Médoc-Notizen Jan. – März 2021

Zahlen zur Coronavirus-Situation in Frankreich am 17. 01. 2021: Klick

 

Wenig Hoffnung für den Hafen von Le Verdon

Der Grand Port maritime de Bordeaux, dem insgesamt sieben Hafenbereiche an der Garonne und Gironde gehören, arbeitet zwar an einem Plan für die Entwicklung in den Jahren 2021 bis 2025, doch erwartet Jacques Bidalun, der Bürgermeister von Le Verdon nicht, dass das positive Impulse für den Hafen in seiner Gemeinde nach sich ziehen wird. Der Containerhafen liegt nach einer kurzen Phase der Aktivität seit 2013 still, und es wird immer unwahrscheinlicher, dass er wieder in Betrieb gehen wird, zumal die Containerverladung inzwischen in Bassens bei Bordeaux fest etabliert ist und mit Einsatz von 9 Millionen Euro weiter ausgebaut werden soll. Zusätzlich ärgert sich der Maire von Le Verdon darüber, dass vor seiner Haustür auf den Gleisanlagen der Bahn eine große Zahl ausgemusterter Waggons abgestellt worden sind, von denen derzeit niemand weiß, was mit ihnen passieren soll. Wie verlautet, sollten sie in einer in Le Verdon zu errichtenden Anlage zerlegt werden, doch ist dieser Plan offenbar aufgegeben worden. Da die Genehmigung zur Abstellung der Waggons befristet war, sollen diese nun bis zum Juni  abgefahren werden. Der alte, inzwischen inaktive Containerhafen von Le Verdon soll zwar erhalten bleiben, aber nur als Reserve für Notfälle, was für das wirtschaftliche Leben an der Nordspitze des Médoc keine belebende Wirkung hat.

(J. Lestage: Bidalun n’attend rien du nouveau plan stratégique, in: SUDOUEST, 14. 01. 2021

 

Die Impfbereitschaft nimmt doch zu

Noch vor wenigen Wochen sah es schlecht aus bei der Bereitschaft der Franzosen, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Im Dezember sprachen sich nur 42% der Befragten für eine Impfung aus, doch sind die Zahlen in den letzten Tagen unerwartet in die Höhe gegangen. Bei einer von Odoxa-Backbone Anfang Januar durchgeführten Umfrage erklärten 56% der Interviewten, dass sie zur Impfung entschlossen seien.

Bei der Suche nach Gründen für diesen Meinungsumschwung werden mehrere Aspekte genannt. Dazu zählen Meldungen, nach denen eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten sich in den letzten Tagen hat impfen lassen. Daneben hat sich wohl ausgewirkt, dass es nur ganz wenige Meldungen über Nebenwirkungen bei den Impfungen gegeben hat. Dann hat auch wohl eine Rolle gespielt, dass die Impfstoffmengen noch begrenzt sind, so dass der Wunsch entstehen konnte, zu denen zu gehören, die sich bald impfen lassen möchten. Eine nicht zu unterschätzende Rolle dürfte auch gespielt haben, dass die Fallzahlen der Coronavirus-Infektionen wieder zugelegt haben und nicht absehbar ist, wann sich das ändern wird.

(franceinfo: Covid-19 : pourquoi de plus en plus de Français veulent-ils désormais se faire vacciner ? 15. 01. 2021, 15.57h

 

Supermärkte öffnen früher

Als Reaktion für den ab Samstag, 16. Januar 2021, geltenden früheren Beginn der Ausgangssperre haben einige große Supermärkte angekündigt, dass sie früher als bisher öffnen werden. Bis jetzt gibt es dementsprechende Ankündigungen von Super U, Carrefour und Auchan. Auchan kündigt an, dass seine Hypermarchés um 7.30h öffnen werden und die Supermarchés um 8.00h. Da damit gerechnet wird, dass es demnächst während der Mittagspausen verstärkten Kundenandrang geben wird, sollen um die Mittagszeit mehr Kassen als sonst üblich besetzt werden.

(SudOuest.fr: Couvre-feu : plusieurs enseignes de supermarchés vont ouvrir plus tôt le matin, in: SUDOUEST, 15. 01. 2021, 18.49h, Internet-Ausg.)

 

 

 

Neue Maßnahmen gegen das Coronavirus

Die Zahlen, die die Corona-Pandemie in Frankreich beschreiben, zeigen immer noch keinen deutlich sinkenden Trend. Daher ist es aus der Sicht der Regierung unumgänglich, neue und verschärfende Maßnahmen anzuordnen. Die auffälligste ist dabei wohl die Vorverlegung der Ausgangssperre für das gesamte Land auf 18.00h,  beginnend mit Samstag, 16. Januar 2021. Der Regierungssprecher führt dazu an, dass in den 25 Departements, in denen seit dem 2. Januar diese frühere Grenze der Ausgangssperre besteht, die Fallzahlen langsamer angestiegen sind als zuvor.

Berufstätige, deren Arbeitszeit nach 18.00h endet, oder Arbeitnehmer, die nachts tätig sind, dürfen dies weiterhin, sie sind allerdings verpflichtet, danach zügig die heimische Wohnung aufzusuchen. Als Nachweis gilt eine Bestätigung des Arbeitgebers. Die Begrenzung auf 18.00h gilt ohne Einschränkung für Einzelhandelsgeschäfte, was unter Umständen dementsprechende Änderungen der Einkaufsgewohnheiten verlangt.

Die 18.00h-Grenze gilt auch für den Thekenverkauf der Restaurants, der danach nicht mehr zulässig ist. Die noch geöffneten Freizeit- und Sporteinrichtungen müssen um 17.00h oder 17.30 h schließen. Keine Änderungen ergeben sich für die Schulen, die in der Regel deutlich vor 18.ooh schließen. Berufstätige Eltern, die ihre Kinder erst nach 18.00h abholen können, können dies weiterhin tun. Sie müssen aber eine Bescheinigung des Arbeitgebers vorzeigen.

Weiterhin aktiv können nach 18.00h  die öffentlichen Verkehrsmittel bleiben. Ansonsten gilt, dass für jeden Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung nach 18.00h eine begründende Erklärung beizubringen ist. Fehlt die oder wird sie missbräuchlich vorgezeigt, werden Bußgelder in Höhe von 135 Euro verhängt. Nach wie vor erlaubt sind auch nach Eintritt der Ausgangssperre Gänge zu Apotheken, das Ausführen von Hunden etc.

 (SudOuest.fr: Couvre-feu à 18 heures dès samedi dans toute la France : qu’est-ce qui change ? in: SUDOUEST, 140 .01. 2021, 18.37h, Itrnet-Ausg.)

 

 

Bordeaux und die malbouffe

Es gibt mancherlei Dinge, auf die Franzosen stolz sind, und dazu gehört nicht zuletzt das, was ihre Küche hervorbringt. Wenn vom Leben wie Gott in Frankreich geschwärmt wird, dann hat dabei die Küche einen gehörigen Stellenwert. Und nicht von ungefähr ist die Idee, besonders hochklassige Restaurants mit Sternen auszuzeichnen, in Frankreich entstanden. Dennoch gibt es in Frankreich seit ein paar Jahrzehnten aber auch Lokalitäten, die Namen wie McDonald’s, Burger King oder Quick tragen, die zu betreten ein rechtschaffener Franzose ablehnt, selbst wenn er es gelegentlich klammheimlich doch tut.  Diese Haltung ist weit verbreitet. Daher verwundert es nicht, wenn von den Verfechtern der wahrhaft französischen Küche Ranglisten von Städten aufgestellt werden, in denen die  „malbouffe“ sich besonders deutlich ausgebreitet hat. Für Franzosen hat das Wort malbouffe einen eindeutig negativen Klang, der sich  beim Übersetzen verliert. Gemeint ist damit eine Art der Nahrungsaufnahme die schlecht (eben mal) ist und bouffe heißt je nach Temperament und Kinderstube des Sprechenden im familiär umgangssprachlichen Sinn etwas, das sich in einer Spannbreite zwischen „Essen,“ und „Fraß“ bewegt.

In der Rangliste der Städte mit besonders großen Angeboten an malbouffe landet Bordeaux auf dem ersten Platz, und das ziemlich deutlich. In der Stadt an der Garonne  werden 51 Lokalitäten vom Typ MacDo und Co. gezählt , und das bei einer Bevölkerung von rund 260.000 Einwohnern für den Kernbereich. Auf dem zweiten Platz folgt Tours vor Metz, Limoges und Lille.

Dieser Befund wird nur wenige davon abhalten, nach Bordeaux zu fahren, aber vielleicht schärft er die Wahrnehmung.

(Bordeaux, championne de France de la „malbouffe“ en 2020, in: SUDOUEST, 12. 01. 2021, 12.22jh, Internt-Asg.)

 

Aldi Hourtin

Der Aldi-Supermarkt in Hourtin hat am 11. Januar seine Türen geschlossen, die aber in rund drei Monaten nach einem Totalabriss und Neubau wieder geöffnet werden sollen. Ds neue Gebäude soll mehr Tageslicht in die Innenräume lassen, breitere Gänge zwischen den Regalen haben, eine Wärmerückgewinnungsanlage und manches andere, was dem technischen Stand der Zeit entspricht. Die grundlegende Modernisierung des Gebäudes liegt auf der Linie der Neuausrichtung des Discounters, der unter Beibehaltung des Bestrebens, seine Preise unterhalb der Marken der Konkurrenz anzusiedeln, gehobene Qualität mit einem gehörigen Anteil an Bioprodukten bieten will. Aldi ist in Frankreich auf deutlichem Expansionskurs, was sich nicht zuletzt an dem kürzlich erfolgten Erwerb von 547 Geschäften der Marke Leader Price, die vorher zur Casinogruppe gehört haben, ablesen lässt.

(L. N.: Aldi : trois mois entre démolition et réouverture, in: SUDOUEST, 12. 01. 2021)

 

 

Warum wird der Wein in Fässer gefüllt?

Es ist kein Geheimnis, dass es teure, ganz teure und weniger teure Weine gibt. Für die Oberklasse, dazu werden etwa 15 -20% der jährlichen Produktion im Bordelais gerechnet, erfolgt in diesen Tagen das Umfüllen in Fässer. Diese Fässer werden aus sorgfältig ausgewählten Hölzern, meist Eiche, gefertigt. Das in Frankreich übliche Standardfass kann 225 Liter aufnehmen, es kostet rund 700 Euro. Jährlich werden in Frankreich etwa 650.000 solcher Fässer hergestellt, von denen 75% exportiert werden. Nach der Fertigstellung der Fässer werden vor dem Anbringen des Deckels in ihnen in Metall-Schalen kleine kontrollierte Feuer abgebrannt, die dem Holz einen  besonderen Geschmack verleihen, der danach an den Wein abgegeben wird. Die Intensität dieser Feuer kann variieren, wobei zur Zeit eher schwache Hitzeentwicklungen bevorzugt werden. Wenn der Wein in die Fässer gefüllt worden ist, kann er über das Holz in kleinen Dosen Sauerstoff aufnehmen, was für die Geschmacksentwicklung und für die Haltbarkeit wichtig ist. Durch den Kontakt mit dem Holz werden die Tanine verfeinert, was die Weine in der Regel „plus aimable“ macht. In der Fachliteratur wimmelt es von Abhandlungen über die Wechselwirkung zwischen dem Holz der Fässer und dem Wein, aber es bleibt vor allem dem Geschick und auch dem Geschmack des Kellermeisters überlassen, diesen Prozess durch beständiges Verkosten zu begleiten und ihn zu einem optimalen Zeitpunkt zu beenden. Die verschiedenen Châteaux haben ihre eigenen Traditionen und Gewohnheiten auch hinsichtlich der Länge der Zeit, die der Wein in den Fässern zubringt, im Durchschnitt 12 bis 16 Monate. Die Fürsorge, die dem Wein angedeiht, braucht Zeit und sie verursacht Kosten, weshalb es einleuchtend ist, dass die Weine auf deren Entstehung die meiste Sorgfalt verwendet wird, auch ihre besonderen Preise haben. Weine in günstigeren Preislagen  werden meist in schon gebrauchte Fässer gefüllt, bei ganz billigen Weinen verzichtet man auf Holzfässer und füllt stattdessen für eine gewisse Zeit Holzspäne in die Tanks.

(C. Compadre, Pourquoi les châteaux élèvent-ils les vins dans des barriques ? in: SUDOUEST, 11. 01. 2021)

 

Drohnen für die Landwirtschaft

Drohnen können allerlei. Sie können, winzig bis klein, nur zum Spaß fliegen, oder sie können groß und mächtig Plattformen für Waffen sein. Während der Einsatz bewaffneter Drohnen Gegenstand kontroverser Diskussionen ist, gibt es andere Bereiche, in denen der Sinn dieser Fluggeräte nur nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt wird, wenn sie z.B. in der Landwirtschaft Verwendung finden.

Eine der noch wenigen Firmen, die Drohnen in diesem Bereich einsetzt, residiert seit rund zwanzig Jahren in Le-Pian-Médoc. Anfangs flog man noch mit bemannten Leichtflugzeugen vornehmlich, um Luftaufnahmen zu machen, doch schon bald entdeckte man die Möglichkeiten, die ferngesteuerte Drohnen bieten. Die Firma bewahrt in ihrem Namen Reflet du monde die Erinnerung an ihre Anfänge. Mittlerweile hat man dort einen Drohnentyp für den Einsatz in der Landwirtschaft entwickelt, der bis zu 15 kg Nutzlast bei einer Flugdauer von bis zu 30 Minuten transportieren kann. Die Nutzlast kann dabei entweder aus großflächig zu verstreuenden Sämereien oder auch aus Chemikalien zum Pflanzenschutz bestehen, die aus Höhen von etwa drei Metern zielgenau und sparsam ausgebracht werden können. Einer der wichtigsten Vorteile beim Einsatz von Drohnen in der Landwirtschaft besteht darin, dass sie den Boden und die darauf stehenden Pflanzen nicht belasten. Letzte Neuerung sind Lasten aus kleinen Paperkügelchen, in die Miniwespen eingewickelt sind, die über Maiskulturen abgesetzt werden, wo sie sich als hochwirksame biologische Waffe in der Bekämpfung von Schädlingen bewähren. Zur Zeit beschäftigt die Firma Reflet du monde vier Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen, zu denen bei Bedarf vier Kollegen mit Kurzzeitverträgen kommen. Der Umsatz lag im letzten Jahr bei 750.000 Euro, doch besteht die begründete Absicht, die Aktivitäten kräftig zu steigern.

(P. Rabiller: Agrodrone cultive la terre par les airs, in: SUDOUEST, 07. 01. 2021)

 

Gute Nachrichten von der Impffront

Der französische Gesundheitsminister gab bekannt, dass nach den bisher in Frankreich verabreichten Impfungen gegen das Coronavirus keine Nebenwirkungen aufgetreten sind, die zu Besorgnissen oder Vorsichtsmaßnahmen Anlass geben. Lediglich bei der sehr kleinen Gruppe von Menschen mit Allergien gegen die in dem Impfstoff enthaltenen Bestandteile wird zur Zeit zur Vorsicht geraten. Auch außerhalb Frankreichs sind bislang mit Ausnahme von Patienten mit besonderer Allergieanfälligkeit keine ernsten Nebenwirkungen eingetreten.

In Frankreich wird vom 18. Januar an der Kreis der Personen, die geimpft werden können, auf die über 75jährigen ausgedehnt. Dann kann jeder, der sich impfen lassen will ohne vorherige Konsultation eines Arztes seinen Impfwunsch im Internet ( https://sante.fr/) oder durch direkten Kontakt mit einem Impfzentrum anmelden. Danach wird ein Termin mitgeteilt, an dem man sich an dem ausgewählten Impfzentrum einfinden kann, wo eine Befragung der Impfwilligen stattfindet, um festzustellen, ob es Gründe gibt, die gegen eine Impfung sprechen. Falls notwendig, findet dann eine ärztliche Untersuchung statt. Wenn die ohne Befund bleibt, kann die Impfung vollzogen werden. Nach der Impfung sollen die Patienten 15 Minuten im Impfzentrum verbleiben, um sicher zu sein, dass die Impfung wie erwartet gut vertragen wird. Anschließend werden die Geimpften in ein Register eingetragen. Danach wird eine zweite Impfung im Abstand von drei bis sechs Wochen vorgenommen, um den Impfschutz zur vollen Intensität zu bringen.

(B. Lassere: Des bonnes nouvelles sur le front vaccinal, in: SUDOUEST, 09. 01. 2021)

 

Impfbeginn in Lesparre

Der Direktor der Klinik in Lesparre teilte mit, dass in seiner Klinik vom 12. Januar an Schutzimpfungen gegen das Coronavirus durchgeführt werden können. In der ersten Impfwoche wird die Klinik nur über rund 100 Dosen des Impfstoffes verfügen können. Zunächst sollen Angehörige der medizinischen und Pflegeberufe versorgt werden. Von den etwa 300 Mitarbeitern der Klinik haben lediglich rund 100 ihre Bereitschaft erklärt, sich impfen zu lassen. Für die Allgemeinheit hat die Klinik noch keine Freigabe für die Planung der Impfung in größerem Stil für das Médoc.

(Covid-19 : la clinique de Lesparre lance la vaccination dès mardi, in: SUDOUEST, 08. 01. 2021)

 

 

Rettungsaktion für Delfine

Bei der Plage de la Patache auf der Île de Ré waren am 6. Januar 32 Delfine in Lebensgefahr, da sie bei ablaufendem Wasser in einer Art strandnahem Becken gefangen waren und keine Aussicht hatten, aus eigener Kraft wieder das offene Meer zu erreichen, was mit großer Sicherheit zu ihrem Tod geführt hätte. Die sich abzeichnende Notlage wurde glücklicherweise von Spaziergängern erkannt, die umgehend die Rettungskräfte der Feuerwehr alarmierten. Die in Portes-en-Ré stationierten Feuerwehrmänner wussten, was sie zu tun hatten, so dass es ihnen gelang 29 der in Not geratenen Meeressäuger wieder ins offene Wasser zu bringen. Für drei von ihnen  kam die Hilfe jedoch zu spät, sie überlebten nicht.

(Île de Ré : échoués, 29 dauphins ont été secourus, in: Le Figaro, 07. 01. 2021, Internet-Ausg.)

 

 

Bevölkerungszuwachs

Die Staatliche Statistikbehörde in Frankreich (Insee (Institut national de la statistique et des études économiques) hat ihre traditionelle jährliche Übersicht über die Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass das Departement Gironde in der Spitzengruppe der Regionen liegt, die einen deutlichen Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen haben. Das Departement Gironde zählt mittlerweile 1.601.845 Einwohner und hat in den Jahren zwischen 2013 und 2018 um 1,2% zugenommen, was im wesentlichen auf Wanderungsgewinne zurückzuführen ist. Der natürliche Bevölkerungszuwachs in Frankreich für denselben Zeitraum liegt bei etwa 0,3%. Das Departement Gironde zählt 15 Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern, wobei Bordeaux mit 257.068 (Zunahme: + 5.52% seit 2013) an der Spitze liegt. Diese Zahl betrifft den eigentlichen Stadtbereich von Bordeaux, zusammen mit den angrenzenden Gemeinden kommt man auf eine Bevölkerung knapp unter der Millionengrenze für den Großraum Bordeaux (Bordeaux métropole). Innerhalb des Departements konzentrieren sich die Gemeinden mit größerem Zuwachs auf den Großraum Bordeaux und auf den Bereich um das Bassin von Arcachon. Das Médoc verzeichnet nur einen relativ geringen Zuzug, wobei einzelne Kommunen wir  Le Verdon und Vendays-Montalivet sogar eine leichte Abwanderung zu vermelden haben.

(J.-M. Le Blanc: La ruée pour s’installer en Gironde, in: SUDOUEST, 06. 01. 2021)

 

Neues zur Corona-Impfung in Frankreich

Gesundheitsminister Véran hat am Morgen des 5. Januar in einem Interview bei RTL auf eine Reihe von Fragen im Zusammenhang mit der Coronaimpfung in Frankreich Auskunft gegeben. Danach können sich von nun an alle über 50jährigen Feuerwehrleute und Kräfte, die in der häuslichen Pflege tätig sind, in eine Warteliste für die Impfung eintragen. Im übrigen sollen die Impfungen in größerer Zahl, schneller und in vereinfachtem Verfahren durchgeführt werden. Am 4. Januar seien 2.000 Impfungen durchgeführt worden, bis Donnerstag sollen die Zahlen in einer exponentiellen Kurve weiter ansteigen. In diesem Zusammenhang sollen auch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass Personen über 75 Jahre, die nicht in einem Altenheim leben, geimpft werden können. Der Personenkreis, der davon profitieren könne umfasse ca. 5 Millionen Impfkandidaten. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, sollen weitere Impfstoffdosen geordert werden. Schon in den nächsten Tagen solle die Zahl der Impfungen das Niveau der europäischen Nachbarn erreichen.

Zur Zeit erhalte Frankreich pro Woche 500.000 Impfdosen Biontech/Pfizer. Sobald der Impfstoff der Firma Moderna zugelassen sein wird, werden von diesem Lieferanten monatlich 500.000 Dosen hinzukommen. Auch bei der Einrichtung von Impfzentren soll das Tempo erhöht werden. Bis Ende dieser Woche sollen zusätzlich zu den Krankenhäusern 100 städtische Impfzentren funktionsfähig sein, 300 sollen in der kommenden Woche folgen und 500 bis 600 bis Ende Januar.

Zum Schluss kündigte der Gesundheitsminister an, dass alle Franzosen, die sich impfen lassen wollen, ihre Bereitschaft dazu den Behörden gegenüber erklären können, und zwar über Internet, Telefon oder die CoronaApp. Auf diesen Wegen wird es auch möglich sein, Impftermine zu vereinbaren.

(SudOuest.fr avec AFP: Vaccination contre le Covid-19 : ce qu’il faut retenir des annonces d’Olivier Véran ce mardi matin, in: SUDOUEST, 06. 01. 2021, 8.36h, Internet-Ausg.)

 

Mühseliger Impfstart

Obwohl in Frankreich die ersten Sendungen des Impfstoffs gegen das Coronavirus zu demselben Zeitpunkt angeliefert worden sind wie in den anderen Ländern der Europäischen Union, ist die Impfaktion mit großer Gemächlichkeit begonnen worden. Erst als die Kritik daran immer lauter wurde und auch Staatspräsident Macron seine Unzufriedenheit öffentlich kundgab, schaltete der Gesundheitsminister in einen höheren Gang und überging mit Schweigen, dass er zuvor es für besonders geschickt gehalten hatte, langsam in die Impfaktion zu starten, um, wie auch immer, seine Landsleute in dem Sinne zu beeinflussen, dass sie ihre offenkundige Zurückhaltung bei der Bereitschaft, sich impfen zu lassen, ablegen sollten. Nach dem Kurswechsel des Ministers soll jetzt ein höheres Tempo angeschlagen  und der Impfkalender revidiert werden. Plötzlich sollen nun schon ab 1. Januar die über 50jährigen Ärzte und Pflegekräfte, die mit Coronaviruspatienten zu tun haben könnten, geimpft werden. Auch die Impfungen der über 75jährigen  Einwohner soll nun nicht mehr erst  irgendwann im Februar, sondern schon ab 20. Januar beginnen. Nicht klar ist zur Zeit, ob für dieses beschleunigte Impfprogramm die benötigten Impfstoffe verfügbar sein werden. Auch in der Nouvelle-Aquitaine soll es mit dem Impfen losgehen, am 4. Januar, beginnend mit den Departements Pyrénées-Atlantiques und Charente-Maritime. Am 5. Januar soll es im Department Gironde losgehen.

(V. Deymes: La vaccination s’accélère, in: SUDOUEST, 04. 01. 2021)

 

156 Jahre Canal des étangs

Als Gewässer macht der Canal des étangs nicht viel her, aber für die Gegend, die er durchquert, ist er von kaum zu überschätzender Bedeutung. Angelegt wurde er, um das Gebiet hinter dem küstennahen Dünenwall zu entwässern. Bis zum Bau dieses Kanals, der aus mehreren Teilstücken besteht und die Seen von Carcans/Hourtin und Lacanau miteinander verbindet und im südlichen Teil das Bassin von Arcachon erreicht, gab es immer wieder großflächige Überschwemmungen, so dass der Entschluss gefasst wurde, die Wasserstände der Seen abzusenken und die Sumpf- und Feuchtgebietszonen zu verkleinern, um  die ungesunden Lebensbedingungen der dort ansässigen Bevölkerung zu verbessern. Erste Ansätze in dieser Richtung wurden schon 1694 gemacht, doch blieben diese Bemühungen ohne nachhaltigen Erfolg, weil ein zusammenhängender Plan fehlte. Erst, nachdem die Befestigung der küstennahen Dünen durch ausgedehnte Beplanzungen mit Seekiefern angelaufen waren, wurde 1858 die Planung für den  Bau des heute noch bestehenden Kanalsystems begonnen. Dabei wurde ein 8 km langer und 7 m breiter Kanal vorgesehen, der die Seen von Carcans/Hourtin und Lacanau miteinander verbinden sollte, um über eine Schleuse die Wasserstände in beiden Seen auf nahezu gleichem Niveau zu halten.  Nach Süden anschließend wurde ein künstlicher Wasserlauf  von 12 m Breite und 10,50 km Länge projektiert, der mit einem Gefälle von 0,25 cm pro Meter  Anschluss an das alte Gewässer  bekommen sollte, das die Gegend um Le Porge zum Bassin von Arcachon hin entwässerte. Die Ausführung der geplanten Arbeiten wurde 1860 begonnen und 1864 abgeschlossen. Seither kann man sehen, dass der erwartete Erfolg dieser Baumaßnahme sich eingestellt hat. Die Seen treten nicht mehr über die Ufer und die Gegend ist frei vom Sumpffieber, das in früheren Zeiten der Bevölkerung schwer zu schaffen machte.

(P. Vallade: 156 ans d’histoire derrière le canal des étangs, in: SUDOUEST, 02. 01. 2021

 

 

Raveparty trotz Versammlungsverbot

Rund 2.500 Nachtschwärmer, die aus ganz Frankreich und sogar aus dem Ausland in ein kleines Örtchen bei Rennes in der Bretagne geströmt waren, mussten erfahren, dass die Raveparty, die sie unter Missachtung der zur Zeit auch in Frankreich verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie zu feiern begonnen hatten, von der Polizei aufgelöst wurde. Als die Ordnungshüter in beträchtlicher Zahl angerückt waren, hatte sich die Veranstaltung bereits aufzulösen begonnen, dennoch überprüften die Gendarmen zahlreiche Personalien und verhängten dabei über 1.200 Strafbefehle wegen Missachtung der nächtlichen Ausgehsperren, Nichtbeachtung des Gebots zum Tragen von Gesichtsmasken und Teilnahme an einer unerlaubten Massenzusammenkunft. Die Gendarmen hatten schon am Donnerstag versucht, die Zusammenkunft zu verhindern, waren dabei jedoch teilweise massivem Widerstand zahlreicher Nachtschwärmer begegnet. Dabei ist ein Polizeifahrzeug in Brand gesetzt worden, drei weitere wurden beschädigt. Die Polizisten sahen sich einer starken Gewaltbereitschaft gegenüber, bei der es zahlreiche meist leichtere Verletzungen in den Reihen der Ordnungshüter gab durch Würfe von Flaschen und Steinen. Es wurde eine staatsanwaltliche Untersuchung eingeleitet, bei der den Betroffenen eine längere Liste von Straftaten zur Last gelegt wird.

(Sudouest.fr avec AFP: in: SUDOUEST, 02. 01. 2021, 13.12h, Internet-Ausg.)

 

Sturmschäden in Montalivet

Der Sturm Bella hat in zwei Tagen der Dünenkante am Strand von Montalivet gehörig zugesetzt. Beiderseits von dem mit Felsbrocken befestigten Strandabschnitt unmittelbar vor dem Parkplatz am Ende der Avenue de l’Océan sind kräftige Einbuchtungen im Sand entstanden. Man hat sich zwar in Montalivet entschlossen, eine „weiche“ Dünenbefestigung anzulegen, die durch beständige Auffüllungen von Sand die Dünenkante auf der Linie halten sollte, wie man sie im Sommer sieht, doch zeigt sich mittlerweile, dass dieses Konzept an seine Grenzen stößt. Über kurz oder lang werden neue Entscheidungen gebraucht, bei denen festgelegt werden muss, ob die Dünekante doch nach dem Muster des Abschnitts am Fuß des Parkplatzes befestigt wird oder ob die Küstenlinie zurückverlegt wird, was naturgemäß schwerwiegende Konsequenzen für die bestehende Bebauung hätte. In welche Richtung die Entscheidung gehen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen, feststeht aber, dass erheblicher Handlungsbedarf besteht.

(J. Lestage: Montalivet n’a pas été épargnée par Bella, in: SUDOUEST, 01. 01. 2021)

 

Es wird Winter

In der Nouvelle-Aquitaine werden die Temperaturen zum ersten Januarwochenende auf Talfahrt gehen. Es ist mit Nachtfrösten zu rechnen, was zu glatten Straßen führen wird. Schneefälle sind auch im Flachland möglich, aber zur Zeit besteht wenige Sicherheit darüber, wo es schneien wird. Die größte Wahrscheinlichkeit für Schneefall besteht im Norden und Osten des Departements Gironde. Es ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass der Schnee liegen bleiben wird. Ziemlich sicher ist es hingegen, dass es weiter regnen wird, was im Süden des Departements und in den Landes dazu führen wird, dass die bereits eingetretenen Überschwemmungen sich noch ausbreiten werden. Ab Mitte der ersten Januarwoche ist der Wintereinbruch aber wahrscheinlich schon wieder vorüber.

(S.M.: Météo : les températures vont chuter, quelques flocons attendus dimanche en Nouvelle-Aquitaine, in: SUDOUEST, 31. 12. 2020, 16.56h, Internet-Ausg.)

 

Vorschau auf Riesenluftschiff

Die Firma Flying Whales, die nicht weit von Blaye eine Fabrikationsanlage für die von ihr projektierten Riesenluftschiffe errichten will, steckt zwar noch mitten in der Planung der neuen Fertigungsstätte, aber die Ingenieure, die die Luftschiffe bauen wollen, sind schon fleißig bei der Arbeit. Nach ihren Konzeptionen soll das geplante Luftschiff 200 m lang werden und einen Laderaum haben, der 96 m Innenlänge haben wird. Das Luftschiff wird einen Rauminhalt von ungefähr 250.000 m³ haben und soll in der Lage sein, Lasten bis zu 60 Tonnen zu transportieren. Der Antrieb wird von 32 Elektromotoren besorgt, die in sieben Gruppen zusammengefasst werden. Da Luftschiffe anders als Flugzeugen nur wenig Einrichtungen am Boden brauchen, um ihre Fracht ein- und auszuladen, sind die neuen Luftfahrzeuge nahezu überall einsetzbar. Sie können z. B. Baumstämme aus unzugänglichen Gegenden abtransportieren, die ansonsten nicht zu vertretbaren Kosten genutzt werden könnten, oder Lasten in Gegenden schaffen, die sonst schwer erreichbar wären.. Auch wenn die vorgestellten Entwürfe einen anschaulichen Ausblick auf die geplanten Luftschiffe ermöglichen, wird es noch geraume Zeit brauchen, bevor sie einsatzbereit sein werden. Der Zeitplan sieht vor, dass der Bau der  Fabrikationsanlagen 2021 beginnen soll, doch ist mit der Fertigstellung der ersten Luftschiffe frühestens 2024 zu rechnen. Man darf gespannt sein, ob sich dieses Projekt realisieren lässt, wobei daran erinnert werden darf, dass ein ähnliches Vorhaben, das in Deutschland als Cargolifter gebaut werden sollte, schließlich aufgegeben wurde.

(Th. Dusseau: Flying Whales dévoile le design de son dirigeable, in: SUDOUEST, 29. 12. 2020)