Kiefernprozessionsspinner

 

 

Der Mittelteil einer langen Prozession, die zeigt, warum der Kiefernprozessionspinner so heißt, wie er heißt.

Nicht immer geht der Prozessionszug sofort in Richtung auf einen Untergrund, in den sich die Raupen zum Verpuppen eingraben könne.

 

Eine junge Kiefer, die oben ein Nest trägt. Die darin hausenden Prozessionsspinnerraupen haben bereits einen großen Teil der Nadeln abgefressen. Das verlangsamt das Wachstum der Kiefer, im Wiederholungsfall kann der Baum absterben

 

 

Mehrere Nester in umittelbarer Nachbarschaft, eine schwere Belastung für die Kiefer

Die Raupen der Kiefernprozessionsspinner sind von einer Unzahl feiner Härchen, angefüllt mit aggressiven Substanzen, umgeben, die bei empfindlichen Menschen unangenehme Hautreizungen und in einzelnen Fällen sogar Atem- und Kreislaufbeschwerden auslösen können. Daher sollte man auf jeden Fall Hautkontakte mit Raupen oder ihren Nestern vermeiden.

Die Reizungen durch die Härchen der Kiefernprozessionnspinnerraupen überdauern die Lebenszeit der Raupen. Auch alte, ausgediente Raupennester wie das hier gezeigte, sollten auf keinen Fall mit bloßen Händen berührt werden, sondern mit einer Schaufel entfernt und am besten mit Sand abgedeckt werden.

Noch ein altesNest, bei dem wie auch bei der folgenden Aufnahmen noch Reste des Gespinstes zu erkennen sind, mit denen die Raupen ihr Netz gegen winterliche Temperaturen geschützt haben.

 

Die Raupen der Kiefernprozessionsspinner schützen sich gegen Fressfeinde weitgehend durch ihre aggressiven Härchen. Lediglich die Puppen, die im Boden ihre Verwandlung  zu kleinen schmucklosen Schmetterlingen erwarten, sind etwas gefährdet, doch auch hier gibt es keine große Gefahr, da die Wiedehopfe, die die Puppen der Kiefernprozessiosspiner gern aus dem Boden holen, nicht sehr zahlreich sind.

Ein Wiedehopf auf Nahrungssuche

Ein Wiedehopf mit einer Insektenpuppe im Schnabel, möglicherweise die Puppe einer Kiefernprossionspinnerraupe

___________________________

In der ersten Hälfte der achtziger Jahre sind die Raupen des Prozessionsspinners eine schlimme Plage in  Euronat gewesen. Hier der  Bericht einer Euronat-Bewohnerin aus dieser Zeit. :

Renate Stottmeister (2008):

Die Kiefernprozessionsspinner: Mitte der 80er Jahre eine wahre Plage!!!!

In dieser Zeit krochen die Raupen in Mengen über die Straßen. Eigentlich eindrucksvoll: In langen Schlangen – die Raupen hielten sich mit dem Vorderteil am Hinterteil der vor ihr kriechenden fest.  So ließen sie sich leicht „auf die Schüppe nehmen“ und in die Tüte befördern.

In dieser Zeit gab es auch sehr viele Vögel: vor allen Dingen viele Wiedehopfe. Diese sind ja inzwischen seltener geworden. Und den Kuckuck hörte man dauernd, so wie heute die Tauben……

Morgens sah man im Tau auf dem Boden so kleine Gespinste, aber es waren keine Spinnen, die Netze gemacht haben. Und viele viereckige Löcher im Boden, wo Wiedehopfe gegraben haben, um die verpuppten Raupen zu holen.

Wir waren im Frühjahr da und haben -zusammen mit Nachbarn- eingesammelt, was ging. Bewaffnet mit Papiertüten (vom Bäcker) und einer Kehrschaufel ging es los. Zurück wurden die vollen Tüten in den brennenden Ofen geworfen.
Andere sammelten in Plastiktüten, verknoteten diese und warfen es in den Müll.
Im Herbst (auch in der Zeit) wurde mit Hubschraubern gespritzt, was viele Proteste nach sich zog. Schließlich saß man draußen in der Sonne und hatte Essen auf dem Tisch! Angeblich soll es für Menschen ungefährlich gewesen sein.

Versuche der Bekämpfung im Jahre 2010 in Euronat

Mitte Oktober 2010: Ein Auto mit spezieller Bestückung durchfährt Amérique du Nord mit beträchtlicher Rauch- und Geräuschentwicklung. Verstäubt wird bei dieser Aktion ein Mittel, das die Raupen des Kiefernprozessionspinners vernichten soll.

Kurzzeitig rauchfrei zeigt das Gerät, das zuvor schon in Amérique du Sud im Einsatz war, seine wesentlichen Bestandteile. Der Tank rechts enthält das zu zerstäubende Mittel, mit dem die Raupen des Kiefernprozessionsspinners bekämpft werden sollen.

Die Rauchwolke zeigt aber auch die Schwächen des angewendeten Verfahrens: Das verstäubte Mittel breitet sich nur in der unmittelbaren Umgebung der Straßen aus, die das zerstäubende Fahrzeug befährt,. Und selbst da reicht die Wirkung nicht sehr hoch.

Nochmal ein Eindruck von der begrenzten Reichweite des eingesetzten Mittels.

Und nochmal: da, wo der Wind mithilft, verbreitet sich der Nebel des verstäubten Mittels auch neben den Straßen, wie man sieht, jedoch nicht bis in die Wipfel der Bäume. Da, wo der Wind nicht hilft, kommt es jedoch nicht hin. Es wird deutlich, dass dieses Verfahren der Verstäubung einen großen Teil der Nester der Raupen der Kiefern-Pozessionsspinner nicht erreicht. 

 

____________________________________________

Um Energie zu sparen, rücken wir noch einen Beitrag ein, der vor einiger Zeit in den Médoc-Notizen zu lesen war:

Mehr als 7,5 Milliarden in Aquitanien

Gemeint sind die überaus unerwünschten Raupen des Prozessionsspinners (chenilles processionaires), die die Nadeln der Kiefern Aquitaniens fressen und damit das Wachstum und die Gesundheit der Bäume stark beeinträchtigen. Nachts ziehen sich die Raupen in ein wärmendes Nest zurück, das aussieht, als wäre es aus weißer Seide. Durch das Nest geschützt, können die Insekten im Winter aktiv sein.
Die Raupen treten alle fünf bis sieben Jahre besonders zahlreich auf. Man weiß natürlich nicht, wieviele es davon gibt, aber die Schätzungen sind recht zuverlässig. Für 2005 wurde eine Zahl von 7,5 Milliarden Raupen, verteilt auf 75 Millionen Nester errechnet.
Die Wissenschaft interessiert sich für diese Tiere nicht nur wegen der von ihnen verursachten Waldschäden, sondern auch, weil sie als Indikatoren für den Klimawandel gelten. Sie benötigen Temperaturen über null Grad in der Nacht und über 9 Grad tagsüber, damit sie ihre Nester verlassen und sich ernähren können. In den Nestern können sie es bis zu 16 Grad unter Null aushalten.  Bis in die achtziger Jahre war die Nordgrenze ihrer Verbreitung etwa die Loire-Linie. Inzwischen werden sie in der Normandie und am Stadtrand von Paris gesichtet.
Die Raupen haben die für Menschen und Tiere unangenehme Eigenschaft, dass ihre Härchen schmerzhafte Hautreizungen hervorrufen, die bei empfindlichen Menschen und Tieren bedrohliche Folgen haben können. Dazu muss nicht einmal direkter Hautkontakt bestehen, da die Raupen diese Härchen abwerfen, wenn sie sich bedroht fühlen, und dann verbreiten sie sich in der Umgebung. Es gibt zwar inzwischen Mittel, die die Wirkungen der Raupenhärchen mildern können, die beste Empfehlung ist jedoch, jeglichen Kontakt zu vermeiden.
Seit die Bekämpfung der Schädlinge mit chemischen Produkten verboten worden ist, muss  man auf biologische Mittel ausweichen und die natürlichen Feinde der Raupen fördern. Dazu zählen der Wiedehopf, der Kuckuck, der Ziegenmelker und einige Meisenarten.
Da man festgestellt hat, dass die Prozessionsspinnerraupen Birken und Eichen meiden, versucht man, durch die gezielte Anpflanzung von Eichen- und Birkengürteln die Ausbreitung der Insekten zu beschränken. Es werden auch Versuche mit Duftstoffen, die von Eichen und Birken ausgehen, unternommen, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen.

(Jacques Ripoche: Plus de 7,5 milliards en Aquitaine !, in: SUD OUEST, 17. Nov. 2008)