Médoc-Notizen Juli – Sept. 2019

Juli 2019

Alarmstufe Orange

Im Departement Gironde nimmt bei anhaltend hohen Temperaturen und einem deutlichen Defizit an Niederschlägen das Waldbrandrisiko zu. In der letzten Woche sind bereits 68 ha Wald in Flammen aufgegangen, und es ist zu befürchten, dass es  weitere Brände geben wird. Die Präfektur hat in Abstimmung mit der Feuerwehr und dem Wetterdienst daher die Alarmstufe Orange ausgerufen, die dritte auf einer Skala, die bis fünf reicht. Damit verbunden ist eine Reihe von Vorschriften und Regelungen, die darauf zielen, das Risiko von Waldbränden zu senken. So ist in der Zeit von 14.00h bis 22.00h das Befahren von Wirtschafts- und Waldwegen mit Kraftfahrzeugen verboten. Ebenfalls untersagt während der angegebenen Zeit sind forstwirtschaftliche Aktivitäten, das Sägen von Holz und die Herstellung von Holzkohle. Schließlich ist es in Waldgebieten und auf den dort befindlichen Wegen und Straßen verboten, Feuer zu machen, zu rauchen, Streichhölzer und Zigarettenkippen wegzuwerfen. Zuwiderhandlungen werden mit drastischen Strafgeldern geahndet.

(La Gironde vire à l’orange, in:SUDOUEST, 22. 07. 2019

 

 

 

700 km Staus

Am 20. Juli, dem dritten Samstag, an dem Massen von Autos sich auf die Straßen begaben, um ihren Ferienzielen zuzustreben, gab es in Frankreich auf den Hauptachsen in Richtung Mittelmeer und Südwesten die erwarteten Staus. Die Spitzen wurden kurz nach Mittag mit 688 km gesamter Staulänge gemeldet. Wartezeiten gab es in den Morgenstunden auch an der Fähre zwischen Le Verdon und Royan. In der zweiten Tageshälfte war die Belastung der Straßen besonders stark im südlichen Teil der Rhônestrecke und im Großraum Bordeaux. Die Verkehrsexperten erwarten, dass die nächsten Samstage ähnlich schwierig sein werden, wobei ein Höhepunkt am 3. August erwartet wird, wenn eine neue Reisewelle in die Feriengebiete startet und sich mit der ersten großen Rückkehrerwelle kreuzt. Wer an den nächsten Wochenenden  in Richtung Mittelmeer oder südwestliche Atlantikküste fahren muss, sollte nach Möglichkeit die Samstage als Reisetag meiden, oder, wenn das nicht geht, die Fahrt in die Nachtstunden verlegen.

(700 km de bouchons, in: SUDOUEST, 21. 07. 2019)

 

Die nächste Hitzewelle

Zu Beginn der vierten Juliwoche wird es in Frankreich wieder heiß. Im größten Teil des Landes werden Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad erwartet. Lediglich ein schmaler Streifen an der Atlantikküste wird mit etwas geringeren Graden bedacht. An den Küsten des Médoc wird es wieder zwischen 30 und 35 Grad warm, während  im Landesinneren und an der Mittelmeerküste das Thermometer bis an die 40-Grad-Marke klettern kann. Die Hitzewelle wird vermutlich nicht von sehr langer Dauer sein, aber sie wird sicherlich über die Wochenmitte hinaus andauern. Begleitet werden wird die Hitzewelle von einer zunehmenden Trockenheit, die schon jetzt dazu geführt hat, dass in 70 Departements Einschränkungen für den Wasserverbrauch verfügt wurden. Bereits in 23 Departements wurde der Krisenzustand verkündet, was bedeutet, dass dort der Wasserverbrauch auf das Notwendigste begrenzt wird.

(Sudouest.fr avec AFP: Le nouvel épisode caniculaire prévu la semaine sera „plus court mais plus intense“, in: SUDOUEST, 19. 07. 2019, 15.11h., InternetAusg.)

 

 

100 Jahre Gelbes Trikot

So richtig erklären kann niemand, warum das Gelbe Trikot, das der Spitzenreiter der Tour de France tragen darf, gelb ist, denn Gelb ist schließlich eine Farbe mit einer nicht gerade positiven Symbolik. Sicher ist hingegen, dass die Ankündigung für dieses Trikot 1919 in einer knappen Notiz der Zeitschrift L’Auto erschien, die damals die Tour de France organisierte. Die plausibelste Erklärung geht in die Richtung, dass man nach einer Trikotfarbe suchte, die von keinem der angetretenen Teams verwendet wurde, und da kam man dann auf diese Farbe, die lange Zeit frei von Werbung blieb. Am 19. Juli 2019 soll in Pau in Gegenwart von Staatspräsident Macron an die Einführung des Gelben Trikots vor 100 Jahren erinnert werden. Der erste Träger des Gelben Trikots war übrigens Eugène Christoph, der 11 mal an der Tour de France teilnahm, sie aber nie gewinnen konnte. Christoph hatte sich das Trikot erkämpft in einer 325 km langen Etappe, die am Tourmalet endete. Nicht nur die Tagesetappen waren damals länger, auch die Gesamtdistanz der Tour de France war es, die im Jahre 1919 um gut 2000 km die der Tour des Jahres 2019 übertraf. Auch sonst war 1919 manches anders als heute, insbesondere in der Technik der Fahrräder, die 1919 ohne Gangschaltung gefahren wurden und das mit Bremsen, die heutzutage wegen Unzulänglichkeit nicht zugelassen würden.

(S. Cottin: Un siècle que les Français voient la vie en jaune, in: SUDOUEST, 18. 07. 2019)

 

Saurierfunde

Seit vor 10 Jahren in einem Steinbruch bei Angeac-Charente versteinerte Knochen von Sauriern entdeckt worden waren, sind dort weitere Skelettteile geborgen worden, die den Ort weltweit unter die fünf ergiebigsten Fundstätten der ausgestorbenen Urzeitriesen katapultiert haben. In diesen Tagen hat die zehnte Grabungskampagne begonnen, und schon ist der erste spektakuläre Fund gemacht worden. Diesmal handelt es sich um einen Beckenknochen von ungewöhnlicher Größe, der zwar noch freigelegt werden muss, aber schon jetzt erkennen läßt, dass er zu einem Sauropoden von beträchtlicher Größe gehört. An der Fundstelle sind bisher 45 verschiedene Arten von Wirbeltieren nachgewiesen worden, die einst in einer sumpfigen Umgebung lebten, die auch erklärt, weshalb die Funde so außergewöhnlich gut erhalten sind. Die Bilanz der bisherigen Grabungen ist beeindruckend, sie enthält 10.000 Knochen, 90.000 Fragmente und ungezählte Kleinstreste, die im Museum von Angoulême dafür sorgen, dass die Magazine mehr als gefüllt wurden. Noch kann nicht abgeschätzt werden, was man noch alles finden wird, aber die Experten gehen davon aus, dass noch zwanzig Grabungskampagnen erforderlich sein werden, um alle Schätze zu bergen, die an dieser Stelle verborgen sind.

(H. Rietsch: Le site d’Angeac en a encore plein les fouilles, in: SUDOUEST, 12. 07. 2019)

 

Surf-Notstand

Seit einem Monat haben die Surfer an den Küsten des Médoc Entzugserscheinungen: es gibt keine Wellen von der Art, die Surfer begeistern. Mehr als ein paar Dutzend Zentimeter Wellenhöhe kommt nicht zustande, was allenfalls die Surfschulen freut, denn die können ihre Kurse unter Bedingungen durchführen, die für Anfänger fast ideal sind. Erklärungsversuche für diesen Zustand gibt es schon, aber sie haben den Nachteil, dass sie allesamt nichts taugen. Weder der Klimawandel noch die Erosion, die Gezeiten  oder irgendwelche bösen Möchte haben ihre Finger im Spiel, und außerdem sind Wellen nicht hausgemacht, sondern kommen von weit her, um sich dann an den Stränden zu brechen. Die Kinderstube der Wellen befindet sich also weit draußen auf dem Atlantik, und da ist es zur Zeit so ruhig und friedlich wie selten, weil eine kräftige Hochdrucklage die Tiefgebiete so weit nach Norden abdrängt, dass deren Wellen nur die nördlichen Küsten Europas erreichen. Erst, wenn dort draußen kräftige Tiefdrucksysteme nach Süden vordringen und für Unruhe im Wasser sorgen, wird sich der gegenwärtige Zustand ändern. Eine kleine Tiefdruckrinne in günstiger Lage baut sich zur Zeit zwar auf, aber ob sie kräftig genug sein wird, um den Surfern wieder ordentliche Wellen zu bescheren, ist noch nicht ausgemacht.

(J. Lestage: Vagues microscopiques, surfeurs déprimés…, in: SUDOUEST, 16. 07. 2019

 

Beinahe schiefgegangen

Wie jede französische Gemeinde, die etwas auf sich hält und es sich leisten kann, veranstaltet auch die Stadt Bordeaux am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, nach Einbruch der Dunkelheit ein Feuerwerk, das es in sich hat. Das war auch in diesem Jahr so, und das Publikum war zufrieden. Mitten in der Veranstaltung brach jedoch auf dem Boot, das in der Garonne lag und auf dem das aufgebaut war, was den nächtlichen Himmel mit feierlichem Glanz überstrahlen sollte, ein Feuer aus, das schlimme Folgen hätte haben können. Etwa zehn Minuten nach dem Start des Feuerwerks geriet aus noch unbekannten Gründen ein Kompressor an Bord des Feuerwerksbootes in Brand. Der konnte jedoch mit Bordmitteln eingedämmt und gelöscht werden, was die rund 150.000 Zuschauer auf beiden Ufern der Garonne womöglich gar nicht mitbekommen haben. Ein paar Minuten später brach ein zweiter Brand, diesmal am Heck des Bootes, aus. Dabei gab es  Flammen von zwei Metern Höhe, die drohten, die noch nicht abgefeuerten Feuerwerksraketen plötzlich und unkontrolliert auszulösen. Bevor es so weit kommen konnte, waren jedoch  Löschmannschaften zur Stelle, die vorsorglich in der Nähe des Feuerwerksbootes postiert worden waren und attackierten die Brandherde mit Erfolg. Das Feuerwerk wurde daraufhin abgebrochen, wobei jedoch noch ungeklärt ist, wer die 42.000 Euro aufbringen soll, die vertraglich für das Feuerwerk vereinbart worden waren. Man ist aber auf jeden Fall froh, dass es keine Verletzten gegeben hat.

(X. Sota: Feu d’artifice de Bordeaux interrompu par un incendie : „On a évité le drame“, in: SUDOUEST, 15. 07. 2019, 17.48h, Internet-Ausg.)

 

Parkgebühren im Sommer

Wer von der angeblich guten alten Zeit spricht, verdrängt meistens, dass früher längst nicht alles so rosig war wie das, was sich in manchen Gedächtnissen erhalten hat. In Bezug auf die Parkgebühren in Frankreich stimmt es aber wohl doch, denn die waren vor wenigen Jahrzehnten längst noch nicht das flächendeckende Übel, das sie heutzutage darstellen. Selbst die meisten Touristenorte haben sich diesem für die Urlaubskassen unfreundlichen Brauch angeschlossen und verlangen zumindest von April bis September zwischen zwei und zehn Euro für einen Tagesparkplatz. Die Einnahmen, die daraus für die Gemeinden entstehen, sind besonders an den touristischen Brennpunkten beträchtlich. Das kleine, aber malerische Örtchen La Roque-Gayac an der Dordogne nimmt nach Aussagen des Bürgermeisters jährlich 300.000 Euro an Parkgebühren ein, die damit die Steuereinnahmen des 430-Seelen-Ortes um mehr als das Doppelte übersteigen. Dabei hat der Bürgermeister kein schlechtes Gewissen, denn er verweist darauf, dass die jährlich rund zwei Millionen Touristen, die seine Gemeinde besuchen, erhebliche Kosten verursachen, wie etwa Toiletten, befestigte Parkflächen, Müllbeseitigung und vieles mehr, was die dörflichen Kassen nicht hergeben könnten ohne die Parkeinnahmen. Mittlerweile verlangen auch viele Orte an der Küste Parkgebühren wie z. B. Lacanau, wo die 1.500 kommunalen Parkplätze vor vier Jahren gebührenpflichtig wurden und mittlerweile 600.000 Euro pro Jahr einbringen. Auch hier hat die Stadtverwaltung keine Gewissensbisse, denn man verweist auf die immensen Aufwendungen für den Küstenschutz, die letztlich auch den Sommergästen zugute kommen. Die Touristen fügen sich allerdings nicht immer und überall widerstandslos in ihr Schicksal, wie die sporadisch auftauchenden Meldungen über gewaltsame Aktionen gegen Parkscheinautomaten belegen.

(S. Cottin: L’été, pas de place pour le stationnement gratuit, in: SUDOUEST, 13. 07. 2019)

 

 

Falkennachwuchs

Zum ersten Mal überhaupt hat im Großraum Bordeaux ein Wanderfalkenpärchen genistet und zwei Junge aufgezogen. Man wußte seit längerem, dass sich in und um Bordeaux im Winter einzelne Wanderfalken aufhalten, die bislang aber immer mit Beginn der wärmeren Jahreszeit zu anderen Zielen aufgebrochen waren. Um sie zum Bleiben zu bewegen, hatte die Liga für Vogelschutz 2004 einen Nistkasten hoch oben an den Silos in Bassens aufgehängt, doch es dauerte bis zum Frühjahr dieses Jahres, dass dort ein brutwilliges Pärchen einzog. Der Nistkasten wurde aus sicherer Entfernung von da an intensiv beobachtet, und bald war man sicher, dass das Falkenweibchen brütete und nur noch für kurze Ausflüge das Nest verließ, während das Männchen Nahrung herbeischaffte. Um den 20. April schlüpften dann die Jungen, wie sich später herausstellte, waren es zwei, und wurden fleißig von den Eltern gefüttert. Am 27. Mai machten die jungen Falken ihren ersten Flug, von dem sie wieder zu ihrem Nest zurückkehrten, das immer noch als Futterstelle für sie eine große Bedeutung hat. Zur Zeit lernen sie das selbständige Jagen, damit sie bald auf eigenen Füßen stehen können. Sie werden dann das Revier der Eltern verlassen und sich irgendwo ein eigenes suchen, wobei man nicht voraussagen kann, wo das sein wird. Von den Eltern hofft man, dass sie das Nest, in dem sie in diesem Jahre ihre ersten Jungen aufgezogen haben, beibehalten und weiter für Wanderfalkennachwuchs sorgen.

(G. Richard: Près de Bordeaux, pour la première fois depuis 19 ans, des faucons naissent en milieu urbain, in: SUDOUEST, 09. 07. 2019, 15.58h, Internet-Ausg.)

 

Tour de l’Honneur

Der Tour de l’Honneur in Lesparre ist der beeindruckende Rest der mittelalterlichen Festung der einstigen Herren von Lesparre. Der rund 30 m hohe Turm war Teil einer großen Burganlage, die heutzutage allerdings weitgehend verschwunden ist, weil sie bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts als billiger Steinbruch für die Gewinnung von Baumaterial nach und nach abgetragen worden ist. Mittlerweile hat sich die Einstellung gegenüber den baulichen Zeugen der Vergangenheit gründlich geändert, was auch dem Tour de l’Honneur zugute gekommen ist. Er wurde von der Gemeinde Lesparre gründlich renoviert und saniert und beherbergt seitdem in mehreren Stockwerken eine kleines aber feines Museum, das auf anschauliche Weise sowohl Rückblicke in die Vergangenheit des Bauwerks als auch auf das  Leben im Médoc in der Zeit, als der Tourismus noch nicht eine der Haupteinnahmequellen in diesem Landstrich war. Das Zusammentragen und die Pflege der Museumsbestände liegt in den Händen des Vereins  Les Amis de la Tour. Der Turm ist im Juli und August zu besichtigen von dienstags bis samstags, jeweils von 10.00h bis 13.00h und von 14.00h bis 18.00h. Auskünfte und Anmeldungen für Führungen unter Tel. 06 25 77 60 14.

(A. Larrue: La Tour, prête à battre son record d’affluence, in: SUDOUEST, 10. 07. 2019)

Mehr zum Tour de l’Honneur mit Bildern: Klick

 

Reaktivierung der Verkehrsradargeräte

Sicher mit voller Absicht ließ zu Beginn der Hauptreisewelle in die Sommerferien der für den Straßenverkehr zuständige Minister verkünden, dass die meisten der während der Aktionen der Gelbwesten außer Gefecht gesetzten Radargeräte wieder einsatzbereit sind. Dabei habe man nicht einfach die ausgefallenen Geräte wieder in Betrieb genommen, sondern sie durch modernisierte und leistungsfähigere Geräte ersetzt, die nicht nur die Geschwindigkeiten überwachen könnten, sondern darüber hinaus feststellen könnten, ob während der Fahrt Mobiltelefone benutzt würden. Insgesamt, so ließ der Innenminister erklären, seien 1000 Radargeräte während der Aktionen der Gelbwesten zerstört und 755 der vorhandenen Geräte beschädigt worden.

(Sudouest.fr avec AFP: La plupart des radars dégradés durant la crise des gilets jaunes „sont opérationnels“, assure Castaner, in: SUDOUEST, 09. 07. 2019, 19.43h, Internet-Ausg.)

 

Chaos am Bahnhof

Am 8. Juli standen ab 16.00h im Bahnhof Saint-Jean von Bordeaux zum dritten Mal seit Anfang Juni alle Räder still. Ursache war diesmal ein Problem in der Elektrik eines Triebwagens, das auf die gesamte Stromversorgung der Bahnanlagen übergesprungen war. Innerhalb kürzester Zeit standen rund 20 Regionalzüge und über 10 TGV bewegungslos auf den Gleisen. Da die Klimaanlagen den Dienst versagten, was bei den herrschenden hohen Außentemperaturen für die Passagiere in den gestrandeten Zügen äußerst unangenehm war, kam es zu Panikreaktionen. Reisende berichteten, einige Fahrgäste hätten Fenster zerschlagen, um die in den Waggons herschende Hitze zu mildern, was jedoch von der Bahnverwaltung nicht bestätigt wurde. Die Zugbegleiter verteilten freigebig Wasserflaschen, die naturgemäß reißenden Absatz fanden. Gegen 18.30h wurde die zusammengebrochene Stromversorgung wieder hergestellt, doch dauerte es bis gegen 21.00h, bevor der Zugbetrieb zu normalen Verhältnissen zurückkehrte. Für die Reisenden, deren Züge ausgefallen waren, hörten damit die Unannehmlichkeiten nicht auf, denn diejenigen von ihnen, die von Bordeaux aus weiterreisen wollten, erreichten ihre Anschlusszüge nicht und mußten sich zu vorgerückter Stunde um ein Nachtquartier bemühen.

(E. Fontenau/. V. Audy: Grande confusion après une panne à la gare, in: SUDOUEST, 09. 07. 2019)

 

 

Unbekannte Wracks

Vor der Küste der Nouvelle-Aquitaine wird es in nächster Zukunft aufregende Entdeckungen für die Unterwasser-Archäologen geben. Das ist zumindest die Erwartung, wenn im Jahre 2020 rund 180 km einer Stromtrasse, die Spanien mit Frankreich verbinden wird, unter Wasser verlegt werden. Dabei, so nehmen die Experten an, wird man auf eine Reihe von Wracks stoßen, von denen man zumeist vage Kenntnis hat, ohne allerdings die konkreten Koordinaten ihrer Lage zu kennen. Die Archäologen hoffen dabei besonders auf Entdeckungen aus der Zeit zwischen dem Ende der Antike und dem Beginn der Neuzeit, für die man bislang vor den Küsten der Nouvelle-Aquitaine noch keine Funde lokalisieren konnte. Dabei geht man davon aus, dass von den weltweit geschätzten 3 Millionen versunkener Schiffswracks, etwa 200.000 in französischen Gewässern liegen, von denen wiederum ein nicht kleiner Teil in den Gewässern vor den Küsten der Nouvelle-Aquitaine vermutet wird. Sie liegen dort allerdings nicht offen auf dem Meeresboden, sondern unter einer vermutlich mehrere Meter dicken Sandschicht, die einerseits die Entdeckung erschwert, andererseits aber wahrscheinlich die Wracks konserviert. Man darf gespannt sein, ob sich die Erwartungen der Archäologen erfüllen.

(R. LeCoz: Des milliers d’épaves encore à découvrir, in: SUDOUEST, 06. 07. 2019)

 

 

Mehr Geld für die Klinik

Die Klinik in Lesparre hat zwar in den letzten Jahren ihr medizinisches Angebot ganz im Interesse der Bewohner des nördlichen Médoc erheblich ausgebaut, zuletzt mit der Inbetriebnahme einer Dialyseabteilung, doch schreibt man immer noch rote Zahlen, und beim Personal gibt es Lücken, die nicht geschlossen werden können. Vor diesem Hintergrund fand in den letzten Tagen ein Gespräch zwischen der Klinikleitung und dem Kabinettschef der Gesundheitsministerin in Paris statt, das für die Klinik überaus positiv verlief. Eines der Ergebnisse war die Zusage des Ministeriums, durch Vereinbarung mit der Universität Bordeaux die Personallücke bei der Notfallmedizin zu schließen. Gute Nachrichten gab es auch für die Geburtshilfeabteilung, die, obwohl zuletzt weniger als 300 Geburten pro Jahr gezählt wurden, beibehalten und gestärkt werden soll. Das Ministerium stimmte auch den Plänen der Klinik zu, die Dialyseabteilung schrittweise auf 12 Behandlungsplätze auszubauen. Und ebenso wurde zugesichert, dass die Abteilung der Klinik, die sich um die Behandlung von Krebspatienten kümmert, bestehen bleibt und besser ausgestattet wird.

(J. Lestage: Des avancées confirmées pour la clinique, in: SUDOUEST 05. 07. 2019)

 

Leichtsinn auf den Autobahnen

Die Sécurité routière bemüht sich in beharrlicher Arbeit, die Sicherheit auf den französischen Straßen zu vergrößern. Dazu besteht nach wie vor Anlass, denn noch immer halten sich zu viele Autofahrer besonders auf den Autobahnen nicht an die gesetzlichen Vorgaben. Dazu gehört z. B., dass mehr als 20% der Lkw die Haltespur befahren. Dazu kommt, dass 6% der Autofahrer ihr Mobilteelfon während der Fahrt in Händen halten. Bei den Fahrern von Lkw sind es sogar 15%. Auch bei der Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit halten sich zu viele nicht an die Vorgaben. 43% der beobachteten Fahrzeuge waren zu schnell unterwegs. 2018 kam man auf einen Wert von 38%.

(Trop d’imprudence sur les autoroutes, in: SUDOUEST, 05. 07. 2019)

 

 

Verbot der Prügelstrafe

In einer Abstimmung hat der französische Senat das Verbot der körperlichen Züchtigung von Kindern, das bereits die Nationalversammlung passiert hatte, zum Gesetz erhoben. Damit ist Frankreich das 56. Land weltweit, das  die Körperstrafen an Kindern verbietet. In Europa hatte vier Jahre zuvor als letztes Land davor Schweden dasselbe Verbot ausgesprochen. In Deutschland ist die Prügelstrafe der Eltern gegen ihre Kinder bereits seit 2000 gesetzlich verboten. In Frankreich greifen den Erhebungen nach, derzeit 85% der Eltern zu sogenannten körperlichen Erziehungsmaßnahmen. Damit die neue Regelung, die als  Artikel 222-13 in das Strafgesetzbuch aufgenommen worden ist, möglichst schnell  in das öffentliche Bewusstsein eindringt, wird von nun an dieser Paragraph gut sichtbar auf der ersten Seite der Frühuntersuchungshefte der Kinder  abgedruckt.

(C’est officiel, la France interdit la fessée, in: SUDOUEST, 03. 07. 2019)

 

 

 

Luftschiffe made in Gironde?

Auf dem Luftfahrtsalon in Le Bourget verkündete die junge Gesellschaft Flying Whales, dass sie eine Fabrikationsanlage für Riesenluftschiffe in der Nouvelle-Aquitaine errichten will. Gebaut werden sollen dort Luftschiffe von 150 m Länge, 40 m Höhe und 60 m Breite, die Lasten bis zu 60 Tonnen an nahezu jeden beliebigen Punkt befördern können, ohne dazu aufwändiger Landeeinrichtungen zu bedürfen. Anders als die Luftschiffe der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die mit hochbrennbarem Wasserstoff gefüllt waren, sollen die neuen Riesentransporter mit dem nicht entzündbaren Helium gefüllt werden und damit  um vieles sicherer sein als ihre Vorgänger. Für die neuen Lastluftschiffe spricht ihre Umweltfreundlichkeit, denn sie brauchen  nur ein Zwanzigstel des Kraftstoffes, den ein Hubschrauber benötigt und produzieren damit nur einen Bruchteil an CO2, den andere Luftfahrzeuge abgeben. Bei den Dingen, die ein derartiges Luftschiff transportieren kann oder soll, denkt man z.B. an Holz, das aus unwegsamen Umgebungen abtransportiert werden könnte oder an Flügel von Windkraftanlagen, die ohne umständliche und kostspielige Straßenbauten dorthin geschafft werden könnten, wo sie gebraucht werden.

Für die Produktion der neuen Luftschiffe werden riesige Hallen von 200 m Länge und 60 m Höhe benötigt, und man braucht Geld. Das ist allerdings schon in Aussicht gestellt, denn mehrere Interessenten sind bereit, sich an dem Projekt zu beteiligen. Wenn alles gut geht, soll die Produktionsstätte schon 2021 einsatzbereit sein, so dass bald mit den ersten fertiggestellten Luftschiffen gerechnet werden kann. Ob alles so glatt und schnell vonstatten geht wie derzeit angenommen, ist jedoch nicht wirklich sicher, denn es gab in der Vergangenheit, auch in Deutschland mit dem letztlich gescheiterten Projekt Cargolifter, schon Versuche, große Frachtluftschiffe zu bauen, die nie über das Reißbrettstadium hinausgekommen sind.

(N. César: Des dirigeables géants « made in Gironde » ?in: SUDOUEST, 02. 07. 2019)

 

 

Dialyse in Lesparre

Die Klinik in Lesparre, die in den letzten Jahren ihr medizinisches Angebot zielgerichtet ausgeweitet hat, hat eine neue Abteilung in Betrieb genommen. In Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik in Bordeaux wurde eine Dialyseanlage eingerichtet, die sechs Behandlungsplätze bereithält, an denen pro Woche 12 Patienten behandelt werden können.  Die nephrologische Abteilung der Klink in Lesparre, die seit 2016 in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Bordeaux aufgebaut worden ist, wird von drei Ärzten geleitet, die regelmäßig aus Bordeaux anreisen, um die etwa 400 Nierenpatienten, die derzeit in Lesparre betreut werden, zu behandeln. Zur Zeit abeitet man in Lesparre an Plänen, die die Zahl der Dialyseplätze verdoppeln soll auf 12, so dass wöchentlich bis zu 24 Patienten versorgt werden können. Diese Erweiterung soll es ermöglichen, dass auch Dialysepatienten, die ihre Ferien im Médoc verbringen, ohne Probleme behandelt werden können.

(J. Lestage: La clinique de Lesparre a inauguré l’unité de dialyse, in: SUDOUEST, 02. 07. 2019)

 

 

Rettungshubschrauber

Der Hubschrauber Dragon 33 der Sécurité civile, den man an seinem gelb-roten Anstrich schon von weitem erkennen kann, hat für die Sommermonate wieder in Lacanau sein Quartier bezogen. Er steht von dort aus für Rettungseinsätze im nördlichen Médoc bereit. An vielen Stellen an der Küste bestehen  befestigte Hubschrauberlandeflächen, die auf keinen Fall blockiert werden dürfen. Für Rettungseinsätze über dem Wasser verfügt der Hubschrauber über eine Seilwinde, an der eine Rettungseinrichtung auf die Wasseroberfläche herabgelassen werden kann. Zur Besatzung gehört ein Notfallarzt für die medizinische Erstversorgung.

Dragon 33 bei einer Rettungsübung: Klick

 

Einwohnerzuwachs

In den Monaten der Sommersaison nimmt die Zahl der Bewohner in den Küstenorten des Médoc rasant zu. In Lacanau, wo im Winter etwas mehr als 5.000 Menschen leben, zählt man dann 100.000 Einwohner, in Soulac schnellt die Einwohnerzahl von 3.000 auf über 50.000, in Caracans-Maubuisson klettert die Bevölkerung von ansonsten 2.450 auf 30.000. Und in Vendays-Montalivet vollzieht sich eine Steigerung von rund 2.500 ganzjährigen Einwohnern auf mehr als 48.000. Damit die zuwandernden Massen untergebracht werden können, werden im Bereich des Gemeindeverbandes Médoc Atlantique über 180.000 Betten bereitgehalten, was etwa 40% der im gesamten Departement Gironde verfügbaren Übernachtungsmöglichkeiten entspricht. Für die vom Tourismus betroffenen Gemeinden stellen sich gewaltige Aufgaben, angefangen von der Bereitstellung von Wasser über die Abfuhr von Müll und die Sicherung der öffentlichen Ordnung.

Für eine Gemeinde wie Vendays-Montalivet belaufen sich die direkten Einnahmen aus dem Tourismus auf jährlich zwischen 2 und 2,2 Millionen Euro, von denen 900.000 Euro aus den Zahlungen des CHM an die Gemeindekasse stammen. Weitere direkte Einahmen aus Pacht und Gebühren kommen von den Campingplätzen Le Soleil d’Or und Campéole, dem Wohnmobilstellplatz und dem Camping muncipal. Für die Gemeinde sind das zwar willkommene Einnahmen, doch macht man kein Hehl daraus, dass der Nettogewinn, der daraus gezogen wird, nicht groß ist. Zu Klagen besteht aber kein Anlaß, denn die indirekten Einnahmen aus Steuern und Abgaben der im Tourismus engagierten Gewerbetreibenden stärken die Gemeindkasse in einer Weise, die bei mancher benachbarten Verwaltung Neid aufkommen läßt.

(D. Barret: Quand la population explose sur les communes du littoral océanique, in: Le Journal du Médoc, 28. Juni 2019)