Médoc-Notizen Okt. – Dez. 2018

Neue Arbeitsplätze

Bordeaux ist nicht nur beim Zuzug neuer Bewohner im Aufwind, sondern auch bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Deren Zahl nahm 2014 um 1.200 zu, 2015 waren es 5.100, 2016 kamen 9.100 hinzu und im letzten Jahr 11.000. Die Pläne der Stadtverwaltung für die Jahre bis 2030 gehen von der Einrichtung weiterer 100.000 neuer Stellen as, was nach den Werten für die letzten Jahre realistisch erscheint. Der größte Teil der bisher entstandenen neuen Arbeitsplätze wurde durch die Vergrößerung bestehender Firmen bewirkt, doch ging ein Teil der Zuwächse auch auf das Konto neu gegründeter Unternehmen, von denen in den letzten Jahren jeweils rund 70 bis 80 gezählt wurden. Bordeaux nimmt hinsichtlich der Zunahme der Beschäftigtenzahlen nach Paris und Nantes den dritten Platz unter den französischen Großstädten ein. Es besteht kein Anlass, anzunehmen, dass sich das in absehbarer Zukunft ändern wird, auch wenn es Bereiche wie etwa den Hafen gibt, in denen die Zahl der Beschäftigten stagniert oder zurückgeht.

(X. Sota: 11 000 emplois créés en 2017, in: SUDOUEST, 19. 10. 2018)

 

 

Monsieur le Maire gibt Einblicke

Alain Juppé, mit einer kurzen Unterberechung seit 1995 Bürgermeister von Bordeaux, gilt nicht gerade als unnahbar, aber er gibt nicht gern Einblicke in seine innere Gedanken- und Gefühlswelt. Nun hat er bei den Éditions Plon einen Dictionnaire amoureux de Bordeaux veröffentlicht, in dem er in alphabetischer Folge Dinge und Ereignisse anspricht, zu denen er eine besondere Beziehung hat. Dass dabei die Stadt Bordeaux, die er seit über zwei Jahrzehnten geprägt hat, eine Hauptrolle spielt, verwundert  nicht sonderlich. Er wehrt sich dabei auch gegen Kritik, die er für unberechtigt hält, so z. B. wenn man ihm vorwirft, er habe Bordeaux „mineralisiert“, also unter Steinen begraben. Dem hält er entgegen, dass in seiner Amtszeit ein Park von 40ha Fläche angelegt worden sei, und dass die Bepflanzungen der Quais der Garonne belege, dass das innerstädtische Grün in den Planungen der Verwaltung stets eine gewichtige Rolle gespielt habe.

(B. Béziat: Les confidences de « l’amoureux » Juppé, in: SUDOUEST, 18. Oktober 2018)

 

 

Petition gegen Sandabbau

Der Verein Estuaire pour tous, der sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, umweltschädliche Eingriffe im Bereich der Girondemündung zu verhindern, hat eindeutig Stellung bezogen gegen das Vorhaben, vom Banc du Batelier (vor der Küste nördlich von Royan) im Verlauf der nächsten 30 Jahre 13 Millionen Kubikmeter Sand abzubaggern, weil diese Maßnahme irreparable Auswirkungen auf das sensible Umweltgefüge in diesem Küstenbereich haben würde. Zudem, so führt der Verein an, habe sich herausgestellt, dass die Simulationen über die angebliche Umweltverträglichkeit der Sandentnahme, die die Firmen vorgelegt hätten, die diese betreiben wollten, auf unzutreffenden Annahmen aufgebaut sei.

Aus diesem Grund startet der Verein Estuaire pour tous eine Petition, die an das für die Erteilung der Abbaugenehmigung zuständige Ministerium für Wirtschaft und Finanzen gerichtet wird und die unter Hinweis auf die ökologisch bedenklichen Folgen erreichen will, dass die Genehmigung zum Sandabbau am Banc du Batelier nicht erteilt wird.

Wenn Sie einen Beitrag dazu leisten wollen, dass der Mündungsbereich der Gironde so erhalten bleibt, wie man ihn heute kennt, dann sollten Sie sich der Petition anschließen.

Wenn Sie das wollen: Klick

 

 

Blauer Wein

Vor fünf Jahren haben sich fünf Studenten aus dem spanischen Baskenland vorgenommen, die Welt mit einem Wein zu überraschen, wie es ihn noch nie gegeben hat, und der sollte blau sein, mithin also signifikant abweichen von der Farbpalette der herkömmlichen Weine. Nach zwei Jahren intensiven Experimentierens und Probierens haben sie 2015 das Untennehmen Gik Live! gegründet, das heute 12 Angestellte hat und schon im ersten Jahr 30.000 Flaschen des neuartigen Weins verkaufen konnte. Im letzten Jahr wurden bereits 500.000 Flaschen abgesetzt und in 21 Länder verkauft. An der Spitze der Abnehmerländer stehen die USA, was vielleicht wenig Verwunderung auslöst, wenn man bedenkt, wozu man in diesem Land fähig ist, doch schon auf dem zweiten Platz folgt Frankreich.

Bei der Entstehung des blauen Weins folgt man mehr oder weniger den Prinzipien der konventionellen Vinifikation. Die blaue Farbe entsteht durch Mischung von weißen Trauben mit ein wenig roten, und das vor der Fermentierung. dann werden Farbstoffe zuesetzt, die teilweise aus den Häuten roter Trauben gewonnen werden, teilweise aber auch aus zwar natürlichen, aber nicht in den Weintrauben vorkommenden Pigmenten bestehen. Das Ergebnis hebt sich jedenfalls farblich von den Weinen ab, die man bisher kannte. Die junge Firma Gik Live! peilt in diesem Jahr einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro an, für ein junges Unternehmen ein honorables Ergebnis. Und schon gibt es die ersten, freilich nicht autorisierten, Nachahmungen aus chinesischen Produktionsstätten. Die Châteaux des Médoc machen sich allerdings keine Gedanken, ob sie ihre Produktpalette um einen neuen Farbton erweitern sollen.

(M. Barraux: On a goûté le Gik Blue : un vin basque et… bleu, in: SUDOUEST, 18. 10. 2018, Abend-Ausg.)

 

 

Radarbilanz

Die französischen Behörden sind eher reserviert, wenn sie sich zu den Aktivitäten der Radargeräte für die Verkehrsüberwachung äußern sollen, aber mittlerweile machen die Medien ordentlich Druck, so dass dann doch Zahlen an die Öffentlichkeit kommen. Danach haben die Radargeräte im letzten Jahr in Frankreich 16 Millionen mal ausgelöst, wobei die Zahlen für die Radargeräte, die Ampeln überwachen, eigenartigerweise nicht mitgezählt wurden. Insgesamt gibt es an Frankreichs Straßen 4.446 Radargeräte, von denen 29% fest installiert sind, 9 % sind mobil, d. h. sie können an wechselnden Standorten abgesetzt werden. 21% der Radargeräte sind in Fahrzeugen eingebaut, 16% stehen an Ampeln, 16% messen die Geschwindigkeit in beiden Richtungen, und 19 % passen in keine der genannten Kategorien. Von den 16 Millionen Blitzauslösungen führten rund 75% zu Bußgeldbescheiden. Die staatlichen Kassen haben ihre Einnahmen aus Aktivitäten der Radargeräte zwischen 2009, als die Bußgelder 509 Millionen eingebracht haben, und 2018 nahezu verdoppelt. Für 2019 rechnet man damit, dass erstmals mehr als eine Milliarde Euro erreicht werden, wobei sich die Beträge nicht zuletzt wegen der neuen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf dem größten Teil des Straßennetzes einnahmensteigernd auswirken werden.

(F. Sallet: Le nouveau Top 100 des radars automatiques en France, in: SUDOUEST, 16. 10. 2018, 8.36h, Internet-Ausg.)

 

 

Erinnerungsarbeit

Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt zwar schon mehr als sieben Jahrzehnte zurück, aber nicht nur die betonierten Zeugen des Atlantikwalls ragen in unsere Zeit und geben Anlass zu Fragen. Die letzten Kampfhandlungen im Médoc fanden erst am 20. April, also kurz vor der deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 ihr Ende, als sich die letzten Soldaten der Wehrmacht in der sogenannten Festung Gironde Süd nördlich von Soulac ergaben.

Seit beinahe 20 Jahren kümmert sich Jean-Paul Lescorce um diese Bunker, von denen er mehr als zwanzig in mühseliger Handarbeit freigelegt und zugänglich gemacht hat. Seither hat er eine kaum noch zu zählende Schar von Interessierten an der Erinnerungsarbeit, die er leistet, teilhaben lassen, und das Interesse an seinen Führungen nimmt nicht ab, sondern eher zu.

Während die Bunker als stumme Zeitzeugen einen direkten Zugang zu dem Abschnitt der Geschichte, in dem sie entstanden sind, ermöglichen, steht es weniger gut um die Erinnerung an die persönlichen Schicksale der rund 3000 deutschen Soldaten, die die Kämpfe überlebt haben und danach in französische Gefangenschaft gerieten. Hier gehen die Fragen vornehmlich aus von den Söhnen und Töchtern dieser Männer, die oft nur fragmentarische Kenntnisse über die Dinge haben, die ihren Vätern widerfahren sind. Es gibt zwar inzwischen wissenschaftlich abgesicherte Untersuchungen zur Thematik der deutschen Kriegsgefangenen nach 1945 in französischem Gewahrsam, aber die Besonderheiten der Erlebenswelt der Soldaten, die in der Festung Gironde Süd gekämpft und gelitten haben, wird in diesen Darstellungen aus verständlichen Gründen nicht so herausgearbeitet, wie sich das die Nachfahren wünschen. An dieser Stelle setzt eine Initiative an, die von Elke Schwichtenberg und Christian Büttner, den Betreibern der Internet-Seite medoc actif ( http://www.medoc-actif.eu) angestossen worden ist, und die es  sich, unterstützt von einer Gruppe Gleichgesinnter, zum Ziel gesetzt hat, in möglichst breiter Weise alles das einzusammeln, was Aufschluss und Einblick gibt in die Lebensumstände der deutschen Kriegsgefangenen und der französischen Umwelt, in der sie teilweise mehrere Jahre zugebracht haben. Hier wird z.B gefragt, was aus den Soldaten nach der Kapitulation der Festung Gironde Süd geworden ist, wo und wie sie untergebracht waren und zu welchen Arbeiten sie herangezogen wurden. Hier interessieren alle, auch die kleinsten Informationen, die erhellend sein können. Wer dazu Beiträge leisten kann, ist eingeladen, sich an die Kontaktadresse  pg@medoc-actif.eu zu wenden oder das Telefon 05 56 41 17 43 zu nutzen. Ziel dieser Bemühungen ist es, eine Dokumentation zu erstellen, die möglichst viele Einblicke in die Lebensumstände der deutschen Kriegsgefangenen  im Médoc vermitteln soll.

(J. Lestage: Les familles de soldats allemands veulent savoir, in: SUDOUEST, 16. 10. 2018)

 

 

Verjüngungskur

Es ist mittlerweile guter Brauch, jährlich einmal bei der Journée nationale des phares die Aufmerksamkeit auf die Leuchttürme der Region zu lenken. In diesem Jahr hatte der Verein Phares de France dazu den Leuchturm vom Cap Ferret ausgewählt, der zwar wie alle anderen Leuchttürme Eigentum des Staates ist, aber von der Gemeinde, auf deren Boden er steht, betreut wird. In erster Linie interessiert die Gemeinde die touristische Attraktivität des Bauwerks, das jährlich 118.000 Besucher anzieht und damit einer der meist besuchten Leuchttürme Frankreichs ist. Zur Zeit werden Arbeiten durchgeführt, die dem Leuchtturm zu alter Frische verhelfen sollen. Kürzlich wurde mit Hubschrauberhilfe das Schutzgeländer oben auf dem Turm entfernt. Es wird in naher Zukunft, ebenfalls mit Hubschrauberhilfe, durch ein neues ersetzt werden. Gegenwärtig sind Anstreicher damit beschäftigt, auf dem Äußeren des Turms einen neuen rot- weißen Anstrich aufzubringen, was aus erklärlichen Gründen nur von außen geschehen kann. Die Maler seilen sich dazu aus luftiger Höhe ab, weil sie nur so die gesamte Außenfläche des Gebäudes bearbeiten können. Wenn alles nach Plan verläuft, werden die auf 500.000 Euro veranschlagten Renovierungsarbeiten im nächsten Jahr abgeschlossen. Danach wird der Leuchtturm  wieder für den Touristenverkehr geöffnet.

(D. P.: le phare du Ferret en pleine lumière, in: SUDOUEST, 15. 10. 2018)

 

Temperaturrekord

Die Thermometer in Frankreich sind weiter auf Rekordkurs. Am 13. Oktober wurden in Paris 27,2 Grad gemessen, doch ist das nur die Einstellung eines Rekords, der schon 1921 aufgestellt wurde. In Bordeaux kletterten die Thermometer auf 28,8 Grad. In Lacanau war der Strand so stark besucht wie an den Spitzentagen der Sommersaison.

(Des records de température hier, in:SUDOUEST, 14. 10. 2018)

 

Verschwendung

Am 16. Oktober wird in Frankreich die Journée nationale de lutte contre le gaspillage alimentaire begangen, bei der aufmerksam gemacht werden soll auf die Verschwendung von Lebensmitteln. In Frankreich werden pro Kopf der Bevölkerung und Jahr 30 kg Lebensmittel weggeworfen, was eine Gesamtmenge von 10 Millionen Tonnen ergibt. Am häufigsten wird Gemüse ungenutzt entsorgt, danach folgen Flüssigkeiten (z.B. Milch) und Obst.

(Le chiffre 30, in: SUDOUEST, 14. 10. 2018)

 

 

Preisverteilung

Der Verein der Eigentümer alter Villen in Soulac besteht seit 29 Jahren, in denen er sich in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung bemüht hat, die für die Stadt typischen und prägenden villas soulacaises zu erhalten und, wo nötig, wieder in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Dazu führt der Verein umfangreiche Erhebungen durch, an deren Ende besonders gelungene Restaurierungsmaßnahmen ausgezeichnet werden. Am vergangenen Samstag wurden in der Salle socio-culturelle wieder zwei Diplome und Medaillen vergeben, die an die Besitzer der Villen Julienne und Cordouan gingen für die Arbeiten, die sie an ihren Häusern im Geist der für Soulac typischen und kennzeichnenden Architektur durchgeführt haben. Der Bürgermeister betonte dabei in seiner Rede, dass es erfreulich sei zu sehen, dass die Besitzer der historischen Villen sich erfolgreich beteiligten an der Aufwertung des Stadtbildes, dessen touristische Anziehungskraft dadurch nachhaltig gestärkt werde.

(M. Caporal: Des médailles pour les villas anciennes, in: SUDOUEST, 10. 10. 2018)

 

 

 

Neue Kraftstoffkennzeichung in Kraft

Mit dem 12. Oktober 2018 ist die von der EU verfügte neue einheitliche Kennzeichnung für Kraftstoffe in Kraft. Dazu werden Kreise (für Benzin), Quadrate (für Diesel) und Rauten (für gasförmige Kraftstoffe) zur Kennzeichnung der verschiedenen Kraftstoffarten verwendet. In den Kreisen, Quadraten bzw. Rauten finden sich Zahlen und oder Buchstaben, die die Unterscheidung der verschiedenen Benzin-, Diesel oder Gasarten ermöglichen.

Der Dieselkraftstoff B7 kennzeichnet die häufigste Dieselvariante, das Benzin E5 steht für die bisherige Bezeichnung sans plomb 95 oder 98, und bei den gasförmigen Kraftstoffen bezeichnet LPG das bisherige Kürzel GPL.

Bei den französischen Verbrauchern kommt der Wechsel der Bezeichnungen nicht sonderlich gut an, doch sollte man hier Gelassenheit zeigen: die alten Kennzeichnungen bleiben erhalten, die neuen treten daneben und sorgen namentlich bei Auslandsfahrten für eine eindeutige Systematik, die bislang nicht existierte. Die neuen Kennzeichnungen sind ab 12. Oktober auch für die von diesem Datum an ausgelieferten Kraftfahrzeuge vorgeschrieben.

In Frankreich legen täglich 5 Millionen Automobilisten einen Tankstopp ein. Im Durchschnitt tankt ein französischer Autofahrer einmal alle 14 Tage sein Fahrzeug voll. Jeden Monat werden 4,25 Milliarden Liter Kraftstoff verbraucht, davon gehen 80,1% in Dieselfahrzeuge, der Rest verteilt sich auf die drei Benzinarten. Dabei hat die Zahl der Tankstellen in Frankreich von 41.500 im Jahre 1980 auf 11.147 im Jahr 2017 abgenommen.

(B. Lasserre: Carburants : nouveaux logos, mêmes pompes, in: SUDOUEST, 12. 10. 2018)

 

Gefahr für den Canal du Midi

Der Canal du Midi, mit dessen Bau vor rund 350 Jahren unter Ludwig XIV. begonnen wurde, sollte eine Wasserstraße schaffen, auf der Schiffe vom Mittelmeer zum Atlantik gelangen konnten, ohne den weiten und gefährlichen Weg um die iberische Halbinsel nehmen zu müssen. Heute hat der Kanal  als Verkehrsweg kaum noch eine Bedeutung, aber er ist für den Tourismus interessant, und er gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zur Zeit macht man sich allerdings Sorgen, ob dieser Status von Dauer sein wird, denn die Ufer des Kanals verändern rasant ihr Aussehen. Grund sind ausgedehnte Fällaktionen unter den hundertjährigen Platanen, die dem Kanal sein unverwechselbares Aussehen geben. Die Platanen werden gefällt, weil sie von einem Pilz befallen sind, der innerhalb weniger Monate zum Absterben der davon befallenen Bäume führt. Er verbreitet sich über winzige Sporen, die sich auf vielfältige Weise ausbreiten können. Wenn ein Baum befallen ist, muss er schnellstmöglich gefällt werden und seine Nachbarn ebenfalls, die wahrscheinlich bereits infiziert sind. Inzwischen sind von den 42.000 Platanen, die im 19. Jahrhundert gepflanzt worden sind, schon 22.000 gefällt worden, aber ein Ende der Bedrohung durch den Pilz ist noch nicht in Sicht.

( Le canal va-t-il perdre son label ? in: SUDOUEST, 07. 10. 2018)

 

Leuchtender Radweg

Wer im Dunkeln Rad fährt, klagt nicht selten darüber, dass die Ausleuchtung des Weges allzu spärlich ist. Moderne und leistungsfähige Scheinwerfersysteme bringen zwar deutlich mehr Licht ins Dunkel, aber davon hat die große Mehrheit älterer Fahrräder nichts. Es gibt allerdings einen interessanten Versuch, hier für mehr Licht und Sicherheit zu sorgen. Dafür steht die in Pessac ansässige junge Firma Olikrom, die zusammen mit der Gruppe Eiffage einen selbstleuchtenden Anstrich entwickelt hat, der etwa als Fahrbahnmarkierung aufgetragen werden kann und damit unabhängig von anderen Beleuchtungssystemen den Verlauf z. B. eines Radweges markieren kann. Um die Praxistauglichkeit der Farbe zu testen, wurde ein 2 km langer Radweg mit einer mittigen Markierungslinie versehen, wofür 200 kg Farbe benötigt wurden. Das Prinzip ist einfach: die Farbe speichert über Tag die Sonneneinstrahlung und gibt bei Dunkelheit eine gut wahrnehmbare Helligkeit ab, etwa so wie das bei nachtleuchtenden Zifferblättern schon länger praktiziert wird. Der Test soll zeigen, ob die die neu entwickelte Farbe die Erwartungen namentlich hinsichtlich der Haltbarkeit erfüllt. Wenn der Versuch zur Zufriedenheit ausfällt, wird die Firma Olikrom die vorhandene Produktionskapazität auf bis zu 10 Tonnen pro Monat hochfahren und bald außerhalb von Bordeaux eine Produktionsanlage errichten, in der noch größere Mengen erzeugt werden können.

(Th. Dusseau: La piste cyclable qui s’illumine arrive en France, in: SUDOUEST 09. 10. 2018)

 

 

Ein König auf den Spuren seines Vorfahren

Am 8. Oktober 2018 hat König Karl XVI. Gustav von Schweden in Pau im Haus seines Ururgroßvaters ein Museum eingeweiht, das die Erinnerung daran wachhalten soll, wie ein Mann aus relativ einfachen Verhältnissen zum Gründer der heute noch amtierenden Dynastie in Schweden werden konnte. Dabei war diesem als Jean-Baptiste Bernadotte am 26. Januar 1763 in Pau geborenen Mann aus bürgerlichen Verhältnissen angesichts der festgefügten sozialen Strukturen zur Zeit seiner Geburt eine Zukunft bestimmt, die einen gesellschaftlichen Aufstieg eigentlich ausschloss. Erst als die Französische Revolution nach 1789 die Standesschranken niederlegte, wurde es Männern bürgerlicher Herkunft möglich, Karriere zu machen, und, dies bei den kriegerischen Zeiten in den Jahren nach 1789 kaum verwunderlich, in erster Linie im Militär. Im Oktober 1794 war Bernadotte Divisionsgeneral, 1799 für kurze Zeit Kriegsminister. 1804 machte ihn Napoleon zum Marschall und Oberbefehlshaber der Hannover-Armee und 1806 zum Fürsten von Ponte Corvo, einem kleinen Staat im Süden Italiens. Aus verschiedenen Gründen verschlechterten sich in den folgenden Jahren die Beziehungen zwischen Napoelon und Bernadotte, so dass dieser im Oktober 1810 um seine  Pensionierung ersuchte und sich nach Paris zurückzog.

Unterdessen ereigneten sich in Schweden Dinge, die dem Schicksal Bernadottes eine neue Wendung gaben, denn im Mai 1810 starb dort der Kronprinz, der von dem kinderlosen König Karl XIII. adoptiert worden war. In dieser Situation setzte in den politisch führenden Kreisen Schwedens die Suche nach einem neuen Thronfolger ein, bei der schließlich die Wahl auf Bernadotte fiel. Nachdem Bernadotte zugestimmt hatte, wurde am 12. Juli 1810 seine Kandidatur als Thronfolger verkündet. Am 21. August 1810 wurde er vom schwedischen Reichstag einstimmig zum Kronprinzen von Schweden gewählt und am 28. September desselben Jahre zum Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte ernannt. Am 5. November 1810 adoptierte ihn Karl XIII. unter dem Namen Karl Johann. Mit diesen Ereignissen identifizierte sich Bernadotte ohne Vorbehalte mit den Angelegenheiten Schwedens und hielt diese Linie auch in den Kriegen durch, die schließlich 1814 und 1815 zum Ende der napoleonischen Herrschaft führten. In Frankreich galt er vielen allerdings lange als Verräter, da er seine Loyalität gegenüber Schweden über seine Verpflichtungen gegenüber seinem Geburtsland stellte.  Sein bedeutendster außenpolitischer Erfolg war dabei die Gewinnung Norwegens, das bis dahin von Dänemark dominiert worden war und das er für ein Jahrhundert in Personalunion mit Schweden verbinden konnte..

König Karl XIII., der Adoptivvater Bernadottes, starb am Abend des 5. Februar 1818 und noch vor Mitternacht leisteten Staatsräte und hohe Beamte ihren Eid auf den neuen König Karl XIV., der am 11. Mai 1818 in Uppsala feierlich gekrönt wurde.

Als Karl XVI. Gustav bei seinem Besuch in Pau gefragt wurde, ob sein französischer Vorfahr Spuren in der schwedischen Geschichte hinterlassen habe, erklärte er, Bernadotte habe das moderne Schweden auf den Weg gebracht, indem er eine Menge fortschrittlicher Ideen aus Frankreich auf die schwedischen Verhältnisse übertragen habe.

(vgl. R. Bely: « Le début d’une nouvelle ère », in: SUDOUEST, 9. Oktober 2018)

 

 

Ein Kreuzfahrtschiff der besonderen Art

Das Kreuzfahrtschiff „The World“, das im Port de la Lune von Bordeaux festgemacht hat und dort bis zum Donnerstag bleiben wird, sieht von außen aus wie ein ganz normales Schiff seiner Art, das 196,4 m lang ist, mit 43.188 t vermessen ist und 2002 in Dienst gestellt wurde. Ungewöhnlich ist es allerdings schon, dass an Bord sich 280 Besatzungsmitglieder um maximal 230 Passagiere kümmern, und noch ungewöhnlicher ist es, dass die Passagiere Besitzer ihrer Kabinen sind. Wer sich hier einkaufen will, muss für ein Studio 2,6 Millionen Euro anlegen, ein Appartement mit drei Zimmern kostet 10 Millionen Euro. Da nicht immer alle Besitzer an Bord sind, reisen im Durchschnitt 150 bis 200 Passagiere nach einem gemeinsam abgestimmten Fahrplan durch die Weltmeere, wobei sie auf nichts verzichten müssen, was gut und teuer ist.

(Bordeaux : le paquebot géant „The World“ est à quai jusqu’à jeudi, in: SUDOUEST, 08. 10. 2018, 21.00h, Internet-Ausg.)

 

 

1000 Schafe in Bordeaux

Für gewöhnlich ist der Stadtbereich von Bordeaux schafsfrei, und dies aus erklärlichen Gründen. In Blanquefort, am nördlichen Rand von Bordeaux Métropole und in Villenave d’Ornon im Süden, sind allerdings seit Jahren Schafherden zu Hause, die wie üblich am Ende der Saison in die Winterquartiere umziehen. In diesem Jahr hatte man die Idee, quer durch das Stadtgebiet von Bordeaux eine 33 km lange transhumance zu organisieren, bei der und 1000 Schafe vom Norden zum Süden ziehen sollten. Dafür waren zwei Tage vorgesehen, die bei den Schafen wohl eher in weniger erfreulicher Erinnerung bleiben werden, denn es gab zwischendurch zu lange Strecken, die, weil unbegrast, für die vierbeinigen Wolllieferanten eher steril und öde waren. Gleichwohl fand sich ein zahlreiches Publikum, das die aus sieben Zuchtbetrieben stammende große Herde bestaunte, wobei allerdings Geduld angesagt war, denn Schafherden bewegen sich gemächlich voran. Immerhin gab es Bilder mit Seltenheitswert, denn wann sieht man schon auf dem Pont de pierre eine derartig kompakte Ansammlung von Lebewesen, die mit der Stadtluft eher nicht viel anfangen können? Wegen der nächtlichen Pause wurde der Pont de pierre sogar zweimal überquert, bevor sich die Herde auf den Weg zu ihrem Ziel in Villenave d’Ornon machte. Auch nach dem Durchzug der Schafe konnte man sehen, wo sie ihres Weges gegangen waren, denn auf dem Straßenbelag fanden sich unzählige Belege für den Durchzug von Lebewesen, die sich wenig Gedanken darum machen, wer nach ihnen kommt.

(C. Darfay: Le passage remarqué des moutons dans la ville, in: SUDOUEST, 07. 10. 2018)

 

Störche

Wenn man von Störchen in Frankreich spricht, dachte man bisher in erster Linie an das Elsass, das lange als die Region galt, in der die meisten Störche zu Hause waren. Seit kurzem hat die Nouvelle-Aquitaine, in der in diesem Jahr 1121 Storchenpaare gezählt wurden, das Elsass überholt und ist zu der Region in Frankreich aufgestiegen, die die meisten Storchenpaare zählt. Bei der Liga der Vogelschützer ist man richtig stolz auf diese Entwicklung und betont, dass die Störche im Südwesten Frankreichs von allein zurückgekommen seien, nachdem sie vor 40 Jahren im Gefolge einer heftigen Dürre in Nordafrika fast ausgestorben schienen. Knapp die Hälfte der Störche in französischen Südwesten hat sich im Departement Charente maritime niedergelassen, aber auch im Departement Gironde und hier besonders im Médoc sind die Störche wieder Stammgäste geworden..

(S. Cotin: Nouvelle-Aquitaine : petit à petit, c’est ici que 
les cigognes refont leur nid, in: SUDOUEST, 05. 10. 2018, Abend-Ausg.)

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Neuer Lehrpfad

Die Saison ist zwar vorbei und der Zeitpunkt deswegen nicht geschickt gewählt, aber die Eröffnung eines neuen Lehrpfades in den Dünen von Hourtin wird auch die Sommergäste des nächsten Jahres erfreuen, zumindest diejenigen, die sich für die einheimische Pflanzen- und Tierwelt interessieren. Als erste Gruppe auf dem offiziell seiner Bestimmung übergebenen Pfad konnte eine Schulklasse aus Blanquefort auf Entdeckungstour gehen. Der Lehrpfad ist benannt nach dem Leinkraut, einer Pflanze, zu deren Verwandten auch die Löwenmäulchen gehören. Neben der linaire commune findet sich auch die viel seltenere linaire feuille de thym, die nur in einigen Bereichen der Dünen des Médoc, und eben auch an dem neuen Lehrpfad anzutreffen ist. Der Lehrpfad hat zehn Stationen, an denen mit anschaulichen Tafeln auf die dort anzutreffenden Pflanzen oder Tiere hingewiesen wird und deren Besonderheiten erläutert werden. Der Pfad ist 1,5 km lang, er beginnt am Parkplatz des Südstrandes von Hourtin Océan. Von den zehn Stationen des Lehrpfades liegen acht in den Dünen und zwei im Wald.

(R. Boivinet: Inauguration du sentier de la Linaire à Hourtin, in: SUDOUEST, 05. 10. 2018)

 

Bärenprobleme

Es gibt in den  französischen Pyrenäen zwei Bärenpopulationen, eine, um deren Fortbestand man sich derzeit keine Sorgen macht und eine, die nur noch aus zwei männlichen Tieren besteht, deren Überlebenschancen begrenzt sind. Schon seit längerem plant die französische Regierung, im Gebiet der zwei Junggesellen zwei Bärinnen auszusetzen. Das trifft jedoch bei einem Teil der Bevölkerung der Gegend auf heftigen Widerstand. Als sich das Gerücht verbreitete, dass die Aussetzung unmittelbar bevorstand, organisierten die gut vernetzten Bärengegner eine Reihe on Straßensperren, um den erwarteten Bärentransport aufzuhalten. Die mit der Aussetzung befassten Behörden erfuhren ihrerseits von den Straßensperren und reagierten schnell und wirksam. Da eine Nachrichtensperre verhängt wurde, liegen die nächsten Aktionen im Dunkeln. Angesichts des Aufgebots an Polizeikräften und von Hubschraubern ist aber nicht davon auszugehen, dass der Plan aufgegeben wird, die beiden fraglichen Bärinnen an ihren Bestimmungsort zu bringen.

(E. C., S. C. et R. B.: Les anti-ours sur le pied de guerre, in: SUDOUEST, 04. 10. 2018)

 

Septemberwetter

Schon gegen Ende September zeichnete sich ab, dass  dieser Monat in den Annalen der Wetteraufzeichnungen einen besonderen Platz einnehmen würde. Nun, da der Monat vorbei ist, bestätigen sich die Schätzungen und Annahmen. Überall in der Region haben die Niederschlagswerte nahe bei den niedrigsten Werten der letzen Jahre gelegen, in Bordeaux wurde mit 3,2 Millimeter gar ein neuer Minimalwert gemessen, der unter dem bisherigen Negativrekord von 3,6 mm aus dem Jahre 1985 lag. Neben den Niederschlagswerten fielen auch die Werte für die Sonnenscheindauer aus dem Rahmen. Für Bordeaux wurden in diesem September 217,7 Stunden verzeichnet, mehr als die 265,2 Stunden vom September 2014.

(J.-D. Renard: Des pluies exceptionnellement faibles en septembre, in: SUDOUEST, 03. 10. 2018)

 

 

Streunende Katzen

In Lesparre gibt es viele Katzen, nicht eben unüblich für eine französische Kleinstadt. Der größte Teil von ihnen hat geregelten Familienanschluss, aber eine nicht unerhebliche Anzahl führt ohne menschliche Fürsorge ein mehr oder weniger ungeregelt wildes Leben. Nach Einschätzung der Stadtverwaltung ist diese Katzengruppe zu groß. Schon am 23. Juli 2018 hatte der Gemeinderat beschlossen, diese wild lebenden Katzen sterilisieren zu lassen, um so ihre Zahl langfristig zu reduzieren. Dieser Beschluss wurde gefasst auf Basis des Code rural, der seit 2015 den Kommunen das Recht gibt, Maßnahmen zur Sterilisierung wild lebender Katzen zu ergreifen. In Lesparre soll ein dazu bestimmtes Programm in der Zeit vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. März 2019 durchgeführt werden. Dabei sieht man in der Stadtverwaltung realistisch, dass man nicht über die Mittel und Techniken für derartige Aktivitäten verfügt. Die sollen nun von dem Verein Adoption féline estuaire (AFE ) umgesetzt werden, der schon seit längerem in kleinerem Rahmen ziemlich genau dieselben Ziele verfolgt. Die Kosten werden bis zur Höhe von 5000 Euro von der Gemeinde Lesparre übernommen, wobei derzeit noch nicht gesagt werden kann, ob diese Summe ausreichen wird, um alle freilebenden Katzen des Stadtgebietes einzufangen und tierärztlich untersuchen, bzw. behandeln zu lassen.  

(A. Larrue: Les chats errants vont être stérilisés, in: SUDOUEST, 02. 10. 2018)

 

 

 

Neues an den Tankstellen

Am 12. Oktober 2018 findet an den Tankstellen Frankreichs eine große Umtaufaktion statt. Dann werden vertraute Begriffe wie „sans plomb“ oder „diesel“ verschwinden und durch ein von Brüsseler Experten erdachtes System von Bezeichnungen ersetzt werden, die, womöglich mit Absicht, an keinerlei geläufige Zuordnungen oder Sachverhalte anknüpfen. Dafür gibt es dann ein System der neueren Art, das mit abstrakten Formen, Zahlen und Buchstaben einherkommt. Vom 12. Oktober an steht ein Oval für Benzin, in dem der Buchstabe E kombiniert mit einer Zahl angibt, wieviel Äthanol darin enthalten ist. Ein aufrecht stehendes Rechteck mit abgerundeten Ecken kennzeichnet künftig Dieselkraftstoffe: B7 und B10 für Diesel mit Beimischung von Bio-Diesel und XTL für synthetischen Dieselkraftstoff, für den kein Erdöl verwendet wird. Ein aufrecht stehender Rhombus markiert gasförmige Kraftstoffe, wobei insgesamt vier verschiedene Typen mit unterschiedlichen Buchstaben- bzw. Zahlenkombinationen belegt werden. Wie der Fernsehsender BFM TV erfahren haben will, sollen die neuen Bezeichnungen nicht sofort an allen Tankstellen verwendet werden, wohl, damit die Verbraucher Gelegenheit haben, sich daran zu gewöhnen.

Wer die neuen Kraftstoffkennzeichnungen für ein Produkt der Brüsseler Regulierungswut hält, sollte sich allerdings fragen, ob es nicht schön ist, dass in einer vermutlich fernen Zukunft ein Finne ohne Kenntnis der Landessprache in Palermo weiß, an welche Zapfsäule er sein Fahrzeug dirigieren sollte. Und den geschätzt reichlich 99,9% der EU-Bewohner, die lieber bei den vertrauten Begriffen blieben, mit denen sie ja in der Vergangenheit ganz gut leben konnten, sollte gesagt werden, dass sie hier gelebte Fremdenfreundlichkeit praktizieren können. Und was ist daran schlecht?

 (Sudouest.fr.: Les carburants vont changer de nom le 12 octobre : adieu „sans plomb“ et „diesel“, in: SUDOUEST, 01. 10. 2018, 15,45h, Internet-Ausg.)

 

 

Algen in den Médoc-Seen

Es gibt Probleme, die man hervorragend und wissenschaftlich fundiert beschreiben kann, ohne dass es eine nachhaltige Lösung gäbe. Ein derartiges Dilemma gibt es schon seit längerem in den Seen des Médoc. Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts trat dort erstmalig die dickblättrige Wasserpest (egeria densa) auf, zunächst unauffällig und verborgen, doch ab 1996 gab es erste Beschwerden, weil die Triebe dieser überaus frohwüchsigen Pflanze in den Badezonen auftraten, sich um Schiffsschrauben legten und auch sonst für Unzufriedenheit sorgten. Dabei ist die Wasserpest ein bei Aquarienfreunden beliebtes Gewächs, das geschätzt wird wegen seiner Fähigkeit, Sauerstoff an das umgebende Wasser abzugeeb. Wie die Wasserpest in die Seen gelangt ist, weiß man nicht, doch gibt es eine plausible Vermutung, nach der ein Aquarienfreund seien Wasserbecken samt der darin enthaltenen Wasserpflanzen, untern denen wohl eben die Wasserpest vertreten war, in den See entsorgt hat. Dort gefiel es der Wasserpest so gut, dass bald das passierte, was heut beobachtet und beklagt wird. Nachdem versucht worden ist, die unerwünschten Pflanzen auszureißen, man aber feststellen musste, dass die Überlebenden schnell für einen neuen Algenteppich sorgten, geht man mittlerweile dazu über, die Algen in einer Tiefe von 1,50 m abzuschneiden, allerdings nur in den touristisch genutzten Zonen der Seen. Bei Kosten von 1.500 Euro pro Hektar scheint dieses Verfahren derzeit die einzige Möglichkeit darzustellen, dem weiteren Vormarsch der Wasserpest Einhalt zu gebieten. Allerding ist das eine Daueraufgabe, denn verschwinden wird die Wasserpest aus den von ihr besiedelten Gewässern nicht mehr. 

(F. Laison: les algues qui pullulent dans les lacs médocains, in: SUDOUEST, 29. 09. 2018)