieser Reise gab es weitere, bei denen noch mehr Frauen in die französische Südsee gebracht wurden. Insgesamt haben sich daraus rund 600 Eheschließungen ergeben, die allesamt dem Zweck dienten, den französischen Bevölkerungsanteil in den neuen Inselgebieten zu erhöhen, wobei man sich wenig Gedanken darum machte, wie diese Dinge von den betroffenen Frauen empfunden wurden.

(M. Deshayes: Bordeaux : ces navires remplis de « bonnes à marier » qui partaient vers la Nouvelle-Calédonie, in: SUDOUEST, 28. 01 2020, Abendausgabe)

 

 

 

Brexit in „Dordogneshire“

Am 31. Januar 2020 geschieht der Brexit. Die Bewohner des Vereinigten Königreichs sind darüber etwa zur Hälfte glücklich oder unglücklich. Bei den Engländern in „Dordogneshire“ herrscht hingegen regelrechte Trauer. Die Region, in der sich die Trauernden finden, ist allerdings auf keiner Karte mit diesem Namen eingetragen, doch ist bei denen, die davon sprechen klar, dass hier das Departement Dordogne in Frankreich gemeint ist, in dem sich viele Engländer einen Wohnsitz geschaffen haben. Die meisten von ihnen haben sich auf Dauer angesiedelt ohne den Gedanken, die Gegend ihrer Wahl wieder zu verlassen. Sie sind überwiegend gut integriert und nehmen Teil am politischen und kulturellen Leben ihrer Wahlheimat. Nicht wenige von ihnen sitzen in Gemeindräten und fühlen sich dabei wohl. Für diese Gruppe von Engländern, im Departement Dordogne werden 59 gezählt, in ganz Frankreich sind es zwischen 800 und 900, ändert sich mit dem Brexitdatum ihr Status tiefgreifend, denn sie sind plötzlich keine EU-Bürger mehr und können daher in der EU weder wählen noch politische Ämter bekleiden. Fein heraus sind alle die Engländerinnen und Engländer, die sich um die französische Staatsbürgerschaft bemüht und diese inzwischen erhalten haben. Die anderen müssen diesen Schritt entweder noch tun oder sich damit abfinden, dass sie mit dem 31. Januar 2020 in eine Randstellung geraten, in der sie weder wählen noch gewählt werden können.

(T. Naud: En « Dordogneshire », le blues des élus britanniques, in: SUDOUEST, 31. 01. 2020)

 

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Januar 2020

Windkraftprojekt bei Lesparre

Das Projekt, im Süden von Lesparre einen Komplex von 12 Windkraftanlagen zu errichten, hat von Anfang der Überlegungen an in den Nachbargemeinden wenig Gegenliebe gefunden. Seit im Oktober 2019 eine öffentliche Befragung begonnen wurde, um festzustellen, wie sich die Bevölkerung zu dem Bauvorhaben stellt, hat sich die Front der Ablehnung dieser bis zu 210 m hohen Windräder weiter verstärkt. Dabei sind vor allem Jäger und Anrainer auf der Seite der Gegner  zu finden. Einzig der Bürgermeister von Lesparre, der darauf verweist, dass die Windräder jährlich rund 600.000 Euro in die Kassen der Gemeinde bringen würden, beharrt nach wie vor auf der von ihm vertretenen Position. Es ist nun an der Präfektin des Departements Gironde, darüber zu befinden, ob die Nutzungsgenehmigung für den umstrittenen Windpark erteilt wird oder nicht. Die Entscheidung wird in den nächsten drei Monaten erwartet, wobei die Erwartungen in die Richtung einer Ablehnung tendieren.

(J. Lestage: Le projet de parc éolien à Lesparre a du plomb dans l’aile, in: SUDOUEST, 28. 01. 2020)

 

 

Es wird warm

Zum ersten Februarwochenende wird ein Schwall warmer Luft aus südlichen Richtungen die Nouvelle-Aquitaine erreichen und das Thermometer kräftig steigen lassen. Die Meteorologen halten Temperaturen bis zu 24 Grad für möglich, wobei die höchsten Werte am Fuß der Pyrenäen erreicht werden dürften. Für Pau werden 24 Grad, für Biarritz 23 Grad erwartet. Im Departement Gironde werden Werte zwischen 19 und 21 Grad erreicht. Zur Mitte der ersten Februarwoche werden die Temperaturen wieder zurückgehen, ohne jedoch auf winterliche Werte abzusinken.

Die erwartete erste Welle warmer Luft ist zwar für Anfang Februar nicht gerade die Regel, doch werden in diesem Jahr bestehende Rekorde wohl nicht gebrochen. Für Anfang Februar wurden 2004 in Bordeaux-Mérignac 20,7 Grad registriert, in Biarritz waren es, ebenfalls 2004, 23,5 Grad und in Pau 24,2 Grad.

(V. A.: Météo : douceur exceptionnelle dans le Sud-Ouest ce week-end, jusqu’à 24 degrés, in: SUDOUEST, 29. 01. 2020, 16.48h, Internet-Ausg.)

 

 

 

Korruptionswahrnehmungsindex (CPI): Frankreich macht Plätze gut

Der Korruptionswahrnehmungsindex (englisch Corruption Perception(s) Index (CPI) wird seit 1995 von Transparency International, einer Nichtstaatlichen Organisation, die sich dem Kampf gegen Korruption widmet, weltweit erhoben. Der Index gibt  die Wahrnehmung von Korruption an und stellt eine Rangfolge der Länder her nach dem Grad, in dem dort Korruption bei Amtsträgern und Politikern wahrgenommen wird.

Der Korruptionswahrnehmungsindex wird gebildet aus den Ergebnissen von verschiedenen Umfragen und Untersuchungen, an deren Ermittlung mehr als zehn unabhängige Institutionen beteiligt sind. Es werden Geschäftsleute sowie Länderanalysten befragt und Umfragen mit Experten im In- und Ausland einbezogen. Der Index geht von 0 bis 100, wobei der Höchstwert 100 das beste erreichbare Ergebnis darstellt, das allerdings in der realen Welt kaum erreichbar sein dürfte.

Den ersten Platz in der jüngsten Rangliste nimmt Dänemark mit 88 Punkten ein, gefolgt von Neuseeland mit 87 Punkten und vier Ländern (Schweden, Schweiz, Finnland, Singapur) mit 85 Punkten. Es folgen Norwegen (84 Punkte), die Niederlande (82), Kanada und Luxemburg (jeweils 81 Punkte) vor Deutschland und England gleichauf mit 80 Punkten auf dem 11. Platz. Frankreich verbessert sich mit 72 Punkten gegenüber dem Vorjahr um zwei Plätze und rangiert auf Platz 21 vor den Vereinigten Staaten mit 71 Punkten, die im Vorjahr noch Platz 16 belegt hatten.

(https://www.laenderdaten.de/indizes/cpi.aspx)

 

 

 

Winter ade?

Jedermann weiß, dass Prognosen ihre Tücken haben, doch reizt es offenbar, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Das hat wohl auch die Meteorologen von Météo France dazu gebracht, Aussagen über das Wetter der nächsten Monate zu machen. Dabei kommen sie zu dem Schluss, dass der Winter eigentlich vorbei ist und dass die nächsten drei Monate mild, aber auch wohl feucht sein werden. Sie leiten diese Vorhersage aus der aktuellen Luftdruckverteilung über dem Atlantik ab, was zu dem Schluss führt, dass keine Kälteeinbrüche größerer Art mehr zu erwarten sind. Alles in allem könnte der Winter 2019/2020 in die Annalen eingehen als der mildeste Winter seit 1981. Wenn der erwartete Trend bei den Temperaturen eintritt, könnte der Februar mit Werten um 1,6° über den langjährigen Durchschnittswerten den zweiten Platz nach dem Winter 2015/16 einnehmen. Für die nächste Zukunft erscheinen Tagestemperaturen um 18° möglich ab Anfang Februar. Die Meteorologen raten dennoch zur Vorsicht und stellen in Aussicht, dass es noch kleinere Kälteeinbrüche geben könnte, die jedoch nicht zu wirklich winterlichen Verhältnissen führen sollten.

(Sudouest.fr: Météo : le froid c’est déjà terminé, la fin de l’hiver sera douce (et humide), in: SUDOUEST, 25. 01. 2020, 18.45h, Internet-Ausg.

 

 

Baustelle U-Boot-Bunker

Im U-Boot-Bunker am Bassin à flots in Bordeaux wird mit Hochdruck gearbeitet,  denn am 17. April dieses Jahres soll dort das weltweit größte Zentrum für digitale Kunst eröffnet werden. Tatsächlich haben die Handwerker aber nur bis zum 13. März Zeit, denn dann soll die Sicherheitsabnahme erfolgen, ohne die es keine Betriebserlaubnis gibt. Derzeit werden 15 m hohe Tore eingebaut, die die einstigen U-Bootboxen nach außen verschließen sollen, damit einerseits die Wärme aus dem Gebäude sich nicht verflüchtigt, andererseits verhindert wird, dass die Umgebung akustisch behelligt wird. Der Innenausbau der vier in der Umgestaltung begriffenen einstigen U-Boot-Liegeplätze ist bestrebt, die Innenräume so zu gestalten, dass für die Projektionen unterschiedliche Möglichkeiten geschaffen werden. Auf der technischen Seite ist die Einrichtung der Projektionsanlagen eine Herausforderung, die durch die große Fläche der Boxen und die feuchte Umgebung, die den einzubauenden Apparaturen nicht förderlich ist, gebildet wird. Die Arbeiten stehen zudem unter einem nicht unbeträchtlichen Zeitdruck. Die Veranstalter gehen aber davon aus, dass alles rechtzeitig fertig wird, und in kaum zwei Monaten das Publikum beurteilen kann, ob die Konzeption der Veranstalter aufgeht.

(Chr. Loubes: La base sous-marine s’offre un nouveau visage: in: SUDOUEST, 23. 01. 2020)

 

 

Kreuzfahrtschiffe in der Gironde

Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Kreuzfahrtschiffe auf der Dordogne, der Garonne und der Gironde beständig zu, wobei ein besonders intensiver Zuwachs bei den Flusskreuzfahrtschiffen zu beobachten ist. Mittlerweile erstreckt sich deren Aktionsradius auf der Dordogne bis Libourne und auf der Garonne bis Cadillac. Die Gemeinden, die von diesen Schiffen angelaufen werden, haben schell erkannt, dass die Touristen, die auf diesem Wege zu ihnen kommen, recht ausgabefreudig sind. Vor allem wohl deswegen wurde in kurzer Zeit eine Reihe von Anlegestellen eingerichtet, so dass nunmehr in elf Städten des Departements Gironde  13 Anlegestellen zur Verfügung stehen. Die Veranstalter von Kreuzfahrten sind damit noch nicht zufrieden und fordern dazu auf, deren Zahl  weiter zu erhöhen. Die dazu erforderlichen Entscheidungen werden erst nach den kommenden Gemeinderatswahlen gefällt, wobei aber ziemlich sicher sein dürfte, dass die meisten der in Frage kommenden Orte sich dieser neuen Variante des Tourismus bereitwillig öffnen werden.  

(G. Richard: Le fleuve s’équipe pour la croisière, in: SUDOUEST, 22. 01. 2020)

 

 

 

Tempo 90 ?

Nachdem von dem zuständigen Ministerium die Regelungen für die Festsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf zweispurigen Straßen ohne feste Mittelplanke neu formuliert worden sind, wird in vielen Departements Frankreichs darüber nachgedacht, zu Tempo 90 zurückzukehren. Allerdings sind dabei spontane Entscheidungen nicht zu beobachten, denn die von der Regierung festgelegten Bedingungen für eine Erhöhung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit wirken durchaus bremsend. Die stärkste Bremse geht dabei von der ministeriellen Vorgabe aus, dass auf den wieder für Tempo 90 freigegebene Strecken durch die Anhebung der Höchstgeschwindigkeit kein Unfallrisiko entstehen darf. Sollte dennoch ein Unfall, der mit der heraufgesetzten Höchstgeschwindigkeit verbunden ist, geschehen, dann, so fürchten die Entscheidungsträger in den Departements, könnten sie dafür verantwortlich gemacht werden und müssten gegebenenfalls Schadenersatz leisten. Im Department Gironde wird es aus diesem Grund keine schnelle Änderungen in der zulässigen Höchstgeschwindigkeit geben.

(B. Lasserre: Le retour aux 90 : une petite tache d’huile, in: SUDOUEST, 22. 01. 2020)

 

 

Wolf in der Charente

Seit mehr als einem Jahrhundert gab es keine Wölfe mehr in der Nouvelle-Aquitaine und speziell im  Departement Charente, bevor kürzlich ein einzelner männlicher Wolf in der Nähe von Angoulême auftauchte, fotografiert und eindeutig als Wolf identifiziert wurde. Dasselbe Tier ist nunmehr wieder aufgetaucht und anhand von Fotos als dasselbe erkannt worden, das die erste Wolfsmeldung ausgelöst hatte. Nachdem man nun weiß, dass dieser Wolf sich seit einigen Wochen in einem Gebiet um die Gemeinde Gurat südlich von Angoulême aufhält, stellt sich die Frage, ob er dort bleiben wird oder nicht. Erst wenn er eine Partnerin gefunden haben sollte, kann angenommen werden, dass er ein festes Revier besetzten wird. Bis dahin ist es jederzeit möglich, dass er auf der Suche nach einer Wölfin weiterzieht und dabei möglicherweise große Strecken in kurzer Zeit zurücklegt.

(B. Ruiz: La présence du loup a été confirmée en Charente, in: SUDOUEST, 22. 01. 2020)

 

 

Schutz der Civelles

Die Civelles, mancherorts sagt man eher Pibales, sind die jungen Aallarven, die in Frankreich angesichts der zurückgehenden Bestände nur noch in kontrolliert kleinen Mengen gefangen und auf den Markt gebracht werden dürfen, wo sie pro Kilo für um die 300 Euro angeboten und gekauft werden. Auf dem parallelen, allerdings nicht legalen, schwarzen Markt werden pro Kilo bis zu 5000 Euro gezahlt, wobei die Abnehmer hauptsächlich in China zu finden sind. Da angesichts der enormen Gewinnmöglichkeiten Civelles auch ohne Genehmigung gefangen werden, führt die  Direction interrégionale de la mer Sud-Atlantique (Dirm) in drei Departements (Charente maritime, Gironde, und Pyrenées atlantiques von 13 Kontrollpunkten aus mit 40 Beamten regelmäßige, vor allem nächtliche Kontrollfahrten durch, die mit einem ausgeklügelten Überprüfungssystem denjenigen, die außerhalb der Legalität Gewinne auf Kosten der Civelles machen wollen, das Leben schwer macht und wesentlichen Anteil daran hat, dass die Maßnahmen zum Schutz der Civelles Wirksamkeit zeigen.

(J. Lestage: Gironde : une nuit avec les agents contre les braconniers de civelles, in: SUDOUEST, 17. 01. 2020, Abend-Ausg.)

 

Leuchtturm von Cordouan

Der Leuchtturm von Cordouan ist immer noch nicht in das Register des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen, aber man hat Hoffnung, dass das in unmittelbarer Zukunft geschieht. Während man mit positiven Erwartungen der kommenden Dinge harrt,  wird der Leuchtturm einer umfänglichen Renovierung unterzogen. Seit 2015 arbeiten an fünf Wochentagen Steinmetze, Maurer und Zimmerleute daran, dem „roi des phares“ seinen etwas verloren gegangenen Glanz zurückzugeben. Seit Oktober konzentrieren sich die Restaurierungsarbeiten auf die Kapelle, die weltweit einmalig, nur in diesem Leuchtturm anzutreffen ist. Ein großer Teil der auszuführenden Arbeiten besteht darin, unter der aggressiven Seeluft schadhaft gewordene Steine gegen neue auszutauschen, wobei man jedoch so behutsam wie möglich verfährt, um dem Bauwerk seine gewachsene historische Dimension zu erhalten.

(R. Chérel: Cordouan, le roi des phares, se fait toujours beau pour l’Unesco, in: SUDOUEST, 17. 01. 2019, Abend-Ausg.)

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Vendays-Montalivet: ein zufriedener Bürgermeister

In seiner Neujahrsrede, die Bürgermeister Pierre Bournel, umrahmt vom gesamten Gemeinderat, am 12. Januar in der Salle culturelle gehalten hat, zeigte sich der oberste Repräsentant der Gemeinde Vendays-Montalivet im ganzen optimistisch. Er verwies zwar darauf, dass die Gemeinde mit 10 Millionen Schulden aus früheren Zeiten belastet sei, deren Abtragung sich bis 2053 hinziehen werde, doch habe man in den letzten Jahren keine neuen Kredite aufgenommen und den Betrag, der für den Schuldendienst aufzuwenden sei, pro Jahr um rund 200.000 Euro reduziert. Man habe erfolgreich neue Einnahmequellen erschlossen, so dass im letzten Jahr 2,2 Millionen Euro zusätzlicher Einnahmen in der Gemeindekasse angekommen seien. Das konsequente Bestreben der Gemeinde, Geld nur dann auszugeben, wenn es zuvor erwirtschaftet worden sei, habe es erlaubt, viele Investitionen der Gemeinde in den letzten Jahren zu ermöglichen, ohne die bestehende Verschuldung zu erhöhen. Vergeblich warteten die Anwesenden allerdings auf eine Aussage des Bürgermeisters über dessen Engagement bei der kommenden Kommunalwahl im März dieses Jahres.

(Chr. Grivalliers: Une cérémonie en forme de bilan, in: SUDOUEST, 18. 01. 2020)

 

Waschbären

Es gibt nicht wenige Menschen, die finden Waschbären irgendwie putzig, weil sie mit ihrer an eine Maske erinnernden Gesichtszeichnung auffallen. Tatsächlich sind diese Tiere Räuber, die zwar klein sind, aber so ziemlich alles auf ihrem Speiseplan stehen haben, was sich nicht schnell genug vor ihnen in Sicherheit bringen kann. Über viele Jahre waren Waschbären in Frankreich nur in kleinen Populationen anzutreffen, während die Bestände in Deutschland schon nach Hunderttausenden zählten. Inzwischen ist der überaus fortpflanzungseifrige Räuber auch bei unseren westlichen Nachbarn an vielen Stellen zu einer Bedrohung für kleine Tiere geworden, weshalb planmäßig Jagd auf sie gemacht wird. Sonderlich erfolgreich sind die Versuche, die Bestände einzudämmen nicht, denn ihre enorme Nachkommenschaft ist kaum zu reduzieren. Dazu kommt, dass die Tiere ungewöhnlich pfiffig sind. Sie schaffen es nicht selten, wenn sie in eine Falle geraten sind, die darin ausgelegten Köder zu vertilgen und anschließend die Tür anzuheben, um das Weite suchen zu können. Inzwischen gehören Waschbären in vier Gegenden Frankreichs zu den Räubern, denen mit Nachdruck, aber nur mäßigem Erfolg nachgestellt wird. Zu den Gebieten mit einer größeren Bestandsdichte gehört auch der Südwesten Frankreichs, wobei das Departement Gironde eine bereits besonders große Waschbärenbevölkerung hat, die sich bis an den Stadtrand von Bordeaux ausgedehnt hat.

(S. Cottin: En Gironde, petit à petit, les ratons laveurs font leur nid, in: SUDOUEST, 17. 01. 2020, Abendausg)

 

Unruhe unter den Weinbaubetrieben

In den ersten elf Monaten des letzten Jahres sind die Verkäufe von nichtperlendem Wein in den Supermärkten Frankreichs um 5,3% im Volumen und 3,9% im Wert zurückgegangen. Die im Weinbau Engagierten beklagen, dass es viele Unsicherheiten gebe, die nicht erwarten lassen, dass die zukünftige Entwicklung positiv verlaufen werde. Als hauptsächliche Belastungsfaktoren gelten die Steuer von 25%, die die USA auf Wein aus Frankreich erheben, die Unwägbarkeiten des Brexit und der Rückgang des Weinabsatzes in Frankreich selbst. In den französischen Supermärkten sind die Verkäufe von Rotwein um 7,6% im Volumen und 6,3% im Wert gesunken. Die Weißweine haben sich vergleichsweise gut gehalten mit einer Abnahme des Absatzes um 0,2% im Volumen bei einer Steigung des Wertes um 1,9%. Rückläufig sind hingegen die Zahlen beim Rosé mit einer Verringerung im Volumen um 4,8% und beim Wert um 3,8%. Beim Export gibt es eine leichte Zunahme gegenüber dem Vorjahr, wobei die Zahlen allerdings unter den Durchschnittswerten der letzten fünf Jahre liegen. Die Exporte in die USA, die bei den französischen Weinausfuhren den ersten Platz einnehmen, sind im November, dem ersten Monat, in dem sich die Steuer von 25% voll auswirkte, um 15% im Volumen und um 21% im Wert zurückgegangen  

(La viticulture française inquiète, in: SUDOUEST, 17. 01. 2020)

 

 

 

Pont de pierre in Bordeaux

Der 1821 dem Verkehr übergebene Pont de pierre war für lange Jahrzehnte die einzige Straßenbrücke, die in Bordeaux über die Garonne führte. Sie hat im Laufe ihres Lebens schon einige Renovierungen und Reparaturen hinter sich gebracht. Die nächste steht in etwa zwei Jahren an. Der erste Schritt dafür wird eine Ausschreibung sein, die die Stadt Bordeaux in den nächsten Wochen auf den Weg bringen wird, um ein auf derartige Arbeiten spezialisiertes Planungsbüro zu gewinnen, das federführend die anstehenden Arbeiten leiten soll. Als eine der ersten dabei zu treffenden Entscheidungen wird die Frage zu klären sein, ob während der Renovierungsarbeiten die Brücke vollständig für den Verkehr gesperrt wird oder ob die Straßenbahn als einziger Benutzer weiter verkehren kann. Der Schwerpunkt der Arbeiten an der Brücke wird darin liegen, das allmähliche Einsinken der Pfeiler in  den Untergrund zu kompensieren und wenn möglich zu stoppen. Zu diesem Zwecke war 2017 bereits eine umfangreiche Sanierung begonnen worden, bei der 26.000 t Gestein zur Stabilisierung der Pfeiler 1 bis 6 eingebaut worden waren. In der nun geplanten zweiten Phase sollen die Pfeiler 7 bis 16 stabilisiert werden. Dafür werden Dutzende von Betonpfeilern in den Untergrund eingebaut werden, die tief in den Untergrund reichen. Nach dem gegenwärtigen Stand der Planungen werden die Arbeiten am Pont de pierre  2023 beginnen und 2025 abgeschlossen.

(D. Lherm: Pont de pierre : une très longue fermeture se profile, in: SUDOUEST, 15. 01. 2020)

 

Umgehung von Le Taillan

Am 13. Januar 2020 vermerkte die Bürgermeisterin von Le Taillan bei ihrer Neujahrsrede mit Zufriedenheit, dass zu den wichtigsten Ereignissen in ihrer Gemeinde im vergangenen Jahr die Wiederaufnahme der Bauarbeiten für die Umgehungsstraße gehöre. Diese Straße wird nicht nur auf das Leben der Einwohner von Le Taillan einen nachhaltig positiven Einfluss haben, weil große Massen von Lastwagen und Pkw, die sich bislang mitten durch den Ort quälen, außen um Le Taillan herumgeführt werden. Auch für Anreisende aus dem Médoc wird sich der Weg von und nach Bordeaux zeitlich merklich verkürzen, allerdings nur, wenn die Umgehungsstraße tatsächlich fertiggestellt wird.

Im Augenblick ist da ein kräftiges Fragezeichen zu setzen, denn fast zeitgleich mit der oben angesprochenen Rede der Bürgermeisterin wurden von Natur’Jalles und France nature environnement zwei neue Einsprüche gegen die Baumaßnahmen eingelegt. Die Begründung für die neueste Aktion gegen den Bau der Umgehungsstraße ähnelt mit der Behauptung, dass durch die Straße eine Biodiversität von überregionaler Bedeutung zerstört würde, denen, die bei früheren Einsprüchen vorgetragen wurden. Einerlei, wie das zuständige Gericht entscheiden wird, wird es dafür Zeit benötigen und bis dahn vermutlich die Bauarbeiten mal wieder stoppen. 

(Jean-Michel Le Blanc: Le Taillan-Médoc (33) : un nouveau recours contre les travaux de la déviation, in: SUDOUEST, 14. 01. 2020, 14.20h, Internet-Ausg.)

 

 

420er Jolle

Die heute weit verbreitete und beliebte 2-Mann Jolle mit der von der Länge abgeleiteten Klassenbezeichnung 420 ist im Vergleich zu anderen Bootsklassen relativ jung. Der erste Prototyp wurde 1959 gesegelt, und die Fertigung in größerem Stil begann 1960. Der Entstehungsort dieses Bootstyps ist dabei eindeutig zu lokalisieren, denn er lag in Bordeaux auf dem rechten Garonneufer bei den Chantiers Lanaverre. Dort wurde aufbauend auf  schon seit 1955 laufenden Vorarbeiten und Versuchen ein 110 kg schweres Boot aus Kunstharz und Glasfiber entwickelt, das innerhalb kurzer Zeit zu einem regelrechten Verkaufsschlager wurde. Die Chantiers Lanaverre stellten in der Mitte der 1960er Jahre täglich bis zu 16 Boote dieses Typs her. Insgesamt wurden 32.000 Exemplare ausgeliefert, doch bekam die schnelle Ausweitung der Produktion der Werft nicht so gut wie man hätte erwarten können.  Als in der Ölkrise der frühen 70er Jahre des 20. Jahrhunderts die Preise der für den Bootsbau benötigten Materialien sich sprunghaft verteuerten, brach damit eine für die Produktion und den Absatz der 420er Jollen wirtschaftlich schwierige Zeit an, die schließlich dazu führte, dass der Betrieb 1976 aufgekauft wurde. Schon zwei Jahre später wurde die Produktion in Bordeaux eingestellt. Seither kommen die immer noch beliebten 420er Jollen nicht mehr aus Bordeaux.    

(G. Richard: Le 420 est né à Bordeaux en bord de Garonne, in SUDOUEST, 14. 01. 2020)

 

 

Abschiedsrede

Serge Laporte, Bürgermeister von Grayan-et-L’Hôpital seit 2001, als er dem legendären Langzeit-Maire Guy Lartigue im Amt nachfolgte, hat seine letzte Neujahrsrede gehalten. Er tritt bei den nächsten Kommunalwahlen im März 2020 nicht wieder an, sondern beendet seine 1980 mit der Wahl in den Gemeinderat begonnene lokalpolitische Laufbahn. Er blickte mit Zufriedenheit auf die 40 Jahre zurück, in denen er sich für seine Mitbürger eingesetzt hat. Er hob dabei hervor, dass sich seit 1980 die Einwohnerzahl von Grayan-et-L’Hôptal auf nunmehr 1390 verdoppelt habe und dass es über die Jahrzehnte gelungen sei, die Gemeindesteuern auf dem niedrigsten Niveau im Médoc zu halten. Er verwies dabei darauf hin, dass Grayan seine eigenen Einnahmequellen habe, deren geschickte Nutzung es erlaubt habe, stets vorsichtigen Gebrauch von der Steuerschraube zu machen. Serge Laporte wünschte seinen Nachfolgern im Amt Geschick und Ausdauer, um diesen Weg in der Zukunft fortzusetzen

(M. Caporal: Émotion aux derniers vœux de Serge Laporte, in: SUDOUEST, 13. 01. 2020)

 

Soulac: Le Signal  und noch kein Ende

Das seit dem letzten Jahr entkernte und nur noch als Betonskelett existierende ehemalige Appartementhaus Le Signal in Soulac steht immer noch, wenig ansehnlich und zunehmend zum unrühmlichen Denkmal für bürokratische Langsamkeit degradiert, auf der Düne am Strand von Soulac. Eigentlich sollte alles klar sein und der vorgesehene Abbruch eingeleitet oder doch zumindest exakt geplant sein, doch in der Realität ist noch nichts wirklich geklärt und terminiert. Solange die Besitzer der 78 Appartements nicht notariell ihre Eigentumsrechte auf den Gemeindeverband des nördlichen Médoc übertragen haben, der als letzter Besitzer des Appartementhauses dessen Abbruch in Auftrag geben soll, stockt die Angelegenheit, zum wiederholten Male, wie man weiß. Dabei ist das Geld, mit dem Besitzer der Wohnungen entschädigt werden sollen, in einem Zusatzhaushalt von der Nationalversammlung bewilligt worden, aber niemand weiß wohl so recht, wo die rund 7 Millionen derzeit liegen. Pessimisten befürchten, dass das Geld verfallen könnte, weil es in dem Haushaltsjahr, in dem es bewilligt worden ist, nicht ausgegeben wurde. Offenbar sollen wohl noch weitere Kapitel zum Thema Le Signal hinzukommen. Man wird sehen.

(J.-D. Renard: Soulac (33): Le Signal passe le cap 2020 et… ses copropriétaires attendent toujours, in: SUDOUEST, 11. 01. 2020, 13.50h, Internet-Ausg.)

 

 

142 Flaschen für 100.000 Euro

Das Auktionshaus Sotheby’s in London versteigerte kürzlich eine Partie von 142 Flaschen Médocwein aus dem im Anbaugebiet Saint-Julien gelegenen Château Talbot, das 1855 als Cru classé eingestuft wurde. Das zur Versteigerung anstehende Los enthielt Flaschen aus den Jahrgängen von 1926 bis 2010, mit denen daran erinnert werden sollte, dass die gegenwärtige Besitzerfamilie das Château vor 100 Jahren erworben hatte. Die Auktion verlief mehr als lebhaft, denn der Preis, zu dem die 142 Flaschen in der Eröffnung angeboten wurden, wurde schließlich auf das Dreifache gesteigert, so dass der Erwerber schließlich bei 97.681 Euro den Zuschlag erhielt, was einem stolzen Durchschnittspreis pro Fasche von rund 690 Euro entspricht.

(Enchères : près de 100 000 euros pour le château Talbot, in SUDOUEST, 07. 01. 2019)

 

Probleme mit den Merlot-Trauben

Der Merlot ist im Bordelais die am häufigsten angebaute Rebsorte. Über lange Zeiten war das  offenbar gut, denn die Merlottrauben haben einige Vorteile, die andere Arten nicht haben. Dazu zählt vor allem die Eigenheit, dass diese Trauben auch nach kühlen und verregneten Sommern reif werden. Gerade diese Eigenschaft wirkt sich aber seit ein paar Jahren negativ aus, wenn die Durchschnittstemperaturen über längere Zeit über dem langjährigen Mittel liegen. Dann steigt der Alkoholgehat deutlich und unerwünscht an und führt zu Problemen. Der Anstieg der Alkoholwerte ereignet sich in der Regel Ande August und Anfang September, in einer Zeit, in der die Reifung der Trauben noch nicht abgeschlossen ist, weshalb eine früher angesetzte Weinlese als Problemlösung nicht in Betracht kommt, wenn ein qualitativ hochstehender Wein angestrebt wird. Der derzeit einzige Ausweg ist die Mischung der Merlottrauben mit Cabernet sauvignon oder Cabernet franc. Auf mittlere Sicht werden die Flächen, die mit Merlottrauben bepflanzt sind, abnehmen und andere Rebsorten wie Petit verdot und Malbec an deren Stelle treten, die bislang weniger beliebt waren, weil sie nicht in allen Jahren voll ausreiften. Daneben werden Experimente durchgeführt mit Rebsorten aus Portugal, die mit höheren Temperaturen reifen ohne die unerwünschte Steigerung des Alkoholgehaltes. Der wohl ununmgängliche Wandel von den Merlottrauben zu anderen Reben wird nicht über Nahe geschehen, aber in einem Zeitrum von wenigen Jahrzehnten doch zu einem starken Rückgang der Merlotbestände im Bordelais führen.

(C. Compadre: Le merlot, maillon faible du vignoble régional ? in: SUDOUEST, 10. 01. 2020)

 

Notre-Dame de Paris ist noch nicht gerettet

General Jean-Louis Georgelin, der den Auftrag hat, die Restaurierung der im April 2019 durch einen verheerenden Brand schwer geschädigten Kathedrale zu leiten, warnte vor allzu optimistischen Einschätzungen des Zustandes des Gebäudes. Derzeit sei immer noch nicht sicher, ob die Statik der Baulichkeiten Anlass zu Sorgen gebe, wobei vor allem die Festigkeit der Gewölbe analysiert werden müsse. Erst wenn die architektonischen Überprüfungen zu belastbaren Ergebnissen geführt hätten, könne man die danach notwendigen Restaurierungsarbeiten ausschreiben. Dabei bestehe zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Einigkeit über die konstruktive Gestaltung des Dachstuhls und des Dachreiters. So wie es aussieht, wird mit den Wiederaufbauarbeiten frühestens im Jahr 2021 begonnen werden können, was begründete Zweifel daran aufkommen lässt, ob die von Präsident Macron gewünschte Wiederherstellung der Kathedrale zu den Olympischen Spielen 2024 möglich ist.

(Sudouest.fr avec AFP: Notre-Dame de Paris « n’est pas sauvée », aucun choix n’est arrêté pour la charpente et la flèche, in: SUDOUEST, 05. 01. 2020, 11.54h, Internet-Ausg.)

 

 

Publikumsmagnet Blaye

Die auf Vauban zurückgehende Zitadelle Blaye, die einst den Kern des Festungsriegels darstellte, der die Gironde kontrollierte, um vor allem Bordeaux gegen feindliche Einfälle zu schützen, verzeichnet Jahr für Jahr steigende Besucherzahlen. 2019 waren es rund 460.000 nach 446.000 im Vorjahr. Ein Teil des angewachsenen Besucherstroms ist den Kreuzfahrtschiffen zu verdanken, die mittlerweile in recht großer Zahl die Gironde hinauffahren. Ein anderer Teil der zunehmenden Beliebtheit der Zitadelle bei Touristen geht zurück auf die Anstrengungen, die man unternommen hat, um jüngeren Besuchern den Besuch der Örtlichkeiten schmackhaft zu machen. Dazu gehört vor allem das Spiel « Sur les pistes de Robin», das für mehrere Altersstufen konzipiert wurde und auf kurzweilige Weise duch die Zitadelle und ihre befestigungstechnischen Geheimnisse führt. Zusätzliche Attraktivität erhält Blaye durch mehrere Veranstaltungen, die im Laufe des Jahres weitere Besucher anziehen. Das erste davon ereignet sich mit dem Printemps des vins de Blaye am 18. und 19. April 2020.

(Pierre Lascourrèges: A Blaye, la citadelle bat tous les records, in: SUDOUEST, 07. 01. 2020)

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Problemfisch Wels?

Früher war bestimmt nicht alles besser, aber in bezug auf die Welse müsste man den Spruch vielleicht modifizieren, denn bis 1980 traten diese Fische in den Gewässern des Südwesten Frankreichs nicht auf. Wie sie, die eigentlich aus dem sudosteuropäischen Raum stammen, in die Garonne und Dordogne gelangt sind, weiß man nicht genau, aber sie sind da, und das in zum Teil beeindruckender Größe. Angler haben mehrfach von Exemplaren von über zwei Metern Länge mit Gewichten von über 100 kg berichtet, die sie nach dem Fang meist wieder ins Wasser bugsiert haben. Fische dieser Größe haben in den Flusssystemen von Garonne und Dordogne keine natürlichen Feinde. Da sie alles fressen, was sich nicht vor ihnen in Sicherheit bringen kann, bedrohen sie die Fischbestände in den Gewässern, in denen sie sich angesiedelt haben. Davon sind besonders Neunaugen und Alsen betroffen, deren Bestände dramatisch nachgelassen haben. Zwei Studien, die kürzlich abgeschlossen wurden, belegen, dass die Welse erheblichen Anteil am Rückgang der Neunaugen- und Alsenbestände haben. Die Flussfischer hätten es am liebsten, wenn die Welse wieder verschwinden würden, was aber wohl illusorisch ist. Hinsichtlich der Frage, wie man mit den Welsen verfahren soll, sind die Ansichten aber noch nicht zu einheitlichen Ergebnissen gekommen. Unklar ist dabei unter anderem, ob man die großen Exemplare wegfangen soll oder nicht. Die Experten raten dazu, es nicht zu tun, da die Welse zum Kannibalismus neigen und jüngere Exemplare der eigenen Art genauso wegfressen wie anderes Getier und auf diese Weise den Bestand ihrer eigenen Art dezimieren. Bevor es hier zu abschließenden Positionen kommt, sind sicher noch einige Untersuchungen erforderlich.

(D. Bozec: Le silure pris dans les filets, in: SUDOUEST, 06. 01. 2020)

 

 

 

Rekordteilnehmerzahl

Für die am zweiten Januarwochenende stattfindenden Wettbewerbe der Gurp TT haben sich über 1000 Teilnehmer angemeldet. Das Hauptrennen zählt zur französischen Meisterschaft der Sandbahnrennen für Motorräder. Die Vorbereitungen des ausrichtenden Moto Club des Esteys sind weitgehend abgeschlossen. In die Meldelisten haben sich 1016 Teilnehmer eingetragen, davon 600 für das Motorradrennen. 2019 waren es 519. Hinsichtlich der Zuschauerzahlen rechnet man mit mehr als 15.000 Schaulustigen. Die Veranstalter haben eine Reihe von Auflagen zum Schutz der Umwelt erfüllen müssen, um die Genehmigung zur Duchführung der Rennen zu erhalten. Man betont dabei, dass in diesem Jahr die Zusammenarbeit mit der Präfektur, die die Genehmigung erteilt, konstruktiver war als für die Wettbewerbe 2019, wo man angesichts der Auflagen daran gedacht hatte, Gurp TT ausfallen zu lassen.

(J. Lestage: Plus de 1 000 pilotes inscrits à la Gurp TT, in: SUDOUEST, 06. 01. 2020)

Zum Zeitplan: Klick

 

 

 

Kunst im U-Bootbunker

Der aus dem zweiten Weltkrieg stammende U-Bootbunker in Bordeaux war in den letzten Jahren während der meisten Zeit geschlossen und wurde nur für kürzere Ausstellungen vorübergehend geöffnet. Das wird sich vom 18. April 2020 an ändern, denn dann wird in vier der Boxen des Bunkers die zum Energieversorger Engie gehörende Gesellschaft Culturespace eine Dauerausstellung eröffnen, bei der Kunstwerke in digitalisierter Form auf die Wandflächen projiziert werden. Dabei werden auf einer Fläche von 14.500 m² 85 Videoprojektoren zunächst Werke von Gustav Klimt und Paul Klee vorgestellt. Zur Zeit läuft das Verfahren zur Sicherheitsüberprüfung der Veranstaltung, das bis zum März abgeschlossen werden soll.

(L’ouverture des Bassins de lumière à la Base sous-marine, in: SUDOUEST, 04. 01. 2020)

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Mehr Geburten

In der Klinik Lesparre ist man mit den Ergebnissen des zurückliegenden Jahres mehr als zufrieden, und das besonders in der Geburtsabteilung, in der 2019 280 Kinder zur Welt kamen. Gegenüber dem Vorjahr war das eine Steigerung um 28 Geburten. Der Trend geht schon seit längerem nach oben, wobei naturgemäß Tage mit großen Aktivitäten und solche, an denn es ruhiger zugeht, abwechseln. Besonders aktiv war das Team der Klinik an den Weihnachtstagen, als es vier neue Erdenbürger gab. Dafür ist jetzt erstmal etwas Ruhe eingekehrt, denn die nächste Geburt wird erst für den 6. Januar 2020 erwartet. Das Team der Geburtshilfeabteilung der Klinik in Lesparre besteht aus 2 Gynäkologen, acht Hebammen und acht Krankenschwestern. Zur Zeit bemüht man sich um die Verpflichtung eines Kinderarztes, um die bereits bestehenden Kapazitäten zur Vorsorge bei Kleinkindern weiter auszubauen.

(J. Lestage: 2019 : 28 bébés de plus à la clinique de Lesparre, in: SUDOUEST, 04. 01. 2020

 

Neujahrswünsche in Frankreich

Ein Ausländer, der ordentlich französisch spricht, kommt gleich gut in Strassburg, in Marseille, Biarritz und Brest zurecht, woraus viele den Schluss ziehen, dass das, was man als Standardfranzösisch betrachtet, im gesamten französischen Staatsgebiet auch die unangefochtene Norm sei. Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig, denn es gibt eine Menge regionaler Spracheigenheiten, die sich immer noch aufspüren lassen. Das geht z. B. gut bei den Neujahrswünschen, die oft nur in ihrer Region verstanden werden.

So wünscht man sich etwa im Elsass ein gutes neues Jahr mit  A Güata Rutsch oder a glicklig nèi Johr , je nachdem ob man zur vorfranzösischen alemannischen oder moselfränkischen Regionalsprache tendiert. Wer davon keine Ahnung hat, wünscht im Elsass eher une bonne glisse. In Marseille lässt man hören Bon bout d’an! und hängt vielleicht nach an et à l’an que ven. Im gascognisch geprägten Südwesten sagt man Bona Annada.

Im Baskenland heißt es Urte Berri On, während man in Korsika La paix et la Santé wünscht. In der Bretagne ruft  man sich zu Bloavezh mat, in der Picardie Boène Énée.

Damit ist die Liste der regionalen Eigenheiten noch nicht geschlossen, aber wir beenden sie hier. Wer jetzt meint, er müsse sich schnellstens in die Besonderheiten seiner Region einfuchsen, dem kann geraten werden zu warten, denn die regionalen Sprachen bzw. Dialekte sind frankreichweit auf dem Rückzug. Sie werden meist nur noch von Bürgern weitergereicht, die mittlerweile nahe dem Rentenalter sind oder jenseits davon, so dass bald tatsächlich das eintreten wird, was die Vertreter der französischen Hochsprache schon seit der Zeit anstreben, in der die Académie Française im Jahre 1635 gegründet wurde, um dem vom König und seiner Umgebung gesprochenen Französisch zum Durchbruch zu verhelfen.

(A. Develey: Comment souhaite-t-on une bonne année dans votre région? in: Le Figaro, 01. 01. 2020, Internet-Ausg.)

 

 

 

Wieder Munitionsfunde in Montalivet

Am Hauptstrand von Montalivet sind am 30. Dezember 2019 von einem Strandwanderer sechs Granaten aus dem zweiten Weltkrieg gefunden worden, die dieser vernünftigerweise nicht berührt hat. Stattdessen informierte er die Polizei, die Minenräumspezialisten anforderte, die mit einem Metalldetektor eine weitere Granate aufspürten. Die immer noch gefährlichen Funde aus deutscher Produktion vom Kaliber 8,8 cm wurden in einer kontrollierten Sprengung am nördlichen Strand von Montalivet unschädlich gemacht.

Nach Stürmen sind derartige Funde an den Stränden des Médoc noch heute nicht gerade selten. Im letzten Jahr wurden im Strandbereich von Montalivet 8 Munitionsfunde registriert, die allesamt problemlos entschärft werden konnten. Da auch zukünftig Munition an den Stränden des Médoc freigespült werden kann, ist daran zu erinnern, dass metallische Objekte im Strandbereich, die nicht eindeutig als ungefährlich zu identifizieren sind, mit Vorsicht behandelt werden müssen. Auch wenn diese Relikte des letzten Krieges schon jahrzehntelang unter dem Sand gelegen haben, ist damit keine Garantie gegeben, dass sie ihre explosive Gefährlichkeit verloren haben. Bei einem derartigen Fund ist die Polizei oder die zuständige Mairie zu informieren, wo dann das Erforderliche veranlasst wird. Alles andere ist Leichtsinn, der schlimme Folgen haben kann.

(Chr. Grivalliers: Médoc : sept obus de la Seconde Guerre mondiale détruits à Montalivet, in: SUDOUEST, 02. 02. 2020, 17.40h, Internet-Ausg.)

 

 

Dauerthema Erosion

An der Dünenkante des Médoc zeigt sich dauernd und unübersehbar, dass die Erosion auf dem Vormarsch ist, mal weniger stark, dann wieder in deutlich sichtbaren Schüben. Für die Gemeinden an der Küste, die ihren wirtschaftlichen Schwerpunkt im Tourismus haben, ist das ein Phänomen, das ihre materielle Existenz direkt betrifft. Sie müssen, ob sie wollen oder nicht, den Kampf aufnehmen, wobei sie jedoch das Fortschreiten der Erosion allenfalls verlangsamen können. Aufhalten oder gar umkehren können sie diesen Prozess nicht. Zudem sind die Voraussagen schon für die nächste Jahrzehnte beunruhigend, denn die Experten gehen davon aus, dass der Meeresspiegel bis 2050 im schlimmsten Fall um drei Meter ansteigen wird, die weniger bedrohlichen  Szenarien gehen von einem Meter aus, was auch noch eine Menge Probleme aufwirft. Dabei verfolgen die Gemeinden des Médoc unterschiedliche Strategien. In Lacanau und L’Amelie z. B. setzt man auf massive Befestigungen der Dünenkante mit schweren Felsbrocken, deren begrenzte Widerstandsfähigkeit man allerdings im Winter 2013/2014  feststellen musste. In Montalivet hat man sich dafür entschieden zu akzeptieren, dass in den Wintermonaten Sand abgeschwemmt wird, der dann maschinell wieder aufgefüllt wird. In Grayan unternimmt die Gemeinde relativ wenig, wobei man allerdings anders als in Lacanau, Montalivet und anderswo keine Bebauung hat, die direkt hinter der Dünenkante beginnt und daher um nahezu jeden Preis verteidigt werden muss. Im übrigen überlässt man es der Firma Euronat in ihrem Strandbereich dafür zu sorgen, dass zu Sommerzeiten für die Saisongäste genügend Sand vorhanden ist. Und das hat, wie man sehen konnte, in den letzten Jahren recht gut funktioniert.

(J. Lestage: Érosion : une lutte sans fin qui génère un coût, in: SUDOUEST, 01. 01. 2020)

 

 

Neujahrsansprache des Staatspräsidenten

Präsident Macron hat in seiner Neujahrsansprache keine Zweifel daran gelassen, dass er die Reform des französischen Rentensystem zu Ende bringen will. Damit hat er eine klare Botschaft an die Gegner der Reform geschickt, die ihrerseits bereits signalisiert hatten, dass ihr Widerstand fortgesetzt würde. Macron hob aber hervor, dass für die Berufe mit besonders anstrengenden Tätigkeiten ein Rentenbeginn zu einem früheren Termin als für die Masse der Beschäftigten vorgesehen sei. Es bleibt abzuwarten, ob sich damit ein Weg zu einem konstruktiven Kompromiss ebnen lässt. Derzeit unterstützen noch 51% der Franzosen den Widerstand gegen das Rentenprojekt der Regierung.

(Sudouest.fr avec AFP: Voeux d’Emmanuel Macron, « la réforme des retraites sera menée à son terme » in: SUDOUST, 31. 12. 2019, 21.03hz, Internet-Ausg.)

 

 

RD 1215 in Lesparre

Der Abschnitt der RD 1215, der in Lesparre von dem Bahnübergang bis zum Rond point nahe an der Klinik reicht, steht kurz vor der Fertigstellung. Kurz vor Weihnachten wurde die Umleitung aufgehoben, so dass der Fahrzeugverkehr wieder in beiden Richtungen ungehindert fließen kann. Es stehen noch abschließende Arbeiten auf den Bürgersteigen aus, die jedoch den Durchgangsverkehr nicht beeinträchtigen. Damit gehört für die rund 13.000 Fahrzeuge, die täglich durch Lesparre fahren, eine zeitraubende und wenig angenehm zu fahrenden Umleitung der Vergangenheit an. Die Arbeiten waren auf 4,5 Millionen Euro ohne Steuern veranschlagt worden, die bis auf eine Zuschuss des Departements in Höhe  von 680.000 Euro von der Gemeinde Lesparre getragen werden

(V. Faugerolle: Bientôt la fin des travaux sur la RD 1215, in: SUDOUEST, 30. 12. 2019)