Médoc-Notizen April – Juni 2021

 

Zahlen zur Coronavirus-Situation in Frankreich am 22. 04. 2021: Klick

 

Untergang des Schwimmbaggers

Der im Port Médoc stationierte Schwimmbagger ist aus noch nicht geklärten Gründen gesunken. Dabei ist eine größere Menge Dieselkraftstoff ausgetreten und hat sich auf der Wasseroberfläche ausgebreitet. Benutzer des Hafens, die den Vorfall bemerkt hatten, berichteten, dass trotz der starken Geruchsbelästigung, die von dem ausgetretenen Kraftstoff ausgegangen sei, keine Versuche seitens der Hafenleitung unternommen wurden, den Hafen zu schließen oder Abwehrmaßnahmen einzuleiten. Die Capitainerie äußerte sich auf Anfragen nicht zu dem Vorfall.

(La drague de Port-Médoc a coulé, in: SUDOUEST, 22. 04. 2021)

 

 

 

Das Ende des confinement wird konkreter

Wie aus der Umgebung der Regierung verlautet, sollen die wegen der Coronapandemie verhängten Ausgangsbeschränkungen am ersten Maiwochenende aufgehoben werden. Ebenso soll die von Staatspräsident Macron angekündigte Zeitfolge bei den Wiedereröffnungen von Geschäften und Kultureinrichtungen beibehalten werden.

Die Regierung hat vor, am 2. Mai das Verbot aufzuheben, nach dem man sich nicht mehr als 10 km von seinem Wohnort entfernen darf. Ebenso sollen die Ausgangssperren gemildert werden. Ab Mitte Mai sollen die Terrassen von Restaurants, Bistros und Cafés wieder geöffnet werden. Ebenso sollen die Geschäfte, die nicht vorwiegenden Lebensmittel anbieten, den Verkauf wieder aufnehmen dürfen. Und schließlich sollen sich die Türen von kulturellen Einrichtungen wieder für das Publikum öffnen, das allerdings zunächst akzeptieren muss, dass nur Teilkontingente der zur Verfügung stehenden Plätze genutzt werden dürfen. Diese Meldungen sind im wesentlichen vom Regierungssprecher Gabriel Attal bestätigt worden, der erklärte, der vom Staatspräsidenten in seiner Rede vom 31 März verkündete Fahrplan für die Rücknahme der Beschränkungen werde im wesentlichen eingehalten. Der Regierungssprecher fügte allerdings hinzu, Voraussetzung für das Inkrafttreten der genannten Milderungen sei es, dass die Zahl der täglich neu registrierten Coronavirusfälle innerhalb des nächsten Monats auf durchschnittlich unter 20.000 pro Tag sinke.

(SudOuest.fr avec AFP: Covid-19 en France : fin des 10 km le 2 mai, ouverture des terrasses mi-mai… Le calendrier se précise, in: SUDOUEST, 21. 04. 2021, 20.42h, Interenet-Ausg.

 

 

Erinnerung an einen Pionier der Höhnforschung

François Daleau ist ein Mann, dessen Name nur bei wenigen den Klang hat, denn er verdient, denn er gehört zu den Begründern einer Wissenschaft, der wir unsere Kenntnisse über die von Frühmenschen bewohnten Höhlen verdanken, von denen es im Südwesten Frankreichs eine Reihe besonders ergiebiger Exemplare gibt. François Daleau hat im März 1881 die Höhle Pair-non-Pair auf dem rechten Ufer der Gironde durch einen Zufall entdeckt und sich im Lauf von 25 Jahren tiefer und tiefer in diese Höhle hineingegraben, um ihre Geheimnisse, von deren Vorhandensein er beim Beginn seiner Forschungen keine Vorstellung hatte, freizulegen. Auf Grund seiner Arbeiten und Forschungen weiß man, dass diese Höhle über lnnge Zeiträume von Menschen bewohnt war, weil sie eine Art natürlichen Kamin besaß, der es erlaubte, in der Höhle Feuer zu entzünden und  damit Temperaturen zu erzeugen, die ein längeren Verweilen in der Höhle ermöglichten. 1883 entdeckte Daleau mehrere 10.000 Jahre alte Ritzungen an den Wänden der Höhle, die Tiere darstellten, die zur Zeit der Höhlenbewohner um die Höhle herum lebten und gejagt wurden. In der Höhe fanden sich neben den Ritzungen rund 15.000 Werkzeugen aus Knochen und Stein und über 600 Fragmente von Tierknochen.

Daleau hat Zeit seines Lebens, seine Entdeckungen mit Zeichnungen und Texten dokumentiert, die es auch heute noch erlauben, sein Forscherleben nachzuzeichnen. Seine literarische Hinterlassenschaft ist kürzlich in zwei mit zahlreichen Illustrationen ausgestatteten Bänden veröffentlicht worden, die für Interessierte eine Quelle reichhaltiger Belehrung über die Frühzeit der Höhlenforschung und über die Grotte Pair-non-Pair sind.

(F. Dupuy: Les carnets de l’explorateur François Daleau édités, in: SUDOUEST, 20. 04. 2021)

« François Daleau, carnets d’excursions (1869-1925) ». 42 euros, préface de Marc Groenen, 800 gravures et dessins, aux éditions Jérôme Millon.

« François Daleau, fondateur de l’archéologie préhistorique », par Marc Groenen, 28 euros, aux éditions Jérôme Millon.

Mehr zur Grotte Pair-non-Pair: Klick

 

 

Brücke mit Eigenleben

Der Pont de pierre ist die älteste Brücke, die in Bordeaux über die Garonne führt. Sie hat ein bewegtes Leben hinter sich, und sie bewegt sich immer noch. Genauer gesagt, sie sinkt pro Jahr um einen Millimeter ein, was auf Dauer natürlich der Stabilität des Bauwerks abträglich ist. Um die Brücke zu schonen, wird der Individualverkehr, der sonst über die Brücke strömte, schon seit August 2017 umgeleitet, und nun stehen neue Beschränkungen bevor. Als nächstes sollen Sondierungsbohrungen an den Pfeilern 7 bis 16 unternommen werden, die bis zum felsigen Untergrund reichen sollen. Während dieser Arbeiten bleibt die Brücke geöffnet für die Straßenbahn, Fußgänger und Radfahrer. Taxen und Busse müssen sich allerdings einen anderen Weg suchen. Wie lange diese Beschränkungen gelten werden und wie viel Zeit man brauchen wird, um die Brückenpfeiler zu stabilisieren, weiß man gegenwärtig noch nicht. Es wird aber länger dauern.

( SUDOUEST, 17. 04. 2021, 15.51h, Internet-Ausg.)

 

Anschlussstelle 7 gesperrt

Die Anschlussstelle 7 der Rocade von Bordeaux, über die immer noch viele  über Eysines in das Médoc fahren, wird von Mitte Juni an für etwa sieben Wochen für den auf- und abfahrenden Verkehr gesperrt. Grund dafür sind Bauarbeiten, die unternommen werden zur Errichtung  von Lärmschutzwänden. Die Maßnahme steht im Zusammenhang mit dem vorerst letzten Abschnitt des Ausbaus der Rocade auf drei Spuren in jeder Richtung. Dieses Arbeiten werden sich noch einige Monate hinziehen, wobei unterstellt wird, dass es keine Verzögerungen gibt, die vom Wetter oder anderen Faktoren beeinflusst werden.

Die Schließung der Anschlussstelle 7 ist erforderlich, weil die kommende Baustelle sehr eng sein wird und keinen Platz lässt, um neben den Baufahrzeugen und -maschinen den laufenden Verkehr durchzulassen. Unlösbare Probleme für Fahrten in das Médoc werden sich nicht ergeben, da die Anschlussstelle 8 weiterhin zur Verfügung steht, mit der man die Ortsdurchfahrt durch Eysines vermeiden kann und schneller in das Médoc gelangt.

(J. – M. Le Blanc: Rocade de Bordeaux : l’échangeur 7 sera fermé sept semaines à partir de juin 2021, in: SUDOUEST, 17. 04. 2021, 13.32h, Internet-Ausg.)

 

Erleichterungen ab 15. Mai?

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie treffen zwar die verschiedenen Gruppen der Bevölkerung unterschiedlich schwer, aber niemand wünscht sich, dass die Beschränkungen, die das Virus auferlegt, von Dauer sein sollen. Das erste Datum, an dem man hofft, dass Teile der bestehenden Beschränkungen aufgehoben oder zumindest reduziert werden könnten, ist der 15. Mai. Zu diesem Datum hat Präsident Macron in Aussicht gestellt, dass erste Lockerungen des confinement verfügt werden könnten. Dann könnten, wie der Regierungssprecher Gabriel Attal bekant gab, die ersten Aussenterrassen von Restaurationsbetrieben und erste Kultureinrichtungen wieder öffnen. Wieweit das möglich sein wird, hängt ab vom weiteren Verlauf der Pandemie. Auf der Regierungsseite ist man verhalten optimistisch, dass die zur Zeit zu beobachtende Abflachung der Zahlen der Pandemie sich fortsetzt, um in einen Abwärtstrend einzumünden, aber Gewissheiten, dass das tatsächlich eintreten wird, gibt es derzeit nicht. Insofern ist das Datum des 15. Mai mit großer Vorsicht und Zurückhaltung aufzunehmen.

(Covid-19 : prudence sur l’objectif du 15 mai, in: SUDOUEST, 17. 04. 2021)

 

Wird Obst selten und teuer?

Nach den Frostattacken, die Anfang April dieses Jahres den Wein- und Obstbau in großen Teilen Frankreichs schwer getroffen hat, weiß niemand genau, wie schwer die Ausfälle bei der kommenden Ernte sein werden, aber alle Experten sind sich darin einig, das in nahezu allen Anbaugebieten mit deutlich reduzierten Erträgen gerechnet werden muss. Bei Aprikosen, Pfirsichen, Äpfeln, Birnen, Kirschen, Pflaumen und Weintrauben sind zwischen 20 und 100% der erwarteten Ernten dem Frost zum Opfer gefallen. Ausnahmen wird es bei Erdbeeren und Himbeeren geben. Auch bei den Kiwi sieht es weniger ungünstig aus, weil die später blühen und zum Zeitpunkt der Forstwellen ihre Blütenknospen noch nicht entfaltet hatten.

Es ist jedoch ziemlich sicher dass das Obstangebot aus französischem Anbau in diesem Jahr deutlich hinter den Vorjahreswerten zurückbleiben wird. Die Folgen werden sich in deutlich höheren Preisen zeigen. Möglicherweise werden die zu erwartenden Mengenprobleme durch Importe gemildert, aber das wird nicht zu niedrigen Preisen führen. 

Die französischen Obst-, und Weinanbaubetriebe rechnen mit einer Zeit von bis zu fünf Jahren, die sie brauchen, um die im laufenden Jahr eintretenden Ausfälle zu bewältigen. Viele Betriebe werden rote Zahlen schreiben und zum Überleben Schulden machen müssen mit allen damit verbundenen Risiken.

(M. Royer: Des fruits rares et chers cet été ? in: SUDOUEST, 16. 04. 2021)

 

 

Eichen für Notre-Dame-de-Paris

Nach dem Brand der Kathedrale Notre-Dame-de-Paris am 15. und 16. April 2019 regen sich an vielen Stellen in Frankreich Kräfte, die zur möglichst baldigen Wiederherstellung dieses nationalen Kulturdenkmals beitragen wollen. Dazu gehört auch eine Aktion in Cabanac-et-Villagrains im Süden des Departement Gironde. Dort wurden im März dieses Jahres drei besonders gut gewachsene Eichen gefällt, die als Geschenk der Waldbesitzer dazu ausersehen sind, in den neuen Dachstuhl der Kathedrale eingebaut zu werden. Die drei mächtigen Bäume wurden kürzlich aus dem Wald herausgeholt, um danach auf den Transport in Richtung Paris zu gehen. Die Hauptlast dieser Arbeit trugen vier mächtige Rückepferde, die darauf spezialisiert sind, schwere Lasten in unwegsamen Gelände zu schleppen. Vier von diesen fast eine Tonne schweren Kaltblütern meisterten schließlich die ihnen gestellte Aufgabe in vorbildlicher Weise, wobei man besonders zufrieden damit war, dass die Eichen nach traditioneller und umweltfreundlicher Weise aus dem Wald geholt wurde.

(J.-M. Le Blanc: Trois chênes débardés, in: SUDOUEST, 14. 04. 2021)

Etwas mehr zu Kaltblütern: Klick

 

Bremse für den Flugverkehr

Die Würfel sind noch nicht endgültig gefallen, aber es ist sehr wahrscheinlich, dass die französische Nationalversammlung ein Gesetz beschließt, mit dem innerfranzösische Flugverbindungen verboten werden sollen, sofern es sich um Strecken handelt, auf denen mit anderen Verkehrsmitteln wie z.B. der Bahn in weniger als 2 1/2 Stunden die Ziele erreicht werden können, für die sonst ein Flugzeug benutzt würde. Dies betrifft vor allem die innerfranzösischen Flugverbindungen Paris-Nantes, Paris-Lyon, Paris-Rennes, Lyon-Marseille und Paris-Bordeaux. Während Umweltschützer diese Reduzierung des Flugverkehrs begrüßen, erheben die Vertreter der betroffenen Flughäfen und Fluglinien lauten Protest. Nach ihren Berechnungen verursachen die Flugverbindungen, die stillgelegt werden sollen, nur 0,04% der CO2-Emissien, außerdem führen sie an, dass die neuen Flugzeugtreibstoffe 80% weniger Schadstoffe an die Umwelt abgeben als früher. So wie es aussieht, wird sich aber die Front derjenigen durchsetzen, die die innerfranzösischen Flüge kräftig reduzieren wollen. Für die Flughäfen und Fluglinien hat dies, besonders in der aktuellen Situation, gravierende wirtschaftliche Konsequenzen sowohl für die Umsätze als auch für die Arbeitsplätze.

(P. Rabiller: Vers la fin des vols entre Bordeaux et Orly, in: SUDOUEST, 13. 04. 2021)

 

Wütende Motorradfahrer

Rund 2.000 Motorradfahrer haben am 10. April 2021 in Bordeaux durch gezieltes Langsamfahren, kräftiges Hupen und jede Menge provozierter Fehlzündungen darauf aufmerksam gemacht, dass sie (mal wieder) Grund zu lautstarkem Klagen haben. Diesmal protestierten sie nicht gegen das Verbot, zwischen den Fahrspuren fahren zu dürfen, sondern dagegen, dass für motorisierte Zweiräder über 125 cm³ Hubraum ab 1. Januar 2022 ein contrôle technique, also eine technische Untersuchung nach Art des TÜV vorgeschrieben wird. Die wird natürlich gebührenpflichtig sein, und vor allem dagegen wehren sich die Motorradbesitzer. Die behaupten mehrheitlich, eine derartige Überprüfung nütze nur den durchführenden Kontrolleuren, wohingegen die Motorradfahrer schon um der eigenen Gesundheit willen dafür sorgten, dass ihre Gefährte technisch in Ordnung seien. Der Gesetzgeber sieht das aber anders und beharrt darauf, dass die Verkehrssicherheit der Motorräder verbessert werden müsse. Immerhin signalisierte die Regierung, man sei bereit, gemeinsam mit den Betroffenen nach Wegen zu suchen, die auf andere Weise zur Verbesserung der technischen Sicherheit der motorisierten Zweiräder führen könnten..

(D. Bozec: La démonstration de force des motards, in: SUDOUEST, 11. 04. 2021

 

Frostschäden im Departement Gironde

Es ist zwar noch viel zu früh, um das tatsächliche Maß der Schäden, die die Kältewelle vom 7. und 8. April mit Temperaturen bis zu -7 Grad in den Wein- und Obstbautbetrieben des Departements angerichtet haben, zu beziffern aber schon jetzt steht fest, dass es erhebliche Verluste bei der nächsten Ernte geben wird. Da, wo bereits geöffnete Knospen erfroren sind, besteht die Möglichkeit, dass sich nachtreibende Ersatzknospen bilden, aber auch wenn dies die Schäden mildern kann, ein normales Ernteergebnis ist schon jetzt auszuschließen. Auf vielen Parzellen muss mit Ausfällen in der Größenordnung von 80 bis 100% gerechnet werden, so dass die Frage aufkommt, wie den Betroffenen geholfen werden kann. Es gibt zwar die Möglichkeit, Versicherungen gegen derartige Witterungsrisiken abzuschließen, aber die Prämien sind vergleichsweise hoch, weshalb nur 30% der Weinbaubetriebe derartige Verträge besitzen. Folglich geht der Blick in die Richtung staatlicher Hilfen, doch sind die Erfahrungen, die man damit in der Vergangenheit gemacht hat, nicht dazu angetan, die Sorgen der Frostgeschädigten zu vertreiben. Außerdem weiß man um die Belastung der Staatsfinanzen durch die Coronavirus-Pandemie und macht sich auch deswegen keine Illusionen hinsichtlich des Umfangs der vielleicht doch möglichen Unterstützung aus der Staatskasse. 

(A. Boilley: Les élus au chevet des sinistrés, in: SUDOUEST, 11. 04. 2021)

 

 

Trübe Aussichten für Le Verdon und Pauillac

Der Autonome Hafen von Bordeaux besitzt ein weit ausgedehntes Netz von Standorten, die sich von Le Verdon bis in den Port de la Lune von Bordeaux erstrecken. Allerdings sind die Zahlen für die Entwicklung des Port Autonome schon seit Jahren nicht so, dass sei eine optimistische Erwartung für die Zukunft zulassen. Besonders betroffen vom Rückgang der Hafenaktivitäten sind die Standorte von Le Verdon und Pauillac. In Le Verdon sollte ursprünglich ein leistungsfähiger Containerhafen entstehen, von dem inzwischen niemand mehr spricht, auch wenn dort neben zwei abbruchreifen alten Kränen zwei funktionsfähige neuere stehen, die den Umschlagsbetrieb aufnehmen könnten. Damit ist jedoch nicht zu rechnen, da der Port Autonome seine Containeraktivitäten nach Bordeaux  verlagert hat, wo sie auch bleiben werden. Le Verdon ist daher wohl auf Dauer ein kaum beschäftigter Gelegenheitshafen, an dem nur dann Schiffe anlegen, wenn es irgendwo Situationen geben sollte, bei denen man einen Ausweichhafen bracht.

Nicht viel besser sieht es in Pauillac aus, wo man große Hoffnungen auf einen Anleger für Kreuzfahrtschiffe gesetzt hatte, die zu groß sind, um flussaufwärts bis zum Port de la Lune zu gelangen. Zur Zeit steht die Kreuzschifffahrt nahezu still, und niemand weiß, wann sich das ändern wird. Bis dahin sind die großen Pläne für Pauillac auf Eis gelegt, wobei man jedoch ein klein wenig Optimismus damit zu verbreiten sucht, dass man nun Zeit haben, Planungen für die nächsten zehn oder zwanzig Jahre in aller Ruhe vorzunehmen.

(J. Lestage: Les terminaux du Verdon et de Pauillac sans horizon, in: SUDOUEST, 10. 04. 2021)

 

 

Schildkröten im Einsatz

In den letzten Jahren ist im Weinbau des Bordelais an vielen Stellen eine Rückorientierung auf naturnahe Bewirtschaftungsformen zu beobachten. So werden wieder mehr Pferde als Zugtiere eingesetzt, und da, wo es geht, lässt man Schafe und Ziegen unerwünschte Kräuter und Gräser wegfressen. Das tun sie zwar mit Leidenschaft und Konsequenz, aber sie haben auch die Tendenz , sich an den Weinstöcken zu bedienen. Ein Weingut im Médoc hat jetzt einen Versuch gestartet, der für die Weinstöcke absolut ungefährlich ist, denn man hat mehrere Dutzend Landschildkröten ausgesetzt, die zuverlässig bodennah alles das wegfressen sollen, was dem Gedeihen der Weinstöcke abträglich ist. Die ersten Ergebnisse sind überzeugend, denn nach dem Durchzug der Schildkröten ist der Boden um die Füße der Weinstöcke blitzblank. Jetzt ist man gespannt, wie sich das Schildkrötenexperiment weiter entwickelt und ob andere Châteaux sich ebenfalls der Dienste der anspruchslosen Panzerträger versichern werden.

(Des tortues pour entretenir les vignes, in: Le Journal du Médoc, 9. April 2021)

 

 

Noch immer Frostalarm

Die Kältewelle, die den Südwesten Frankreichs getroffen hat, hat auch im Médoc für besorgte Gesichter bei den Weinbauern gesorgt. Anlass dazu gab es genug, denn die Temperaturen fielen, obwohl die ganze Palette der verfügbaren  Schutzmaßnahmen aktiviert wurde, gebietsweise unter – 4 Grad, stellenweise wurden sogar – 6 Grad gemessen. Welche Folgen das für die Weinstöcke haben wird, ist noch nicht abzuschätzen, Anlass für Befürchtungen gibt es aber an vielen Orten. Stellenweise schätzt man, dass rund 20% der kommenden Ernte dem Frost zum Opfer gefallen sind, in einzelnen Parzellen werden sogar Verluste von bis zu 100% befürchtet. Möglicherweise werden die Schäden bei den später austreibenden Cabernet weniger groß sein, aber bei den Merlot, deren Knospen sich schon geöffnet hatten, überwiegen die Befürchtungen, dass die Ausfälle recht groß sein können. Voller Anspannung wird auf die Temperaturen der kommenden Nacht gewartet, denn die Kältewelle ist noch nicht abgeklungen.

(J. Lestage: « La situation reste préoccupante » ,in: SUDOUEST, 08. 04. 2021)

 

 

Blick in die Jungsteinzeit

Die jüngsten Winterstürme haben nicht nur Schaden verursacht, sondern daneben auch Auswirkungen gehabt, die den Wissenschaftlern neue Einblicke in die Frühgeschichte der Nouvelle-Aquitaine eröffnen. Am Strand von Lagune bei La-Teste-de-Buch kamen am Bassin von Arcachon Überreste einer Anlage zu Tage, in der einst Salz gewonnen wurde. Noch kann man lediglich sagen, dass die Funde zu einem Gebiet von rund 150m Ausdehnung gehören, in dem am Ende der Jungsteinzeit, also etwa 2.000 bis 3.000 Jahre vor unserer Zeit Salz gewonnen wurde. Die Fundstelle soll in den nächsten Wochen näher untersucht werden.

Spuren von Salzgewinnungsanlagen sind auch unter der Dune de Pilat und an der Pointe de la Négade zu Tage getreten, die belegen, dass die Salzgewinnung an der Küste in früheren Zeiten ein Wirtschaftsbereich gewesen ist, der in der Gegend große Bedeutung hatte.

(Un site préhistorique de production de sel découvert sur la plage, in: SUDOUEST, 07. 04. 2021)

Mehr zur Jungsteinzeit im Médoc: Klick

 

Frostschutz

Die Weinbaubetriebe des Bordelais sind in diesen ersten Apriltagen in  Alarm, denn die Meteorologen haben eine Kältewelle angekündigt, bei der es Bodenfröste geben kann. Wenn die Weinstöcke zum gegenwärtigen Zeitpunkt von Minustemperaturen getroffen werden, dann kann das verhängnisvolle Folgen haben, weil die Knospen dabei sind, sich zu öffnen und die jungen Triebe nach dem Frühjahrsschnitt an ihre Leitdrähte angebunden worden sind. Dadurch kommen sie dem Boden näher und demzufolge auch der Luftschicht unmittelbar über dem Boden, in der die niedrigsten Temperaturen herrschen.

Da die Frostgefahr in dieser Jahreszeit latent immer droht, hat man Erfahrungen gesammelt und Verfahren entwickelt, wie man die Bedrohung für die jungen Triebe zumindest mindern kann. Einige Weinbaubetriebe deponieren in ihren Feldern Strohballen, die bei Bedarf angezündet werden und  deren Qualm schützend wirkt, andere entzünden große Kerzen, die jedoch erhebliche Kosten verursachen, wieder andere versuchen es mit Heißluftgebläsen und andere lassen Hubschrauber über die gefährdeten Parzellen fliegen, die die bodennahen Kaltluftschichten durcheinander wirbeln sollen. Alle diese Verfahren sind arbeits- und kostenintensiv, weshalb sie nur im Notfall angewendet werden. Außerdem ist die Wirkung recht begrenzt, denn es gelingt so, die Bodenluft höchstens um ein bis zwei Grad zu erwärmen. Wenn das reicht, haben die Betriebe Glück gehabt. Wenn der Frost stärker wird, droht der teilweise  oder im schlimmsten Fall vollständige Verlust der Ernte, wobei die Gefahr für die Bestände in Senken besonders groß ist.

(Linda Douifi: Gel : les viticulteurs sur le pied de guerre, in: SUDOUEST, 06. 04. 2021)

 

Das Impftempo legt zu

In einem Interview gab Gesundheitsminister Véran neue Zahlen zum Verlauf der Impfaktionen in Frankreich bekannt. Danach werden in der Woche nach Ostern 1,3 Millionen Dosen AstraZeneca nach Frankreich geliefert. Die Lieferungen von Biontech/Pfizer-Impfstoffen nimmt im April zu auf 2 Millionen Dosen pro Woche. Insgesamt sind in der letzten Woche 2 Millionen Patienten geimpft worden.

In der Region Nouvelle-Aquitaine sind 97% der Bewohner von Seniorenheimen geimpft worden, ebenso wie zwei Drittel der älteren Jahrgänge über 80. Insgesamt haben in der Nouvelle-Aquitaine 15% der in Frage kommenden Personen mindestens eine Impfdosis bekommen.

Auf Nachfrage erklärte der Minister, dass der AstraZeneca-Impfstoff weiterhin verabreicht werde, da an seiner Nützlichkeit kein Zweifel bestehe. Gleichwohl habe man den Kreis der Personen, der damit geimpft werde, begrenzt auf die über 55jährigen, um möglicherweise bestehende Risiken bei Jüngeren auszuschließen.

(I. Castéra: Covid-19 : « les mesures ont eu un premier impact positif », assure Olivier Véran, in: SUDOUEST, 05. 04. 2021, 20.32h, Internet Ausg.)

 

Ein explosiver Fund

Auf einem Strand bei Arcachon wurde am Nachmittag des 3. April eine aus dem 2. Weltkrieg stammende  Granate entdeckt. Der Fund wurde der Polizei gemeldet, die umgehend den betroffenen Strandabschnitt und die angrenzenden Strassen  räumen und absperren ließ. Die Entdeckung des explosiven Fundstücks hängt zusammen mit Arbeiten an dem Strandabschnitt bei der jetée Thiers. Nach dem Absperren der Umgebung der Fundstelle sprengten die für die Problembeseitigung zuständigen Minenräumer die Granate um 17.28h und danach gab es Entwarnung.

Munitionsfunde sind an den Küsten des Médoc keine Seltenheit. Daher ist zu warnen vor allen metallischen Gegenständen unbekannter Herkunft, die an den Stränden gefunden werden. Sie sollten keinesfalls aufgenommen oder bewegt werden, dafür sind die Experten vom Minenräumdienst zuständig, die über die Polizei, die Feuerwehr oder die zuständige Gemeindeverwaltung alarmiert werden können.

(D. Patsouris: Un obus découvert, la plage évacuée, in: SUDOUEST, 04. 04. 2021)

 

20 auf einen Streich

Seit dem tapferen Schneiderlein sind sieben auf einen Streich ein Ergebnis, das je nach Temperament und Kontext Furcht oder Bewunderung auslöst. Seit kurzem muss diese Marke wohl nach oben justiert werden, denn ein Ehepaar aus dem Departement Charente konnte von einem Ereignis berichten, dass, wenn es nicht eindeutig fotografisch dokumentiert worden wäre, in der Rubrik Anglerlatein verbucht worden wäre. Besagtes Ehepaar kaufte wie schon oft auf dem Markt von Marennes Austern. Wie es dem Lauf der Dinge entspricht, kamen die Schalentiere bald auf den Tisch, doch geriet die geplante Mahlzeit bald ins Stocken, weil in einer Auster eine Perle gefunden wurde, an sich in unseren Breiten schon ein nur sehr selten auftretendes Ereignis. Bei genauerem Hinsehen ergab sich, dass die gefundene Perle nicht allein war, sondern einen ganzen Schwarm von Verwandten hinter sich versammelt hatte. Insgesamt waren es zwanzig, zwar alle recht klein und auch nicht von vollkommener Gestalt, aber dennoch bemerkenswert. Das plötzlich perlenreiche Paar informierte den Verkäufer und der erklärte, dass die Auster mit dem wundersamen Inhalt aus der Betragne stammte und älter und größer war als die in der Charente herangewachsenen Artgenossen. Das erklärte aber noch nicht die große Zahl der Perlen. Die Nachricht von der plötzlichen Perlenflut wurde an ein Forschungsinstitut auf der Ile d’Oléron weitergleitet, wo man ebenfalls staunte, dabei aber erklären konnte, dass die Perlen in Austern oder anderen Muscheln sich bilden, wenn Fremdkörper in ein Schalentier gelangen, das das diese zu seinem Schutz einkapselt. Bis hierhin erscheint alles plausibel, aber es erklärt nicht, warum die große Zahl von Perlen  in einer einzigen Muschel zustande kam. Vielleicht ist es ja gut, dass es keine leichte und schnelle Erklärung gibt, denn sonst hätte man schließlich nichts mehr zum wundern.

(S. Cottin: À Marennes, l’huître aux vingt perles rares, in: SUDOUEST, 03. 04. 2021

 

 

Petit Prince 75 Jahre

Vor 75 Jahren erschien in Frankreich der Petit Prince, eines der zwei am meisten gelesenen Bücher der Welt, und eines der zartesten und schönsten. Der Autor, Antoine de Saint-Exupéry, der zu den Pionieren der Luftpost zählte, wobei in der Literaturgeschichte schwer zu entscheiden ist, ob er als schriftstellernder Pilot oder als Schriftsteller mit Pilotenpatent geführt werden sollte, hat den Erfolg seines Kleinen Prinzen nicht erlebt, denn er fiel in der Endphase des Zweiten Weltkrieges als Pilot eines Aufklärungsflugzeuges. Die erste, allerdings recht wenig beachtete Veröffentlichung des Petit Prince fand im April 1943 statt während eines Aufenthaltes des Verfassers in den USA. Die erste Ausgabe des Petit Prince in Frankreich erschien am 6. April 1946, zwei Jahre nach dem Fliegertod Antoine de Saint-Exupérys. Seither ist es in 455 Sprachen und Dialekte übersetzt und 145 Millionen mal verkauft worden. Für die Statistiker ist es das Buch, das nach der Bibel am zweit-häufigsten verlangt worden ist.

Die französische Post erinnert mit einer Briefmarke, die ab 12. April an den Schaltern erhältlich sein wird, an das Werk, das es verdient, immer mal wieder gelesen zu werden.

(I. M.-C.: Un timbre à l’effigie du Petit Prince, in: SUDOUEST, 02. 04. 2021)

 

 

Gute Nachricht

Der Leiter der Pharmakologie der Universitätsklinik Bordeaux hat gute Nachrichten. Nach Auswertung aller vorliegenden Studien haben seine Forschungen ergeben, dass Personen, die die zweite Impfdosis erhalten und danach einen endgültigen Impfschutz aufgebaut haben, niemanden mehr mit dem Coronavirus infizieren. Auf diese Ergebnisse ist lange gewartet worden. Bislang wusste man zwar schon, dass Geimpfte nach dem Aufbau des Impfschutzes vor schwerwiegenden Verläufen der Infektion mit dem Coronavirus geschützt sind, doch bestanden noch zahlreiche Fragen bezüglich der Übertragung des Virus von Geimpften auf Nichtgeimpfte. Dies betrifft vor allem die denkbaren Fälle, in denen Personen, die durch die Impfung vor einer ernsthaften Erkrankung geschützt sind, Viren weitergeben können, die ihnen nicht selbst nicht schaden. Nunmehr weiß man, dass diese Gefahr ausgeschlossen werden kann. Dennoch ist vor einem verfrühten Gefühl des Sicherheit zu warnen, solange die Mehrheit der Bevölkerung noch nicht einen vollständigen  Impfschutz genießt. Bis das der Fall ist, müssen die bekannten Regeln und Vorsichtsmaßnahmen weiter gelten.  

(I. Castéra: Bonne nouvelle : on ne transmet plus le Covid, une fois bien vacciné, in SUDOUEST, 01. 04. 2021