Médoc-Notizen Okt. – Dez. 2019

Oktober 2019

Tour de France 2021/2022

Der Bürgermeister von Bordeaux, Nicolas Florian, hat ein Bewerbungsdossier bei der Leitung der Tour de France eingereicht, mit dem Bordeaux wie zuletzt 2010 Etappenort werden könnte. Dabei wäre man bereit, 2021 oder 2022 Ziel- oder Startort für eine Etappe zu werden. Verbunden mit der Bewerbung sind Vorschläge für ein Zeitfahren im Entre-deux-mers und für einen Streckenverlauf. Mit der Entscheidung ist nicht in der nächsten Zukunft zu rechnen, da die Prüfung einer Kandidatur für Ziel- oder Startorte für die Tour de France eine Reihe von Faktoren zu berücksichtigen hat, die sich nicht im Schnellverfahren erledigen lassen. Falls Bordeaux den Zuschlag erhält, ist das mit Kosten verbunden, die im günstigsten Fall etwa eine Million Euro betragen werden. Diese Ausgabe lohnt sich aber erfahrungsgemäß, da die Tourkaravane und die von dem Ereignis angezogenen Besucher für Einnahmen im Beherbergungs- und Restaurationsgewerbe sorgen, die eine Bewerbung für die Tour de France zu einer wirtschaftlich sinnvollen Entscheidung machen.

(Bordeaux candidate pour le Tour, in: SUDOUEST, 18. 10. 2019)

 

Düne von Pyla : Enteignungen

Die Düne von Pyla ist der größte touristische Anziehungspunkt im Departement Gironde. Seit geraumer Zeit bemüht sich das Conservatoire du littoral, den vielen Eigentümern von Parzellen der Düne, ihre Anteile abzukaufen, um eine einheitliche Verwaltung des gigantischen Sandgebirges zu ermöglichen. Damit will man einerseits die Düne schützen und andererseits die Voraussetzungen für einen gedeihlichen Tourismus schaffen. Dabei geht es um eine Fläche von rund 400 ha, die allerdings unter rund 150 Besitzer aufgeteilt war, die zum Teil nur winzige Flächen besaßen. Die Hälfte dieser Parzellen sind inzwischen in öffentlichem Besitz, bei der anderen Hälfte stocken die Ankaufbemühungen. Da die fraglichen Flächen nicht bebaut oder anderweitig wirtschaftlich genutzt werden dürfen, ist ihr Wert gering, er liegt bei ca. 0,10 Euro pro Quadratmeter. Der geringe Wert erklärt zu einem Teil, dass die bisherigen Besitzer wenig motiviert sind zu verkaufen. Daneben gibt es aber noch das Problem dass viele Besitzer, die durch Vererbungen an ihre Parzellen gekommen sind, gar nicht wissen, dass ihnen Teile der Düne gehören. Damit die Ankaufbestrebungen vorankommen, wird demnächst ein Enteignungsverfahren eingeleitet, das am 28. Oktober beginnen wird mit einer öffentlichen Untersuchung der Eigentumsverhältnisse. Dabei wird den Besitzern, sofern sie sich überhaupt äußern, Gelegenheit gegeben, ihre Interessen zu artikulieren. Einerlei, was dabei herauskommt, am Ende der Prozedur steht die Enteignung, falls nicht in letzter Minute noch ein regulärer Verkauf zustande kommt. Die dabei bezahlten Summen werden niemanden reich machen, aber die Gesamtheit der Düne wird danach in öffentlicher Hand sein, was die Verwaltung und Pflege dieses imposanten Naturdenkmals erheblich vereinfachen wird.

(D. Patsouris: in SUDOUEST, 17. 10. 2019)

 

 

Tour de France 2020

Die nächste Auflage der Tour de France wird vom 27. Juni bis zum 19. Juli 2020 ausgetragen. Startort ist Nizza, das Ziel Paris, alles andere wäre undenkbar.

Nach dem Start in Nizza werden die ersten Etappen in den Alpen gefahren, bevor es in die Pyrenäen geht. In den ersten Julitagen macht die Tour einen Abstecher in das Departement Charente-maritime. Am 7. Juli findet der Start auf der Île d’Oléron statt, Ziel ist die Île de Ré. Danach geht es über das Zentralmassiv in die Alpen. Am vorletzten Tag gibt es ein Einzelzeitfahren auf einer anspruchsvollen Bergstrecke. Alles in allem ist die Streckenführung ein Geschenk für die Bergspezialisten, die bei fünf Bergankünften Gelegenheit haben werden, ihre besonderen Fähigkeit auszuspielen. Auch wenn es nicht laut ausgesprochen  wird, denken viele Beobachter, dass die Streckenführung den Fähigkeiten des französischen Kletterers Thibaut Pinot in besonderer Weise entgegenkommt, der in der letzten Tour nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Tourplaner bestreiten derartige Überlegungen, aber man wird ja sehen.

(J. Duby: Un Tour Pinot-compatible, in: SUDOUEST, 16. 10. 2019)

 

Ein neuer Asterix

In der 1959 von  Autor René Goscinny (1926–1977) und Zeichner Albert Uderzo (* 1927) gestarteten Comic-Serie, die seit dem Band 35 vom Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri gestaltet wird, erscheint am 24. Oktober der 38. Band. Der Titel Asterix und die Tochter des Vercengetorix kündigt an, dass, was bisher in den früheren Bänden nur selten geschah, eine weibliche Hauptperson zu sehen ist. Auch hier wird wieder ein kräftiger Bezug zur Geschichte hergestellt, denn Vercengetorix war ein Avernerfürst, der die letzte große Widerstandbewegung gegen  die Römer organisierte und leitete, die aber letztlich von Caesar niedergeschlagen wurde.

Mit der Entscheidung für eine weibliche Hauptfigur, die dazu noch den beziehungsvollen Namen Adrenaline trägt, hat Autor Ferri eine bewusste Entscheidung getroffen, denn er will die Probleme der heranwachsenden Jugend auf comic-übliche Art beleuchten. Dass dabei ausgiebig die Sprache der Jugendlichen verwendet wird, wird ausländische Leser und nicht zuletzt die Übersetzer vor manche Schwierigkeiten stellen, bestimmt aber für vergnügliche sprachliche Spielereien sorgen. Der neue Band wird in vier verschiednen Ausgaben auf den Markt kommen, darunter eine digitale Version. Die Erstauflage wird 5 Millionen Exemplare umfassen, so dass eigentlich jeder in der großen Fangemeinde von Asterix und Co. zu seinem Recht kommen dürfte.

(Stéphane C. Jonathan: Le succès annoncé d’Astérix et « La Fille de Vercingétorix », in: SUDOUEST, 15. 10. 2019)

 

Noch mehr Temperaturrekorde

Die Thermometer in vielen Städten der Nouvelle-Aquitaine haben in den letzten Tagen in einer kräftigen Südströmung für Mitte Oktober erstaunliche Werte angezeigt. Mont-de-Marsan war dabei die wärmste Stadt Frankreichs mit einer Höchsttemperatur von 32,1°. Vor diesem Rekordwert waren dort am 16. Oktober 2017 30,5° gemessen worden. Auch in Bordeaux gab es Rekordwerte mit 30,4°. Die Experten von Météo France haben in ihren Unterlagen gestöbert und festgestellt, dass derartige Werte seit 1945 nicht verzeichnet worden waren. Wenn man weiter zurückgeht, gab es 1921 zwar ähnliche Werte, doch waren damals die Erhebungsmethoden anders, so dass ein direkter Vergleich nicht vorgenommen werden kann. Die hohen Temperaturen verabschieden sich aber mit dem Wochenbeginn, da eine Westströmung die Zufuhr warmer Luftmassen beenden wird. Es herbstet halt, auch wenn das nur wenig Begeisterung auslösen wird.

(Pierre-Yves Crochet: Records de chaleur ce week-end, in: SUDOUEST, 14. 10. 2019)

 

Drei Tote an den Stränden des Médoc

Am 12. Oktober geriet ein Mann von 63 Jahren in den Vormittagsstunden am Strand von Carcans in eine baïne, aus der er sich nicht befreien konnte. Als es gelang, ihn an den Strand zu schaffen, konnten die Retter nur noch seinen Tod feststellen. Ähnliches ereignete sich in den Nachmittagsstunden desselben Tagen am Südstrand von Euronat, wo ein 70jähriger Mann zu Tode kam, wobei die näheren Umstände dieses Unglücksfalls noch ermittelt werden müssen.

Am Vortag hatte es in den frühen Abendstunden am Strand von Lacanau einen weiteren Todesfall gegeben, als eine 25jährige Frau von einer baïne erfasst wurde. Obwohl ein Hubschrauber alarmiert wurde, konnte sie erst nach Mitternacht tot geborgen werden.

In allen drei Fällen hätte durch umsichtigeres und vorsichtigeres Verhalten wahrscheinlich das Schlimmste verhütet werden können.

(Sudouest. fr avec AFP: Trois noyades en trois jours sur les côtes de Gironde, in: SUDOUEST, 13. 10. 2019, Internet-Ausg.)

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In Erwartung eines guten Jahrgangs

Die Weinlese auf den Anbauflächen der Coopérative Uni-Médoc in Gaillan ist schon weit vorangeschritten. Ein großer Teil der 1.000 ha, die unter dem Dach von Uni-Médoc zusammengefasst sind, ist bereits abgeerntet. Die Lese der Merlots ist vollständig abgeschlossen, und seit dem 10 Oktober werden die Cabernet-savignons geerntet. Damit ist man in Gaillan etwas später dran als in anderen Gegenden des Médoc, aber das ist nicht ungewöhnlich. Schon jetzt kann man sagen, dass der Jahrgang 2019 von besonderer Güte sein wird. Mit einigem Bedauern stellt man jedoch fest, dass die Menge der geernteten Trauben unter dem langjährigen Durchschnitt bleiben wird. Der Grund dafür ist vor allem in den Frostperioden des Frühjahrs zu suchen. Daneben haben sich die Perioden der Trockenheit ausgewirkt, die das Wachstum dr Trauben negativ beeinflusst haben. Alles in allem überwiegt aber die Zufriedenheit, denn die zu erwartende Qualität des Jahrgangs 2019 wird einen guten Teil der Defizite ausgleichen, die auf das unterdurchschnittliche Volumen der Ernte zurückzuführen sind.

(G. Rigal: Le millésime 2019 est très prometteur, in: SUDOUEST, 12. 10. 2019)

 

 

Gallo-römischer Aquädukt bei Bordeaux

Für den symbolischen Preis von 1 Euro hat die Gemeinde Villenave d’Ornon ein Grundstück von 570 m² erworben, das es in sich hat. An der Oberfläche sieht alles ganz unspektakulär aus, aber in der Tefe verbergen sich Reste des Aquädukts, der einst in gallo-römischer Zeit die Stadt Burdigala, die heute Bordeaux heißt, mit Quellwasser versorgte. Das imposante Bauwerk, das zur Regierungszeit des Kaisers Claudius, der von 41 bis 54 n. Chr. auf dem römischen Kaiserthron saß, errichtet worden war, war über lange Jahrhunderte völlig in Vergessenheit geraten. Erst im 16. Jahrhundert fing man an, sich an dieses zu seiner Zeit für die Versorgung von Bordeaux wichtige Bauwerk zu erinnern und rekonstruierte nach und nach seinen Verlauf. Obwohl der Aquädukt zur Zeit seiner Errichtung eine beträchtliche Höhe gehabt hat, haben sich oberirdisch keine Spuren erhalten. Der Grund dafür liegt darin, dass die wohlbehauenen Steine dieser Wasserleitung als begehrte Baumaterialien abgetragen und an anderer Stelle wieder verwendet wurden. Dieses Schicksal wird dem jetzt georteten Teil des Bauwerks erspart bleiben, aber es ist noch nicht entschieden, in welcher Weise und wann es freigelegt werden wird und wie es dann für Besucher zugänglich gemacht werden kann.

(H. Pons: Villenave d’Ornon (33): un aqueduc gallo-romain du Ier siècle redécouvert, il alimentait Bordeaux en eau de source, in: SUDOUEST, 11. 10. 2019, 16.05h, Internet-Ausg.)

 

 

Ein Château im Médoc in deutscher Hand

Es gibt böse Zungen, die behaupten, wenn man es im Weinbau des Médoc zu irgendetwas bringen wolle, dann müsse man dort geboren sein. Die Familie Paeffgen, die ursprünglich aus dem Rheinland stammt, wusste davon nichts oder sie wollte zeigen, dass dieses Vorurteil zu widerlegen ist, als sie sich 2010 entschloss, ein Château in Begadan zu übernehmen und sich ganz auf den Weinbau zu verlegen. Das war ein nicht völlig kalkulierbares Wagnis, das einen erheblichen Einsatz nicht nur im finanziellen Bereich verlangte. Schließlich wurde daraus aber ein Erfolg, weil die Familie sich die Hilfe des Vorbesitzers des Châteaus sichern und schnell gute Beziehungen zu den Nachbarn aufbauen konnte. Das gelang nicht zuletzt, weil man nach einem jahrelangen Aufenthalt in Belgien über die sprachlichen Voraussetzungen verfügte, die man braucht, um im Médoc auf andere zugehen zu können. Da das alles andere als selbstverständlich ist, verwundert es nicht, dass der Weg der Familie Paeffgen über Begadan hinaus Aufmerksamkeit erregte, wie ein soeben erschienener Bericht in der Berliner Zeitung belegt.

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Medizinische Premiere im Médoc

Im Médoc wird in diesen Tagen eine medizinische Premiere etabliert, die die Früherkennung eines Schlaganfallrisikos ermöglichen soll. Dazu werden in einer Reihe von  Apotheken Geräte installiert, mit denen auf einfache und schnelle Weise ein Elektrokardiogramm erstellt werden kann. Die Durchführung der Überprüfung dauert wenig mehr als eine Minute und die zu untersuchenden Personen brauchen dazu nur einen rund dreißig Zentimeter langen Metallstab zu umfassen wie einen Fahrradlenker. Nach rund einer Minute zeigen leuchtende Dioden das Ergebnis der Untersuchung an. Leuchten sie grün, bedeutet das, dass es bei der die untersuchten Person keine Auffälligkeiten gibt. Leuchten die Dioden rot, kann das ein Hinweis auf Fehlfunktionen sein. In diesem Fall wird ein zweiter Test durchgeführt. Ist das Ergebnis ebenfalls rot, werden die erhobenen Daten per Smartphone an einen Facharzt übertragen, der darüber entscheidet, ob und wann weitergehende Untersuchungen erfolgen müssen.

Insgesamt nehmen 14 Apotheken im nördlichen Médoc an dem Programm Protect-AVC Médoc teil. Dass dieses Projekt seine Premiere im Médoc erlebt, ist kein Zufall, denn dort gibt es einen besonders hohen Anteil älterer Leute, die in Gefahr sein könnten, einen Schlaganfall zu erleiden. Etwa 20.000 Menschen im Médoc sind älter als 65 Jahre, und von denen haben etwa 600 Herzen, die nicht normal schlagen, wovon jedoch etwa die Hälfte nichts weiß.

(A. Larrue: Une première médicale dans le Médoc, in: SUDOUEST, 09. 10. 2019)

 

 

Windkraftanlagen bei Lesparre?

Wer im Médoc unterwegs ist, weiß, dass dort keine Windkraftanlagen stehen. Das hat seinen einfachen Grund darin, dass alle bisherigen Projekte dieser Art nach anfänglicher Planungseuphorie wegen des Widerstandes aus der Bevölkerung vor ihrer Realisierung zu den Akten gelegt wurden. Derzeit gibt es einen neuen Versuch, einen Windkraftpark bei Lesparre zu errichten. Dort sind 12 Windkrafträder geplant, die Strom für bis zu 46.500 Haushalte liefern könnten. Bevor es soweit ist, wird in der Zeit vom 21., Oktober bis zum 21. November den Einwohnern von Lesparre Gelegenheit gegeben, sich zu diesem Bauvorhaben zu äußern. Da alle früheren Versuche zur Planung und Errichtung von Windkraftanlagen schon früh gescheitert sind, gibt es wenig Grund zu der Annahme, dass das derzeitige Projekt besser davonkommt. So wird der Strom im Médoc wohl weiter allein im AKW bei Braud-St-Louis erzeugt werden, auch wenn dieses AKW relativ häufig mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam macht.

(J. Lestage: Le projet de parc éolien à l’enquête publique, in: SUDOUEST, 08. 10. 2019)

 

Schwerelos über dem Médoc

Die in Bordeaux-Mérignac ansässige Firma Novospace besitzt ein Flugzeug, in dem sich bemerkenswerte Dinge ereignen können, wenn es in rund 6000 m Höhe eine parabelförmige Flugbahn beschreibt. Dann kann tatsächlich der Eindruck entstehen, dass in diesem Flugzeug für ein paar Sekunden die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt zu sein scheinen. Tatsächlich sind sie das natürlich nicht, aber wenn das Flugzeug den Scheitelpunkt der Parabel durchfliegt, dann neutralisieren sich, vereinfacht gesagt, die Fliehkraft und die Schwerkraft, und für einige Sekunden geht es im Innern des Flugzeug so zu wie in der Schwerelosigkeit. Diese Momente der vermeintlichen Schwerelosigkeit werden von unbedarften Normalbürgern eher als bestaunenswerte Kuriosität wahrgenommen, aber für angehende Astronauten ist die Vorbereitung auf den Zustand der Schwerelosigkeit ein wichtiger Teil der Ausbildung. Bei einem der letzten Flüge waren drei Astronauten an Bord, die schon über ein gehöriges Maß an Berufserfahrung verfügen: Thomas Pesquet, Jean-François Clervoy, zwei Franzosen und der Amerikaner Charles Duke, der mt seine 84 Jahren eher ein Astronaut im Ruhestand ist, denn er war der 10. Mensch, der 1972 im Rahmen der Mission Apollo 16 seinen Fuß auf den Mond gesetzt hat. Dass die Presse bei diesem Flug dabei war, hatte sicher damit zu tun, dass Novospace mal wieder auf sich und seine Dienste aufmerksam machen wollte, was offensichtlich ja auch gelungen ist.

(Le voyage en apesanteur de trois astronautes, in: SUDOUEST, 07. 10. 2019)

 

 

Mindereinnahmen

Jahrelang spülten die Radargeräte an Frankreichs Straßen stetig anschwellende Beträge in die öffentlichen Kassen, doch nun hat diese Entwicklung einen kräftigen Knick nach unten bekommen. Noch im Oktober 2018 rechnete man für 2019 mit Einahmen in der Größenordnung von 1,04 Milliarden Euro, deren Verwendung längst verplant war. Mittlerweile hat sich jedoch Enttäuschung breit gemacht, denn die Radargeräte werden nur 500 bis 600 Millionen Euro abwerfen. Der größte Teil dieser Einnahmeeinbußen wurde durch die massenhaften Angriffe auf die Radargeräte während der Gelbwesten-Aktionen verursacht, aber ein kleiner Teil des Rückgangs geht auch auf das Konto des Verhaltens der Autofahrer, die insgesamt weniger stark auf ihre Gaspedale getreten haben. So sank die Durchschnittsgeschwindigkeit der Personenwagen außerhalb der Ortschaften von 80,8 km/h auf 79,6 km/h, und für das laufende Jahr zeigen die Zahlen um 2 bis 3 km/h weiter nach unten. Für 2020 hat man die Erwartung hinsichtlich der Einahmen aus Geschwindigkeitsverstößen kräftig nach unten revidiert und plant nur noch mit Einnahmen von den Radargeräten in Höhe von 728 Millionen Euro.

(Les radars ont rapporté moins que prévu, in: SUDOUEST, 04. 10. 2019)

 

 

Große Erwartungen

Im Médoc läuft Anfang Otkober die Weinlese auf vollen Touren. Im Anbaugebiet Margaux sind die Merlot-Trauben abgeerntet, nun folgen die Cabernets. Im Château Palmer ist man sehr zufrieden mit dem bisherigen Ernteverlauf, wobei man erleichtert ist, dass gute Aussichten auf einen überdurchschnittlichen Jahrgang bestehen, der die schwachen Ergebnisse des Vorjahres ausgleichen kann. Bisher hat das Wetter die Weinlese begünstigt, und man hofft, dass das bis zum Ende der Ernte in etwa 14 Tagen so bleiben wird.

( Louis Le Cor: Le millésime 2019 sera salvateur pour Palmer, in: SUDOUEST, 04. 10. 2019)

 

Kein Wine & Dine festival in Hongkong

Für die im Weinanbau und -handel engagierten Betriebe ist die Fête du vin in Bordeaux das wichtigste Ereignis für die Vermarktung. Gleich danach kommt das Wine & Dine festival in Hongkong, an dem in diesem Jahr eine Delegation von 60 Vertretern von Anbaubetrieben und Händlern teilnehmen sollte, um den seit längerem nicht mehr kräftig expandierenden Absatz der Bordeauxweine in China zu beflügeln. Diese für die Zeit vom 31. Oktober bis zum 3. November geplante Veranstaltung ist wegen der anhalten Demonstrationen und Unruhen in Hongkong abgesagt worden. Ob eventuell ein neuer Termin angesetzt wird, ist derzeit nicht absehbar. Angesichts der weiter unsicheren Entwicklung in Hongkong ist aber wohl eher davon auszugehen, dass die diesjährige Veranstaltung ersatzlos ausfällt.

(Bordeaux fête le vin à Hong Kong est annulée, in: SUDOUEST, 04. 10. 2019)

 

 

illectronisme

Die französische Sprache lebt, was sich auch daran zeigt, dass sie immer wieder neue Wörter hervorbringt. Eine der jüngsten Sprachschöpfungen steht hier in der Überschrift. Gemeint ist damit die Unfähigkeit, mit elektronischen Medien umzugehen und Informationen in digitaler Form aufzunehmen und auszutauschen. Rund 13 Millionen Franzosen leiden unter diesem digitalen Analphabetentum, und das wird zunehmend zu einem Problem für die Betroffenen, weil die Behören mehr und mehr dazu übergehen, ihre Abläufe papierfrei zu gestalten. Daher wird der Datenverkehr über das Internet fortlaufend ausgebaut, was zwar unter dem Gesichtspunkt der Umweltfreundlichkeit Vorteile aufweist, für Leute mit Defiziten im Umgang mit Computer und Internet jedoch dramatische Auswirkungen haben kann. Diese Tendenz wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken, denn die Regierung will bis 2022 alle Verwaltungsakte über das Internet abwickeln, so dass es dann Ausweise, Fahrzeugzulassungen, Familienbeihilfen, Arbeitsplatznachweise und vieles mehr nur noch auf digitalem Wege geben wird.

Von den 13 Millionen Franzosen, die nicht oder nur eingeschränkt mit dem digitalen Datenverkehr zurande kommen, haben 16% noch nie das Internet genutzt, 12% haben allenfalls rudimentäre Erfahrungen in diesem Bereich, sie drohen daher in eine soziale Randlage gedrängt zu werden, in der sie ihre bürgerlichen Rechte nicht so wahrnehmen können, wie dies von der Verfassung vorgesehen ist. Um diesem Problem zu begegnen, will die Regierung ein Programm auflegen, mit dem jährlich 1,5 Millionen Personen eine digitale Grundbildung erfahren sollen, die es ihnen erlaubt, reibungslos mit den Behörden über das Internet zu kommunizieren. Dafür sollen jährlich 50 Millionen Euro aufgewendet werden, doch kann man damit bis 2022 nur einen Teil der betroffenen Personen an das Internet heranführen. Was mit den anderen geschehen soll, weiß bis jetzt noch niemand, und Vorstellung darüber, wie diejenigen, die für das Internet fit gemacht werden, an die Geräte kommen sollen, die zu dazu brauchen, gibt es auch nicht. Wie es scheint, wird hier eine neue Welle von Staatsverdrossenheit und Unzufriedenheit entstehen, für die es schwer ist, Verständnis aufzubringen.

(N. César: L’exclusion numérique, nouveau fléau social, in: SUDOUEST, 03. 10.. 2019)

 

Arbeitslosigkeit, aber Fachkräftemangel

In Frankreich liegt die Arbeitslosigkeit immer noch bei 8,5%, dennoch haben die meisten Betriebe, die Arbeitskräfte einstellen wollen, mehr oder weniger große Schwierigkeiten, offene Stellen besonders in handwerklichen Berufen, aber auch im Bereich von Ingenieurleistungen zu besetzen. Das Problem besteht frankreichweit, und es hat eine Reihe von Ursachen. Nach Meinung der Fachleuten müssten die Schulen mehr dafür tun, dass Vorbehalte gegenüber handwerklichen Berufen abgebaut oder zumindest deutlich verringert würden. Dabei ist die Statistik für Arbeitsplatzsuchende eigentlich günstig, denn die Nachfrage nach Arbeitskräften seitens der Unternehmen hat um 15% zugelegt, wobei für 45,2% der Stellen unbefristete Verträge angeboten werden. Zwei Drittel der Stellen werden dabei von Betrieben angeboten, die weniger als 50 Beschäftigte haben. Besonders bei den kleinen Unternehmen werden Pläne zu Betriebsvergrößerungen erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht, wenn es nicht gelingt, geeignete Arbeitskräfte zu gewinnen. Doch obwohl die Probleme klar zu beschreiben sind, fehlen bislang erfolgversprechende und schnell wirksame Konzepte für deren Behebung.

(N. César: Pourquoi les entreprises ont du mal à recruter, in: SUDOUEST, 02. 10. 2019)

 

 

Epsilon Composite

Das in Gaillan ansässige Unternehmen Epsilon Composite produziert anspruchsvolle und hochwertige Teile aus Verbundwerkstoffen, die z. B. an Airbus Industries geliefert und dort weiter verarbeitet werden. Die Firma steht damit nicht nur im Médoc in der ersten Reihe der Unternehmen, die Carbonfasern verarbeiten. Dennoch ist Epsilon Composite, das nach mehreren Betriebserweiterungen mittlerweile 230 Beschäftigte hat, relativ wenig bekannt. Demzufolge hat die Firma auch Schwierigkeiten, geeignete Arbeitskräfte an sich zu ziehen, um weiter zu expandieren. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird daher am 12. Oktober von 9.00h bis 13.00h ein Tag der Offenen Tür veranstaltet, bei dem das Unternehmen sich allen denen zeigen will, die daran interessiert sind, ein Hochtechnologieunternehmen im Médoc kennenzulernen. Epsilon Composite verdankt nach Darstellung seiner Leitung seinen wirtschaftlichen Erfolg vor allem der Tatsache, das rund 10% des Umsatzes in die Forschung und Entwicklung neuer Produktionstechniken und -verfahren gelenkt werden. Seit Anfang des Jahres betreibt man zusammen mit den Lycée Odilon-Redon in Pauillac ein comité local école-entreprise, in dem die Jugendlichen in Kontakt mit der Welt der Industrie und der dort angebotenen Berufe kommen können. Schon seit 2010 besteht eine unternehmenseigene Schule für die Ausbildung und weitere Qualifizierung der Beschäftigten der Firma, für die jährlich 500.000 Euro aufgewendet werden. Darüber hinaus hat man seit 2012 rund 400 Praktikanten aus Schulen der Gegend die Möglichkeit gegeben, Einblicke in den Betrieb und die dort angebotenen Berufe zu gewinnen.

(J. Lestage: Epsilon Composite ouvre ses portes au public, in: SUDOUEST, 01. 10. 2019)

 

Vier Spuren für die RD 1215?

Die RD 1215 wird, wenn alles gut geht, vierspurig ausgebaut, allerdings nur in einem kleinen Stück im Bereich von Arsac-Avensan-Castelnau. Erste planerische Vorüberlegungen sind im Sommer 2018 unternommen worden. Jetzt soll in einer ersten Runde zwischen dem 30. September und dem 4. November die Öffentlichkeit informiert werden, um in Erfahrung zu bringen, ob es Einwände oder Vorschläge gibt, die in die Konkretisierung der Planung einbezogen werden können. Möglichkeiten zur Information gibt es in Bürgermeisterämtern von Arsac, Avensan und Castelnau. Am 1. Oktober wird in der mairie von Arsac Alain Renard, der in der Verwaltung des Departements unter anderem zuständig ist für den Straßenbau, eine öffentliche Versammlung leiten, in der das Projekt näher vorgestellt werden soll. Dabei ist zu sagen, dass die Planungen noch in einem sehr frühen Stadium sind. Zur Zeit sind weder Angaben über einen Zeitplan für die Arbeiten noch Vorstellungen über Kosten und Finanzierung verfügbar. Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit Straßenbauprojekten im Médoc besteht wohl wenig Anlass zu verfrühtem Optimismus.

(L’aménagement en 2×2 voies à la concertation, in: SUDOUEST, 27. 09. 2019)

https://www.gironde.fr/grands-projets/plan-damenagement-routier-du-medoc#arsac