Médoc-Notizen

 

 

November 2017

 

Camping Pin sec

Auf der letzten Sitzung des Gemeinderates von Naujac-sur-mer nahmen die kontrovers geführten Diskussionen um die Preise für die Saision 2018 auf dem gemeindeeigenen Campingplatz Pin sec einen breiten Raum ein. Besonders strittig waren die Tarife, die Gruppen gewährt werden. Nach Ansicht des Bürgermeisters hätten die in den letzten Jahren gewährten Preisnachlässe für Gruppen der Gemeindekasse Mindereinnahmen in der Größenordnung von 200.000 Euro gebracht. Er  schlug vor, in der kommenden Saison einheitlich 17 Euro pro Quadratmeter von den Gruppen zu fordern. Die Befürworter der Beibehaltung der bislang geforderten niedrigeren Preise wandten ein,  dass die neuen Tarife potentielle Nutzer des Campingplatzes abschrecken würden. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Der Tarif für zwei Personen samt Auto für den Platz für ein Zelt wurde von bislang 17 auf 19 Euro angehoben. Insgesamt erwartet die Gemeinde Naujac  Einnahmen aus den Campingplatzgebühren in Höhe von 800.000 Euro für die Saison 2018. Hinzukommen werden noch rund 57.500 Euro, die von den Nutzern der gewerblich orientierten  Baulichkeiten amund auf dem Campinggelände zu entrichten sein werden. Der Campingplatz wird damit auch 2018 der größte Einnahmeposten im Haushalt der Gemeinde Naujac sein.

(R. Boivinet: Polémique autour des tarifs du camping, in: SUDOUEST, 20. 11. 2017)

 

 

 

 

Kaum bekannt

Unter der fachkundigen Leitung eines Historikers, der an der Universität Bordeaux lehrt, stattete eine Gruppe von fachlich interessierten Besuchern aus Bordeaux dem Grabungsgelände von Brion bei Saint-Germain d’Esteuil einen Tagesbesuch ab. Bis auf einen kannten alle Teilnehmer an der Veranstaltung das Ziel ihrer Exkursion nicht, was nach Meinung des Leiters der Unternehmung aber wenig verwunderlich ist, weil Brion seit den Grabungen, die vor 25 Jahren eingestellt wurden, immer noch darauf wartet, dass die archäologischen Befunde, die dort zutage gefördert wurden,  in einer wissenschaftlichen Ansprüchen genügenden Weise publiziert werden. Der Bürgermeister von Saint-Germain d’Esteuil kennt diesen Sachverhalt, aber er muss eingestehen, dass die Gemeinde kein Geld hat, um eine angemessene Publikation zu finanzieren. Der Haushalt der Kommune reicht gerade aus, um hin und wieder kleinere Arbeiten auf dem Grabungsgelände durchführen zu lassen und um ein paar Schautafeln aufzustellen, die den Besuchern einen informierenden Überblick über das verschaffen, was es in Brion zu sehen gibt. Aus Geldmangel ist auch eine Fortsetzung der Grabungsarbeiten unterblieben, obwohl erst ein kleiner Teil des Geländes untersucht worden ist, auf dem einst eine gallo-römische Stadt mit einer ansehnlichen Einwohnerzahl bestanden hat.  Dabei war diese Stadt, die sich über eine Fläche von 18 ha erstreckte, ein durchaus belebter Ort, der auch für das Umland eine gewisse Bedeutung hatte, was nicht zuletzt die beeindruckenden Ruinen eines antiken Theaters belegen, das Platz für 3000 – 4000 Besucher bot, das übrigens das einige Theater der Römerzeit nicht nur im Médoc, sondern im gesamten Südwesten Frankreichs war. So wie es aussieht, wird Brion wohl auch in der nächsten Zukunft ein Geheimtipp für Eingeweihte bleiben. Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändern würde, gibt es zur Zeit nicht.

(A. Larrue: Une cité antique unique à valoriser, in: SUDOUEST, 18. 11. 2017)

Mehr zu Brion: Klick

 

 

 

 

Entschädigung

15 Jahre nach dem Untergang des Tankers Prestige vor der spanischen Atlantikküste hat das Gericht in La Coruña den Schadensersatz, den  spanische Gemeinden erhalten werden, auf 1,3 Milliarden Euro festgesetzt. Bei derselben Gelegenheit wurde Frankreich eine Erstattung von 61 Millionen Euro zuerkannt.  Beim Untergang der Prestige waren 63.000 Tonnen Heizöl freigesetzt worden, die weite Strandbereiche in Spanien, Portugal und Frankreich verunreinigt und erhebliche Reinigungskosten verursacht hatten. Die Festsetzung der Höhe des Schadensersatzes durch das Gericht bleibt weit zurück hinter den Forderungen der Geschädigten, die insgesamt 4,3 Milliarden Euro gefordert hatten. Angesichts des jahrelangen Tauziehens vor Gericht haben viele französische Gemeinden ihre Ansprüche abgeschrieben und sich aus dem Verfahren zurückgezogen. Die nunmehr festgesetzte Schadenersatzhöhe ist noch nicht definitiv, da gegen den Richterspruch noch Rechtsmittel eingelegt werden können. Das erscheint nicht  unwahrscheinlich, da letztlich der spanische Staat  für die abzugeltenden Schäden aufkommen muss, da bei ihm die Hauptverantwortung dafür liegt, dass die Prestige nicht in einen schützenden Hafen einlaufen konnte, sondern auf die offene See geschickt wurde, wo sie schließlich unterging.

(Chr. Lamaison: Quinze ans après, les indemnisations annoncées, in: SUDOUEST, 16. 11. 2017)

 

Großauftrag

Die Airbusgruppe hat auf dem Luftfahrtsalon von Dubaï einen Riesenauftrag für die Lieferung von 430 Airbus A320-neo an Land gezogen und damit das bis dahin weniger zufriedenstellende Verkaufsergebnis für das laufende Jahr kräftig aufgebessert. Airbus ist mit diesem Vertrag Marktführer in dieser Größenklasse. Insgesamt sind 5500 A 320-neo entweder schon ausgeliefert oder bestellt.

Die Luftfahrtindustrie erwirtschaftete in Frankreich im letzten Jahr 60,1 Milliarden Euro, von denen 71% aus der zivilen Sparte kommen. 86% der Aufträge gehen an ausländische Abnehmer. In der französischen Exportbilanz nehmen Flugzeuge und Zubehör mit weitem Abstand den Spitzenplatz ein  vor Erzeugnissen der Luxusindustrie, die 45,3 Milliarden im Export erlöst. Auch als Arbeitgeber nimmt die Luftfahrtindustrie in Frankreich eine Spitzenstellung mit 187.000 Beschäftigten ein. 28% von ihnen haben ihre Arbeitsstellen im Südwesten Frankreichs, ebensoviele im Großraum Paris. 13% der Arbeitsstellen entfallen auf die Nouvelle-Aquitaine, die mit rund 20.000 Beschäftigten den dritten Platz unter den Regionen Frankreichs mit Luftfahrtproduktion einnimmt.   

(P. Rabiller : À qui profite la commande record d’A320 ? in : SUDOUEST, 16. 11. 2017)

 

 

Lkw-Kontrollen

Nicht zuletzt wegen der schweren Unfälle, die sich mehrfach in der jüngsten Vergangenheit ereignet haben, hatte der Präfekt des Departements Gironde  für den 14. November  eine Reihe von Kontrollmaßnahmen angeordnet, bei denen in erster Linie Lastkraftwagen im Visier der Ordnungshüter standen. Insgesamt  wurden rund 350 Lkw kontrolliert, und dabei zeigte sich, dass die Polizisten  einen guten Blick für schwarze Schafe hatten, denn sie hatten Anlass, in 239 Fällen Strafen und Bußgelder zu verhängen. In 24 Fällen waren die registrierten Verstöße so gravierend, dass die betroffenen Fahrzeuge stillgelegt wurden. Besonders unnachsichtig zeigten sich die Polizisten, wenn sie Vorfälle entdeckten, die die Sicherheit des Straßenverkehrs beeinträchtigten. Um Diskussionen mit den betroffenen Fahrern abzukürzen, setzten sie dabei Videoaufnahmen ein, die sie mit Drohnen gemacht hatten. Das erwies sich in der Regel als äußerst zweckmäßig, denn es sparte viel Zeit. Außerdem, so hofft man bei der Polizei, wird bei vielen Verkehrsteilnehmern, die erfahren, dass die Überwachungsmöglichkeiten der Polizei ständig erweitert werden, die Einsicht wachsen, dass das Risiko zunimmt, bei Verstößen gegen die Straßenverkehrsordnung erwischt zu werden. 

(J.-M. Desplos: Les camions sous haute surveillance, in : SUDOUEST, 15. 11. 2017)

 

 

 

Neue Straße in Bordeaux

Das Unternehmen Euratlantique plant die Anlage einer neuen Straße in Bordeaux. Diese neue Rue Bordelaise wird vom Bahnhof Saint-Jean zu den Quais der Garonne führen und damit einen Blick eröffnen, den es bislang noch nicht gibt. Dazu muss das bestehende Viertel zwischen der Rue Charles-Doumercq und der Rue Saget durchbrochen werden, um Platz zu schaffen für die geplante Mall. Die Initiatoren des Projekts haben vor, eine Fußgängerstraße zu errichten, die sich  an der Rue Sainte Cathérine, der zur Fußgängerzone gemachten Hauptgeschäftsstraße von Bordeaux, orientiert. Dabei sollen die Geschäfte, die die Erdgeschosse sämtlicher Gebäude einnehmen werden, Angebote vielfältiger Art bereithalten mit Ausnahme von Lebensmitteln. Die oberen Stockwerke sollen Büros und Wohnungen bereitstellen, sodass ein Mix verschiedener Nutzungsformen an der Rue Bordelaise erreicht wird. Noch ist das Projekt in der Planungsphase, doch werden wohl schon bald die Baumaschinen in Aktion treten, zumal die Stadtverwaltung dem Vorhaben positiv gegenübersteht.

(C. Delneste: Créer la Rue Bordelaise va désenclaver la gare, in SUDOUEST, 15. 11. 2017)

 

 

Tourismus im Médoc

Der Tourismus ist im Médoc der zweitwichtigste Wirtschaftsbereich. In ihm werden 32% der Umsätze im Médoc erwirtschaftet. Nur der Weinbau rangiert mit 40% davor. Die vier Gemeindeverbände des Médoc wollen den Tourismus weiter ausbauen, weil man Potentiale sieht, die noch nicht ausgeschöpft werden. Vor diesem Hintergrund wurde auf dem Château Marquis de Terme bei Margaux ein Forum veranstaltet, auf dem eine Reihe von Projekten vorgestellt und diskutiert wurden, die schon in nächster Zukunft verwirklicht werden sollen. Dazu gehört eine weitergehende Digitalisierung in den Bereichen, die den Tourismus berühren, der Ausbau der Rad- und Wanderwege, die Ausarbeitung thematischer Angebote für den Fremdenverkehr, die Einführung eines Gütesiegels für Beherbungseinrichtungen und manches mehr. In diesem Zusammenhang stehen auch weiterlaufende Bemühungen, die Planungen  für den regionalen Naturpark (Parc naturel régional (PNR)) abzuschließen, damit dieses Vorhaben Anfang 2019  fertiggestellt werden kann.

(L. Le Cor : Le Médoc multiplie les projets touristiques, in : SUDOUEST, 14. 11. 2017)

 

Wieder aufgetaucht

Vor 37 Jahren wurden Teile des von Wolfgang Petersen inszenierten Spielfilms „Das Boot“ im Hafen von La Rochelle gedreht. Anfang Oktober 2017 wurde die Erinnerung an die damaligen Dreharbeiten aufgefrischt, als eine in Malta hergestellte U-Boot-Replik, die mit einem Frachter nach La Rochelle geschafft worden war, von zwei kräftigen Kränen zu Wasser gelassen wurde. Diese Replik spielt eine zentrale Rolle in einer zur Zeit noch in der Produktion befindlichen Serie, die sich an dem Spielfilm von W. Petersen orientiert. Die Replik ist mit 240 Tonnen Gesamtgewicht bei 67 m Länge und 6,5 m Breite kleiner als das Original-U-Boot, das in der Verfilmung der Romanvorlage von Lothar Buchheim eine Hauptrolle spielte, aber für die Bedürfnisse der Serie reichte diese Replik.

Während der Dreharbeiten waren in den letzten Oktoberwochen in den Straßen von La Rochelle deutsche Weltkriegsuniformen zu sehen, in denen Schauspieler und Statisten der Serie steckten. Anders als zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges verständigten sich die rund 250 Uniformträger in gefälligem Französisch, was nicht verwunderlich war, da sie an Ort und Stelle angeworben worden waren. Von den Hauptdarstellern des Spielfilms, der sechsmal für den Oskar nominiert worden war, ist keiner mehr an der neuen Serie beteiligt. An ihrer Stelle agieren nun jüngere Gesichter. Die Ausstrahlung der Serie,  die in Deutschland unter dem Namen „Das Boot“ zu sehen sein wird, ist für Ende 2018 vorgesehen.

(F. Zabalza: La Rochelle : Trente-sept ans après, „Das Boot“ refait surface, in : SUDOUEST, 13. 11. 2017, 10.48h, Internet-Ausg.)

 

Bericht aus Baden über Erosion

Dass französische Medien über die Probleme der Erosion an der südwestfranzösischen Atlantikküste berichten, ist eigentlich zu erwarten, da die damit angesprochene Problematik für diesen Teil Frankreichs einen existentiellen Problembereich berührt. Wenn eine deutsche Zeitung sich dieser Probleme annimmt, dann ist das schon eine Nachricht für sich. Am 13. November veröffentlichte die Badische Zeitung auf der Seite drei einen ganzseitigen Artikel mit der Überschrift „Der Albtraum vom Haus am Meer“. Der Autor Axel Veiel gibt  darin einen gut recherchierten Einblick in die Schwierigkeiten, die die Küste des Médoc schon hat und die sich noch verstärken werden. Er referiert dabei zum Teil Sachverhalte, die im Médoc nicht neu, für deutsche Leser aber wohl eher unbekannt sind. Dabei gibt der Autor auch Einblick in den Stand der Auseinandersetzung um das Appartementhaus Le Signal in Soulac, für das es noch vor einigen Monaten eine Lösung zu geben schien, die die Eigentümer angemessen entschädigt  hätte. Inzwischen hat sich dieser Optimismus verflüchtigt, denn niemand weiß, wie und ob das von der im Médoc gewählten Abgeordneten Pascale Got initiierte Gesetz, das durch den Einspruch des Senats für eine nicht kalkulierbare Dauer blockiert wurde, in Kraft treten wird. Der Artikel, auf den wir hier eingehen, ist übrigens nicht der erste der Badischen Zeitung, der sich mit der Erosion im Médoc beschäftigt. Es gab bereits 2014 einen Beitrag, der in diese Problematik einführte.

(A.Veiel: Der Albtraum vom Haus am Meer, Badische Zeitung, 13.11. 2017)

Mehr zum Nachlesen: Klick

Zum Beitrag der Badische Zeitung von 2014: Klick

 

 

 

Trockenheit

Auch für die kommenden 14 Tage wird der Südwesten Frankreichs ohne nennenswerte Niederschläge auskommen müssen. Damit setzt sich ein Trend fort, der schon seit Anfang des Jahres besteht. Nach einer vorläufigen Übersicht von Météo France ähnelt das Jahr 2017 dem Jahr 2003, das ebenfalls sehr warm und trocken war. Von den zehn Monaten dieses Jahres waren acht wärmer als der langjährige Durchschnitt., wobei März und Juni Temperaturen aufwiesen, die um 2 Grad über dem Durchschnitt lagen. Nach den bisher vorliegenden Werten wird 2017 wohl zu den fünf heißesten Jahren seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung gehören. Hinsichtlich der Niederschläge blieben die ersten zehn Monate des laufenden Jahres um 20% hinter dem Durchschnitt zurück, wobei das Defizit im April und Oktober bei 50% lag. Wenn es in den kommenden Monaten nicht ausgiebige Niederschläge gibt, wird sich nach Meinung von Experten die Frage stellen, ob die Weinfelder des Südwestens künstlich bewässert werden müssen, was bislang untersagt ist. Die geringeren Niederschläge haben dazu geführt, dass die Grundwasservorräte abgenommen haben. An 73% der Messstationen werden Werte unter dem Normalstand gemessen, wobei an 40% der Messstationen Wasserstände gemessen werden, die niedrig bis sehr niedrig sind. Noch kann man hoffen, dass es bald ergiebige Niederschläge geben möge, sicher ist das jedoch nicht.

(J.-D. Renard : Sécheresse : va-t-il falloir faire la danse de la pluie ? In : SUDOUEST,12. 1. 2017, Internet-Ausg.)

 

 

Großwild

Das Médoc ist eine Gegend, in der alle Arten von Wild gute bis sehr gute Lebensbedingungen vorfinden. Direkt nach dem zweiten Weltkrieg waren die Wildbestände besonders im nördlichen Médoc auf kleine Restbestände geschrumpft, aber seitdem haben sie sich zum Teil kräftig vermehrt. Ohne die Tätigkeit der Jäger, die sich bemühen, die Bestände auf einem Niveau zu halten, das als angemessen angesehen wird, gäbe es durch Wildfraß Schäden, die besonders die Landwirtschaft und auch die Forstbetriebe nicht hinnehmen würden. Da natürliche Feinde nicht mehr vorhanden sind, muss also die Jagd für die Regulierung der Bestände sorgen. Bei Rehen und Hirschen ist das nach Ansicht der Jagdverbände im wesentlichen gelungen. Es werden jährlich 14.000 Rehe und 600 Hirsche erlegt. Probleme bereiten jedoch die Wildschweine, die sich mancherorts fast explosionsartig vermehrt haben und in der Landwirtschaft erhebliche Schäden verursachen. Im letzten Jahr sind zwar 1.500 Wildschweine geschossen worden, doch müsste diese Zahl nach Ansicht der Fachleute deutlich größer sein. Wildschweine sind jedoch äußerst schwer zu jagen, weil sie sehr vorsichtig sind. Sie lassen sich meist nur in Treibjagden zur Strecke bringen, die naturgemäß nicht in beliebig großer Anzahl durchgeführt werden können. Die Jagdvereinigungen propagieren daher andere Jagdverfahren, die weniger personellen Einsatz als Treibjagden erfordern, doch sind die Erfolge dabei noch nicht in der angestrebten Weise eingetreten.   

(J. Lestage: Le gros gibier n’a pas fini d’occuper les chasseurs, in SUDOUEST, 09. 11. 2017)

 

 

Badeunfälle

Man kann nicht oft genug wiederholen, dass der Atlantik kein harmloser Badesee ist, da es immer wieder zu  vermeidbaren Unfällen an den Stränden kommt. Allein in den letzten Tagen gerieten sieben Personen in lebensbedrohliche Situationen. Bei Vieux-Boucau konnte ein Badender nicht gerettet werden, ein anderer, ein Deutscher von 50 Jahren wurde von einem Surfer aus der Gefahrenzone gebracht. An den Stränden des Médoc konnten zwei Badende sich nur mit Hilfe von Surfern an Land retten. In Biarritz kamen drei Strandbesucher in große Schwierigkeiten, konnten aber gerettet werden. Zwei von ihnen mussten in ein Krankenhaus gebracht werden. Bei näherem Zusehen stellt sich heraus, dass fast alle der Notsituationen vermeidbar gewesen wären, wenn die Betroffenen sich umsichtiger verhalten und vor allem die unumgänglichen Sicherheitsregeln eingehalten hätten.

(Plusieurs cas de noyades dans le sud-ouest, in: SUDOUEST, 27. 10. 2017)

Mehr zur Sicherheit am Strand : Klick

 

 

Ende einer Illusion

Frankreich ist das Land, in dem weltweit der größte Anteil der produzierten Elektrizität in Atomkraftwerken erzeugt wird. Allerdings wurde schon 2015 ein Gesetz erlassen, das den Anteil des Atomstroms bis 2025 auf 50% reduzieren wollte. Obwohl nicht sicher ist, dass irgendjemand, der die Dinge näher kannte, daran geglaubt hat, wurde das Ziel immer wieder verkündet und als eine Art Beruhigungsmittel verwendet. Jetzt hat der Umweltminister deutlich Stellung bezogen, und erklärt, die Marke der der 50% sei bis 2025 nicht zu erreichen, es sei denn, man verstärke die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen erheblich. Da das aber aus verständlichen Gründen  nicht in Frage komme, müsse man sich von dem 50%-Ziel bis 2025 verabschieden.

2015 trugen die Atomkraftwerke in Frankreich mit 72,3% der erzeugten Elektrizität zur Energieerzeugung  bei. Es gab zwar Pläne für die Förderung erneuerbarer Energien, die aber zu einem großen Teil in den Planungen steckengeblieben sind. Der Umweltminister erklärte, es seit frühestens im Zeitraum 2030 bis 2035 realistisch, eine Verringerung des Atomstromanteils durchzusetzen. Dieser neue Zeithorizont betrifft auch das Atomkraftwerk bei Blaye auf dem rechten Girondeufer, das in den Jahren 1980- 1982 in Betrieb genommen worden ist und damit zu den ältesten Reaktoren in Frankreich gehört. Wenn das Ziel der 50% erreicht werden soll, würde das die Stilllegung von etwa 20 der zur Zeit betriebenen 58 Atomkraftwerke in Frankreich bedeuten, und zu den zuerst stillzulegenden würde auch das AK an der Gironde gehören. Zweifel an diesen Planungen sind aber angebracht. Wer die Vorgänge um das immer noch nicht stillgelegte AKW in Fessenheim verfolgt hat, wird wenig Optimismus aufbringen, wenn er an die Reduzierung des Atomstromanteils denkt.

(J.-D. Renard: Nucléaire : Hulot met fin à la fable, in: SUDOUEST, 08. 11. 2017)

 

 

Wiederbelebung

Die große Zeit der Colonies de vacances ist auch in Montalivet schon länger vorbei, aber noch stehen die einst dafür genutzten Anlagen, freilich in meist ziemlich heruntergewirtschaftetem Zustand. Das trifft auch auf die Gebäude zu, die früher von der Fédération des oeuvres laïques genutzt wurden. Die seit einigen Jahren sich selbst überlassenen Gebäude sollen aber bald mit neuem Leben erfüllt werden, so will es zumindest die Gemeindeverwaltung von Vendays-Montalivet. Die beabsichtigt, dort ein Berufsbildungszentrum einzurichten und daneben Unterkünfte vornehmlich für Saisonarbeitskräfte zu schaffen, deren Wohnverhältnisse bislang eher bescheiden waren. Der Gemeinderat hat eine erste Summe von 50.000 Euro bewilligt, mit der bis zum nächsten Sommer sowohl das Schulungszentrum als auch die geplanten Unterkünfte den Betrieb aufnehmen sollen. Die Initiative der Gemeinde findet Unterstützung beim Departement Gironde, wo man signalisiert hat, dass man sich vorstellen könne, in den geplanten Komplex ein Zentrum für die Ausbildung von Berufen einzufügen, die mit dem Tourismus verbunden sind.

(J. Lestage: Des formations et des logements à la colonie, in: SUDOUEST, 07. 11. 2017)

 

 

Sand unter Beobachtung

Das Observatoire de la côte aquitaine erforscht seit zwanzig Jahren die Erosion an den Küsten Südwest-Frankreichs und die Veränderungen der Küstenlinie. Inzwischen gilt als gesichert, dass bis 2050 an den sandigen Küsten von der Girondemündung bis zum Adour die Dünenkante um 50 m zurückweichen wird. Dabei werden Verluste in der Größenordnung von 2,50 m pro Jahr im Bereich des Departements Gironde und 1,70m im Departement Landes auftreten. An den felsigen Küsten des Baskenlandes wird das Zurückweichen der Küste sich bis 2050 auf etwa 25 m belaufen. Eine genaue Bestandsaufnahme der an der direkt an der Küste  vorhandenen Bebauung hat ergeben, dass 5800 Gebäude bis 2050 von der Erosion bedroht sind. Die Forschungen, die früher vor allem versuchten, die Küstenlinien der Vergangenheit zu ermitteln, konzentrieren sich mittlerweile darauf, die Dynamik der Bewegungen des Sandes zu erforschen. Dabei stehen inzwischen modernste Messverfahren zur Verfügung, bei denen Lasergeräte, Satelliten und Drohnen Verwendung finden. Dennoch bleiben die Möglichkeiten der Voraussage immer noch begrenzt. Erosionsschübe wie im Winter 2013/2014 werden immer wieder vorkommen und sich mit Perioden relativer Ruhe ablösen, ohne dass man verlässliche Aussagen darüber machen könnte, wann dies geschieht und mit welcher Intensität.

(J. D. R.: Le sable sous haute surveillance, in: SUDOUEST, 05. 11. 2017)

 

 

Strom von der Straße

Die Mautstellen an den französischen Autobahnen ähneln sich bis auf die Größe mehr oder weniger alle, doch hat eine derartige Station bei Saugnac-et-Muret an der A 63 nunmehr eine Neuheit aufzuweisen, die zukunftsweisend sein kann, wenn sich das bewährt, was in den letzten Wochen dort installiert wurde. Dabei handelt es sich um besonders belastbare Photovoltaikelemente, die in die Fahrbahn der Autobahn eingearbeitet worden sind. Zunächst sind das nur 60m², die jedoch für den Test, dem sie ausgesetzt werden, ausreichend erscheinen. Anders als die auf Dächern etc. aufgestellten herkömmlichen Photovoltaikelemente, werden die in die Fahrbahn eingebauten Flächen enormen Belastungen ausgesetzt. Dabei hat man, um den Testbetrieb noch härter zu gestalten, die Testfläche dort eingebaut, wo die Fahrzeuge nach Verlassen der Maustelle beschleunigen, was zusätzlichen Druck auf den Boden bedeutet. Die Testfläche hat trotz ihrer vergleichsweise geringen Größe 100.000 Euro gekostet, die man allerdings gut angelegt glaubt, denn wenn sich die in den Boden eingearbeiteten Elemente bewähren, will man bald zu einer erheblichen Ausweitung der Produktion schreiten. Dann könnten große Straßenflächen für die Photovoltaische Stromerzeugung genutzt werden, zumindest in der Theorie. In der Praxis werden die Entscheidungen aber in erster Linie von den Kosten bestimmt, und da herrscht noch keine Einigkeit darüber, wie weit die sich senken lassen, wenn derartige Elemente in großen Stückzahlen produziert werden.

(P. Rabiller: A 63, autoroute du… solaire, in: SUDOUEST, 03. 11. 2017)

 

Neue Waffe für die Ordnungshüter

Diese neue Waffe sieht aus wie ein normales Smartphone oder Tablet, unterscheidet sich von den landläufigen Geräten dieser Art aber durch eine spezielle Software, die französischen Polizisten Möglichkeiten der Überprüfung eröffnet, die es vorher nicht gab. Das Programm heißt bezeichnenderweise Néo und verweist damit darauf, dass es den damit arbeitenden Gesetzeshütern neue Möglichkeiten an die Hand gibt. So können die damit ausgerüsteten Polizisten im Handumdrehen sämtliche Datenbestände aller Polizei- und Ordnungsbehörden Frankreichs  durchsuchen, die sie in einer konkreten Situation benötigen. Sie können etwa überprüfen, ob eine Person polizeilich gesucht wird, ob ein Fahrzeug  als gestohlen gemeldet ist, ob ein Verkehrsteilnehmer fällige Bußgeldzahlungen nicht geleistet hat und vieles mehr bis hin zum Abgleich von Fingerabdrücken. Damit sind für Polizeibeamte im Außendienst Überprüfungen möglich, die sie sonst nur in ihrem Büro haben. Man erwartet, dass durch den Einsatz von Néo die Effizienz der Verbrechensbekämpfung insbesondere bei Fahrzeugkontrollen erheblich gesteigert werden kann.

(J.-M. Desplois: La nouvelle arme des policiers s’appelle Néo, in: SUDOUEST, 03. 11. 2017)

 

Es weihnachtet schon

Die Frage, ob es den Weihnachtsmann gibt oder nicht ist, ist alt, und die Antworten sind nicht ganz eindeutig. Für diejenigen, die in Frankreich einen Brief, eine Karte oder eine Email an den Weihnachtsmann schreiben, sind Zweifel hinsichtlich der Existenz des Weihnachtsmanns normalerweise ausgeräumt, denn sie bekommen eine Antwort, die der Weihnachtsmann unterschrieben hat.  Dafür wird  in Libourne jedes Jahr im November bei der Post ein Büro eingerichtet, in dem alle Briefe, Karten und Emails bearbeitet werden, die an den Weihnachtsmann adressiert sind. Obwohl dem Weihnachtsmann mancherlei Dinge gelingen, die normalen Sterblichen versperrt bleiben, legt er Wert darauf, dass Zuschriften, auf die er erfolgreich antworten kann, bis spätestens zum 18. Dezember bei ihm eingehen. Um sicher zu sein, dass ein Brief beim Weihnachtsmann ankommt, genügt es, als Adresse  einzutragen „Père Noël“ , wobei es hilfreich ist, wenn auf dem Umschlag ersichtlich ist, dass die Post nach Frankreich gehen soll.

2016 haben dies 1,2 Millionen Kinder in 140 Ländern getan, von denen 91.000 ihre Nachricht als Email geschickt haben, was dem Weihnachtsmann unserer Tage keine Probleme mehr macht. Nach Angaben der französischen  Post haben alle, die dem Weihnachtsmann geschrieben haben, eine Antwort erhalten. Das sollte eigentlich der lästigen Frage, von der wir oben gesprochen haben, ein Ende bereiten.

(SudOuest.fr avec AFP: Libourne : le Père Noël ouvre jeudi son secrétariat, in: SUDOUEST, 03. 11. 2017, 17. 05h, Internet-Ausg.

 

Neues aus Grayan

Auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderats von Grayan wurde bestätigt, dass die neue Poststelle pünktlich zum 1. November 2017 eröffnet wird. Sie wird eingerichtet in dem Gebäude, das auch  die Gemeindebibliothek in Grayan beherbergt. Und sie wird auch von einer Angestellten dieser Bibliothek sozusagen im Nebenamt verwaltet.

Vorsorglich wurde beschlossen, die Gemeindeverwaltung zu ermächtigen, bis zur Verabschiedung des noch nicht fertiggestellten Gemeindebudgets für das nächste Jahr  Ausgaben bis zur Höhe von einem Viertel der entsprechenden Haushaltstitel für 2017 tätigen zu dürfen.

(M. Caporal, L’agence postale ouvrira lundi, in: SUDOUEST, 02. 11. 2017)

 

Stopp für die Wanderdüne

Die Düne von Pilat am Bassin von Arcachon ist mit gut 100m die höchste Düne Europas, und sie wandert mit bis zu 5 m pro Jahr. Diese Eigenheit der Düne führte zu einer Bedrohung für eine einst in gehörigem Abstand von den Sandmassen gelegene Straße nach Biscarosse, der sich nach und nach die Düne näherte. Vor 30 Jahren trennten diese Straße noch gut 200m von der Düne, mittlerweile ist die Distanz auf 43m geschrumpft, so dass bald die Gefahr besteht, dass die Straße nicht mehr befahren werden kann. Angesichts dieser Bedrohung hat die staatliche Forstverwaltung im letzten Jahr ein groß angelegtes Programm zur Bepflanzung der Düne mit Strandhafer gestartet, wobei anfangs nicht klar war, ob der Sand oder die Bepflanzung die Oberhand behalten würde. Inzwischen hat der Strandhafer sein Werk getan und den Sand der Düne an den besonders kritischen Stellen so fixiert, dass die Wanderung der Sandmassen zum Stehen gekommen ist. Damit ist zunächst die Bedrohung für die Straße gebannt, und der Beweis erbracht, dass mit geeigneten Maßnahmen auch Wanderdünen gestoppt werden können.

(D. P. : Bassin d’Arcachon : les travaux de lutte contre l’érosion de la dune du Pilat portent leurs fruits, in: SUDOUEST, 02. 11. 2017, 16.45h, Internet-Ausg.))

 

 

 

 

Fußball und Geld

Nicht erst seit den schwindelerregenden Summen, die in den letzten Monaten für Spieler gezahlt worden sind, weiß man, dass in der Welt des Profifußballs der Männer mit Summen hantiert wird, für die es schwer bis unmöglich ist, Verständnis aufzubringen. Die Konsequenzen, die sich daraus für den französischen Fußball ergeben, sind kürzlich untersucht  und mit einem wenig überraschenden Ergebnis abgeschlossen worden. Es zeigte sich, dass die vier Fußballvereine in Frankreich, die Jahrsetats von mehr als 100 Millionen Euro haben, die Tabellenspitze einnehmen. Ganz oben, sowohl in der Tabelle als auch bei den Finanzen,  steht Paris-Saint-Germain mit einem Budget von 540 Millionen Euro pro Jahr, gefolgt von Lyon mit 240 Millionen, Monaco (170 Millionen) und Marseille (120 Millionen). Danach klafft eine deutliche Lücke zu Lille (90 Millionen Euro), Saint-Etienne (69 Millionen Euro) und Bordeaux (65 Millionen Euro). Der Verein mit dem kleinsten Budget ist Amiens, wo man mit 25 Millionen Euro auskommen muss.  In der Tabelle nehmen, fast vorhersehbar, die vier finanzstärksten Klubs die vier ersten Plätze ein. Dass das Geld allerdings nicht allein über die Tabellenposition bestimmt, zeigt Lille, das trotz Platz 5 beim Budget zur Zeit nur auf dem 19. und damit vorletzten Tabellenplatz rangiert.

(N. Gardien : Les riches s’échappent, in: SUDOUEST, 31.Okt. 2017)

 

Weinmengen 2017

Obwohl die Werte zum Teil noch auf Schätzungen beruhen, können die Experten schon jetzt sagen, dass die Weinernte 2017 weltweit die geringsten Erträge seit 50 Jahren erbracht hat. In Frankreich haben insbesondere die Anbaugebiete des Südwestens unter dem Frosteinbruch vom April 2017 gelitten, aber auch anderswo waren die meteorologischen Bedingungen für den Wein nicht günstig. Insgesamt wird sich die geerntete Weinmenge auf 269 Millionen Hektoliter belaufen, das sind 22 Millionen Hektoliter oder 8% weniger als 2016. Die fehlende Menge entspricht dem Vierfachen der durchschnittlichen Erntemengen des Bordelais. Die Ergebnisse in Frankreich, Spanien und Italien, die 40% der weltweiten Weinmengen ernten, haben die Bilanz nach unten gezogen, weil dort durch Frost, Hagel oder Trockenheit Ausfälle größerer Art zu beklagen waren. Besser weggekommen sind hingegen die USA, Rang 4 der  Liste der Wein produzierenden Länder, Australien, Argentinien und Südafrika. Überall macht man sich aber Gedanken, ob und wie es möglich ist, sich gegen Wetterkapriolen zu schützen. So wird auch im Bordelais überlegt, ob die Weinflächen bei Bedarf künstlich bewässert werden können oder ob Netze ausgebracht werden können, die vor Frostattacken schützen. Wie weit sich derartige Maßnahmen durchsetzen, wird aber wohl nicht zuletzt von den damit verbundenen nicht unbeträchtlichen Kosten abhängen.

(C. C. : La plus faible récolte depuis 50 ans, in: SUDOUEST, , 31. 10. 2017)

 

 

Oktober 2017

Hermione braucht Geld

Die Hermione, stolzer Nachbau einer französische Fregatte des 18. Jahrhunderts, braucht mindestens 20.000 Euro, weil ein Segel ersetzt werden muss, ohne dass die Seetüchtigkeit des historischen Großseglers beeinträchtigt wird. Das Segel muss ersetzt werden in der Vorbereitung der für 2018 geplanten Mittelmeertour der Hermione, bei der unter anderem Geld für den Unterhalt des Schiffes eingefahren werden soll. Dies ist notwendig, da die Hermione ganz ohne öffentliche Mittel gebaut worden ist und ebenso durch private Spender und Geldgeber in Fahrt gehalten wird. 7.000 der benötigten 20.000 Euro sind schon eingesammelt, aber die noch fehlenden 13.000 Euro warten auf großzügige Spender. Für die Spendenaktion ist ein Link eingerichtet worden, den man nutzen kann, wenn man für das besagte Segel spenden will.

SudOuest.fr LaRochelle: „L’Hermione“ a besoin de financements pour sa voile, in : SUDOUEST, 30. Okt. 2017, 14.29h, Internet-Ausg.)

 

Dieser Link führt zu einer Webseite, auf der gespendet werden kann für das benötigte Segel  der Hermione :

https://www.kisskissbankbank.com/fr/projects/une-voile-pour-l-hermione

 

Mehr über die Hermione : Klick

 

 

Bordeauxwein in Hongkong

Die Weine des Bordelais sind sicher einzigartig, aber sie sind nicht die einzigen auf der Welt. Das weiß man natürlich auch in den Anbaugebieten um Bordeaux und man handelt dementsprechend. So gehen inzwischen viele Repräsentanten von Châteaux gern auf Verkaufsmessen im Ausland, wo sie ihre Produkte persönlich vorstellen und natürlich auch verkaufen können. Eine der größten Veranstaltungen dieser Art ist die noch junge Fête du vin von Hongkong, die Zehntausende interessierter Besucher anzieht. Denen stellen sich rund 50 Châteaux aus dem Bordealais, wo sie nicht nur Rotweine, sondern auch Weißweine und Rosé ebenso wie Crémant präsentieren. Die chinesischen Besucher sind zu einem großen Teil noch keine richtigen Weinkenner, aber sie interessieren sich und lassen sich gern über alles informieren, was mit dem Wein und seinem Anbau zusammenhängt. In diesem Jahr stattete sogar der Chef der Regierung von Hongkong der Fête du vin einen Besuch ab und dokumentierte damit, dass man auch auf  Seite der politischen Führung an dieser Veranstaltung interessiert ist. Die rund fünfzig auf der Fête du vin präsenten Vertreter aus dem Bordelais sind überzeugt, dass sich ihr Einsatz lohnt und dass es erfolgversprechend ist, auch an den Folgeveranstaltungen teilzunehmen.

(B.Béziat: « Le meilleur outil pour la promotion de Bordeaux », in: SUDOUEST, 29. 10. 2017

 

 

Feine Nase

Der französische Staatspräsident ist derzeit unterwegs. Er bereist französischen Boden, der weder in Frankreich noch in Europa liegt. Er ist zur Zeit in durchaus schwieriger Mission in Cayenne, Hauptstadt des französischen Überseedepartements Guyane in Südamerika. Dort traf er in einer Problemzone mit Jugendlichen zusammen und posierte mit ihnen für ein Foto, als er  seine Umgebung mit der Feststellung verblüffte, dass in der besuchten Gruppe Cannabis geraucht würde. Er legte nach und sagte, dass er den Geruch von Cannabis immer noch erkennen könne, was immer er auch damit andeuten wollte. Ehe Gelegenheit zu Nachfragen war, fügte der Präsident hinzu, dass jemand, der Cannabis konsumiere, den Anforderungen, die die Schule an ihn stellt, nicht recht nachkommen könne. Und, so schloss das Staatsoberhaupt, gestützt auf seine feine Nase, das müsse man besonders den Jüngeren sagen, damit sie gar nicht erst den Versuch machten, diese Droge auszuprobieren.

(Sudouest.fr.: Vidéo. Odeur de cannabis : Emmanuel Macron „a encore du nez“, in: SUDOUEST, 28. Okt. 2017, 15.51h, Internet-Ausg.)

Französische Gebiete  außerhalb Europas: Klick

 

 

Zu viel Ferien?

Die zwölf Millionen  Schülerinnen und Schüler Frankreichs genießen zur Zeit die Allerheiligenferien, die traditionsgemäß über vierzehn Tage gehen. Während es auf der Seite der Schüler wohl niemanden gibt, der Ferien nicht schätzt, sieht das Meinungsbild bei Lehrern, Psychologen und Politikern wesentlich differenzierter aus. So wird die Frage gestellt, ob  kurz nach Beginn des Schuljahres eine Unterbrechung des Unterrichts für vierzehn Tage nicht schädlich für die Kontinuität des Lehrbetriebs sei. Gefragt wird aber auch, ob die französische  Ferienregelung überhaupt verbessert werden müsste. Im internationalen Vergleich liegt Frankreich bei der Zahl der Ferienwochen pro Jahr nicht an der Spitze der Länder. Die wird eingenommen von Bulgarien, wo es pro Schuljahr 21 Ferienwochen gibt, davon 16 im Sommer. In einer großen Gruppe europäischer Länder, zu denen  Frankreich gehört, liegt die Gesamtzahl der Ferienwochen pro Schuljahr bei 17 oder 16.  Deutliche Unterschiede gibt es jedoch bei der Verteilung der Ferienwochen, wo bei der Länge der Sommerferien Italien mit 14 Wochen, Portugal und Griechenland mit 12 vor Schweden und Finnland  mit 11 rangieren. Erst danach kommt Frankreich mit acht Wochen Sommerferien, doch ist Frankreich das Land in Europa, das mit 8 Wochen weiterer Ferien die Spitze der Tabelle in diesem Bereich anführt. Auf den nächsten Plätzen bei den Kurzferien folgen Deutschland und Großbritannien mit jeweils sieben Wochen, wobei beide Länder ihren Schülern allerdings nur 13 Jahresferienwochen zugestehen.

Die Diskussion über Sinn- und Zweckhaftigkeit des französischen Ferienmodells kreist jedoch mehr um innerfranzösische Zuständigkeiten und Befindlichkeiten. Auffällig ist dabei, dass es viele zum Teil sehr unterschiedliche Meinungen gibt, dass aber die zur Absicherung herangezogenen Argumente meist im subjektiven Glauben und Meinen  zu verorten sind. Damit steht die Diskussion in Frankreich allerdings nicht allein, was aber nicht verwunderlich ist, wenn man der Tatsache Rechnung trägt, dass die pädagogisch orientierten Wissenschaften oft lieber Theorien bilden und denen nachlaufen, als empirische Befunde zu erstellen und auf dieser Basis zu argumentieren.

(J. Rousset: Éducation : y a-t-il trop de vacances en France ? in: SUDOUEST, 27. 10. 2017, Abendausg.)

 

 

Billigflieger in Bordeaux

Die britische Billigfluglinie EasyJet, die seit 2006 Bordeaux-Mérignac anfliegt, wird ihre Präsenz auf diesem Flughafen ausbauen. Dazu sollen vom kommenden Frühjahr an 3 Flugzeuge vom Typ Airbus A320 in Bordeaux stationiert werden. Bislang flog EasyJet zwar von Bordeaux aus mehr als 20 Städte an, hatte aber keine Flugzeuge in Bordeaux. Verbunden mit der Stationierung der drei Flugzeuge werden 110 neue Arbeitsplätze entstehen. Für das nächste Frühjahr ist die Einrichtung von wenigstens fünf neuen Linien geplant, doch ist man zu diesem Thema noch zurückhaltend, wenn es um Details geht. Ebenfalls in der Planung ist die Erhöhung der Flugangebote auf schon bestehenden Routen, von denen aber, so wie es zur Zeit aussieht, kein deutscher Flughafen profitieren wird.

(C. Champ, Easyjet se renforce à Bordeaux, in : SUDOUEST, 24. 10. 2018

 

 

 

Ressentiments in Bordeaux

Seit einigen Wochen kann man in Bordeaux Aufkleber und Grafiti beobachten, die eindeutig fremdenfeindliche Inhalte haben. Die Attackierten sind diesmal keine Migranten von der Art, an die man denkt, wenn der Begriff sonst verwendet wird, sondern Pariser, die plötzlich in einigen Kreisen der Metropole an der Garonne so unbeliebt geworden sind, dass man ihnen rät: „Parisien rentre chez toi“. Diese gewollt unfreundliche Aufforderung an die Bewohner der französischen Hauptstadt, dorthin zurückzukehren, wo sie hergekommen sind, wird offensichtlich nicht von der Allgemeinheit der Bewohner von Bordeaux geteilt. Dahinter steckt wohl die Befürchtung von bestimmten Leuten, die alles, was in Bordeaux nicht so läuft wie man sich das wünschen könnte, auf den Zustrom von neuen Bewohnern aus Paris schiebt, die für die explodierenden Immobilienpreise, die rasant gestiegenen Mieten, die Staus auf den Straßen und für allerhand andere Dinge verantwortlich gemacht werden, für die man gern einen Sündenbock hätte. Alain Juppé, Bürgermeister der Metropole an der Garonne, ist in hohem Maße verärgert über diese Feindseligkeiten und erwägt, Strafanzeigen gegen deren Verursacher zu stellen. Man darf aber bezweifeln, ob damit die Vorbehalte gegen die meist finanzkräftigen neuen Bewohner von Bordeaux ausgeräumt werden, die mit ihren Nachfragen offensichtlich dazu beitragen, dass manches für die alteingesessenen Bürger teurer wird als man es gern hätte.

(M. Gautier: „Parisien rentre chez toi“ : pourquoi tant de haine à Bordeaux ? In : SUDOUEST, 25. 10. 2017, Internet-Ausg)

 

 

Großsegler Mir in Bordeaux

Am Freitag, dem 26. Oktober 2017, wird der russische Großsegler Mir im Port de la lune von Bordeaux erwartet, wo er gut zehn Tage zu sehen und zu besichtigen sein wird. Die Mir ist mit 109,2 m Länge und einer Besatzung von 40 Mann ein paar Nummern größer als die Dreimastbark Belem, die zu den regelmäßigen Besuchern des Hafens von Bordeaux gehört. Die Mir ist als Schulschiff unterwegs, sie gehört der Russischen Marine-Akademie. Während des Aufenthalts im Port de la lune kann die Mir besichtigt werden, und zwar am 26. Oktober von 16.00 h bis 19.00h und vom 28. Oktober bis zum 5 November (mit Ausnahme vom 2. November) jeweils von 10.00 h bis 15.00h. Der Eintritt beträgt 2 Euro für Erwachsene Heranwachsende unter 16 Jahren zahlen 1 Euro.

Wegen des Einlaufens der Mir wird der Pont Chaban-Delmas am 27. Oktober von 11.04h bis 13.07h geschlossen. Wenn die Mir ausläuft erfolgt eine weitere Brückensperrung am 6. November von 3.49h bis 6.00h.

Für alle, die die Mir diesmal nicht sehen können, gibt es eine zweite Gelegenheit, denn sie wird schon im nächsten Jahr zurückkommen zur Tall Ships Race, zu der während des Weinfests vom 14. bis 17. Juni 2017 sich eine Reihe von Großseglern in Bordeaux einfinden werden.

(SudOuest.fr Bordeaux: Le voilier „Mir“ attendu à Bordeaux ce vendredi, in: SUDOUEST, 24. 10. 2017, 14.48h, Internet-Ausg.

 

 

Erinnerung

2017 jährt sich zum 100. Mal ein Ereignis, das den Gang der Geschichte des 20. Jahrhunderts entscheidend geprägt hat:  der Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg. Und dabei hat das Departement Gironde eine nicht unerhebliche Rolle gespielt, denn ein großer Teil der amerikanischen Truppen und Materialtransporte wurden in die Gironde geleitet, die relativ weniger gefährdet war durch deutsche Angriffe als Häfen weiter im Norden. Darüber hinaus richteten die Amerikaner schon bald eine Basis für Wasserflugzeuge bei Moutchic ein, an die in diesen Tagen eine Ausstellung in der Salle L’Escoure in Lacanau erinnert, die bis zum 4. November dieses Jahres zu sehen sein wird. Dabei wird unter anderem daran erinnert, dass die Amerikaner neben den militärischen Einrichtungen ein Krankenhaus für Kinder aufgebaut haben, das die medizinische Versorgung in der Region, die speziell für Kinder sehr lückenhaft war, entscheidend verbessert hat. Das damals begründete Kinderkrankenhaus hat bis in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts bestanden.

(A. E. : En mémoire des soldats américains, à la salle L’Escoure, in: SUDOUEST, 23. 10. 2017)

 

Neuer Asterix-Band

Am 19. Oktober ist der neueste Asterix-Band erschienen. Er trägt die laufende Nummer 37 der Asterix-Ausgaben und spielt in Italien. Der Band ist der dritte, den das neue Team Jean-Yves Ferri (Text) und Didier Conrad (Zeichnungen) geschaffen hat. Er erscheint zwei Jahre nach dem letzten Band Le Papyrus de César und vier Jahre nach dem ersten, für den Ferri und Conrad verantwortlich zeichnen. Sie arbeiten mit Albert Uderzo zusammen, der einst als Texter mit dem 1977 verstorbenen René Goscinny diese bis heute vielleicht erfolgreichste Serie von Bildergeschichten geschaffen hat. Uderzo sorgt für eine gewisse Kontinuität, lässt aber dem Team Ferri – Conrad weitgehend freie Hand. Der neue 37. Asterixband wird weltweit eine Startauflage von 5 Millionen Exemplaren haben, davon zunächst 2 Millionen in französischer Sprache. Asterix und sein voluminöser Freund Obelix waren zwar schon zweimal in Italien, doch haben sie dabei nur Rom besucht. Jetzt werden sie die gesamte italienische Halbinsel kennenlernen. Die ersten Rezensenten lassen durchblicken, dass es dabei einen vielfach witzigen und zum Schmunzeln anregenden Lesespaß geben wird.

(UM, 23. 10. 2017)

 

 

Austern der besonderen Art

Bislang unterschieden sich Austern hauptsächlich durch Form und Größe, während sie im Geschmack einander mehr oder weniger ähnelten. Das ist seit wenigen Tagen anders, nämlich seitdem ein Austernzüchter in Marennes ein Verfahren entwickelt hat, bei dem Austern mit deutlich unterschiedlichen Geschmacksrichtungen entstehen. Zur Zeit sind im Angebot Ingwer, Schalotte, Himbeere und Muskat. Bald sollen weitere Geschmacksvarianten folgen. Der Züchter hat vier Jahre gebraucht, bis das Verfahren, mit dem er nun  arbeitet, so stabil funktionierte, dass die behandelten Austern durch die zugesetzten Aromen nicht geschädigt, wurden, dabei aber den  jeweiligen Geschmack bis zum Zeitpunkt des Verzehrs behielten. Die größte Schwierigkeit bestand nach Angaben des Züchters darin, die Konzentration der Geschmackstoffe so zu dosieren, dass der gewünschte Effekt eintrat, ohne dass die Austern davon geschädigt wurden. Nachdem diese Hürde überwunden war,  werden die Austern für eine Nacht in ein Becken gebracht, das Wasser mit dem gewünschten  Aroma enthält und nehmen dabei den Geschmack an, der erreicht werden soll. Das inzwischen patentierte Verfahren, mit dem Austern behandelt werden, enthält zwar einige sorgfältig gehütete Geheimnisse, doch legt der Züchter Wert auf die Feststellung, dass sowohl die verwendeten Aromen als auch das Verfahren der Behandlung der Austern auf natürlichem Wege erfolgt. Ob aus dem Verfahren der Aromatisierung der Austern ein großer geschäfltlicher Erfolg wird, steht allerdings noch nicht fest.Die ersten größeren Lieferungen sind nach Italien und nach China verschickt worden, aber die Franzosen halten es bislang wohl eher mit dem natrülichen Austerngeschmack.

(S. Cottin: Les huîtres aromatisées sortent de leurs coquilles, in: SUDOUEST, 21. 10. 2017)

 

 

Baubeginn

In Bordeaux werden nun auch auf dem linken Ufer die Bauarbeiten für die Errichtung der nächsten Brücke über die Garonne gestartet. Bedingt durch die Arbeiten wird es Verkehrsbeeinträchtigungen geben, zu denen unter anderem eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 70km/h auf dem Boulevard des Frères Moga gehören wird.

Die Fertigstellung der neuen Brücke, die den Name Simone Veil tragen wird, ist für den Sommer 2020 vorgesehen. Die Brücke wird 550 m lang und 44 m breit sein und die Boulevards des südlichen Stadtbereichs von Bordeaux mit dem gegenüberliegenden Ufer auf Höhe der Zone Euroatlantique verbinden.

Für die Brücke war anfangs der Name Jean-Jacques Bosc vorgesehen. Nach dem Tod von Simone Veil im Juni 2017 beschloss die Stadtverwaltung von Bordeaux jedoch schnell und einhellig,  des geplante Bauwerk nach der Grande Dame der französischen Politik zu benennen. Simone Veil war eine Jüdin, die den Holocaust überlebt hatte, sie war von 1979 bis 1982 Präsidentin des Europa-Parlaments und seit 2008 Mitglied der Académie Française, was wohl die höchste Ehrung ist, die einem Bürger Frankreichs zuteil werden kann.

(Sudouest.fr.: Bordeaux : les travaux du pont Simone-Veil débutent sur la rive gauche, in : SUDOUEST, 20. 10. 2017, 18.37h, Internet-Ausg.)

 

 

Insektenschwund

Eine in Deutschland veröffentlichte Studie, nach der der Bestand an Insekten in den letzten dreißig Jahren um 75% abgenommen hat, ist in Frankreich mit großer Aufmerksamkeit und Betroffenheit registriert worden. Dabei wird darauf verwiesen, dass eigentlich alle Autofahrer das hätten wahrnehmen können, wenn sie den Zustand ihrer Windschutzscheiben nach Fahrten im Sommer intensiver beobachtet hätten. Dann hätten sie nämlich sehen können, dass in den letzten Jahren dort kaum noch Insekten zu finden waren und die früher oft erforderlichen Reinigungsaktionen kaum noch erforderlich wurden. Überall dort, wo die deutsche Studie mit heimischen Zahlen verglichen worden ist, hat sich herausgestellt, dass der Rückgang der Insektenbestände europaweit festzustellen ist und dass daraus massive Probleme entstehen, da viele der nicht mehr vorhandenen Insekten beim Bestäuben von Pflanzen fehlen und daher viele Samen und Früchte nicht mehr ausgebildet werden. Die Suche nach Erklärungen für die beobachtete Abnahme der Insektenbestände weist mehrere Faktoren auf, wobei wohl in erster Linie die Schuldigen bei neuen chemischen Mitteln zu suchen sind, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um die Ernteergebnisse zu verbessern. Ein weiterer Verursacher für die Abnahme der Insektenbestände ist darin zu sehen, dass die  Zurückdrängung von Wildkräutern und –pflanzen vielen Insekten die Nahrungsgrundlage entzogen hat. 

Die Ergebnisse der deutschen Studie werden von den Forschungen im Zentrum für biologische Studien in Chizé im Departement Deux-Sèvres bestätigt und erläutert, wobei man darauf hinweist, dass der gravierende Rückgang der Insektenbestände Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette hat, wobei namentlich viele Vögel, auf deren Speiseplan vornehmlich Insekten stehen, selten werden und kaum noch Bruten aufziehen können. Obwohl das Problem klar umrissen ist, dürfte es schwer sein,  Gegenmittel zu entwickeln und  mit Erfolg einzusetzen. Nicht schwer ist es hingegen, sich vorzustellen, was passiert, wenn nichts getan wird und der Bestand an Insekten noch weiter abfällt.

(J.-D. Renard: Diminution de la population d’insectes : pourquoi c’est grave, in : SUDOUEST, 19. 10. 2017, Abend-Ausg.)

 

Bedingt gerettet

Die Grotte von Lascaux gehört mit ihren vor 18.000 Jahren entstandenen Malereien zu den berühmtesten Zeugnissen vorgeschichtlicher Kunst. Die 1940 entdeckte Höhle war ab 1948 zu besichtigen, doch stellte sich bald heraus, dass die Atemluft der Besucher eine tödliche Gefahr für die Malereien darstellte. Aus diesem Grunde wurde die Grotte 1963 für den Publikumsverkehr geschlossen. Trotzdem nahmen die Gefährdungen nicht sofort ab. Zuerst stellte man einen bedrohlichen Algenbefall fest, und als der abgeklungen war, breiteten sich winzige Pilze auf den Malereien aus, die genauso gefährlich waren. 2010 wurde eine hochkarätige Expertentruppe gebildet, die nunmehr einen vorläufigen abschließenden Bericht über den gegenwärtigen Zustand der Grotte vorgelegt hat. Danach ist das Schlimmste überstanden, so dass man sagen kann, dass die kostbaren Malereien gerettet sind, doch müssen die bestehenden Vorsichtsmaßnahmen fortgesetzt werden. An eine, wenn auch nur teilweise, Freigabe der Höhle für Besucher ist jedenfalls nicht zu denken. Das sollte allerdings dem Zustrom von Besuchern nicht abträglich sein, denn seit Ende des letzten Jahres ist die neueste Nachbildung der Grotte, Lascaux 4, fertiggestellt und dem Publikumsverkehr übergeben.

(H. Chassain: Comment Lascaux a été sauvée, in: SUDOUEST, 18. 10. 2017

 

 

Soulac 1900

Auch im kommenden Jahr wird das erste Juniwochenende in Soulac von der Veranstaltung Soulac 1900 bestimmt sein, die dann zum 15. Mal zelebriert wird. Die dafür entscheidnden Beschlüsse sind auf der kürzlich durchgeführten Jahresversammlung von Label Soulac gefällt worden, des Vereins, der federführend das Ereignis dirigiert und gestaltet. Das Thema  des nächsten Festivals, das am 1. , 2. und 3. Juni 2018 ablaufen wird, wird sein: « Rouler vers la Belle Époque », und passend dazu soll die Veranstaltung wieder mit einem dampfbespannten Sonderzug eingeläutet werden. Der Zug wird zwar nicht von der in den ersten Jahren verwendeten Lokomotive 141TD gezogen werden, da deren Überholung immer noch nicht abgeschlossen ist, aber man ist sicher, dass es einen würdigen Ersatz geben wird. Der Sonderzug, der die Festgäste heranbringen wird, startet wieder vom Bahnhof Saint-Jean in Bordeaux. Auf dem Weg in das Médoc wird es in Macau und Pauillac zwei Halte zum Wasserfassen geben. Das dampfende Spektakel wird Kosten in Höhe von 20.000 Euro verursachen, deren Finanzierung noch nicht ganz gesichert ist. Die Veranstalter sind aber optimistisch, dass ihre Bemühungen, Spenden in der erforderlichen Größenordnung hereinzuholen, erfolgreich sein werden.

(M. Caporal: Soulac 1900 : le train à vapeur est de retour, in: SUDOUEST, 17. 10. 2017)

 

 

 

Es riecht doch

Der römische Kaiser Vespasian, dem so ziemlich jedes Mittel recht war, um die Staatskassen zu füllen, hatte sich einfallen lassen, eine Latrinensteuer zu erheben, zu deren Rechtfertigung er gesagt haben soll: Pecunia non olet (Geld stinkt nicht). Was bald 2000 Jahre allgemein geglaubt wurde, ist heutzutage nicht mehr gültig, denn Geld sondert wirklich einen eigenen Geruch ab, was sich Polizei und Zoll in Frankreich zunutze machen, wenn sie illegal geschmuggeltes Geld, das meist aus dunklen bis sehr dunklen Quellen stammt, aufspüren. Das Aufspüren gelingt jedoch nur, wenn dafür ausgebildete Hundenasen eingesetzt werden, die Geld erschnüffeln können. Dazu muss man wissen, dass Hundenasen über 200 Millionen Riechzellen verfügen, während der Mensch es nur auf rund 4 Millionen bringt. Der französische Zoll setzt für das Aufspüren von geschmuggeltem Geld Labradorhunde ein, weil diese Rasse in Flughäfen, Bahnhöfen etc, kein Aufsehen erregt und als besonders friedlich und umgänglich eingestuft wird. Die Erfolge dieser Geldspürhunde sind beträchtlich, wobei diese Hunde selbst die raffiniertesten Verstecke entdecken. Seit den ersten Versuchen mit Geldspürhunden Anfang 2016 ist der französische Zoll zu der Überzeugung gekommen, dass auf diesem Weg der organisierten Kriminalität wirksam zugesetzt werden kann. Aus diesem Grund wird die Zahl der Geldspürhunde in nächster Zukunft kräftig aufgestockt, so dass sie bald in jeder Region eingesetzt werden können. Bleibt nur noch zu klären, warum die Geldspürhunde zu ihren Erfolgen kommen: Sie riechen, vorausgesetzt, sie werden entsprechend trainiert, die spezifischen Ausdünstungen von Tinten und Farben, die beim Drucken von Papiergeld verwendet werden. Um noch einmal zu Vespasian zurückzukehren Er hatte zu einer Zeit wirklich Recht, dann im alten Rom gab es kein Papiergeld. Allerdings werden heutzutage beim Schmuggeln von Geld die Ganoven aus Gewichtsgründen nicht auf die Idee kommen, Bares in Münzen zu transportieren.

(Fr. d’Astier: Douanes : des chiens pour détecter l’argent sale, in : SUDOUEST ; 16. 10. 2017, Abend-Ausg..)

 

Restauriert

Sébastien Le Prestre de Vauban (1633–1707), französischer Festungsbaumeister und Marschall, hat im Laufe seiner langen Dienstzeit eine ganze Reihe von Festungen in Frankreich gebaut oder zumindest die Pläne dafür erstellt. Er war auch im Médoc tätig, wo er ausgehend von der schon bestehenden Festung Blaye einen für seine Zeit modernen Festungsriegel konzipierte, der den Zugang in die Gironde zuverlässig sperren sollte. Vauban entwarf zu diesem Zweck die in der Gironde gelegene Festung Fort Paté und das auf dem linken Girondeufer zu findende Fort Médoc. Was Vauban nicht voraussehen konnte, war die Tatsache, dass dieser Festungsriegel nie auf seine militärische Zweckmäßigkeit geprüft wurde.  Darunter hat besonders das Fort Médoc zu leiden gehabt, das schon bald nach seiner Fertigstellung nur noch halbherzig instand gehalten wurde und 1916 schließlich ganz aufgegeben wurde. Danach gerieten die Baulichkeiten allmählich in Verfall, was jedoch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit blieb. 1930 wurde das Gelände von der Gemeinde Cussac gekauft, was jedoch zunächst nicht dazu führte, dass man sich um die dort bestehenden Gebäude gekümmert hätte. Erst 1956 wurde das ehemalige Fort Médoc in eine Zusatzliste der nationalen Denkmale Frankreichs aufgenommen und damit wenigstens davor geschützt, weiterhin als Steinbruch für Bauvorhaben in der Umgebung zu dienen. Als 2008 dann der Festungsriegel der Gironde in die Liste  des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde, ergab sich mehr oder weniger unvermittelt die Notwendigkeit für die Gemeinde Cussac, der  das Gelände gehört, sich Gedanken darüber zu machen, wie die zum Teil stark sanierungsbedürftigen Gebäude in einen Zustand versetzt werden könnten, der dem Anspruch der Unesco gerecht werden würde. Es wurde schließlich ein Sanierungsprogramm entworfen,  das in mehreren Phasen seit 2012 umgesetzt wurde und für das rund 600.000 Euro aufgewendet wurden. Die damit finanzierten Arbeiten sind mittlerweile abgeschlossen, so dass nunmehr Fort Médoc sich seinen Besuchern in einem  Zustand präsentiert, der vergessen lässt, dass die dort zu sehenden Gebäude über Jahrzehnte sich selbst überlassen waren. Ganz uneigennützig waren die Anstrengungen der Gemeinde sicher nicht, denn Fort Médoc ist inzwischen ein Ort, der jährlich 30.000 Besucher anzieht, wobei anzunehmen ist, dass deren Zahl in der Zukunft noch zunehmen wird.

(L. Le Cor : Le Corps de garde a fait peau neuve, in : SUDOUEST, 14. 10. 2017)

Mehr zum Festungsgürtel der Gironde : Klick

 

Eröffnung in Montalivet

Zum 14. Oktober 2017 waren Bürger von Montalivet und andere Interessierte eingeladen zu einem Tag der Offenen Tür, um die  Salle culturelle, das neue Kulturzentrum der Gemeinde Vendays-Montalivet an der Route de Courreau zu erleben, dessen Eröffnung mit Beteiligung lokaler und regionaler Politprominenz bereits am vergangenen Freitag geschehen war. 

Damit ist ein Gebäude, das Platz für 200 Sitz- oder 400 Stehplätze bietet, seiner Nutzung übergeben. Es hat eine Bühne von 80 m² und kann für Aufführungen der verschiedensten Art, für Ausstellungen und Kinoveranstaltungen  genutzt werden. Bürgermeister Pierre Bournel betonte bei der Eröffnung, die Gemeinde habe mit dem neuen Gebäude ein Angebot zu kulturellen Veranstaltungen für alle machen wollen. Man habe dieses Vorhaben, das rund eine Million Euro gekostet habe, verwirklichen können, ohne Schulden zu machen und ohne die Gemeindesteuern zu erhöhen, doch habe man von einer Zuwendung von Senator Xavier Pintat  aus dessen Réserve parlementaire profitiert.

(L. Llobell: La salle culturelle ouvre ses portes aujourd’hui, in: SUDOUEST, 14. Okt. 2017)

Mehr zur Réserve parlementaire gibt es auf dieser Seite (wenn Sie etwas blättern): Klick

 

 

HOP!AirFrance

Die Billigfluglinie der AirFrance wird im Winter die Zahl der Flugverbindungen zwischen Paris-Orly und Bordeaux von derzeit täglich 14 auf 10 absenken. Wie AirFrance meldete, ist  diese Entscheidung nicht durch die Konkurrenz der neuen Schnellverbindung der Bahn zwischen Paris und Bordeaux verursacht worden. Zwischen Januar und September 2017 habe die Zahl der Fluggäste bei Hop!AirFrance zwar um 1,6% abgenommen, doch hätte man deswegen die Zahl der Flüge nicht reduziert. Wie es scheint, ist diese Aussage aber schwer mit den Fakten in Einklang zu bringen, denn im September 2017 fiel die Zahl der Fluggäste zwischen Orly und Bordeaux um 16,6%. AirFrance legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Zahl täglicher Flüge von Hop!ArFrance zwischen Paris-Charles-de-Gaulle und Bordeaux nicht reduziert werde, sondern weiterhin bei sechs bleibe. Insgesamt werde es damit also 16 Flugverbindungen zwischen Paris und Bordeaux  geben. Es gibt allerdings wenig Grund zu der Annahme, dass die Reduzierung der täglichen Flüge nicht mit der Konkurrenz des neuen superschnellen TGV zusammenhängt, zumal  Hop!AirFrance es vermeidet, konkrete Zahlen für die Entwicklung des Fluggastaufkommens in den letzten Monaten zu publizieren. Als Begründung dafür wird angeführt, dass die Bahn ebenfalls mit exakten Zahlen hinter dem Berge halte.

Für deutsche Fluggäste wesentlich interessanter dürfte aber die Mitteilung sein, dass es bald eine direkte Flugverbindung zwischen Düsseldorf und Bordeaux geben wird.

(St. Dubourg: La Navette Bordeaux-Orly passe de 14 à 10 vols quotidiens cet hiver, in : SUDOUEST, 12. 10. 2017, 16.30h, Internet-Ausg.)

Mehr zu Düsseldorf-Bordeaux direkt : Klick

 

 

 

Orkan Ophelia

Am Montag, dem 9. Oktober, hat sich weit draußen auf dem Atlantik ein tropischer Sturm entwickelt, der schnell an Stärke zunahm und nunmehr in die Kategorie 1 , d. h. Orkan, eingestuft wurde. Ophelia hat seit der Entstehung Kurs auf die Azoren genommen und wird von da aus entweder in Richtung Portugal oder in die Biscaya ziehen. Wenn der Kurs in Richtung Biscaya geht, wird der weitere Weg über die westliche Bretagne und die britischen Inseln führen. Die Meteorologen halten zur Zeit die letztgenannte Zugrichtung für die wahrscheinlichere, doch gibt es noch keine Beweise dafür. Mit dem Orkan werden die Temperaturen wegen der aus südlichen Breiten herangeführten Luftmassen deutlich ansteigen, wobei im Médoc Werte nahe der 30-Grad-Marke möglich sind. Die höchsten Windgeschwindigkeiten werden vermutlich an der westlichen Küste der Bretagne auftreten, doch ist an der gesamten Atlantikküste mit hohen Wellen zu rechnen, die bis zu acht Meter erreichen können. Genaueres über die Zugrichtung von Ophelia wird man erst in ein bis zwei Tagen sagen können, doch ist schon jetzt relativ sicher, dass es in den nächsten Tagen im Südwesten überdurchschnittlich warm für die Jahreszeit sein wird, verbunden mit reichlichem Sonnenschein.

(Sudouest.fr: L’ouragan Ophelia pourrait frôler l’ouest de la France dimanche ou lundi, in: SUDOUEST, 12. 10. 2017, 12.22h, Internet-Ausg.)

 

 

Gegen Pestizide im Weinbau

Es gibt wohl niemanden, der annimmt, dass im Weinbau keine chemischen Mittel eingesetzt werden, um tierische und pflanzliche Schädlinge zu bekämpfen, die dem Ertrag der Rebstöcke abträglich sein könnten. Nach verschiedenen Vorkommnissen in den letzten Jahren hat sich im Médoc aber bei nicht wenigen Leuten die Meinung  herausgebildet, dass der Einsatz von Pestiziden reduziert, wenn möglich sogar eingestellt werden sollte. Um diesen Gedanken Vorschub zu leisten, hat sich am 8. Oktober 2017 in Listrac eine erste Demonstration formiert, die den Einsatz von chemischen Mitteln zur Schädlingsbekämpfung eindämmen will. Initiiert und organisiert wurde die Aktion von dem Collectif Info Médoc Pesticides, das an seiner Seite neun Vereine hat, die ähnliche Ziele verfolgen. Die Demonstration hat vor der Cave coopérative in Listrac begonnen, ist dann zur Mairie gezogen und von da aus weiter in die Weinfelder. Greifbare Resultate hat diese Aktion nicht hervorgebracht, was aber von den Veranstaltern auch nicht erwartet wurde. Man ist dennoch mit dem Erfolg zufrieden, weil durch die Berichterstattung in den Medien ein Beitrag dazu geleistet wurde, das Interesse der Öffentlichkeit auf eine bislang weniger beachtete Problematik zu lenken.

(Au. Esclauze: Pesticides : manif dans les vignes, in: SUDOUEST, 09. 10. 2017

 

 

 

Austerndiebstahl

Ein Austernzüchter in Gujan-Mestras musste feststellen, dass von seinen Bänken vor Piraillan, vermutlich am letzten Wochenende, rund 7000 kg Austern gestohlen worden sind, die in 700 poches eingeschlossen waren und die Größen 2 und 3 hatten, die zum Jahresende in den Verkauf gelangt wären. Der Wert der gestohlenen Muscheln wird mit rund 40.000 Euro veranschlagt und macht deutlich, dass der Diebstahl für den Geschädigten existenzbedrohend ist. Die Polizei hat zwar Ermittlungen aufgenommen, doch schätzt man die Aussichten, den Dieben auf die Spur zu kommen, als nicht sehr groß ein, auch wenn man davon ausgehen kann, dass der Dieb über recht gute Kenntnisse der Austernwirtschaft verfügt und insbesondere wusste, wo es für ihn lohnende Beute gab. Die Gendarmen erklärten, es gebe immer wieder Diebstähle auf den Austernbänken im Bassin von Arcachon, doch seien die in der Regel weniger umfangreich und erfolgten meist auch erst kurz vor dem Jahresende, wenn die Nachfrage zunehme. Angesicht des Gewichts der Beute geht man davon aus, dass zum Abtransport entweder zwei normalgroße oder  ein besonders großes Boot verwendet wurden. Die Zahl der dafür in Frage kommenden Boote ist im Bassin von Arcachon überschaubar, aber es ist dennoch schwierig festzustellen, welches Boot als Transportmittel für den Diebeszug gedient hat. Nach Befragungen hat die Polizei festgestellt, dass in den letzten Tagen bei Tageslicht keine Auffälligkeiten an den fraglichen Austernbänken beobachtet wurden, so dass anzunehmen ist, dass die Diebe vom nächtlichen Vollmond profitiert haben.

(B. Dubourg, 7 tonnes d’huîtres volées, in : SUDOUEST, 10. 10. 2017)

 

Eröffnung

Am 5. Oktober 2017 wurde in Naujac-sur-mer die zentrale Recycling-Anlage für das Médoc in Anwesenheit lokaler politischer Prominenz in Betrieb genommen. Das Projekt wird von allen 33 Gemeinden, die in dem Abfallbeseitigungsverbund Smicotom zusammengefasst sind, getragen. Zentraler Bereich ist ein Gebäude von 500 m² Fläche, das in fünf Monaten für 600.000 Euro auf einem Grundstück gebaut worden ist, das die Gemeinde Naujac zur Verfügung gestellt hat. Zentrales Anliegen der neuen Einrichtung ist es, die Müllmengen, derzeit pro Kopf der Bevölkerung und Jahr 652 kg, zu reduzieren. Das soll unter anderem dadurch erreicht werden, dass Gegenstände, die bei vertretbarem Aufwand aufgearbeitet werden und notfalls repariert werden, so dass sie einer neuen Verwendung zugeführt werden können. Bei der seit dem 1. Juni dieses Jahres laufenden Sammlung solcher Gegenstände sind bereits 15 Tonnen angesammelt worden, die von einer Mannschaft von fünf Angestellten gereinigt, überprüft getestet und sortiert werden.

(R. Boivinet: La recyclerie ouvre ses portes in: SUDOUEST, 6. Okt. 2017)

 

 

 

Finanzwunder Vensac

Wer an die Gemeinde Vensac denkt, dem kommen womöglich die Windmühle, die Mounaques oder auch die Déchetterie in den Sinn, aber nur die wenigsten wissen, dass man eigentlich an erster Stelle an die kommunalen Finanzen denken müsste, denn die stellen sich in einem Licht dar,  das nicht nur die unmittelbaren Nachbarn neidisch machen müsste. Seit 2001 sind in Vensac die Gemeindesteuern nicht erhöht worden, und dabei steht der Ort fast schuldenfrei da. Das eigentlich Erstaunliche wird aber erst sichtbar, wenn man sieht, was sich die Gemeinde trotz geringer Steuereinnahmen und Verzicht auf Kredite in den letzten Jahren geleistet hat. Als letzte größere Investition wurde eine Sporthalle finanziert, für die alles in allem 450.000 Euro aufgewendet wurden. In den zurückliegenden Jahren wurde ein Campingplatz gekauft, für den die Gemeinde 600.000 Euro bereitgestellt hat. Ferner wurden die Mairie, die Salle des fêtes und die Schulen restauriert. Dann ist ein Ärztehaus gekauft worden ebenso wie ein Supermarkt. Dazu ist die Kommune Eigentümerin von 14 Wohnungen, die vermietet werden. Der Bürgermeister ist zu Recht stolz auf die finanzielle Situation von Vensac, die er vor allem darin begründet sieht, dass bei den laufenden Ausgaben gespart wird. Die Gemeindeverwaltung werde wie ein Unternehmen geführt, was vor allem bedeute, dass die Angestellten produktiv eingesetzt werden, wie zum Beispiel die drei Arbeitskräfte, die den Unterhalt der 45 km gemeindeeigener Straßen besorgen.  Der Bürgermeister will den finanziellen Kurs der letzten Jahre beibehalten, und dafür stehen die Chancen nicht schlecht. Neben den Einnahmen, die die Gemeinde aus Mieten und Pachten erzielt, wird demnächst  in Vensac Océan zu den bereits bebauten 53 Grundstücken ein weiteres Baugebiet hinzukommen. Das wird für die kommunalen Finanzen wieder günstig sein, denn Grund und Boden der neu zu vermarktenden Parzellen gehören der Gemeinde.

(J. Lestage: Vensac, le village où les impôts n’augmentent pas, in: SUDOUEST, 07. 10. 2017)

 

 

 

Mehreinnahmen

Wer in Frankreich beim Autofahren wahrnimmt, dass es blitzt, der weiß, was in der Regel folgt, es sei denn, man hat Glück und ist in einem Gewitter unterwegs und weit entfernt von einem Verkehrsradargerät. Im vergangenen Jahr sind durch die Aktivitäten der Radargeräte 920 Millionen Euro in die Kassen des Staates transferiert worden, und im nächsten Jahr sollen es gar 1,029 Milliarden werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Summen hereinkommen werden, ist recht groß, denn es wurden kürzlich weitere 100 Radargeräte aufgestellt, so dass deren Gesamtzahl inzwischen bei 4.700 liegt. Einnahmensteigernd wirkt sich auch aus, dass die Radargeräte der ersten Generation zunehmend ausgetauscht werden gegen modernere Geräte, die in beide Richtungen messen können und die in der Lage sind, zwischen Pkw und Lkw zu unterscheiden, für die teilweise unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten gelten. Während es auf der Seite der Autofahrer wohl wenig freundliche Gefühle für die Radarüberwachung gibt, verweisen die staatlichen Behörden darauf, dass sie jährlich 3,6 Milliarden ausgeben, um die Sicherheit im Straßenverkehr zu verbessern. Außerdem wird darauf verwiesen, dass 80% der Verkehrsteilnehmer sich so verhalten, dass ihr Punktekonto des Führerscheins auf der Maximalhöhe von 12 Punkten steht, was jedoch nicht bedeutet, dass sie keine Bussgelder wegen Geschwindigkeitsübertretungen zahlen. In Kürze soll ein Bericht veröffentlicht werden, mit dem gezeigt werden soll, dass 88% der Einahmen, die durch Aktivitäten der Radargeräte entstanden sind, in den Unterhalt des Straßennetzes fließen.

(Les radars devraient rapporter plus en 2018, in: SUDOUEST, 06. 10. 2017)

 

 

Geldautomaten auf dem Rückzug

Der erste Geldautomat wurde vor genau 50 Jahren in England aufgestellt, in Frankreich wurde ein Jahr später von der Société Marseillaise de Crédit  der erste DAB, distributeur automatique de billets, in Betrieb genommen. Seither hat sich die Zahl dieser Geräte in Frankreich mit rasanter Geschwindigkeit vermehrt. Nach einem Höhepunkt nach der Jahrtausendwende ist derzeit allerdings ein gegenläufiger Trend zu beobachten, denn es werden kaum noch neue Automaten aufgestellt, dafür aber bestehende abgebaut. Das geschieht meist ohne bemerkbare Reaktion der Öffentlichkeit, da zumindest in den städtischen Zentren immer noch genug Geldautomaten übrig bleiben.   Alles in allem zählt man davon rund 60.000 in ganz Frankreich, also etwa ein Automat pro tausend Einwohner. Die Geldinstitute geben  zu, dass sie die Zahl ihrer Automaten reduzieren, vornehmlich aus finanziellen Gründen. Seitdem durch die Vorgaben der Europäischen Union die Gebühren begrenzt worden sind auf 57 Cent pro Transaktion (davor waren es 72 Cent), die die Banken für die Auszahlungen an Automaten einstreichen dürfen, bringen nach Aussagen der Geldinstitute  viele Automaten die Kosten, die sie verursachen, nicht mehr herein. Dazu kommt, dass in den letzten fünf Jahren ein großer Teil der Franzosen die Geldautomaten weniger häufig benutzt, weil zunehmend mehr Zahlungen bargeldlos z. B. mit Bankkarten geleistet werden. Allerdings wollen 84% der Franzosen, dass das Bargeld wichtiger Bestandteil des Zahlungsverkehrs bleibt. Die Banken entgegnen, dass ein Geldautomat 50.000 Euro kostet und jährlich für Instandhaltung und Betrieb rund 20.000 Euro aufgewendet werden müssen. Danach liegt die Grenze, von der ab ein Geldautomat rentabel wird, bei rund 5.000 Transaktionen pro Monat. Schließlich verweisen die Banken noch darauf, dass sie zunehmend mehr Geld aufwenden müssen, um die Bedrohungen der Automaten durch immer raffiniertere Attacken von Kriminellen abzuwehren. Man wird sich wohl darauf einstellen müssen, dass die Zahl der Geldautomaten in Frankreich weiter rückläufig sein wird. Damit gehören diese Geräte sicher nicht zu den vom Aussterben bedrohten Arten, aber ihre größte Zeit dürften sie wohl hinter sich haben.

(P. Rabiller: Distributeurs de billets : espèces en voie de disparition ? in: SUDOUEST, 05. 10. 2017, Abendausg.)

 

Neue Postagentur in Grayan

Der Gemeinderat von Grayan hat auf seiner letzten Sitzung beschlossen, eine kommunale Postagentur einzurichten, die nach der Schließung des bisherigen Poststützpunkts, der am 31. Oktober den Betrieb einstellt, eröffnet werden soll. Die neue Agentur wird eingerichtet in dem Gebäude neben dem Haus der Vereine. Sie wird von Montag bis Freitag zwischen 8.30h und 12.30 geöffnet sein und ihre Tätigkeit am 1. November 2017 beginnen. Neben den üblichen Postangelegenheiten werden in der Agentur weitere Dienste wie Telephonie und Angebote von Drittanbietern bereitgehalten. In der neuen Poststelle wird ein Angestellter der Gemeinde tätig sein. Die Post wird für den Betrieb der Agentur an die Gemeinde einen monatlichen Pauschalbetrag überweisen und sich zusätzlich an den Kosten für die Ersteinrichtung beteiligen. Der zwischen der Gemeinde und der Post geschlossene Vertrag hat eine Laufzeit von neun Jahren.

(M. Caporal: Une agence postale communale va ouvrir, in: SUDOUEST, 04. 10. 2017)

 

 

 

Absage

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat eine für die Gironde wichtige Entscheidung getroffen und den Firmen DTM und Granulats Ouest, die vor der Küste von La Palmyre am rechten Girondeufer Kiesvorkommen ausbeuten wollten, die Genehmigung für diese Maßnahmen verweigert. Gegen den geplanten Abbau der Kiesvorkommen hatten sich mehrere Vereinigungen, an der Spitze der Verein Une Pointe pour tous, ausgesprochen, weil sie unkontrollierbare Risiken für die Umwelt und insbesondere für die Strömungsverhältnisse im Mündungsbereich der Gironde befürchteten. Die zwei Gesellschaften, die den Abbau betreiben wollten, hatten eine Konzession beantragt, die es ihnen erlaubt hätte, für eine Dauer von 30 Jahren jeweils bis zu 500.000 m³ Kies zu fördern und abzufahren. Gegen diese Pläne hatte sich schon im November 2016 die damalige Umweltministerin Ségolène Royal ausgesprochen, doch lag die Kompetenz, den Abbau zu erlauben oder zu verweigern beim Wirtschaftsminister, der schon im Juli den Antragstellern mitgeteilt hatte, dass er die erforderliche Konzession nicht erteilen würde.

(R. Chérel: Estuaire de la Gironde : le projet d’extraction de granulats marins refusé, in: SUDOUEST, 03. 10. 2017, 17.19h, Internet-Ausg.)

 

Großsegler-Besuch in Bordeaux

In der Zeit vom 27.10. 2017 bis zum 6.11. 2017 wird das unter russischer Flagge fahrende Dreimast-Vollschiff Mir im Port de la Lune von Bordeaux erwartet. Dafür wird der Pont Chaban-Delmas am 27. Oktober in der Zeit von 10.49 bis 12.52h und am 6. November von 04.19h bis 06.22h geschlossen sein. Und wenn die Mir unter dem angehobenen Mittelteil des Pont Chaban-Delmas  durchgeht, wird man verstehen, warum die Brücke eine so große Durchfahrthöhe bekommen hat.

Die Mir ist ein auf der Leninwerft in Danzig 1987 vom Stapel gelaufenes modernes Dreimastvollschiff mit einer Wasserverdrängung von 2385 to. Sie ist damit deutlich größer als eine Reihe von Dreimastern, die sich konstruktiv an das deutsche Schulschiff Gorch Fock angelehnt haben. Die Mir gehört als Schulschiff heute der Marineakademie von Sankt Petersburg. Bei einer Segelfläche von bis zu 2771 m² und einer Länge von 109 m gehört sie zu den größten heute noch aktiven Seglern. Bei ihren Ausbildungsfahrten ist sie Gast in vielen europäischen Häfen gewesen. Und bald wird auch der Hafen von Bordeaux zu den Stationen gehören, die die Mir angelaufen hat.

(UM, 03. 10. 2017)

 

 

Strom aus Bioabfällen

Bei Hourtin hat die Firmengruppe JK 10,5 Millionen Euro investiert, um eine Methanisierungsanlage zu bauen. Die Firmengruppe JK produziert auf einer Fläche von 1600 ha unter anderem Gemüse, von dem rund 70% in den Export nach Spanien, Portugal und Großbritannien gehen.  Bei der Gemüseproduktion fallen in der Regel größere Mengen an unansehnlichen oder nicht mehr verkaufsfähigen Pflanzen an, die bis zu 25% der geernteten Mengen ausmachen können. Diese Pflanzen werden in der neu errichteten Anlage unter Abschluss von der Außenluft zu Methan und Kohlendioxid und daraus kann Wärme erzeugt werden, die zur Stromerzeugung genutzt wird. Die von der neuen Anlage erzeugte Strommenge reicht aus, um 4500 Haushalte zu versorgen, die über das Verteilungsnetz von Enedis von dem Biostrom profitieren können. Durch die Inbetriebnahme der Methanisierungsanlage ist der Umsatz der Firmengruppe JK von 11 auf 15 Millionen Euro pro Jahr angestiegen. Gleichzeitig wurden vier neue ganzjährige Arbeitsplätze geschaffen.

(J. Lestage: Les légumes pourris transformés en électricité, in: SUDOUEST, 25. 09. 2017)

 

 

Arbeitsmarkt im Médoc

Das Médoc ist eine Gegend, in der es schwer ist, einen Arbeitsplatz zu finden, selbst wenn man nur geringe Ansprüche stellt. Die Arbeitslosigkeit ist mit 10,5% höher als der Durchschnitt des Departements Gironde, der bei 9,5% liegt. Das Arbeitsamt in Pauillac, das für das gesamte Médoc zuständig ist, hat ermittelt, dass 80% der sowieso schon spärlichen Arbeitsplatzangebote nur für die Saison gelten und hauptsächlich den Weinbau und den Tourismus betreffen. Wegen der Abhängigkeit der Stellenangebote von der Saison gehen danach die Zahlen der Arbeitssuchenden steil in die Höhe. Die Arbeitslosigkeit ist besonders ausgeprägt bei der Gruppe der Frauen und in der Altersgruppe der 26 bis 49jährigen. Mit Zufriedenheit stellt man bei der Arbeitsagentur fest, dass die Zahl der Betriebe im Médoc im letzten Jahr um 237 angestiegen ist, so dass jetzt 2502 Unternehmen, allerdings meist kleiner Größe, gezählt werden. Nachgefragt von den Betrieben werden vor allem Arbeitskräfte im Obst- und Weinbau, der Kinderbetreuung und in der Weiterverarbeitung von Wein- und Obstprodukten. Eine der Besonderheiten des Arbeitmarktes im Médoc besteht darin, dass viele Stellungsuchende nur gering qualifiziert sind. Die Arbeitsagentur unternimmt daher Anstrengungen, um zum Beispiel durch Kurse auf Berufe vorzubereiten, die Computerkenntnisse verlangen.

(M. Caurraze: „80% des offres d’emploi sont liées à la saisonnalité”, in: Le Journal du Médoc, 22. Sept. 2017)

 

 

September 2017

 

Energy Observer – Zukunft des Schiffbaus?

Die Energy Observer ist ein unter französischer Flagge fahrender Katamaran  von 30,5 Länge und 12,80 m Breite bei einer Wasserverdrängung von 28 Tonnen, mithin also ein kleineres Seefahrzeug. Neu und revolutionär an diesem Schiff ist jedoch der von französischen Experten und Technikern in mehrjähriger Arbeit entwickelte Antrieb. Der besteht aus einer Kombination von Solarzellen-Elementen und Wasserstoffzellen und ermöglicht es dem Schiff, völlig autonom die für den Antrieb benötigt Energie an Bord zu gewinnen. Neben dieser Unabhängigkeit von externen Energiequellen ist das auf der Energy Observer installierte Antriebskonzept so umweltfreundlich wie kein anderes, denn es setzt keine Treibhausgase frei.

Die Energy Observer nutzt einen schon 1983 gebauten Hochleistung-Katamaran, der in seinem ersten Leben unter dem Namen Formula Tag als erster Segler der Welt es geschafft hat, innerhalb von 24 Stunden mehr als 500 Meilen zurückzulegen. Nach diesen Rekordfahrten im Jahre 1984 wurde der Katamaran mehrfach verlängert bis er schließlich die heutigen Ausmaße erreichte. Ende September 20017 stattete Energy Observer dem Port de la lune von Bordeaux eine n Besuch ab. Danach wird der Katamaran zu einer sechsjährigen Weltreise starten, bei der das neue Antriebskonzept vorgestellt und auf Herz und Nieren getestet werden soll.

(UM, 30.09.2017)

Bilder: Klick

 

RD1215

Die RD 1215, die Hauptachse, die von Bordeaux zur Pointe de Grave führt, ist die am meisten befahrene Straße des Médoc. Sie bekommt derzeit im Bereich von Arsac eine neue Verschleißdecke. Während der Straßenbauarbeiten werden kurzzeitig Strecken mit Ampelsteuerung eingerichtet oder Umleitungen, soweit dies machbar und zweckmäßig ist. Die Arbeiten sollen bis zum 6. Oktober abgeschlossen sein. Anders als mancherorts vielleicht gehofft wurde, ist damit keine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Straße etwa durch Verlängerung oder Ausbau der schon vorhandenen kurzen vierspurigen Abschnitte verbunden. Die Bauarbeiten werden 340.000 Euro kosten, die vom Departement Gironde getragen werden.

(La RD1215 en tient une couche, in: Le Journal du Médoc, 22. Sept. 2017)

 

Traubenklau

Nachdem im Libournais vor einigen Tagen schon über zwei Fälle berichtet worden ist, wo lesereife Trauben gestohlen worden sind, haben wieder zwei Châteaux  Diebstähle zu beklagen. Während bei dem ersten Diebstahl  bei Genissac ein ganzer Hektar erntereifer Trauben verschwunden ist, waren es  im zweiten Fall, diesmal im Anbaugebiet Pomerol  rund 600 bis 700 kg Trauben. Die neuen Diebstähle sind auf einem Château bei Montagne geschehen, wo 500 Weinstöcke ausgeplündert worden sind, und in Lalande-de-Pomerol, wo mehrere Reihen von Weinstöcken abgeräumt worden sind. Angesichts der bestohlenen Châteaux muss den Dieben attestiert werden, dass sie auf Qualität geachtet haben, doch werden sie davon kaum einen großen Nutzen haben, denn sie werden bei der zu erwartenden Weiterverarbeitung der Trauben schwerlich Etiketten drucken lassen, auf denen zu lesen ist, woher die Trauben stammen, deren Wein in den Flaschen ist.

(J.-C. G.: Vendanges en Gironde : deux nouveaux viticulteurs victimes de vols de raisin en Libournais, in: SUDOUEST, 26. 09. 2017, 17.15h, Internet-Ausg.)

 

 

 

 

Warum die Surfer den September lieben

Die Surfer erwarten mit einiger Ungeduld den Monat September, weil sie sich davon an den Stränden des Médoc traditionsgemäß besonders günstige Bedingungen für ihren Sport versprechen. Diese Erwartungen sind weitgehend begründet, denn die Großwetterlagen im September begünstigen das Entstehen einer kräftigen Dünung, die für Wellen sorgt, die den Surfern mehr als angenehm sind, auch wenn es dabei mitunter zu Erscheinungen kommt, denen nicht alle Surfer gleichmäßig gewachsen sind.

Dazu kommt, dass es an den Stränden nach dem Ende der Ferien weniger Badegäste gibt, auf die die Surfer sonst Rücksicht nehmen müssen. Und für nicht wenige Surfer ist der September der Monat, in dem sie die Flugtickets für den Winter buchen, um in klimatisch angenehmeren Zonen dem Sport zu frönen, für den sie bereit sind, das Geld auszugeben, das sie im Sommer verdient haben.

(J. Lestage: pourquoi les surfeurs aiment septembre, in: SUDOUEST, 20. 09 .2017)

 

 

Für das Stromnetz

Die Stürme der jüngeren Vergangenheit haben im Médoc sich auch auf die Stromversorgung ausgewirkt. Es gab immer wieder Unterbrechungen, allerdings mit abnehmender Tendenz als Folge der inzwischen mehr und mehr unterirdisch verlegten Leitungen. Um die Störanfälligkeit der Stromnetze  zu verringern, sollen in den nächsten drei Jahren im Médoc weitere Arbeiten ausgeführt werden. Das Syndicat intercommunal d’électrification du Médoc (Siem) und Enedis (ehemals-ERDF) haben dazu kürzlich ihre Planungen vorgestellt, bei denen ein Schwerpunkt liegen wird auf der Reduzierung der Zeiten, in denen bei Störungen Verbraucher von der Stromzufuhr abgeschnitten sind. Zu diesem Zweck sollen vor allem innerörtliche Schwachstellen der Netze aufgespürt und beseitigt werden. Die jetzt vorgestellten Planungen sollen mit Beginn des Jahres 2018 umgesetzt werden. Dabei werden Kosten von 6 Millionen Euro entstehen.

(6 millions d’euros en trois ans pour les réseaux électriques en Médoc, in: SUDOUEST, 25. 09. 2017)

 

 

 

Neues aus Bordeaux

Alain Juppé, Maire von Bordeaux hat nach dem Ende der Sommerpause verkündet, dass die Sperrung des Pont de pierre in Bordeaux verlängert wird. Zunächst soll die Nutzung der Brücke bis zum Januar 2018 für Kraftfahrzeuge untersagt sein. Der Bürgermeister ließ aber durchscheinen, dass er darüber hinaus für die dauerhafte Sperrung der Brücke ist. Während diese Verlautbarung eher weniger unerwartet kam, war überraschend, was er über seine Nachfolge im Amt der Bürgermeisters sagte, als er erklärte, das Spiel sei eröffnet. Bis vor wenigen Wochen schien klar zu sein, dass Virginie Calmels die designierte Nachfolgerin war. Seitdem sie aber in der Frage der Nachfolge des Parteivorsitzes der Konservativen nicht mehr auf der Linie von Alain Juppé liegt, hat sie dessen Wohlwollen verloren. Deswegen also die Aussage, das Spiel um die Nachfolge sei eröffnet. Man darf gespannt sein, was da in den nächsten Runden passiert. Nach großer Harmonie in dem politischen Lager, das wohl gute Chancen hat, den Nachfolger von Alain Juppé zu stellen, sieht das allerdings nicht aus.

(Juppé ferme le pont et ouvre le jeu, in: SUDOUEST, 20. 09. 2017)

 

 

 

Vorsicht an den Stränden

Für das kommende Wochenende sind für das Médoc spätsommerliche Temperaturen angekündigt, und folglich wird es eine Welle von Strandurlaubern geben, die von dem noch recht warmen Wasser des Atlantik profitieren wollen. Dazu kommt, dass nach der zurückliegenden Periode schlechten Wetters mit niedrigen Temperaturen bei vielen Strandbesuchern ein deutlicher Nachholbedarf besteht. Dennoch muss vor Unbedachtheiten an den Stränden gewarnt werden. Der Atlantik ist auch im September kein harmloser Badesee. 

Nur in Lacanau gibt es noch eine Strandaufsicht, an allen übrigen Stränden muss man auf sich selbst aufpassen und besonders umsichtig verfahren. Die Präfektur des Departements Gironde hat zwar noch einmal einen Rettungshubschrauber auf die Basis bei Lacanau verlegt, aber dieser eine Hubschrauber kann natürlich nicht für gleichmäßige Sicherheit an allen Stränden des Médoc sorgen. Die Meteorologen kündigen angenehme Temperaturen für das Wochenende an. Dazu wird es eine kräftige Dünung geben, so dass Wellen von 1,5  bis 2 m Höhe zu erwarten sind, eine Nachricht, die bei den Surffreunden gut ankommen dürfte.

(J. Lestage: Littoral : attention à la baignade ce week-end, in: SUDOUEST, 23. 09. 2017)

 

 

Tote Lederschildkröte

Am Strand von Cap Ferret ist vor wenigen Tagen eine tote Lederschildkröte angeschwemmt worden. Die von technischen Angestellten der Stadt gemachte Entdeckung wurde nach La Rochelle gemeldet, wo sich ein frankreichweit führendes Meeresforschungsinstitut befindet, das großes Expertenwissen besitzt, wenn es um Großschildkröten geht. Die Experten aus La Rochelle haben zunächst die Schildkröte gemessen, wobei sie eine Länge von 1,44 m ermittelten mit einem Gewicht von etwa 300 kg. Woran diese Schildkröte gestorben ist, ist nicht ohne weiteres zu sagen, daher soll eine eingehende Untersuchung erfolgen, für die die Experten aus La Rochelle Gewebeproben aus Nieren und Leber entnommen haben . Sie haben ebenso einen großen Teil des Verdauungssystems sichergestellt. Sie hoffen, damit eine zuverlässige Analyse für die Todesursache der Schildkröte erstellen zu können. Wahrscheinlich wird sich dabei wohl, wie schon bei früheren Vorfällen vergleichbarer Art herausstellen, dass das Tier Kunststoffe und andere von Menschen herrührende Dinge aufgenommen hat, die für Schildkröten lebensbedrohlich sind.

(La tortue luth autopsiée, in: SUDOUEST, 22. 09. 2017)

Bilder zu Lederschildkröten: Klick

 

Film-Dreh am Strand

Am Strand vom Le Gurp ereignen sich zur Zeit Dinge, die man erst glaubt, wenn man sie gesehen hat. Es sind dort in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bunkern, aber so angeordnet, dass man von den grauen Relikten der Vergangenheit nichts sieht, allerlei Dinge  verteilt: Wagenräder, ein demoliertes Klavier, Säcke mit nicht definiertem Inhalt, Möbel-Ruinen und manch anderes mehr. Was auf den ersten Blick wie die Dekoration eines Schiffbruches aussieht, ist tatsächlich aber Teil der Kulisse für einen amerikanischen Film mit dem Arbeitstitel Fair sisters, der im Umland von San Francisco spielt. Aus den über den Strand verteilten Utensilien lässt sich entnehmen, dass der Hintergrund in der Westwärtsbewegung Richtung Kalifornien zu suchen ist, die viele Opfer gefordert hat und nicht jedem, der sein Glück im ganz fernen Westen suchte, auch gut bekommen ist.

Da die auffälligen Aktionen auf dem Strand von Le Gurp Neugierige angezogen haben, die zum Teil in naturistischem Kostüm von Euronat heranströmten, ist die Frage zulässig, wie man mit diesen Zuschauern verfährt, soweit sie in den Blick der Filmkameras geraten sind: Werden sie computergestützt indianisiert oder einfach wegretuschiert? Unser Redaktionshund wurde höflich gebeten, keine Fußspuren auf dem Strand, der für den Film hergerichtet wurde, zu hinterlassen, weil man die sonst mühselig verschwinden lassen müsste.

(UM, 22. 09 .2017)

Bilder zum Filmdreh: Klick

 

 

Große Klappe

Der Airbus A 380, für den seit Jahren Bauteile über die Gironde und die Garonne auf den Weg nach Toulouse gebracht werden, ist bislang das größte Flugzeug der Airbus-Gruppe. Demnächst wird er aber übertroffen von einem Transportflugzeug, das den beziehungsreichen Namen Beluga XL bekommen hat. Für diesen neuen Beluga wurde die Laderaumklappe in Rochfort gebaut und muss nun nach Toulouse geschafft werden. Die Klappe selbst ist 140 m² groß, hat also die Fläche eines stattlichen Einfamilienhauses. Anders als ein Haus muss diese Klappe aber transportiert werden, und das geht nicht ohne Probleme. Die problematischte Strecke ist dabei der Weg vom Produktionsort zur Charente, von wo aus der Transport   mit einem der Flusstransportschiffe, die ansonsten  Teile der A 380 von Pauillac nach Langon bringen, weitergehen soll. Für die 5 km von der Fertigungsstätte zum Ufer der Charente wurden 2 ½ Stunden gebraucht. Zuvor hatten allerdings mancherlei Stromleitungen und Straßenlaternen abgebaut und  viele Bäume an der Strecke zum Teil kräftig  gestutzt werden müssen, denn die Flugzeugtür, die auf die Reise geschickt wurde, wiegt zwar nur 3,1 Tonnen, braucht wegen ihrer Abmessungen auf der Transportstrecke aber einen Raum von 10m Breite und 10m Höhe. Inzwischen ist dieser Teil der Reise erfolgreich absolviert und es geht weiter auf der für die Teile des A 380 erprobten Stecke bis Langon auf der garonne und danach  228 km über Land nach Toulouse. Die erste Beluga XL soll 2019 fliegen und 2020 in Dienst gestellt werden. Sie wird 53 Tonne Fracht über bis zu 4000 km fliegen können und bei 19 m Höhe 63 m lang sein und beitragen dazu, dass das Produktionskonzept von Airbus mit mehreren Strandorten in verschiedenen Ländern auch in der Zukunft funktioniert.

(S. Cottin: Sur la route du Beluga, l’avion baleine d’Airbus in: SUDOUEST, 20. 09. 2017)

Bilder von den schon existierenden Belugas: Klick

 

 

Neues vom Wein

Nach einer Unterbrechung von zehn Jahren wird es bald wieder eine Klassifizierung der Médocweine geben, von der man hofft, dass sie auf einer stabileren Grundlage ruhen wird als dies in den letzten Jahren der Fall war. Die Klassifizierung von 2003 war durch Einsprüche unzufriedener Produzenten per Gerichtsbeschluss außer Kraft gesetzt worden. Danach war die Einteilung der Weine in drei Qualitätsstufen: cru bourgeois, cru supérieur und cru exceptionnel aufgegeben worden und als Auszeichnungsmerkmal nur der cru bourgeois herausgestellt worden, wobei dieses Prädikat von Jahrgang zu Jahrgang jeweils für ein Jahr vergeben wurde. Dieser für viele Produzenten unbefriedigende Zustand soll jetzt überwunden werden durch eine neue Regelung, in der die Prädikate mit einer Gültigkeit für jeweils fünf Jahren verliehen werden. Entschieden wird dabei so, dass Châteaux, die zwischen 2008 und 2016 fünfmal als cru bourgeois eingestuft worden waren, dieses begehrte Siegel zuerst erhalten. Die anderen Produzenten müssen sich Qualitätsüberprüfungen stellen, nach denen dann entschieden wird, ob und welcher Qualitätstitel verliehen wird.  Nach diesem System soll ab 2020 die Qualitätseinstufung der dann zweijährigen Weine vorgenommen werden, und diese Einstufung wird für jeweils fünf Jahre gelten. Von 2020 ab werden auch die bekannten drei traditionellen Stufen wieder belebt.

(C. Compadre: La grande réforme des crus bourgeois, in: SUDOUEST, 19. 09. 2017)

 

50 Jahre Pont d’Aquitaine

Wer heute seinen 50. Geburtstag feiert, weiß, was er zu tun hat. Bei einem Bauwerk wie dem Pont d’Aquitaine müssen andere die Festivitäten organisieren. In diesem Fall haben sich dafür aufgemacht der Präfekt des Departements Gironde und die lokale Polit-Prominenz, an der Spitze natürlich Monsieur le Maire Alain Juppé. Höhepunkt dieser Unternehmung war die Enthüllung einer Tafel, die an die Eröffnung der Brücke erinnert. Und das war tatsächlich ein Ereignis, das diejenigen, die damals dabei waren, als spektakulär in Erinnerung behalten haben. Der Pont d’Aquitaine war erst die dritte Brücke, die im Stadtbereich von Bordeaux über die Garonne führte, aber sie war das mit Abstand nicht nur aus technischer Sicht spektakulärste dieser drei Bauwerke Dessen Bau hatte sieben Jahre gedauert, und dabei wurden 300.000 Tone Beton verbaut  und 7.700 Tonnen Stahl und Eisen, etwa genauso viel, wie man einst beim Bau des Eiffelturms in Paris zusammengenietet hatte. Die beiden Brückenpfeiler sind 105 m hoch, und die Gesamtlänge der Brücke mit den Auffahrtrampen beläuft sich auf 1766 Meter. Die Baukosten haben, umgerechnet auf Euro, 162 Millionen betragen, von denen der französische Staat 67% finanziert hat. Zum Zeitpunkt der Planung der Brücke wurde kalkuliert, dass pro Tag 20.000 Fahrzeuge die Brücke überqueren würden. Mittlerweile zählt man an durchschnittlichen Tagen 110.000 Fahrzeuge, mit Spitzenwerten von bis zu 130.000 täglich. Bei der Erinnerungsfeier ging der Bürgermeister von Bordeaux auf diese Problematik ein und forderte dazu auf, darüber nachzudenken, ob die vor einigen Jahren, wie man meinte endgültig, zu den Akten gelegte Idee einer zweiten Umfahrung von Bordeaux nicht doch wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden müsste.

(O. Delhoumeau: Il enjambe la Garonne depuis un demi-siècle, in: SUDOUEST, 18. 09. 2017)

 

 

Private Radarkontrollen: Skepsis

Während Präsident Macron für Oktober einen weiteren Plan zur Verkehrssicherheit ankündigte, zeigen Polizisten und Gendarmen, dass sie mit den Vorstellungen der Regierung wegen der Privatisierung der Radarkontrollen nicht übereinstimmen. Der zuständige Minister rechnet zwar vor, dass bisher die von der Polizei eingesetzten Fahrzeuge mit Radargeräten täglich im Durchschnitt nur eine Stunde für Geschwindigkeitskontrollen im Einsatz seien, während demnächst die privaten Kontrolleure acht Stunden pro Schicht ohne Unterbrechung ihre Fahrten durchführen könnten und dabei nur auf Temposünder achteten. Insgesamt, so der Minister, würde dadurch die Polizei deutlich mehr Zeit und Energie auf ihre eigentlichen Kernaufgaben verwenden können. Die Organisationen der Autofahrer sind strikt gegen die Privatisierungsideen, die sie abqualifizieren als großangelegtes Programm, um die Staatskassen zu füllen. Tatsächlich hat der französische Staat im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Euro für Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ausgegeben und an Strafgeldern nach Geschwindigkeitskontrollen 920 Millionen eingenommen.

Auch die Polizeigewerkschaften sind gegen die Privatisierungspläne, da damit ein Verlust an Autorität der Polizisten verbunden sei. Außerdem, so argumentieren die Gewerkschaftler, sei die Polizei besser ausgebildet und geschickter bei ihren Maßnahmen gegen Temposünder. Nach alledem ist wohl nicht mehr sicher, dass die Radarkontrollen bald auf privater Basis durchgeführt werden. Um Kritik abzufangen, erläuterte der Minister, dass die Festsetzung von Bußgeldern und die Einziehung der Zahlungen ausschließlich von der Polizei vorgenommen werde, die außerdem den privaten Kontrolleuren enge Vorgaben machen werde hinsichtlich der zu kontrollierenden Straßen.

(S. Cottin: Radars privés : même la police est sceptique, in: SUDOUEST, 16. 09. 2017)

 

Kiesgruben im Médoc

Überall dort, wo Kies abgebaut wird, wird massiv in bestehende natürliche Verhältnisse eingegriffen, was bei vielen Menschen spontane Ablehnungsreaktionen auslöst. Die Betreiber derartiger Anlagen bestreiten dies nicht, weisen jedoch darauf hin, dass ihre Aktivitäten unter strengen Auflagen erfolgen, die einschließen, dass nach dem Ende der Abbautätigkeiten die verbleibenden Flächen renaturiert werden müssen. Auch im Médoc gibt es Kiesgruben, so bei Avensan und bei Vendays. In der Regel müssen vor dem Beginn des Kiesabbaus erst oberflächliche Schichten wie Mutterboden und manchmal auch Ton entfernt werden, bevor man an die in Tiefen von 3 bis 5 m beginnende Kieslage herankommt, in der der Kies jedoch nicht in baustellengerechter Form angetroffen wird. Das, was gefördert wird, muss gereinigt und sortiert werden, um größere Steine und auch Verunreinigungen etwa durch Tonklumpen zu entfernen. Erst nach diesem Aufbereitungsprozess erreicht der Kies  die Qualität, die auf den Baustellen gefordert wird, und kann zu seinen Bestimmungsorten transportiert werden. Die in den Kiesgruben des Médoc geförderten Materialien bleiben zum überwiegenden Teil in der Region. Bevor der Abbau in einer Kiesgrube beginnen kann, sind langwierige Genehmigungsprozeduren zu durchlaufen, die manchmal bis zu zehn Jahre dauern können. Es gibt immer wieder Einsprüche, die nach gezielten Auflagen dann allerdings meist nicht zu einer Verweigerung der Genehmigung führen. Einerlei wie man über die Umweltbelastung durch die Kiesgruben denkt, sie werden benötigt, denn von irgendwoher müssen  die 350 Millionen Tonnen Kies, die jährlich auf französischen Baustellen verarbeitet werden und für die es keinen Ersatz gibt, schließlich kommen.

 (M. Caurraze: Les dernières gravières du Médoc, in: Le Journal du Médoc, 15. Sept. 2017)

 

 

 

Auf dem Vormarsch

Nachdem die Weinlese 2017 im Bordelais punktuell schon gestartet ist, werden bald auf breiter Front die Trauben geerntet, aus denen der Jahrgang 2017 entstehen soll. Mit Ausnahme einiger weniger Châteaux werden dabei Maschinen die Hauptarbeit bei der Ernte besorgen. Dabei hat sich inzwischen die Meinung, die Lese per Hand führe zu qualitativ besseren Weinen, als nicht haltbar herausgestellt. Dafür sprechen mehrere Faktoren für den Einsatz von Maschinen. Erntemaschinen können viel schneller reagieren, wenn der Reifegrad der Trauben den optimalen Stand erreicht hat, während bei der Lese von Hand erst die Arbeitskräfte mobilisiert werden müssen, was immer mit mehr Zeitaufwand verbunden ist, da ein großer Teil der Erntehelfer nicht fest auf einem Château angestellt sein kann.  Der Kauf von Erntemaschinen ist zwar  teuer, doch zeigt es sich, dass die Ausgaben sich schnell amortisieren. Kleinere Betriebe, die nicht über die Finanzkraft für den Ankauf solcher Geräte verfügen, gehen zunehmend dazu über, sich bei der Maschinennutzung zusammenzuschließen, oder sie vergeben die Erntearbeiten an Lohnunternehmer. Im Departement Gironde ist von 2010 bis 2016 Zahl der Erntemaschinen um 128% gestiegen, so dass mittlerweile zwischen 80% und 90% der geernteten Trauben von Maschinen eingebracht werden. Und es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis nahezu auf der gesamten Anbaufläche  mechanische Ernteverfahren eingesetzt werden. Dabei haben die Verfechter traditioneller Handleseverfahren zunehmend mehr Schwierigkeiten, Argumente für das Festhalten an traditionellen Verfahrensweisen vorzubringen.

(C. Compadre: La star des vendanges, in: SUDOUEST, 15. 09. 2017)

 

Miese Bilanz

Der Sommer 2017 ist zwar für die Meteorologen noch nicht vorbei, aber die bisher registrierten Werte erlauben schon die Feststellung, das dieser Sommer nicht das gebracht hat, was man sich gemeinhin erwartet. Die Temperaturen lagen in den ersten Septembertagen eindeutig unter den Durchschnittswerten. In Bordeaux wurde ein mittlerer Wert von 21 Grad gemessen, in normalen Jahren sind es um 25 Grad. Dazu kommt, dass die Sonnenscheinwerte ebenfalls kräftig unter den üblichen Werten blieben und dass dafür die Regenmengen beträchtlich waren. In den ersten neun Septembertagen fiel so viel Niederschlag wie sonst im gesamten Monat. Schuld an dem Dilemma ist eine beständige Nord-Nordwestströmung, die Luftmassen heranbringt, in denen keine sommerlichen Werte herrschen.

Dieser Zustand wird sich über das kommende Wochenende hinaus fortsetzen, aber ab Dienstag der nächsten Woche besteht Anlass zu Optimismus. Ob dann der traditionelle Altweibersommer ausbricht und wetterbestimmend bleibt, ist noch nicht ganz sicher, aber die Möglichkeit besteht. Immerhin etwas.

(C. Jandau: Météo dans le Sud-Ouest : pourquoi l’été indien n’arrivera pasin: SUDOUEST, 14. 09. 2017, 14.50h, Interet-Ausg.)

 

Whisky aus Bordeaux

In einem von den deutschen Besatzern erbauten Bunker nahe bei der U-Boot-Basis an den Bassins à flots in Bordeaux sind kürzlich die ersten Flaschen Whisky destilliert worden. Die Idee dazu reifte in den letzten vier Jahren bei zwei unternehmungslustigen dreißigjährigen Freunden heran, die sich vorgenommen haben, einen Whisky zu schaffen, der als Herkunftsangabe auf die Weinmetropole an der Garonne verweisen kann. Die Gerste, aus der der Whisky hergestellt wurde, stammt aus Saint-Jean-d’Illac. Die ersten Flaschen des in dem Bunker hergestellten Getränks werden aber erst in drei Jahren in den Handel kommen. Bis dahin wird der Whisky in Chais im Anbaugebiet Sauternes reifen. Bevor man über die Reifung und Güte des Whisky aus Bordeaux  urteilen kann, wird man sich also noch länger gedulden müssen.

(Le whisky de Bordeaux est distillé dans un bunker, in: SUDOUEST, 13. 09. 2017)

 

 

 

Camping Pin sec

Der Campinplatz Le Pin Sec in Naujac wird ein camping municipal bleiben. Das beschloss der Gemeinderat von Naujac nach intensiven Beratungen. Ausschlaggebend für die Entscheidung, den Campingplatz nicht in private Trägerschaft zu übergeben, waren vor allem wirtschaftliche Überlegungen. Der Campingplatz weist seit Jahren steigende Umsatzzahlen auf, die von 463.000 Euro im Jahr 2014 auf 558.000 Euro im Jahr 2016 angewachsen sind. Für 2017 werden rund 600.000 Euronat erwartet, von den nach Abzug der Kosten Nettoeinnahmen in der Größenordnung von 150000 Euro bleiben. Damit ist der Platz die bedeutendste Einnahmequelle der Kommune. Angesichts der Umsatzentwicklung in den letzten Jahren wird erwartet, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren ein Anstieg auf eine Million eintreten wird.

(R. Boivinet: Le camping du Pin sec restera communal,in: SUDOUEST, 12. 09. 2017)

 

Bio auf dem Vormarsch

Als die ersten Bio-Produkte sich auf den Markt wagten, besetzten sie nur Nischen, von denên nur wenige glaubten, dass sie einst zu dem Volumen anwachsen würden, das heute zu beobachten ist. Im Jahre 2016 erwirtschaftete der Bio-Bereich in Frankreich einen Umsatz von 6 Milliarden Euro, eine Milliarde mehr als im Jahr zuvor. Dabei haben sich die Vertriebswege dramatisch verändert, denn mittlerweile gehen 50% der Bio-Produkte durch die Läden der großen Anbieter. Dabei haben sich die Preise, anders als manche Beobachter erwartet haben, nicht nach unten bewegt, sondern sind auf einem vergleichsweise hohen Niveau stehen geblieben. Verbraucherorganisationen attackieren deshalb die großen Anbieter, denen sie vorwerfen, mit überhöhten Gewinnmargen bei Bio-Produkten zu kalkulieren. Die Anbieter wehren sich und verweisen darauf, dass die Produktion von Bio-Erzeugnissen kostenintensiver sei als die von konventionell erzeugten Produkten. Da die Verbraucher von Bio-Produkten aber bereit sind, höhere Preis zu akzeptieren, wird es schwierig sein, hier zu transparenten Kalkulationen zu kommen. Dazu kommt, dass mittlerweile die Eindeutigkeit biologischer Standards nicht mehr besteht, denn einzelne europäische Länder erlauben es, Produkte mit dem Bio-Etikett zu versehen, die in anderen Ländern nicht so bezeichnet werden dürfen. Wie es scheint, gibt es noch eine Menge von Dingen zu regeln, bevor über einheitliche Standards wirkliche Vergleichbarkeit bei Preisen und Qualität von Bio-Produkten erreicht wird.

(Y. Saint-Sernin: Bio : les dilemmes de la croissance, in: SUDOUEST, 11. 09. 2017)

 

 

Journées du patrimoine 2017

Die nationalen Denkmalstage in Frankreich werden in diesem Jahr am 16. und 17. September stattfinden und dabei allen Interessierten mehr Möglichkeiten anbieten als man aus zeitlichen und räumlichen Gründen wahrnehmen kann. Wer sich auf das konzentrieren will, was im Médoc angeboten wird, hat eine reichliche Auswahl. In der Liste der Ereignisse stehen der Leuchtturm von Cordouan, die Kirchen von Cantenac oder Valeyrac, die Windmühle von Vensac, der Burgturm von Lesparre und vieles mehr. In Lacanau bereitet man die Erinnerungen an die Ankunft der amerikanischen Soldaten im Jahre 1917 mit einer Reihe von Veranstaltungen auf. Ein weiterer Höhepunkt ist in Fort Cussac angekündigt, wo, falls das Wetter mitspielt, Gelegenheit sein wird, mit einem gefesselten Heißluftballon in die Höhe zu gehen, um sich aus der Vogelperspektive einen Überblick über den Festungsriegel der Gironde zu verschaffen. Ein Bündel von Angeboten hält man schließlich in Vertheuil bereit, wo nicht nur die Abteikirche die Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.

(M. Morlan-Tardat: Le patrimoine s’ouvre à vous, in: le Journal du Médoc, 8. Sept. 2017)

 

Für die Detailplanung zu empfehlen:  http://www.journees-du-patrimoine.com/DEPARTEMENT/journees-patrimoine-33-gironde.htm

 

 

Médoc-Marathon 2017

Die 33. Auflage des Médoc-Marathon wurde am 9. September planungsgemäß um 9.30h in Pauillac gestartet. Rund 8500 Läuferinnen und Läufer hatten sich eingeschrieben, von denen 7913 das Rennen beendeten, der letzte nach 7 Stunden 3 Minuten und 53 Sekunden. Der Sieger Thierry Guibault war nach 2 Stunden, 27 Minuten und 6 Sekunden im Ziel, vor Thomas Benichou, der 2 Stunden, 33 Minuten und 11 Sekunden benötigte, rund zwei Minuten vor dem Dritten, Nicolas Baudry.

Die schnellste Frau, Noemie Claeyssens, benötigte 2 Stunden, 55 Minuten und 57 Sekunden. Sie lag damit im Gesamtklassement auf Platz 27. Zweite Frau war Nathalie Vasseur mit einer Zeit von 2 Stunden, 58 Minuten und 32 Sekunden, die in den letzten Jahren als Seriensiegerin den ersten Platz bei den Frauen gepachtet hatte. Anders als bei den meisten vorangegangenen Auflagen des Médoc-Marathon  war das Wetter diesmal nicht so, wie man es gern gehabt hätte. Dennoch fanden sich, wenn auch schirmbewehrt, viele Zuschauer am Rande der  Strecke ein, die den Läuferinnen und Läufern den verdienten Beifall spendeten.

(UM, 10. 09. 2017)

 

Wasserflugzeuge zu Besuch

Am Samstag, dem 9. September 2017, wird es am Nordstrand von Hourtin Port ein Ereignis geben, das man dort schon lange nicht mehr gesehen hat: Wasserflugzeuge werden auf dem See starten und landen und damit an eine Tradition erinnern, die allerdings mehr oder weniger in Vergessenheit geraten ist. Von 1917 bis 1950 fand  in Hourtin unter anderem die Ausbildung von Wasserflugzeugpiloten für die französischen Streitkräfte statt.

Die Veranstaltung am 9. September, die von der Association Aquitaine hydravions ausgerichtet wird, wird mit  drei oder vier Piper PA 18 Super Club demonstrieren, was Wasserflugzeuge können. Der Verein, der seit 2011 in Biscarosse residiert, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Piloten für leichte Wasserflugzeuge auszubilden. Daneben verfolgt man das Ziel, Werbung für Wasserflugzeuge zu machen und vor allem die immer noch bestehenden Vorbehalte gegen Landungen von Flugzeugen dieser Art auf Seen zu überwinden. Auf Grund dieser Vorbehalte musste die ursprünglich an acht Stationen geplante Demonstrationstour der Wasserflugzeuge auf drei zusammengestrichen werden. Immerhin ist es inzwischen gelungen, Start- und Landeerlaubnisse für dieses Jahr für die Seen von Hourtin und Lacanau zu bekommen, wobei die touristischen Hauptmonate jedoch ausgenommen waren. Die Demonstrationsflüge am 9. September bei Hourtin Port werden stattfinden in der Zeit von 10.30h bis 17.00h, wobei es auch Mitflugmöglichkeiten für besonders Wissbegierige geben wird.

(J. Lestage: Les hydravions viendront « rider » à Hourtin, in: SUDOUEST, 08. 09. 2017)

Mehr zu Wasserflugzeugen: Klick und Klick

 

Erosion in Talmont

Talmont gilt unwidersprochen als schönstes Dorf Frankreichs, und wer jemals dort gewesen ist, wird verstehen, warum dies so ist. Aber auch hier gibt es neben dem vielen Licht Schatten, auch wenn der sich nicht auf den ersten Blick zeigt. Dafür ist das, was sich im felsigen Untergrund tut, alles andere als beruhigend, denn der bröselige Kalkstein, auf dem Talmont errichtet wurde, zeigt erhebliche Schwächen. Der Bürgermeister von Talmont, dem dies schon seit längerem bewusst ist, hat Expertenrat eingeholt und dabei erfahren, dass eine solide Befestigung des Untergrundes von Talmont 1,2 Millionen Euro kosten wird. Da diese Summe nicht in der Gemeindekasse bereitliegt, hat die Gemeinde überall dort angeklopft, wo man hoffte, Geld lockermachen zu können. Der Gemeindeverband Royan atlantique hat zugesagt, 20% der Kosten zu übernehmen, aber vom Conseil général der Nouvelle-Aquitaine, von dem man einen noch größeren Zuschuss erwartet hatte,  kam eine schnörkellose Absage.  Und auch anderswo ist bis jetzt nicht zu erkennen, dass man der viel gepriesenen Kommune beispringen will. Der Bürgermeister ist mehr als verärgert, aber er weiß, dass der Kalkstein auf dem sein Ort liegt, geschützt werden muss, bald und solide, auch wenn das 1,2 Millionen Euro kostet.

(Érosion : Talmont devra faire sans la Région, in: SUDOUEST, 07. 09. 2017)

Mehr mit Bildern zu Talmont: Klick

 

 

Auf den Spuren der Jakobspilger

Einen großen Teil des Mittealters hindurch war es Anliegen vieler Gläubiger, einmal im Leben am Grab des Heiligen Jakob in Compostella gebetet zu haben. Ein ganzes Netz von so genannten Jakobswegen überzog Europa, auf denen die Pilger meist zu Fuß ihrem Ziel entgegenstrebten. Wer aus nördlichen Breiten kam und es sich leisten konnte, der erledigte einen Teil der Anreise per Schiff. Und in diesem System hatte Soulac einen besonderen Platz, denn dort kamen viele Pilger aus Irland, England oder aus Norddeutschland und Skandinavien an, die dann zu Fuß ihre Pilgerreise fortsetzten.

Am Sonntag, dem 17. September wird von zwei Vereinen eine Fußwanderung über 19.5 km organisiert, die ziemlich genau den Pfaden folgt, die einst die Pilger genommen haben, die in Soulac gelandet waren. Beginn dieser gemeinsamen Wanderung wird um 9.15h auf dem Vorplatz der Basilika in Soulac sein, und in der Mittagszeit wird man das Tagesziel an der Johannes-Kapelle in L’Hôpital erreichen. Dort soll dann ein gemeinsames Picknick aus den mitgebrachten Vorräten bestritten werden. Den Teilnehmern wird empfohlen, sich mit strapazierfähigem Schuhwerk auszurüsten und  Wasser- und Picknickvorräte mitzubringen. Auskünfte unter Tel. 06 88 59 69 31.

(Sur les traces des anciens pèlerins de Compostelle, in: SUDOUEST, 06. 09. 2017)

 

 

Thunfischfang auf unkonventionelle Art

Viele Surfer sind vollauf mit sich, den Wellen und ihren Brettern beschäftigt, so dass sie nicht viele Augen für die Umgebung haben. Ein Surfer, der am Samstag vor Lacanau standup durch die Fluten glitt, hatte aber doch Zeit und Interesse, das nähere Umfeld aufmerksam zu betrachten. Dabei fiel ihm etwas auf, was er zunächst für einen Taucher hielt. Die anderen Surfer in der Umgebung dachten, es sei ein Hai und suchten das Weite. Der Stand-up-Mann wollte der Sache aber näher auf den Grund gehen. Er näherte sich also und stellte fest, dass er es mit einem Thunfisch von beträchtlicher Größe zu tun hatte. Diese Beobachtung zündete seinen Jagdtrieb, und er sprang ins Wasser. Dabei stellte er fest, dass der Fisch verletzt war, aber das hielt ihn nicht davon ab, ihn mit der an seinem Brett befestigten Leine festzubinden. Danach schleppte der Surfer seinen Fang in Richtung Strand, wo er von hilfsbereiten Händen unterstützt wurde, so dass es schließlich gelang, den gefangenen Fisch auf den Strand zu ziehen. Als er vermessen und gewogen wurde, stellte man fest, dass er 2m lang war und ein Gewicht von 100 kg auf die Waage brachte. Es wurde schnell beschlossen, den unverhofften Fang in einem großen gemeinschaftlichen Essen zu verspeisen, wobei zur Zeit noch berechnet wird, wieviele Personen man dazu einladen kann.

(J. Lestage: Insolite à Lacanau (33) : un surfeur ramène un thon de plus de 100 kg sur la plage, in: SUDOUEST, 05. 09. 2017, 11.48h. Internet-Ausg.)

Anmerkung der Redaktion: Es besteht kein Anlass am Nachrichtenwert des Berichteten zu zweifeln, da sich das Ereignis vor einem großen Publikum abgespielt hat und es eindeutige und glaubhafte Bilddokumente gibt.

 

 

Strandaufsicht

Am ersten Septembersonntag haben die Strandretter der CRS (Compagnie Républicaine de Sécurité) ihren Dienst für dieses Jahr an den Stränden des Médoc beendet. Sie kehren zurück zu ihren Einheiten und werden dort den üblichen Routinedienst wieder aufnehmen. Die Aufsicht an den Stränden wird mit verkleinertem Personaleinsatz noch für kurze Zeit in der Verantwortung und auf Kosten der Gemeinden mit Badestränden fortgesetzt. Nach wie vor gilt, dass der Atlantik kein unproblematisches Badegewässer ist. Wer sich ins Wasser begeben will, sollte es auch zum Ende der Saison nur an bewachten Stränden tun, auch wenn dafür lngere Anmarschwege in Kauf genommen werden müssen.

(Fin de saison pour les CRS nageurs sauveteurs, in: SUDOUEST, 04. 09. 2017)

 

Privatisierung

Der französische Innenminister, der unter anderem oberster Dienstherr von Polizei und Sicherheitsorganen ist, hat in einem Interview erklärt, er wolle die Geschwindigkeitskontrollen im Straßenverkehr auf private Firmen übertragen. Die Ausfertigung von Bußgeldbescheiden und die damit verbundenen Aktivitäten sollen allerdings weiterhin von der Polizei ausgeführt werden. Der Minister begründete seinen Vorschlag damit, dass auf diese Weise die Sicherheitsorgane sich besser auf ihre eigentlichen Aufgaben der Verbrechensaufklärung und der öffentlichen Sicherheit konzentrieren könnten. Er schätzte, dass durch die Privatisierung der Radarkontrollen rund 400 Polizeibeamte für ihre eigentlichen Aufgaben freigestellt werden könnten. Gleichzeitig würde der Überwachungsdruck auf den Straßen verstärkt, denn die privaten Firmen, die sich nur um die Geschwindigkeitskontrollen zu kümmern hätten, könnten mehr  Kontrollfahrten durchführen, da sie keine weiteren Aufgaben hätten, die sie von diesem Auftrag ablenken könnten.

Die Bezahlung der privaten Firmen solle mit pauschalen Beträgen erfolgen. Ein Vergütungsverfahren, das sich an der Zahl der registrierten Verstöße gegen die Geschwindigkeitsregelungen orientiere, werde es nicht geben. Der Minister verwies darauf, dass im letzten Jahr die Zahl der Verkehrstoten in Frankreich weiter angestiegen sei auf 3.477, davon sei ein Drittel auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen, bei 29% der tödlichen Unfälle sei Alkohol von maßgeblicher Bedeutung gewesen. Zum Vergleich, in Deutschland wurden 2016 3206 Menschen im Straßenverkehr getötet, 7,3% weniger als 2015)

(Le gouvernement veut externaliser les contrôles de vitesse, in: Le Figaro, 02. 09. 2017, 18.18h, Internet-Ausg.)

 

Rekordbesuch

Die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die sich bis Bordeaux vorwagen, nimmt seit Jahren stetig zu. In diesem Jahr wird man am Ende der Saison 53 gezählt haben, von denen allein 14 im September kommen werden. Die Zahl an sich und die damit verbundenen Umsatzerwartungen in Bordeaux stimmen optimistisch, doch gibt es auch eine Kehrseite der Medaille. Alle Schiffe müssen, um im Port de la lune anlegen zu können, unter dem Pont Chaban-Delmas hindurch, und der muss dazu geschlossen werden, weil das Mittelstück der Brücke hochgefahren wird. Aus verschiedenen Gründen dauert eine solche Sperrung fast zwei Stunden. Während dieser Zeit herrscht für den Autoverkehr der Ausnahmezustand, der noch dadurch gesteigert wird, dass die nächstgelegene Brücke, der Pont de pierre seit dem 1. August für Pkw gesperrt ist. Da die ankommenden Schiffe darauf angewiesen sind, auf der auflaufenden Flutwelle nach Bordeaux zu kommen, passiert es immer wieder, dass der Pont Chaban-Delmas in den besonders verkehrsreichen Morgenstunden geschlossen werden muss, was naturgemäß von allen, die davon betroffen sind, nur zähneknirschend hingenommen wird. Uneingeschränkt positiv gesehen wird der Zustrom der mit den Kreuzfahrtschiffen ankommenden Touristen hingegen von allen, die von den im Schnitt 80 bis 100 Euro profitieren, die jeder Tourist bei seinen Landgängen ausgibt

(St. Melzheim: Paquebots : un record en septembre, in: SUDOUEST&, 02. 09. 2017)

 

 

 

 

Uni-Médoc beim  Médoc-Marathon 2017

Die Coopérative Uni-Médoc in Gaillan liegt zwar nicht so, dass sie in den Parcours des Médoc-Marathon einbezogen werden könnte, sie ist aber ein gewichtiger Faktor in der Welt der Châteaux des Médoc. Von daher ist es wenig verwunderlich, dass Uni-Médoc auf die Anfrage der Organisatoren des Médoc-Marathon positiv geantwortet und sich bereit erklärt hat, am zweiten Tag der Veranstaltungen des diesjährigen Médoc-Marathon in Saint-Germain-d’Esteuil einen Stand zu eröffnen. Parallel zu diesen Aktivitäten wird am Hauptsitz der Cooperative in Gaillan am Samstag, 9. September und am Sonntag, dem 10. September eine Reihe von  Veranstaltungen durchgeführt, bei denen die verschiedenen Weine von Uni-Médoc verkostet und der Chai des Unternehmens besichtigt werden kann. Dort, in der größten Lagerhalle für Weine in der Region, kann man die drei  von Eric Le Collen gestalteten Son-et-Lumière – Darbietungen erleben, die in drei unterschiedlichen Realisationen den Weinbau, den Wald und die Mündung der Gironde zum Thema haben. Bei der Gelegenheit kann man auch das kleine Museum besichtigen, das Einblicke gibt in die handwerklichen Künste der Böttcherei.

(S.Hourcan: Uni-Médoc abreuve la balade du Marathon, in: Le Journal du Médoc, 01. 09. 2017)

Bilder zur Son-et-Lumière-Darbietung im Chai von Uni-Médoc: Klick

 

 

Gefährliche Blaualgen

Cyanobakterien, mancherorts nennt man sie auch, allerdings ungenau,  Blaualgen, stellen offenbar eine zunehmende Gefahr für Hunde und Katzen dar, weil sie Giftstoffe enthalten, die für Hunde und Katzen nach kurzer Zeit tödlich sein können. In diesem Jahr sind in Frankreich bislang 17 solcher Todesfälle bei Hunden registriert worden, die sich zumeist im Bereich der Loire und des Cher ereignet haben. Die schädlichen Algen entwickeln sich unter bestimmten Umständen in sauerstoffarmen, wenig bewegten Binnengewässern.  Inzwischen sind Vorkommen auch im Südwesten Frankreichs gemeldet worden, so am Lac de Biron und bei Saint-Christoly-de-Blaye- im Department Gironde. Cyanobakterien sind Einzeller, die bei verstärktem Auftreten das Wasser bläulich färben. Sie sind keine Algen, werden aber nicht selten damit gleichgesetzt. Dis Giftstoffe, die einige dieser Cyanobakterien freisetzen, sind für die Organismen von Hunden und Katzen sehr gefährlich, weil sie das Atmungs- und Nervensystem lähmen und in kurzer Zeit zum Tod führen können. Einen wirksamen Schutz gegen diese Cyanobakterien gibt es nicht. Auch hier gilt, aber dass Vorbeugung angeraten ist. Daher sollten Hunde im Bereich von Wasserflächen, die Cyanobakterien enthalten, angeleint werden. Ist ein Hund dennoch mit verunreinigtem Wasser in Berührung gekommen, sollte er schleunigst mit klarem Wasser abgeduscht und danach abgetrocknet werden. Berichte darüber, dass Cyanobakterin für Menschen gefährlich sein könnten, gibt es bislang in Frankreich nicht.

(J.-D. Renard: Les alertes se multiplient, in: SUDOUEST, 31. 08. 2017)

________________

August 2017

 

Reger Zuspruch

Das in Lesparre ansässige Office de tourisme Coeur Médoc zieht, obwohl die diesjährige Saison noch nicht ganz vorüber ist, eine erste und durchaus zufriedene Bilanz für 2017. Als man im April die Ziele für das laufende Jahr verkündete, hatte man angegeben, dass man neben dem Bestreben, mehr Mitglieder für den das Office tragenden Verein anzuwerben, und weiter mehr dafür zu tun, dass die Aktivitäten der Region bekannt gemacht würden und schließlich mehr Touristen anzuziehen. Und nunmehr kann man feststellen, das in allen drei Bereichen die Ziele erreicht oder übertroffen wurden. Die Zahl der Vereinsmitglieder stieg von 40 auf 152 in zwei Jahren, bei den angebotenen Animationen gab es kaum freie Plätze und die Zahl der Besucher im Lokal des Office de Tourisme stieg bis zum 21. August auf 2026 gegenüber 1877 für das gesamte Vorjahr. Alles in allem fühlt man sich bestärkt, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen, wobei man neben einer noch stärkeren Nutzung  des Internets für die angebotenen Animationen noch mehr darauf zu achten, dass sie auf die Bedürfnisse von Familien mit Kindern zugeschnitten werden. 

(A. Larrue: Les bons résultats de l’office  de tourisme, in: SUDOUEST, 30. 08. 2017)

 

Wassermangel

Der See von Hourtin-Carcans ist der größte Süßwassersee Frankreichs, aber in diesem Sommer verliert er kontinuierlich an Fläche. Dafür wachsen die Uferzonen in den See hinein, so dass der Badebetrieb sich immer weiter von traditionellen Bereichen entfernt. Die Folgen erreichen auch die Tretboote, die oft genug im flachen Wasser auf Grund geraten und dann erst wieder flott gemacht werden müssen. Die Erklärung des abgesunkenen Wasserspiegels geht auf den letzten Winter zurück, der ungewöhnlich geringe Niederschläge brachte. Fast alle Betriebe am See, die ihr Brot mit dem Verleihen von Booten, mit Wasserski oder mit anderen für einen See typischen Aktivitäten verdienen, melden teilweise kräftig zurückgehende Einnahmen, die im weiteren Verlauf des Jahres nicht mehr aufzuholen sind, zumal sich die Sommersaison ihrem Ende nähert. Auch die Freizeitschiffer, die ihre Boote an einem der Liegeplätze des Sees untergebracht haben, merken den niedrigen Wasserstand, der es nicht wenigen von ihnen verwehrt, ihre Boote zu nutzen. Wie es aussieht, wird die fallende Tendenz beim Wasserstand anhalten. Eine Trendumkehr ist frühestens im Spätherbst oder Winter zu erwarten, wenn es, was allerdings längst nicht sicher ist,  ausgiebige Niederschläge geben sollte.

(P. Barbin: La préoccupante baisse du lac d’Hourtin-Carcans, in: SUDOUEST, 29. 08. 2017)

 

Studentenprobleme

Studenten, und insbesondere die Studienanfänger sind in einer Situation, um die sie viele Ältere wohl beneiden, aber sie haben auch Probleme vor sich, für die Lösungen nicht ganz einfach sind. In Frankreich gehört dazu nicht zuletzt die Frage, wie und wo man eine bezahlbare Unterkunft findet, denn nur wenige Studenten haben das Glück, von der elterlichen Wohnung aus in das Studium einsteigen zu können. In Bordeaux ist vor einigen Jahren  ein Verein gegründet worden, der den beziehungsreichen Namen Vivre avec, also Leben mit, trägt, und dieser Verein stellt offenbar für viele wohnungssuchende Studenten ein gutes Angebot dar. Der Verein sorgt im wesentlichen dafür, dass ältere Personen, die häufig in Wohnungen sitzen, die nach dem Auszug der Kinder zu groß geworden sind, Kontakte zu quartierlosen Studenten aufnehmen können, aus denen sich häufig und schnell ein Untermieterverhältnis ergibt, das beiden Seiten Vorteile bringt. Die Studenten haben ein bezahlbares Dach über dem Kopf, und die Vermieter eine Nebeneinnahme, die sie bei häufig schmalem Portemonnaie schätzen. Außerdem, und das scheint bei vielen älteren Vermietern nicht unwesentlich zu sein, kommen sie durch den Kontakt mit ihren jungen Mitbewohnern wieder mehr soziale Beziehungen. Insgesamt ist die Bilanz des 2004 gegründeten Vereins positiv, denn es gibt deutlich mehr Nachfragen auf der Seite der junge Wohnungssuchenden als Angebote auf der Seite der Vermieter.

(J.-Fr. Renault: Entre deux âges, un toit en partage, in: SUDOUEST, 28. 08. 2017)

 

Nochmal Hitze

Der Sommer 2017 hat schon für mancherlei Überraschungen gesorgt, jetzt wartet er noch einmal mit einer Hitzewelle auf, bei der das Thermometer nach beachtenswerten Werten am Sonntag jenseits der 30-Grad-Marken am Montag noch zulegen wird. Météo France sagt 36 Grad und vielleicht noch ein wenig mehr in den Départements Charente-Maritime, Charente, Gironde, Dordogne und Landes, voraus, wobei die höchsten Werte wohl im Département  Lot-et-Garonne erreicht werden. Die hohen Temperaturen setzen sich am Dienstag, wenn auch mit leichter Abschwächung fort. Möglich sind dabei Gewitter mit Hagelschlag, wie sich das bereits am Sonntag im Großraum Bordeaux zeigte.

(Sudouest.fr: Fortes chaleurs : jusqu’à 37 degrés lundi dans le Sud-Ouest, in: SUDOUEST, 27. 08. 2017, 17.21h, Internet-Ausg.)

 

 

TGV-Bilanz

Zwei Monate, nachdem die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung der Bahn zwischen Paris und Bordeaux in Betrieb genommen wurde, fragt man sich, ob eine ähnliche Entwicklung eintreten wird wie einst, als nach der Eröffnung der TGV-Verbindung Straßburg-Paris Air France alle Flüge zwischen diesen beiden Städten gestrichen hatte, weil damals die Fluggäste einfach wegblieben. Die SNCF, die bislang jährlich rund 16 Millionen Passagiere von Paris nach Bordeaux und umgekehrt transportierte, hat jedenfalls das ehrgeizige Ziel verkündet, den Fluglinien bis 2019 2,4 Millionen Fluggäste abspenstig zu machen. Man hält sich bei der Bahn allerdings mit Zahlen für die ersten beiden Monate noch zurück, weil erst vom Herbst an die angestrebte Zahl von 33,5 täglichen Zügen zwischen Paris und Bordeaux eingesetzt werden wird. Man betont jedoch, dass der Betrieb bisher, abgesehen von den massiven Problemen, die es kürzlich in Paris-Montparnasse gegeben habe, ohne größere Störungen verlaufe und die Züge von der planmäßigen Fahrzeit von im günstigsten Fall 2 Stunden und 4 Minuten zwischen den Endbahnhöfen in der Regel nur wenig oder gar nicht abwichen. Die Pünktlichkeit soll sich aber weiter verbessern, wenn zur Zeit noch laufende Bauarbeiten an der Gabelung der TGV-Strecken in die Bretagne und nach Südwesten abgeschlossen sein werden. Diesen Erfolgsmeldungen stehen allerdings teilweise massive Klagen von Anwohnern gegenüber, die in der Mehrheit erklären, sie hätten sich nicht vorgestellt, welche Lärmbelastungen von den Hochgeschwindigkeitszügen ausgehen würden. Die Bahn hat darauf reagiert und angekündigt, man werde ausführliche Messungen vornehmen und überall dort, wo die Lautstärke der durchfahrenden Züge 60db überschreite, Lärmschutzwände  errichten.

(D. Richard: La LGV roule entre succès et critiques, in: SUDOUEST, 26. 08. 2017)

 

Magische Quelle

Wer zur Fontaine de Bernos will, braucht nur von Saint-Laurent-de-Médoc aus der Beschilderung zu folgen. Auf diese Weise kommt man bald zu einem Mauerring, aus dem durch eine von einem Bogen überwölbte Öffnung ein beständiger Strom klaren Wassers abfließt. Diese Quelle, deren Existenz bis in gallo-römische Zeiten zurückreicht, ist von Legenden und Vermutungen umgeben, die sich an das anschließen, was man im Wasser sieht. Dort nimmt man auf dem Boden der Quelle orangefarbene Gebilde wahr, die, so wird erzählt, an eine Prinzessin erinnern, die dort ertrunken war. Eine wohlwollende Fee, die diese Prinzessin gemocht hatte, hat dann das Wasser der Quelle in einem Kupferton gefärbt, der an die Haare der Prinzessin erinnern sollte. Von da an war es nur ein kleiner Schritt, um der ertrunkenen Prinzessin magische Kräfte zuzuschreiben, die sie an das Wasser abgegeben habe. Anfangs galt das Wasser als heilkräftig bei Problemen des Verdauungstraktes, bald hieß es aber schon, das Wasser helfe gegen Tuberkulose, Blutarmut, Hautkrankheiten und mancherlei andere Übel. Früher holten nicht wenige der Menschen, die in der Nähe der Quelle wohnten, sich von dort Wasser, von dem man hoffte, dass es  seine heilenden Kräfte weiter entfalten würde. Wer will, kann das auch heute noch tun, denn die Quelle sprudelt nach wie vor, und es sieht nicht so aus, dass das bald anders werden würde.   

(R. Boule: Une source de fer et de magie, in: Le Journal du Médoc, 25. 08. 2017)

Mehr zu Bernos-Bernon und der besagten Quelle: Klick

 

 

Die „Marguerite“ ist zurück

Die „Marguerite“ ist eigentlich das stattliche Modell eines zwischen 1860 und 1864 in Blaye erbauten Segelschiffs. Dieses Modell wurde 1924, warum eigentlich, weiß man zur Zeit noch nicht so genau, der Kirche in Le Verdon gestiftet und zwar von Jean Tripota, Kapitän in der Zollverwaltung, der 1874, als sich Le Verdon von Soulac trennte, erster Bürgermeister dieser nördlichsten Gemeinde des Médoc wurde. Eine Urenkelin des Stifters hat beim Versuch, die näheren Umstände aufzuklären, unter denen das Modell der Marguerite in die Kirche von Le Verdon gelangt ist, erste, allerdings noch spärliche Ergebnisse erzielt. Bis jetzt weiß man, dass der Vorfahr Tripota einst maßgeblich an der Rettung der Mannschaft eines vor Le Verdon gestrandeten preußischen Seglers beteiligt war und dafür den preußischen Roten Adler-Orden erhielt sowie in die französische Ehrenlegion aufgenommen wurde. Die Familie Tricota will weiter forschen, um noch mehr Einzelheiten ans Licht zu bringen. Indessen hat das Modell der Marguerite dadurch Aufsehen erregt, dass es aus der Kirche von Le Verdon vor drei Jahren gestohlen wurde   und lange als verschollen galt. Durch einen Zufall erkannte die Besucherin eines Restaurants das dort aufgestellte, inzwischen arg ramponierte Schiffsmodell und informierte darüber den Restaurantbesitzer und die Gemeinde von Le Verdon. Der Restaurantbesitzer gab an, er habe das Modell  für 50 Euro von einem Mann  gekauft, der offenbar Geld brauchte. Als die Nachricht vom Wiederauftauchen des Modells die Runde machte, erklärte sich ein in Le Verdon wohnender Schiffsmodell-Bastler spontan zur Restaurierung bereit, allerdings nicht ahnend, dass er dafür mehr als drei Monate konzentrierter Arbeit brauchen würde. Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde das Modell der Marguerite nun im Beisein von Mitgliedern der Familie Tripota wieder in der Kirche aufgestellt, wobei zu hoffen ist, dass es dort nunmehr seine Tage  in Frieden und Sicherheit verbringen wird.

(M. Caporal: « La Marguerite » est enfin revenue, in: SUDOUEST, 24. 08. 2017)

 

 

 

Gedämpfte Erwartungen

Während im Bordelais die ersten Parzellen mit Weißwein abgeerntet werden, macht man sich im gesamten Anbaugebiet Gedanken über den Ertrag der diesjährigen Ernte. Dabei geht man davon aus, dass, bedingt durch die Frostnächte im April, die Ernte in ganz Frankreich um 17% unter der des Vorjahres und um 16% unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre liegen wird. Insgesamt rechnet man mit 37,6 Millionen Hektoliter, weniger also als 1991, einem Jahr, das ebenfalls schwere Frostschäden zu verzeichnen hatte. Der Südwesten zählt zu den Regionen, in denen die Erntemengen besonders deutlich hinter den Durchschnittswerten zurückbleiben werden. Dies wirkt sich am stärksten bei den Weinen aus, die für die Herstellung von Cognac und ähnlichen Hochprozentigen bestimmt sind, wo die Ernte sich nur auf 5,36 Millionen Hektoliter belaufen wird und damit um 31%% unter den Vorjahresergebnissen liegen wird. Über die Qualität des Jahrgangs 2017 lassen sich noch keine fundierten Aussagen machen, doch stehen die Aussichten hier eigentlich nicht schlecht. Auf die Mindermengen bei den Ernten sind die Weinbaubetriebe unterschiedlich gut vorbereitet. Nur 25% davon sind gegen Frostschäden und ähnliches versichert. Ein kleinerer Teil der Betriebe kann auf fürsorglich angelegte Reserven aus dem Vorjahr zurückgreifen, aber die meisten erwartet ein wirtschaftlich extrem schweres Jahr. 

(SudOuest.fr. avec AFP: Gels de printemps : les vendanges fortement pénalisées cette année dans le Sud-Ouest, in: SUDOUEST, 23. 08. 2017, 17.17h, Internet-Ausg.)

Richtigstellung

Der SUDOUEST berichtete vor einigen Tagen im Zusammenhang in einer Notiz über die gegenwärtige Sperrung des Pont de pierre in Bordeaux für den Autoverkehr auch über das Schicksal, das dieser Brücke von den abrückenden deutschen Besatzern im August 1944 bereitet werden sollte. Damals sollte die Brücke ebenso wie alle Hafenanlagen gesprengt werden,  um den Alliierten die Möglichkeit zu nehmen, den Hafen von Bordeaux als Nachschubbasis nutzen zu können. Tatsächlich unterblieben die geplanten gewaltigen Sprengungen, die vermutlich Tausenden von Zivilisten das Leben gekostet hätten. Das Verdienst an der Verhinderung der Sprengungen wurde lange Zeit einem Angehörigen der französischen Résistance zugeschrieben. Diese Lesart fand auch Eingang in den eingangs angesprochenen Text des SUDOUEST, doch wurde die Unkorrektheit dieser Aussage erkannt und berichtigt, indem der SUDOUEST feststellte, es sei ein deutscher Marinesoldat gewesen, der sich den Befehlen seiner Vorgesetzten verweigert hatte. Er hatte den Bunker gesprengt, in dem sich die Zünder für die geplanten Sprengungen befunden hatten, die daraufhin nicht mehr durchgeführt werden konnten. Dieser deutsche Soldat, Heinz Stahlschmidt, habe sich mit Hilfe französischer Widerstandskämpfer versteckt und 1947 den französisierten Namen Henri Salmide angenommen.  Diese Richtigstellung ist für sich genommen nicht von weltbewegender Bedeutung, aber sie zeigt, dass man in Frankreich dabei vorankommt, Legendenbildungen und Glorifizierungen der Résistance einer kritischen Überprüfung zu unterziehen.

(Précision, in: SUDOUEST, 22. 08. 2017)

Mehr zu Heinz Stahschmidt/Henri Salmide. Klick

 

 

Polizei zu Pferd

Polizisten haben in Frankreich bei vielen ihrer Landsleute keine guten Karten. Nicht alle, aber viele Franzosen sehen sie vor allem als Machtorgane des Staates, mit denen man am liebsten nichts zu tun haben möchte. Zur Zeit erlebt eine Gruppe von Polizisten, die für die Sommermonate in Soulac stationiert sind, dass es auch anders geht, denn sie werden von Groß und Klein mit Freundlichkeiten überhäuft, was den Polizistenseelen offenbar gut tut. Sie gehören zum 2. Regiment der Garde Républicaine, das seine Stammgarnison bei Vincennes hat und nur für die Sommersaison zum Stranddienst im Médoc abgeordnet ist. Das geschieht seit 2011 regelmäßig. Die Pferde werden dann im Pferdezentrum Les Petits Chevaux untergebracht, von wo aus sie zu hren täglichen Strandpatrouillen im Bereich von Lacanau bis zur Pointe de Grave starten. Die Gendarmen sind mit kugelsicheren Westen, Pistolen und Schlagstöcken ausgerüstet, um im Notfall mit voller Polizeigewalt eingreifen zu können. Ihre Hauptaufgabe besteht jedoch darin, Präsenz zu zeigen und abschreckend auf eventuellen Missetäter zu wirken. Und das funktioniert scheinbar gut und wird von den Strandbesuchern mit großer Freundlichkeit wahrgenommen. Zu den Aufgaben der berittenen Gendarmen gehört es auch, in den küstennahen Waldgebieten darauf zu achten, dass keine offenen Feuer angezündet werden, die im schlimmsten Fall zu Waldbränden führen könnten. Während der Sommersaison versehen berittene Kontingente der Garde Républicaine an 18 Strandabschnitten Frankreichs Dienst. Danach kehren sie wieder in ihre Standorte bei Paris zurück und werden dort für Dienste eingesetzt, die am besten von Berittenen wahrgenommen werden können.

(J.-M. Desplos: Les anges gardiens du littoral, in: SUDOUEST, 21. 08. 2017)

Zwei Angehörige der Gardes Républicaines locker und entspannt auf Streife vor dem Euronat-Nordstrand

 

 

Bunkerführungen

Wer an den Küsten des Médoc Urlaub macht, wird immer wieder damit konfrontiert, dass auf dem Strand im Abstand von wenigen hundert Metern unförmig massive graue Beton-Bunker liegen, von denen man allenfalls weiß, das sie mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun haben. Die gruppenweise einst oben auf den Dünen errichteten Bunker liegen inzwischen meist unten auf dem Strand, weil die Erosion die Dünen, auf denen sie einst errichtet worden sind, abgespült hat. Manchmal sind sie schon so weit eingespült worden, dass sie nur noch bei Ebbe sichtbar werden, manchmal sind ihre äußeren Formen noch gut erkennbar. Das Innere dieser Bunker ist jedoch in der Regel nicht erfahrbar, da die ursprünglichen Bunkerzugänge zugemauert worden sind. Eine gute Möglichkeit im nördlichen Médoc, an den originalen Standplät-zen mit sachkundiger Führung  Einblick in die Welt der Bunker zu bekommen, besteht in Les Arros, nördlich von Soulac, wo rund 25 Bunker zugänglich sind. Dass sie es sind, ist das Verdienst von Jean-Paul Lescorce, der in den letzten anderthalb Jahrzehnten in mühevoller Handarbeit das Innere dieser Bunker von Sand und Unrat befreit hat. Zusätzlich hat er Bodenöffnungen mit Holzabdeckungen versehen, so dass heute, umsichtiges Verhalten vorausgesetzt, die Bunker gefahrlos begangen werden können. Allerdings sollte man nicht ohne festes Schuhwerk und eine leis-tungsfähige Taschenlampe auf Erkundungstour gehen.

Um über den historischen Hintergrund der Bunker, ihre technischen Besonderheiten und manch andere Dinge informiert zu werden, sollte man am besten an einer der regelmäßig stattfinden Bunkerführungen teilnehmen. Einzelheiten dazu erfährt man beim Office de Tourisme in Soulac (in der Fußgängerzone, gegenüber der Markthalle) oder bei den Médoc-Notizen, die jährlich mehrere zweisprachige Führungen (französisch-deutsch) organisieren. Diese zweisprachigen Veranstaltungen haben vor zehn Jahren angefangen, und inzwischen ist die dreißigste Führung mit wie immer zahlreicher Beteiligung absolviert worden. Obwohl es keine exakte Buchführung über die Zahl der Teilnehmer gibt, sind es wohl inzwischen rund 1000 Interessierte, die sich auf diese Weise über das Problemfeld der Bunker informiert haben. Da bei diesen Führungen absichtlich immer wieder andere Schwerpunkte gesetzt werden, kommen auch Zweit- oder Dritt-Besucher auf ihre Kosten. Die nächste Führung ist für den Montag, den 28. August geplant. Mehr dazu erfahren sie auf der Seite Veranstaltungen der Médoc-Notizen. Dort finden sich auch Informationen über die Möglichkeiten der Anmeldung zu dieser Veranstaltung.

(UM, 21. 08. 2017)

 

Streit um Fisch

In Montalivet ist die Fischerei zwar kein Wirtschaftsfaktor von größerer Bedeutung, es gibt aber eine Reihe von Freizeitfischern, die mit Angel und Netz auf Fischfang gehen. Das ist jedoch, nach Aussagen des Präsidenten des Espadon motonautique in letzter Zeit zu einem Unternehmen geworden bei dem kaum noch Fische gefangen werden, und wenn dann höchstens kleine, die nach den geltenden Regularien sofort wieder ins Wasser geworfen werden. Schuld an diesem Zustand sind nach Meinung der Freizeitfischer die Profi-Fischer, die mit ihren Booten von Arcahcon heraufkommen und die seit altersher ergiebigen Fischgründe von Montalivet leergeräumt haben. Auch wen es schwierig sein dürfte, für diese Behauptung stichhaltige Beweise beizubringen, gibt es keine Zweifel daran, dass die Fänge der Amateurfischer stark zurückgegegangen sind.

Ob und wie die Fangbedingungen für die Amateurfischer wieder erfreulicher gestaltet werden können, ist zur Zeit schwer zu sagen. Und fraglich ist es, ob der von den Freizeitfischern kommende Vorschlag, den Fang bestimmter Fische für eine noch zu definierende Zeit auszusetzen, Wirklichkeit wird. Für die nähere Zukunft scheint es so zu sein, dass, wie es ein Amateurfischer drastisch ausdrückte, man am besten zum nächsten Fischgeschäft ginge, um sich dort einzudecken, wenn man Fisch auf dem Tisch haben wolle. 

(M. Caurraze: Les pêcheurs vendaysins n’ont plus de poison à pêcher, in: Le Journal du Médoc, 18. August 2017

 

Dauerbrenner Erosion

Das Wirken der Erosion an den Stränden des Médoc ist ein Phänomen, das besteht, seit an den Küsten Wasser, Wind und Sand aufeinander treffen. Dabei wechseln Phasen, in denen die Küstenlinien stärker zurückgedrängt werden ab mit solchen, in denen die Erosion sich weniger stark bemerkbar macht. Seit dem Winter 2013/2014, in dem besonders harte Schläge auf die Dünenkante im nördlichen Médoc niedergegangen sind, ist man  z. B. in Soulac besonders sensibilisiert für diese Prozesse.

Am 10 August hat ein Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, die Stadt gegen die Auswirkungen der Erosion zu schützen, seine Jahresversammlung abgehalten, auf der die Verantwortlichen des Vereins deutliche Worte gefunden habe, um den Ernst der Lage und die Notwendigkeit sinnvoller Gegenmaßnahmen herauszustellen. Dabei wurde deutlich, dass Maßnahmen gegen die Erosion nur nach eingehender Analyse der lokalen Gegebenheiten getroffen werden können. Das ist bei den eigenmächtig vorgenommenen Befestigungsmaßnahmen des Campingplatzes Les sables d’Argent offenbar nicht der Fall, die als unüberlegter Eingriff in die Strömungsverhältnisse im Strandbereich gelten und gegen die ein Verfahren läuft, das die Baumaßnahmen rückgängig machen sollen. Dagegen haben die Betreiber des Campingplatzes Einspruch erhoben, so dass man derzeit noch nicht abschätzen kann, wie diese Angelegenheit ausgeht.

Zufrieden zeigte man sich mit den Schutzmaßnahmen in L’Amélie   mit der Entwicklung beim Appartementhaus Le Signal, wo nun nach langem Tauziehen sich eine Lösung abzeichnet, die die Eigentümer angemessen entschädigt und damit die Voraussetzungen für einen geordneten Abriss des maroden Gebäudes sorgen soll. Dennoch wurde bedauert, dass die finanziellen Ressourcen, die eigentlich erforderlich wären, um eine groß angelegte Strategie gegen die Erosion zu entwickeln, nicht zur Verfügung stehen, zumal die Zuwendungen des französischen Staates zurückgefahren wurden. Ein wenig Hoffnung gibt es, und die richtet sich nach Brüssel, von wo man sich erhofft, in ein Pilotprojekt aufgenommen zu werden, das den Kampf   gegen die Erosion mit größerer Durchschlagskraft führen soll. Allerdings gibt es in dieser Beziehung noch keinen Anlass zu übertriebenem Optimismus, denn Entscheidungen, die konkrete Mittel in das Médoc lenken würden, sind noch nicht gefallen.

( M. Caporal: Érosion : « Il faut une aide européenne », in: SUDOUEST, 18. 08. 2017)

 

Drohnen als Strandretter

Die Helper Drohne ist ein ca 3,9 kg schweres Hochtechnik-Gerät, das optimiert ist für den Einsatz zur Rettung von in Strandnähe in Schwierigkeiten geratenen Badegästen. Die Drohne ist mit einem hoch auflösenden Videosystem ausgerüstet, das bei der Ansteuerung von Hilfsbedürftigen eingesetzt wird und dabei gleichzeitig Informationen liefert über den Zustand der in Schwierigkeiten geratenen Person. Weiterhin werden Daten zur exakten Position des Gerätes übermittelt, die den Einsatz weiterer Rettungsmittel wie Boote, Hubschrauber etc. erleichtern sollen. Die Drohne kann eine aufblasbare Rettungsboje in der Nähe von Hilfsbedürftigen absetzen, die es ihnen erlaubt, sich über Wasser zu halten, bis die Rettungsmannschaften eingetroffen sind. Die Drohne kann eingesetzt werden bis zu Windgeschwindigkeiten von 50 km/h, sie steigt bei Bedarf bis zu 10 m pro Sekunde und sie hat in ihren Akkus Stromvorräte, die eine Einsatzzeit von bis zu 25 Minuten ermöglichen. Dabei kann sie bis maximal 2 km entfernt von ihrem Start- und Steuerungszentrum entfernt agieren. Die Fähigkeiten der Drohne werden laufend weiterentwickelt, doch will der Hersteller Details erst nach Erteilung der beantragten Patente publizieren.

Die Erprobung der Drohnen hat bereits mit einem Testgerät im letzen Jahr in Biscarosse begonnen. In diesem Jahr ist eine weitere Drohne in Lacanau am Südstrand im Testbetrieb, der bis Ende August ausgedehnt werden soll. Die Hersteller betonen, dass ihre Drohne ein Hilfsmittel ist, das die Fähigkeiten der Strandretter zwar erweitert, aber letztlich diese nicht ersetzen kann. Die Drohne im Testbetrieb wird vom Hersteller unentgeltlich zur Verfügung gestellt, doch steht dahinter die Erwartung, dass die 20.000 Euro teuren Geräte bald in die Serienfertigung gehen werden und dann an vielen Stränden nicht nur in Frankreich, sondern auch in Spanien und Brasilien, wohin schon Kontakte geknüpft worden sind, eingesetzt werden. Die in deutschsprachigen Medien in den letzten Wochen verbreiteten Meldungen über den Einsatz der Drohnen waren vielfach ungenau und erweckten bisweilen den unzutreffenden Eindruck, dass die Drohnen schon im Routineeinsatz seien.

(http://www.helper-drone.com/ und. https://www.francebleu.fr/infos/societe/des-drones-pour-surveiller-la-plage-lacanau-1501691895)

 

Vogelschutzgebiet

Es ist allgemein bekannt, dass es im Departement Gironde ein Atomkraftwerk bei Braud-et-Saint-Louis gibt. Weniger bekannt ist jedoch, dass acht Kilometer von diesem Koloss entfernt ein 120 ha großes Vogelschutzgebiet existiert, das jährlich von rund 10.000 Besuchern angesteuert wird. Die kommen, um die bis zu 140 verschiedenen Vogelarten zu beobachten, die es in dem Schutzgbiet gibt, wobei jahreszeitliche Schwankungen bedingt durch Zugvögel bestehen, die in der Region nur kurz Rast machen. Das Gelände ist gut erschlossen, denn es bestehen drei unterschiedlich lange Wege, an denen 11 Beobachtungsunterstände stehen, aus deren Innerem man die Bewohner des Schutzgebietes in aller Ruhe und oft auch in großer Nähe beobachten kann, wenn man sich ruhig und unauffällig verhält. Die drei Angestellten, die in dem Gebiet tätig sind, machen einmal pro Woche eine umfassende Inventur, um festzustellen, welche Vögel gerade vor Ort sind. In der übrigen Zeit bereiten sie die Besucher durch eine Einführung auf das vor, was sie bei ihrem Rundgang beobachten können. Das Vogelschutzgebiet ist beinahe ganzjährig geöffnet, doch empfiehlt sich eine vorbereitende Information, um  nicht vor verschlossenen Türen zu stehen. Der Eintritt kostet 6 Euro für Erwachsene.

(C. Fouchard: 140 espèces dans la lunette, in: SUDOUEST, 16. 08. 2017)

 

Mehr: http://www.terresdoiseaux.fr/index.php?la-nature-se-partage=contacts-plan-d-acces

Wieder zu haben

Am Cap Ferret steht einer der vielen Bunker, die im Zweiten Weltkrieg als Teil des sogenannten Atlantikwalls im Auftrag der deutschen Besatzer gebaut worden sind. Das wäre keine Nachricht, zumal es je nach Zählungen bis zu rund 15.000 dieser Bunker gibt, die die europäischen Küsten vom Nordkap bis zu den Pyrenäen gegen alliierte Angriffe schützen sollten. Allerdings hat dieser Bunker am Cap Ferret eine Besonderheit, die alle anderen Bunker nicht haben: Er befindet sich in privater Hand und wird zum Verkauf angeboten. Zum ersten Mal wurde er vor einem Jahr angeboten und fand, wie es schien, schnell einen Käufer, der bereit war, für den überaus stabilen Betonklotz 400.000 Euro anzulegen. Offenbar war der Käufer aber zu optimistisch, als er an die Finanzierung ging, denn tatsächlich konnte er den Kaufpreis nicht aufbringen und trat schließlich notgedrungen von dem Vertrag zurück. Da der ursprüngliche Besitzer bei seiner Verkaufsabsicht geblieben ist, hat er seinen Bunker erneut angeboten, diesmal für 295.000 Euro netto, zu denen aber noch Nebenkosten und Aufwendungen für erforderliche Arbeiten gerechnet werden müssen, so dass die Gesamtsumme doch nahe bei den zuerst geforderten 400.000 Euro bleibt. Das ist ein erkleckliches Sümmchen für ein Bauwerk ohne Fenster, das nur als Lagerraum genutzt werden kann. Dafür ist er jedoch besonders gut geeignet, denn in seinem Innern herrschen ziemlich konstant das ganze Jahr über 14 Grad, was ideal für Wein wäre. Damit grenzt sich aber der Kreis der potentiellen Käufer ein, denn wenn der Kauf sinnvoll sein soll, dann muss auch Wein eingelagert werden, und das wohl nicht mit Billigprodukten. Bleibt abzuwarten, wie die Angelegenheit ausgehen wird. Bis dahin kann man aber, wenn man dazu neigt, in Gedanken durchspielen, wie es wäre, wenn man einen Originalbunker Baujahr 1943 sein eigen nennen könnte.

(D. P.: Bassin d’Arcachon : le blockhaus du Cap Ferret est toujours en vente sur Le Bon Coinin: SUDOUEST, 14. 08. 2017, Internet-Ausg.)

 

Auch ein Rekord

Wer von Bordeaux an die Küste will, hat es nicht weit, aber er hat mit vielen zu rechnen, die zur  selben Zeit dieselbe Idee haben. Und da das Straßennetz zum Atlantik nicht ausgelegt ist für sommerliche Höchstbelastungen, passiert, was passieren muss: Es staut. Am Montag gab es auf der Strecke von Bordeaux zum Cap Ferret einen neuen Rekord, denn die Autoschlange, die sich dort Stoßstange an Stoßstange zentimeterweise voranquälte, war um die Mittagszeit 20 km lang. Ein Geschäftsmann, der auf dem Weg nach Bordeaux an dem Stau vorbeifuhr, erklärte, er habe einen derartigen Stau noch nicht gesehen. Doch hatte er eine Erklärung parat, indem er die Faktoren aufzählte, die zusammengewirkt haben: Hochsaison + langes Wochenende zum 15. August + Hochsommertag. Den Autofahrern, die dazu beigetragen haben, dass dieser Staurekord gelingen konnte, wird diese Erklärung wenig Linderung verschafft haben, aber eine Alternative zeichnete sich sowieso nicht ab.

(Y. D. :Gironde : bouchon record ce lundi midi vers la presqu’île du Cap Ferret, in: SUDOUEST, 14. 08. 2017m 15.15h, Internet-Ausg.)

 

 

Die Piscines von Soulac

An der Plages des Cantines, dem Strandabschnitt nördlich von Soulac in Richtung der Pointe de Grave, gibt es eine Reihe von mit Ozeanwasser gefüllten Becken, die umgangssprachlich als Piscines, also Schwimmbecken, angesprochen werden. Tatsächlich sind es dreieckige, zum Atlantik hin mit massiven Felsbrocken befestigte Gebilde, die zum Schutz der an dieser Stelle besonders von der Erosion bedrohten Dünenkante in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts angelegt worden sind. Wenn diese sägezahnförmig in den Ozean ragenden Felsaufschüttungen nicht gebaut worden wären, wäre inzwischen die Nordspitze des Médoc wahrscheinlich zur Insel geworden. Der Entschluss zum Bau dieser Bollwerke gegen die Wellen erfolgte nach heftigen Sturmfluten in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als in Soulac an der Strandkante mehrere Villen ein Opfer der Wellen geworden waren. Nachdem während des zweiten Weltkrieges die Piscines vernachlässigt worden waren, wurden sie danach wieder instand gesetzt und haben ihre Aufgabe bis heute erfüllt. Als Nebeneffekt gibt es immer noch die an der gesamten Médocküste einzigartige Möglichkeit, hinter den Felsbarrieren gefahrlos zu baden, was von vielen Eingeweihten auch weidlich genutzt wírd. 

(A. Delacour: Des piscines naturelles d’eau salée en bordure de l’océanin: SUDOUEST, 4. August 2017)

Bilder zu den piscines: Klick

 

 

Sommer auf Stippvisite

Am zweiten Augustwochenende ziehen die Schlechtwetterfronten aus dem  Südwesten Frankreichs ab und machen sommerlichen Verhältnissen Platz. Am Montag wird es wieder richtig warm, aber die Freude wird von kurzer Dauer sein, denn danach kommen die nächsten Störungen vom Atlantik mit wiederum zurückgehenden Temperaturen. Dieses Wetter wird wahrscheinlich für den Rest der kommenden Woche dominieren, aber ganz sicher ist das  noch nicht. Sicher ist hingegen, dass die Erwartungen an den Sommer in den letzten Wochen im Südwesten Frankreichs nicht erfüllt worden sind.

(Sudouest.fr: Météo : le soleil est de retour ce week-end… avant une nouvelle dégradation, in: SUDOUEST, 11. 08. 2017, 19.10h, Internet-Ausg.

 

Badeverbot

An der Mole von Hourtin Port steht seit dem 9. August ein nicht zu übersehender Hinweis, mit dem das Baden wegen schlechter Ergebnisse bei der Kontrolle des Wassers verboten wird.  Grund waren die Ergebnisse einer Wasserprobe, die zwei Tage zuvor genommen worden war und die eine hohe Konzentration von Enterokokken gezeigt hatte. Warum diese erhöhten Werte aufgetreten sind, weiß  man nicht so genau. Möglich ist, dass durch die starken Niederschläge der letzten Tage Verunreinigungen in das Seewasser gelangt sind. Verstärkt wird die Verunreinigung noch dadurch, dass der See in diesem Jahr wegen der nur spärlichen Niederschläge im Winter ungewöhnlich wenig Wasser hat, weshalb bei Schadstoffen schnell höhere Konzentrationen auftreten als in wasserreicheren Jahren. Die Sperrung gilt zunächst bis zum 12. August. Wie es danach weitergeht, hängt von neuen Wasserproben ab, auf deren Auswertung noch gewartet wird.

(A. Delacour. Baignade interdite après un contrôle sanitaire, in: SUDOUEST, 11. 08. 2017)

Zwangspause

Die Diskothek Le Beach Room in Montalivet ist zum 31. Juli 2017 für drei Monate auf Geheiß der Präfektur geschlossen worden. Die Verfügung ist ergangen, nachdem in der Diskothek Verstöße gegen das Arbeitsrecht festgestellt worden waren. Dem Betreiber  wird vorgeworfen, seine Angestellten nicht entsprechend den rechtlichen Vorschriften beschäftigt zu haben, da deren Gehaltsabrechnungen offenbar nur nach dem ersten Anschein regulär waren. Tatsächlich wurden aber Steuern und Sozialversicherungsbeiträge nicht so verbucht und abgeführt wie dies erforderlich gewesen wäre. Der Inhaber der Diskothek bestreitet die Vorwürfe und behauptet, eventuell unterlaufene Fehler in kurzer Zeit zu bereinigen. Außerdem gefährde die Schließung den Bestand des Unternehmens. Die ermittelnden Behörden schenken diesen Beteuerungen jedoch wenig Glauben, wobei darauf verwiesen wird, dass dieselbe Diskothek in der Vergangenheit schon mehrfach Interventionen der Gendarmerie ausgelöst hatte. Aus einem derartigen Grund war der Betrieb im Jahr 2014 schon einmal für einen  Monat stillgelegt worden. So wie es aussieht, fällt die Saison 2017 im Beach Room weitgehend aus

(J. Lestage: Porte close au Beach Room, in: SUDOUEST, 10. 08. 2017)

 

Kontrolle ist besser

In der Touristensaison gibt es auch im Südwesten Frankreichs eine Fülle von  Märkten, auf denen regionale Produkte angeboten werden. Allerdings, so stellt sich heraus, stammen diese Produkte längst nicht immer aus dem Gebiet, in dem die Märkte stattfinden. Verbraucherschützer warnen vor allzu folkloristisch gekleideten Verkäufern, von denen nicht selten Lebensmittel angeboten werden, die  nicht aus regionaler handwerklicher Produktion, sondern aus Industriebetrieben stammen, die mit der Gegend, in der die Märkte stattfinden, nur wenig zu tun haben. Manche Anbieter verstiegen sich gar zu Phantasieprodukten wie etwa foie gras d’écureuil (Stopfleber von Eichhörnchen !!) oder foie gras d’abeille (Bienenstopfleber???). Den potentiellen Käufern ist zu empfehlen, sich genau über die Herkunft der angebotenen Erzeugnisse zu informieren, denn für eine ganze Reihe von Produkten gibt es geschützte Herkunftsbezeichnungen, die die Verkäufer eigentlich von sich aus angeben müssten. Vorsicht ist auch geboten bei Lebensmitteln, die besonders teure Bestandteile enthalten, wie z. B. Trüffeln, bei denen nicht selten unterschlagen wird, dass es nicht hochwertige Trüffeln aus dem Périgord sind, sondern entfernte Verwandte aus China, deren Geschmack mit Exemplaren aus dem Périgord nicht zu vergleichen ist. Vorsicht ist auch angezeigt bei bestimmten Wurstsorten, in denen z. B. angeblich ein Mix aus Esels- und Schweinefleisch enthalten ist. Von dieser korsischen Spezialität gehen jährlich in Frankreich etwa 11.000 Tonnen über die Ladentische. Gut für die Verkäufer, schlecht für die Käufer, denn in Korsika werden jährlich nur etwa 1.000 Tonnen dieser nicht billigen Spezialität erzeugt.

(S. Cottin: Cet été, ne passons plus pour des truffes, in: SUDOUEST, 8. 8. 2017)

 

 

Rekord in Mérignac

Im Juli 2017 sind in Bordeaux-Mérignac  667.000 Passagiere gezählt worden. Damit hat der Flughafen neue Kunden angezogen und eine starke Zunahme bei den Passagierzahlen registriert, zu der vor allem Billigflieger wie Easyjet, Volotea und Ryanair beigetragen haben. Die Billigflieger haben bei den Reisenden um 17% zugelegt und stellen derzeit etwa die Hälfte der Fluggäste von Bordeaux-Mérignac. Bei den Zielflughäfen haben vor allem die ausländischen Bestimmungsorte Zunahmen zu verzeichnen mit einem deutlichen Plus bei südlichen Zielen in Spanien, Portugal und wenig dahinter Italien und Griechenland. Bei den innerfranzösischen Zielorten sind die Passagierzahlen von Bordeaux aus  vor allem  in Richtung Korsika und französische Mittelmeerküste angestiegen. Aber auch Regionen, die für gewöhnlich weniger von der Sonne verwöhnt werden, haben mehr Fluggäste angezogen wie zum Beispiel Hamburg, Frankfurt und Budapest.

(Aéroport de Bordeaux : nombre record de passagers en juillet,in: SUDOUEST, 07. 08. 2017, 14.26h, Internet-Ausg.)

 

Fernbusse im Aufwind

Fernbusse heißen in Frankreich Cars Macron, weil der derzeitige Präsident sie auf den Weg gebracht hat, als er vor zwei Jahren als Wirtschaftsminister die dafür notwendigen gesetzlichen Grundlagen geschaffen hat. Nicht ohne Einfluss war dabei das deutsche Beispiel, wo die Fernbusse seit 2013 zugelassen sind und schon im ersten Jahr 8,2 Millionen Fahrgäste befördert haben, eine Zahl, die sich auf 24 Millionen gesteigert hat im letzten Jahr. Verglichen damit haben die französischen Zahlen noch erhebliches Entwicklungspotential, denn dort wurden 2016 erst 6,2 Millionen Reisende in Fernbussen gezählt, doch zeigen die Statistiken nach oben und verheißen einen langfristigen Aufwärtstrend. Die Attraktivität dieses Verkehrsangebotes liegt eindeutig beim Preis, wo es z.B. möglich ist, für 5 Euro von Bordeaux nach Clermont-Ferrand zu gelangen, und das in fünf Stunden. Auf anderen Linien sind die Fahrzeiten allerdings weniger attraktiv, denn nicht immer werden Ziele direkt und auf dem kürzesten Weg angefahren, weil das Fahrgastaufkommen manchmal zu gering ist, um danach die Fahrpläne auszurichten. Immerhin muss man sich während der Fahrten nicht langweilen, denn alle drei in Fankreich noch im Geschäft verbliebenen Fernbusunternehmen bieten einen kostenlosen Internet-Zugang, Stromversorgung an den Plätzen, Toiletten etc.

Es empfiehlt sich aber, bei der Buchung auf die Fahrzeiten zu achten und sie mit den Angeboten der Konkurrenz zu vergleichen, um möglichst zügig voranzukommen und um einen möglichst günstigen Fahrpreis zu ermitteln. Verglichen mit den Preisen der Bahn sind dabei immer noch erhebliche Einsparungen möglich. Allerdings haben sich die Bustickets in den letzten beiden Jahren um 34% verteuert, wobei die drei im Markt verbliebenen Anbieter aber immer noch rote Zahlen schreiben. Angesichts der Zuwachsraten bei den Fahrgästen gehen die Busunternehmen davon aus, dass dieser für sie unbefriedende Zustand in naher Zukunft überwunden wird und damit sichergestellt wird, dass sich die Fernbusse als Verkehrsmittel dauerhaft etablieren können.

(B. Lasserre: Pour les cars Macron, c’est la marche en avant, in: SUDOUEST, 07. 08. 2017)

Mehr mit Links zu Fernbussen: Klick

 

Olympisches Surfen In Lacanau?

Nachdem nun wohl feststeht, dass Paris Austragungsort der Olympischen Spiele von 2024 sein wird, bringen sich die Orte in Stellung, an denen Wettkämpfe ausgetragen werden sollen, für die in Paris die Voraussetzungen fehlen. Dazu gehören die Surfdisziplinen, die die Stadtväter von Lacanau gern an die Küsten des Médoc holen möchten. Vorbereitungen, um die zuständigen Gremien in diesem Sinne zu beeinflussen, sind bereits gestartet worden, doch hat Lacanau Konkurrenz in Biarritz und Hosségor, wo man ebenfalls alles tut, um die eigenen Vorteile ins rechte Licht zu rücken.

In Lacanau, so heben die Stadtväter hervor, hätte man Platz für die Baulichkeiten, die noch errichtet werden müssten und vor allem gebe es ausreichend Parkmöglichkeiten, was in Biarritz und Hosségor nicht der Fall sei. Bevor eine Entscheidung fällt, muss erstmal das Olympische Komitee, das im Herbst tagen wird, seine Entscheidung für Paris 2024 formell bestätigen, dann wird man sehen, wie es weitergeht.

(P. Barbin: L’inconnue des Jeux Olympiques à Lacanau, in: SUDOUEST, 04. 08. 2017)

 

Schrecksekunde in Mérignac

Am Mittwoch, 2. August, wurden die Fluggäste in der Hall B des Flughafens Bordeaux-Mérignac kurz vor 20.00h durch  einen lauten Knall und das Geräusch splitternden Glases erschreckt. Einige von ihnen warfen sich zu Boden, weil sie offensichtlich glaubten, in einen terroristischen Anschlag geraten zu sein. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass die zu Bruch gegangene Fensterscheibe geborsten war, weil das Gestänge, das die Scheiben stützt, gebrochen war. Die Flughafenleitung setzte eine sofortige Untersuchung in Gang und gab bald danach bekannt, dass die zu Bruch gegangene Scheibe durch einen technischen Defekt und nicht durch eine terroristischen Akt zerstört worden war. Mit Ausnahme der erforderlich gewordenen Reinigungs- und Aufräumarbeiten wurde der Betrieb des Flughafens nicht gestört.

(B. Bz.: Aéroport de Bordeaux : une vitre s’effondre et effraie les passagers, in: SUDOUEST, 03. 08. 2017, 17.20h, Internet-Ausg.

 

 

Zusammenstoß mit Nahverkehrszug

Beim Zusammenstoß zwischen einem Nahverkehrszug, der in Richtung Soulac unterwegs war, und einem Pkw sind am Abend des 3. August bei Ludon zwei Menschen ums Leben gekommen. Das Auto stand mitten auf den Gleisen, als es von dem Triebwagen erfasst und 800 m weit mitgeschleift wurde. Es geriet in Brand und wurde völlig zerstört. Das Feuer griff auf den Zug über, wurde aber bald gelöscht. Die etwa dreißig Fahrgäste wurden mit Taxis an ihre Zielorte gefahren. Die Feuerwehr konnte erst nachdem die Fahrzeugreste, die sich unter dem Zug verkeilt hatten, freigelegt worden waren, feststellen, dass sich in dem Fahrzeug zwei Personen befunden hatten. Unklar ist, warum der Fahrer des  Autos den herannahenden Zug nicht bemerkt hat. Als Erklärung gab die Feuerwehr an, dass wegen der tiefstehenden Sonne möglicherweise das rote Blinklicht an dem Bahnübergang und die geschlossenen Halbschranken übersehen worden seien. Durch den Unfall wurde der Bahnverkehr unterbrochen. Er soll im Verlauf des Nachmittags des 4. August  wieder aufgenommen werden.

(Fl. Moreau: Gironde : collision entre un TER et une voiture, deux personnes sont mortes calcinées, in: SUDOUEST, 04. 08. 2017, 7.41h, Internet-Ausg.)

 

 

Le troisième homme – der dritte Mann?

Wer bei dieser Überschrift an einen Film denkt, wird gedankliche Verbindungen zum  Dritten Mann, den Filmklassiker von Carol Reed nach dem Roman von Graham Greene aus dem Jahre 1949 herstellen. Ein Paläontologe, also ein Wissenschaftler, der sich mit vorgeschichtlichen Funden und Überresten beschäftigt, denkt wahrscheinlich an eine dritte Menschenart, und das aus gutem Grund. Seit geraumer Zeit weiß die Wissenschaft nämlich, dass es in unseren Breiten einst zwei Menschentypen gegeben hat, den allseits bekannten Neandertaler, benannt nach einer Fundstelle nicht weit von Düsseldorf und den modernern Cro-Magnon-Menschen, der seinen Namen von einer Fundstelle im französischen Dordogne-Gebiet bekommen hat. Beide Menschen haben geraume Zeit nebeneinander existiert und sind sich dabei keineswegs aus dem Wege gegangen,  so dass in den modernen Europäern genetische Spuren dieser Verwandten aus der Vorzeit in der Größenordnung um 2% des Erbguts nachzuweisen sind. Von einem dritten Menschen neben Neandertaler und Cro-Magnon-Menschen  reden die Wissenschaftler erst seit wenigen Jahrzehnten, nachdem in einer Höhle im südlichen Sibirien Zahn- und Knochenteile von einem Menschen gefunden wurden, die weder Neandertaler noch Cro-Magnon-Menschen waren. Nach anfänglicher Skepsis haben sich die Paläontologen darauf geeinigt, diesen dritten Menschen als Denisoa-Menschen zu bezeichnen. Das Alter der sibirischen Funde wurde inzwischen auf ca. 40.000 – 50.000 Jahre vor unserer Zeit festgelegt.

Bislang sind die Forschungsergebnisse , die bei der Analyse der Überreste des Denisoa-Menschen entstanden sind, nur einem kleinen Kreis von Experten bekannt, doch soll sich das bald ändern. Zu diesem Zweck wird in Les Eyzies, dem Sitz des französischen nationalen Museums für die Früh- und Vorgeschichtge eine Ausstellung gezeigt, die Kenntnisse vom Denisoa-Menschen  einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen soll. Auch der Denisoa-Mensch hat bis in die Gegenwart reichende genetische Spuren hinterlassen, die sich bei den heutigen Südseebewohnern nachweisen lassen, bei denen bis 4% ihres Erbmaterials auf den  Denisoa-Menschen zurückgeht.

Die Ausstellung in Les Eyzies ist im Juli und August täglich von 9.30h bis 18.30h geöffnet. Sie endet am 13. November. Besuchern wird empfohlen, an einer Führung teilzunehmen. Reservierugen per Telefon: 05 53 06 45 45

(H. Chassan: Notre nouveau cousin russe de Denisova, in: SUDOUEST, 30. 07. 2017)

 

 

Besitzerwechsel

Im Bordelais gibt es rund 7000 Châteaux, manche sagen, sogar noch mehr. Angesichts dieser großen Zahl ist es natürlich, dass Besitzerwechsel vorkommen, die zumeist geräuschlos und unbemerkt von der Öffentlichkeit vor sich gehen. Wenn eines der renommierten Châteaux einen neuen Inhaber bekommt, dann wird das jedoch registriert und unter Umständen auch kommentiert. Die jüngste Nachricht in diesem Bereich betrifft das Château Troplong-Mondot, premier grand cru classé B de Saint-Émilion. Dieser Besitz, der 29 ha Anbaufläche umfasst, wurde Anfang Juli an die Rückversicherungsgesellschaft Scor verkauft. Nach Aussagen des vorhergehenden Besitzers wird sich dadurch auf dem Château wenig ändern. Das zu dem Château gehörende mit einem Michelinstern bedachte Restaurant und auch die Chambres d’hôte bleiben erhalten. Mit Ausnahme der Ernennung eines neuen Generaldirektors wird auch die Belegschaft weiterhin das tun, was sie bislang gemacht hat.

Zur Zeit sind noch andere Verkäufe in der Verhandlung oder schon abgeschlossen. Dazu gehört das Clos de la Madeleine, das an einen Geschäftsmann aus Libourne geht, der bereits mehrere Châteaux im Bordelais besitzt. Noch nicht bestätigt, aber wohl ziemlich sicher ist, dass in nächster Zukunft weitere Châteaux im Bereich von Saint Émilion den Besitzer wechseln werden, wobei diesmal keine chinesischen Namen im Gespräch sind. Wer sich in diesen Gefilden einkaufen will, braucht ein gut gefülltes Konto, denn die Preise im Gebiet von Saint-Émilion sind in der Größenordnung von 180.000 bis 2,3 Millionen Euro  pro Hektar angesiedelt.

(J.-Ch. Galiacy: De grands crus cédés à des grands groupes, in: SUDOUEST, 29. 07. 2017)

 

 

Noch immer TGV-Stress

Man weiß inzwischen zwar, was die im Bahnof Montparnasse in Paris aufgetretene Panne im Signalsystem ausgelöst hat, von einer umgehenden Rückkehr zum pünktlichen und fahrplangemäßen Verkehr ist aber noch nicht  die Rede. Die Reparaturarbeiten werden sich noch einige Stunden hinziehen und danach wird, so hofft man, schrittweise wieder auf den Normalmodus geschaltet. Im Klartext heißt das, das auch am Mittwoch auf den von Montparnasse ausgehenden Linien  noch nicht alles so rund läuft wie sich Reisende das wünschen. Alles in allem ist man bis in die Regierung hinein betroffen, dass ausgerechnet die neueste Paradestrecke der TGV knapp einem Monat nach Aufnahme des Hochgeschwindigkeitsverkehrs zwischen Bordeaux und Paris von einer derartigen Panne heimgesucht wurde. Die zuständige Minsterin hat ziemlich ungnädig bis zum kommenden Wochenende einen detaillierten Bericht der Bahn eingefordert, der jedoch an dem Malheur nichts ändern wird. Fachleute fühlen sich bestätigt in ihrer schon lange zu hörenden Kritik, dass die französische Staatsbahn überall dort in fragwürdige Weise gespart hat, wo dies von der Öffenltichkeit nicht wahrgenommen wurde. Die jetzt geschehene Störung sei vor diesem Hintergrund nicht unerwartet gekommen und es werde geraume Zeit dauern, bis die Bahn nicht mehr in der Furcht leben müsste, dass veraltetes und unzureichendes Material ausfällt.

(J. Ruiz: Montparnasse : retour à la normale espéré mercredi, in: Le Figaro, 01. 08. 2017, 8.48h, Internet-Ausg.)

 

TGV-Chaos

Reisende in Frankreich, die zum Monatswechsel Juli-August mit dem Auto unterwegs sind, wissen, was ihnen bevorsteht: Staus von zusammengerechnet mehreren hundert Kilometern Länge und damit Fahrzeiten, die leicht doppelt so lang sind wie zu normalen Zeiten. Gut beraten sind normalerweise Reisende, die statt mit dem Auto mit der Bahn fahren, doch auch da gibt es Ausnahmen von der Regel. Eine solche ereignete sich am Sonntag, dem 30. Juli, in Paris, als der Bahnhof Montparnasse, von dem aus der Bahnverkehr in den Westen und Südwesten Frankreichs startet, durch einen technischen Defekt lahmgelegt wurde. Danach ging zunächst gar nichts, dann fuhren wieder erste Züge, wenn auch mit beträchtlicher Verspätung und natürlich nicht zu den fahrplanmäßig vorgesehenen Zeiten. Die Bahn verkündete schließlich, man habe 85% der Reisenden doch noch am Sonntag zu ihren Zielen gebracht, aber man darf wohl annehmen, dass hier Zahlen geschönt wurden. Noch am Montag  wirkten sich nämlich die Störungen vom Sonntag so aus, dass die SNCF nur Dreiviertel der planmäßigen Züge einsetzen konnte und empfahl, Bahnreisen auf den Montagnachmittag zu verschieben. Immerhin zeigte sich die Bahn aber konziliant bei der Erstattung von Fahrpreisen für ausgefallene Züge, doch darf davon ausgegangen werden, dass es wohl allen Fahrgästen lieber gewesen wäre, wenn sie pünktlich hätten fahren können.

(Sudouest.fr: Chaos à Montparnasse : trafic toujours perturbé ce lundi matin, 3 TGV sur 4 au depart, in: SUDOUEST, 31. 07. 2017, Internet-Ausg.)

Juli 2017

Nicht ganz so schlimm

Wenn in Frankreich der Monatswechsel vom Juli zum August mit einem Wochenende zusammenfällt oder in dessen Nähe liegt, dann weiß man, dass man als Autofahrer eine schlechte Entscheidung fällt, wenn man sich auf größere Fahrten begibt. Das ist so ziemlich allen Franzosen bekannt, aber nur wenige ziehen daraus die eigentlich vernünftigen Konsequenzen, denn wer will schon auf einen Tag oder mehrere in einem teuer bezahlten Ferienquartier verzichten. Die Folgen zeigten sich auch in diesem Jahr, denn am letzten Juli-Wochenende summierten sich am Samstag die Staus auf 610 km. Die Verkehrspolizei registrierte dies als Erfolg der Beratungen für die empfehlenswerten Abfahrtszeiten aus den Ballungsräumen (vornehmlich Paris), denn im Vorjahr erreichten die Staus noch eine Länge von 688 km. Der Präfekt der Region Nouvelle-Aquitaine hatte seine Verkehrspolizisten angewiesen, starke Präsenz zu zeigen, um  allzu risikobereite Autofahrer von gefährlichem Verhalten abzuhalten. Dabei haben die Ordnungshüter besonders die Autonbahnabschnitte hinter den Mautstellen im Blick, da nicht wenige Autofaher danach kräftig aufs Pedal treten in der Hoffnung, verlorene Zeit wieder hereinzuholen.  Die Chance, dabei nicht erwischt zu werden, ist jedoch gering, denn die Poilizei beobachtet gerade diese Autobahnabschnitte besonders sorgfältig. Das dafür erforderliche Material hat sie auf jeden Fall.

(Fl. Moreau: Moins noir que prévu, in: SUDOUEST, 30. 07. 2017)

 

 

 

Strandsicherung

Die Organisation der Strandsicherung in Frankreich ist eine komplizierte Angelegenheit, die im wesentlichen von den Gemeinden, die Strände mit Sicherungsbedarf haben, geregelt wird. Neben den Rettungsschwimmern, die die Gemeinden einstellen, werden auch Angehörige der CRS (Compagnies Républicaines de Sécurité) eingesetzt. Im Jahre 2002 versahen 720 Rettungsschwimmer dieser bereitschaftspolizeiähnlichen Einheiten für jeweils drei Monate Dienst an den Stränden. Gegenwärtig sind es noch 297, die nur noch für zwei Monate im Einsatz sind. Die CRS selbst sind interessiert daran, dass ihre Präsenz an den Stränden nicht noch weiter reduziert wird. Sie haben daher über ihre Gewerkschaft eine Aktion gestartet, die Kontakte zu den Gemeinden aufnehmen soll, die für CRS-Einsätze in Frage kommen. Bei den Gemeinden besteht ebenfalls Interesse, wobei neben der Hochschätzung für die Professionalität und Erfahrung der CRS-Retter auch finanzielle Überlegungen eine Rolle spielen, denn anders als bei den von den Gemeinden engagierten Saisonkräften werden die CRS vom Staat besoldet. Die Gewerkschaftsleitung der CRS bemüht sich, die staatlichen Behörden dazu zu bringen, einen Fünfjahresplan aufzustellen, der einerseits dafür sorgen soll, dass die Dienstzeiten der CRS-Rettungsschwimmer mit den Schulferien synchronisiert werden, was bereits  in diesem Jahr geschehen ist, und andererseits soll für die Gemeinden, an deren Stränden CRS eingesetzt sind, Planungssicherheit für die nächsten Jahre geschaffen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen dementsprechende Vorschläge ausgearbeitet und den Behören übergeben werden. Das wird jedoch erst im September geschehen, so dass man zur Zeit nicht einschätzen kann, welchen Erfolg diese Initiative haben wird.

(L. Lestage: Les sauveteurs CRS veulent rester sur la plage, in: SUDOUEST, 28. 07. 2017)

 

Es wird wieder warm

Der Juli 2017 ist noch nicht ganz vorüber, aber man kann schon jetzt sagen, dass er im Südwesten Frankreichs mit einer Durchschnittstemperatur von nur 21,5 Grad und viel weniger Sonne als üblich nicht alle Erwartungen der Sommergäste erfüllt hat. Offenbar wird sich die Bilanz aber freundlicher gestalten, denn Météo France sagt voraus, dass die letzten Julitage einen deutlichen Anstieg der Temperaturen und der Sonnenscheindauer bringen werden. Diese Entwicklung wird sich in den ersten Augusttagen fortsetzen, für die eine Welle warmer Luft aus südlichen Gefilden angekündigt wird.

(Sudouest.fr : Météo : les températures repartent à la hausse en août, in SUDOUEST, 28. 07. 2017, 18.00h, Internet-Ausg.)

 

 

Heuschreckenplage

Zu einer Zeit, als Frankreich noch schwer an den Folgen des Krieges zu tragen hatte, ereignete sich im Departement Gironde im Sommer 1946 eine unerwartete Invasion von Heuschrecken, die eine Spur der Verwüstung hinter sich ließen. 

Am schlimmsten traf es die Orte Léognan, Martillac, Saucats, Le Barp, Pessac, Cestas, Gazinet, Croixd’Hins, Pierroton, Marcheprime, Lanton, Lacanau und Ludon, wo die gefräßigen Insekten  eine Art Teppich von bis zu 15 cm Dicke bildeten, dem nichts Fressbares widerstehen konnte. Als die Heuschrecken endlich verschwunden waren, war die Ernte auf den Feldern vernichtet und die Weinanbauflächen in einem erbarmungswürdigen Zustand. Es gab zunächst keine Bekämpfungsmöglichkeiten, mit denen man die aggressiven Schädlinge hätte wirksam zurückdrängen können. Das einzige erfolgversprechende Mittel, das man zunächst zur Verfügung hatte, waren Flammenwerfer, die aber wegen der großen Hitze und Trockenheit nicht eingesetzt werden konnten. Schließlich streute man vergifteten Weizen aus und legte Fanggräben an, aus denen die Heuschrecken nicht herauskamen und wo sie dann verbrannt werden konnten. Der Heuschreckenplage von 1946 war bereits im Jahr zuvor eine Welle vorangegangen, und nachher gab es 1947 noch eine weitere Attacke. Danach ist der Südwesten Frankreichs von weiteren Heuschreckenangriffen verschont geblieben.

(J-M- Le Blanc: Juillet 1946, les croquets envahissent le département, in: SUDOUEST, 27. 07. 2017)

 

Châteaux in Nöten

Die beiden Châteaux Quatre Vents in Margaux und Bonneau in Avensan sind 2014 an einen chinesischen Investor verkauft worden, für das Médoc nicht ungewöhnlich und auch nicht bedrohlich. Die zusammen 28 ha Anbaufläche der beiden Châteaux wurden im ersten Jahr von den neuen Besitzern so weitergeführt, wie das der vorhergehende Eigentümer erwartet und festgeschrieben hatte. Im zweiten Jahr, also 2015, fand bei dem chinesischen Investor ein personeller Wechsel statt, der dazu führte, dass man das Interesse an den Châteaux herunterstufte. Von da an flossen die Gehälter der Angestellten nicht mehr oder nur mit mehrmonatiger Verspätung, wichtige Arbeiten auf den Flächen der Châteaux wurden nicht unternommen, die Abfüllung des Jahrgangs 2015 unterblieb und manche andere Misslichkeit kam dazu. Mehrere Angestellte haben Schiedsgerichte angerufen, die ihnen zu ihrem Recht verhelfen sollen, aber auf der Seite der Besitzer aus dem Reich der Mitte ist nicht erkennbar, dass man die Châtaux so führen will, dass sie wieder in die Spur kommen. Zur Zeit sind einige Parzellen, auf denen das Unkraut höher steht als die Weinstöcke, regelrecht verwildert, was natürlich mit dem früheren Ansehen der Châteaux schwer in Einklang zu bringen ist. Wie die weitere Entwicklung verläuft, weiß von den französischen Angestellten niemand, und die chinesische Leitung lässt die Dinge einfach treiben. Niemand kann sie zwingen, zu einer verantwortungsvollen Bewirtschaftung der Châteaux zurückzukehren, so dass zu befürchten ist, dass das französische Personal abwandern wird und der Betrieb damit völlig zum Erliegen kommt.

(J. Lestage: Des châteaux abandonnés, in: SUDOUEST, 25. 07. 2017)

 

 

 

Deutsches Radioprogramm im Médoc

Jedermann weiß, dass  ein Urlaub im Médoc für Besucher mit guten Französisch-Kenntnissen ertragreicher ist als wenn man die Landessprache nicht versteht. Aber auch die zahlreichen deutschen Touristen, die sich alljährlich ohne belastbare Französisch-Kenntnisse vorwagen, müssen nicht verzweifeln. Um sie kümmert sich zum Beispiel Radio Aqui, das auf 98 MHz von Saint-Germain d’Esteuil aus sendet und für die Sommermonate in sein Programm eine deutschsprachige Sendung aufgenommen hat. Die ist an jedem Donnerstag um 11.00h und noch einmal um 20.00h zu hören. Hinter diesem deutschsprachigen Programmbaustein steckt das Kollektiv Médoc actif, das viel dafür tut, dass Ausländer, nicht nur Deutsche, Zugang zum reichhaltigen kulturellen und historischen Angebot des Médoc finden. Die deutschsprachigen Sendungen werden donnerstags bis zum 31. August ausgestrahlt. Wer die Sendezeiten verpasst, kann sich im Internet (http://www.medoc-actif.eu/aquifm/) informieren und dort alle bereits ausgestrahlten Sendungen nachhören. Wer schon dabei ist, sich im Internet umzuschauen, sollte auch diese Seite besuchen: http://www.medoc-actif.eu/

(A. Larrue: La langue de Goethe sur les ondes, in: SUDOUEST, 24. 07. 2017)

 

 

Luftige Projekte

Wer von Royan nach Bordeaux fahren will, muss sich auf eine längere Reise einstellen. Mit dem Auto wird er je nach Verkehrslage im Großraum Bordeaux zwei Stunden, vielleicht etwas weniger, brauchen, und mit der Bahn geht es wegen der fehlenden direkten Verbindung eher langsamer. Da man sich in Royan einige Gedanken darüber macht, wie man die Verkehrszeiten in Richtung Bordeaux verringern könnte, verwundert es nicht, dass eine Studie, die vor wenigen Jahren gemacht wurde, Beachtung findet, die ergeben hat, dass die schnellste Verbindung nach Bordeaux über die Gironde hergestellt werden könnte, wenn man dafür ein geeignetes Verkehrsmittel einsetzen könnte. Und dieses Verkehrsmittel hat bereits auf der Gironde verkehrt, freilich wurde es vor mehreren Jahrzehnten bereits aufgegeben und stillgelegt. Gemeint ist ein Luftkissenfahrzeug, das alle Voraussetzungen für einen  schnellen und von äußeren Verhältnissen weitgehend unabhängigen Verkehr ermöglichen würde. Damit erscheinen Reisezeiten zwischen Royan und Bordeaux von wenig mehr als einer Stunde durchaus realistisch. Auch über die erwartbare Anzahl von Passagieren gibt es bereits Vorstellungen, die auf das Jahr gerechnet eine Größenordnung von 450 Passagieren pro Werktag in beiden Richtungen annehmen. Die Schwachstelle dieses Projekts ist aber wohl darin zu sehen, dass es derzeit kein Luftkissenfahrzeug gibt, das die bei der Studie zugrunde gelegten Leistungen erbringt. Und solange das so ist, wird die oben angesprochene Studie das bleiben, was sie ist: ein Projekt, bei dem Luft eine entscheidende Rolle spielt.

(Royan-Bordeaux sur l’eau, in: SUDOUEST, 24. 07. 2017)

Rückblick auf das Luftkissenboot, das einst auf der Gironde verkehrte: Klick

 

 

Mascaret

Der Mascaret ist ein Naturphänomen, das selten, aber nicht einzigartig ist. Er tritt an mehreren Flussmündungen auf, in die bei auflaufender Flut große Mengen Seewasser eindringen können. Deshalb wird der Begriff im Deutschen am besten durch das Wort Gezeitenwelle wiedergegeben. In Frankreich tritt der Mascaret an zwei Stellen auf, davon am deutlichsten und eindrucksvollsten bei Saint-Pardon an der Dordogne. Prinzipiell ereignet sich eine solche Gezeitenwelle zweimal täglich, doch ist sie nur dann richtig eindrucksvoll, wenn besonders hohe Koeffizienten ab 90 etwa, auftreten. Dann kann die Gezeitenwelle eine Höhe von bis zu 1,30m erreichen und sich über eine Strecke von rund einem Kilometer erstrecken. Diese Phänomen wird von Surfern besonders geschätzt, die sich in Erwartung der Welle in großer Zahl auf der Dordogne positionieren, um von der auflaufenden Welle flussaufwärts  getragen zu werden bis zu der Stelle, wo der Mascaret ausläuft, weil sich der Querschnitt des Flussbettes der Dordogne so verbreitert, dass der für das Zustandekommen der Welle erforderliche Staueffekt entfällt. Wer es richtig anstellt, kann dann zwei und mehr Minuten vor der Welle hersurfen und damit Zeiten erreichen, die vor der Küste des Médoc nicht erreichbar sind, wo Surfer schon zufrieden sind, wenn sie es auf Surfzeiten von 10 bis 15 Sekunden bringen. Auch wenn sich das Phänomen gut erklären lässt, ist es eindrucksvoll und zieht regelmäßig große Scharen von Zuschauern an, die allesamt der Meinung sind, dass sie das Ereignis auch noch ein weiteres mal bestaunen möchten.

(X. Sota: Le mascaret, ses caprices et ses drôles d’usagers, in: SUDOUEST, 23.07. 2017)

Bilder und zusätzliche Informationen: Klick

 

 

Tourismus in Nouvelle-Aquitaine

Die Region Nouvelle-Aquitaine (nur korrekt mit Bindestrich!) weist eine große Zahl touristischer Attraktionen auf. Dazu gehören Landschaften wie das Bassin von Arcachon, die Châteaux der großen Weine von Saint-Émilion, die Grotte von Lascaux und vieles mehr. Mit einer Küste von 720 km Länge,  den Bergen der Pyrenäen bis zu den Landschaften der Dordogne und Charente werden Touristen mit den unterschiedlichsten Interessen und Vorlieben angesprochen. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Nouvelle-Aquitaine die Region Frankreichs ist, die im Tourismus den dritten Platz einnimmt. Dabei zieht sie jährlich 13 Millionen Besucher an, die dafür sorgen, dass 104.000 Arbeitsplätze geschaffen und 12 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet werden. In der Rangliste der touristischen Ziele liegt das Futuroscope bei Poitiers mit 1,9 Millionen Besuchern im letzten Jahr auf dem ersten Platz, gefolgt vom Aquarium von La Rochelle mit 800.000 Besuchern, dem Zoo von Palmyre mit 629.707 Besuchern und der Zitadelle von Blaye mit 448.105. Danach folgen der Train de la Rhune und  die Düne von Pilat. Die Nachbildung der Grotte von Lascaux folgt erst auf dem 9. Platz mit 271.360 Besuchern, doch ist dabei zu berücksichtigen, dass die neueste Faksimile-Version (Lascaux 4) erst im Dezember 2016 eröffnet wurde. Nach den Besucherzahlen im Dezember ist zu erwarten, dass Lascaux in diesem Jahr in die Spitzengruppe der touristischen Ziele in der Nouvelle-Aquitaine vordringen wird.

(N. César: Le tourisme, trésor de la Nouvelle-Aquitaine, in: SUDOUEST, 22. 07. 2017)

 

 

 

Hochgeschwindigkeitslärm

Seit dem 2. Juli dieses Jahres ist die Welt in dem kleinen Örtchen Marsas unweit von Blaye nicht mehr so in Ordnung wie früher. Nicht den ganzen Tag über, aber 33 mal täglich in der Zeit von 4.00h bis Mitternacht, jedes Mal dann, wenn ein Hochgeschwindigkeitszug mit Tempo 300 oder auch ein wenig mehr mitten durch den Ort fährt. Die Anwohner waren auf die Lärmentwicklung der neuen Hochgeschwindigkeitszüge nicht vorbereitet, merken nun aber, dass sie alle davon mehr betroffen sind als sich das vorgestellt haben. Der Unmut der Bewohner bündelt sich bei der Bürgermeisterin, die davon erfährt, dass bei Durchfahrten der TGV nicht nur ein hoher Geräuschpegel herrscht, sondern dass manche Häuser regelrecht vibrieren, wenn ein Zug vorbeifährt. Besonders intensiv werden Lärm und andere Begleiterscheinungen empfunden, wenn sich, was häufiger geschieht, zwei Züge in Marsas begegnen. Der Zorn richtet sich gegen die Firmen, die Planung und Bau der Strecke besorgt haben und dabei nach Ansicht der Anwohner wenig bis gar nicht über Maßnahmen nachgedacht haben, die die Belastungen für die Menschen an der Strecke mildern könnten. So wird beklagt, dass es nur minimale Schallschutzwände gebe, die den Fahrtlärm der Züge kaum dämpften. Mit Bitterkeit wird registriert, dass man in den Medien die  positiven Impulse der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke für Bordeaux hervorgehoben habe und dabei nicht zuletzt die dort rasant steigenden Immobilienpreise registriert habe, während in Marsas das Gegenteil erfolge und Immobilien an der Bahn empfindlich an Wert verloren hätten. Immerhin sind erste Signale von der Bahn empfangen worden, die erkennen lassen, dass man die Beschwerden für berechtigt hält und darüber nachdenken will, wie Abhilfe geschaffen werden kann. Bis daraus wirkliche Konsequenzen entstehen, wird noch einige Zeit vergehen, in der die Einwohner von Marsas rund drei Dutzend mal täglich daran erinnert werden, dass es früher doch ruhiger bei ihnen zuging.

(J. Lamet: Le bruit à grande vitesse, in: SUDOUEST, 20. 07. 2017)

Rückläufig

Die Einrichtungen, die in Frankreich Ferienkolonien für Kinder organisieren, haben in diesem Jahr noch eine große Zahl freier Plätze, von denen man hofft, dass die meisten noch vergeben werden können. Seit Ende der 60er Jahre, als noch rund 4 Millionen Kinder und Jugendliche in die Ferienkolonien kamen, hat die Zahl der Besucher deutlich nachgelassen auf zur Zeit noch rund 1,2 Millionen pro Jahr. Die Gründe für diesen Rückgang sind vielschichtig. Nicht zuletzt hat dazu beigetragen, dass immer mehr Familien in der Lage sind, Ferien mit Kindern zu machen, was in früheren Jahrzehnten längst nicht selbstverständlich war. Die Organisatoren von Ferienlagern geben aber nicht kampflos auf, sie verweisen vielmehr auf die unbestreitbaren Vorteile ihres Angebotes, in dem Heranwachsende Erfahrungen im sozialen Bereich machen können, die bei Familienurlauben nicht möglich sind. Allerdings verweisen die Veranstalter darauf, dass ihre Kosten gestiegen sind und dass sie daher wenig Chancen haben, Kinder aus sozial schwachen Familien anzuziehen. Wesentlich preiswerter können Pfadfinderorganisationen Ferienlager anbieten, da bei ihnen fast alle Tätigkeiten von unbezahlten ehrenamtlichen Kräften besorgt werden. Im Ergebnis führt das dazu, dass ein dreiwöchiger Aufenthalt für rund 500 Euro angeboten werden kann, was den klassischen Ferienkolonien nicht gelingt, weil sie einen großen Stab von Angestellten bezahlen müssen. Für viele Heranwachsende bleiben aber die verschiedenen Formen von Ferienlagern bevorzugte Möglichkeiten, einen Teil der schulfreien Zeit kostengünstig zu verbringen. Und so wie es aussieht, werden die Organisationen, die Angebote in diesem Bereich machen, noch lange aktiv bleiben.

(Y. Delneste: Les colonies de vacances ne se résignent pas au déclin, in: SUDOUEST, 18. 07. 2017)

 

Nach dem Zwischenfall auf dem Markt von Montalivet

Nach dem alles in allem noch glimpflich ausgegangenen Zwischenfall, bei dem in Montalivet ein geistig verwirrter Autofahrer sein Fahrzeug zwischen die Marktstände gelenkt hatte, hat der Bürgermeister in einer Zusammenkunft mit den Marktbeschickern über Sicherungsmaßnahmen beraten, die eine Wiederholung des Vorfalls vom 18. Juli verhindern sollen. Als Ergebnis wurde ein Plan verabschiedet, der wirksame Vorkehrungen zur Sicherheit des Marktes und seiner Besucher treffen soll. Die Gemeinde hat Barrieren bestellt, die verhindern sollen, dass Fahrzeuge  unkontrolliert auf das Marktgelände gelangen können. Da die Lieferung der Absperrungen einige Zeit brauchen wird, werden die Fahrzeuge der Standinhaber bis dahin so platziert, dass sie als Sicherheitsgürtel fungieren können. Im übrigen legten Bürgermeister und Marktbeschicker Wert auf die Feststellung, dass das Marktgeschehen umgehend wieder zum Normalbetrieb zurückkehren sollte.

(Une voiture fonce dans le marché : un nouveau plan de sécurité adoptéin: SUDOUEST, 19. 07. 2017)

 

Angriff auf den Markt in Montalivet

Am Dienstagvormittag hat in Montalivet ein Autofahrer die Absperrgitter an der Avenue de l’Océan durchbrochen und ist mit seinem Volvo auf den Markt gefahren. Dort hat er seine Fahrt durch eine Gasse zwischen den Ständen fortgesetzt, bis ein beherzter Straßenhändler einen schweren Stein in die Windschutzscheibe des Autos schleuderte, und der Fahrer daraufhin stoppte. Daraufhin haben mehrer Anwesende den Fahrer aus dem Auto gezogen und solange auf dem Boden fixiert, bis die Polizei kam. Der etwa fünfzigjährige Mann ist  verhaftet worden. Er stammt aus Lesparre und wurde in den letzten Tagen von Marktbeschickern bereits als auffällig wahrgenommen. Was er mit seiner Aktion vorhatte, ist zur Zeit noch unklar, der Mann macht aber einen verwirrten Eindruck. Die Polizei sperrte daraufhin einen Bereich von 200 m Durchmesser um das Fahrzeug ab, das erst entfernt werden kann, wenn sicher ist, dass von dem Auto keine Gefahren ausgehen. Dazu muss allerdings eine eingehende Durchsuchung durch Sprengstoffexperten erfolgen, die umgehend angefordert wurden. Der Fahrer gab zusammenhangslose Sätze von sich, die keinen terroristischen Inhalt hatten, aber dazu führen werden, dass er von Amts wegen in ein Krankenhaus zur Beobachtung eingewiesen wird. Als Reaktion auf den Vorfall hat der Bürgermeister von Vendays-Montalivet eine Zusammenkunft mit den Inhabern der Stände auf dem Markt von Montalivet angekündigt, bei dem darüber diskutiert werden soll, ob und wie die Sicherheit auf dem Markt vergrößert werden kann.

(Fl. Moreau/ J. Lestage: Montalivet (33) : un chauffard „extrêmement perturbé“ fonce dans le marché, in: SUDOUEST, 18. 07. 2017, 13.29h, Internet-Ausg.)

 

Die Île nouvelle

Die Île nouvelle gehört zu einem Archipel von acht unterschiedlich großen Inseln in der Girondemüdung, die ihre Entstehung allesamt der Ablagerng von Schwebestoffen verdanken, die von Garonne und Dordogne herantransportiert worden sind. Die Île nouvelle hat sich gebildet aus dem Zusammenschluss zweier ehemaliger Sandbänke. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts haben sich Menschen dauerhaft auf der Insel angesiedelt, die Îloûts, die dort Landwirtschaft und Weinbau betrieben haben und im übrigen ein ziemlich abgeschiedenes Leben führten. Die letzten Maisernten wurden in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts dort eingefahren, doch verlor das Inselleben beständig an Reiz. 1991 wurde die Insel vom Conservatoire du littoral gekauft und zum Gegenstand einer umfassenden Renaturierungsaktion gemacht. Für eine Reihe von Jahren wurde der Zugang zur Insel beschränkt auf die Leute, die dort im Sinne der geplanten Umgestaltung der Insel tätig waren. Da diese Maßnahmen inzwischen aber abgeschlossen sind, wird ein kontrollierter Besuchsverkehr organisiert, der, versteht sich unter sachkundiger Führung, einen Teil der Insel dem Publikum zugänglich macht. Besonders interessant ist die Tier- und Pflanzenwelt, die sich dort beobachten lässt, zu der z.B. die weißen Löffelreiher gehören, die im Departement Gironde nur auf der Île Nouvelle brüten. Zu dem rund vierstündigen Besuchsprogramm gehört auch das kleine Dörfchen, in dem einst die Îloûts gewohnt haben. Besuche der Île Nouvelle sind von Blaye oder Cussac-Médoc möglich. Da die Anzahl der Besucher begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung (Tel. 05 56 82 71 79) erforderlich.

(J. J. Le renouveau de l’île Nouvelle, in: SUDOUEST, 17. 07. 2017)

 

Langfinger in Le Gurp

Auf dem Camping municipal von Le Gurp, der wie jedes Jahr um diese Zeit wieder gut besucht ist, wurden am letzten Freitag in den Abendstunden zwei Camperinnen verhaftet, die die Abwesenheit von anderen Zeltbewohnern genutzt hatten, um deren Habeseligkeiten zu durchsuchen und das mitgehen zu lassen, was für wertvoll gehalten wurde. Dabei hatten sie es vor allem auf Mobiltelefone und Geldbörsen abgesehen, wie sich herausstellte, als ihr eigenes Zelt durchsucht wurde. Dank der schnellen Entdeckung der Diebstähle konnte das Diebesgut den rechtmäßigen Besitzern zurückgegeben werden. Die beiden Missetäterinnen werden sich in Kürze vor Gericht für ihr Tun verantworten müssen.

(Deux campeuses indélicates prises la main dans le sac, in: SUDOUEST, 16. 07. 2017)

 

Noch ein Rekord

Der Tourismus entwickelt sich in Frankreich in einem langjährigen Trend positiv, doch gibt es einen Bereich, in dem die Steigerungsraten deutlich an der Spitze liegen. In der Kreuzschifffahrt werden seit mehreren Jahren geradezu spektakuläre Zuwachsraten erreicht. Weltweit haben sich innerhalb der letzten 15 Jahre die Passagierzahlen verdoppelt auf zuletzt 24 Millionen im Jahr 2016. Davon kamen 6,7 Millionen aus Europa und davon wieder 570.000 aus Frankreich. 60% der Franzosen wählen dabei Ziele im Mittelmeer. Frankreich hat drei Häfen, von denen aus Kreuzfahrten starten: Nizza und Marseille für das Mittelmeer und Le Havre für den Atlantik. Der Südwesten Frankreichs scheint dabei benachteiligt zu sein, doch belegen die Zahlen der Kreuzfahrtschiffe, die Ziele im Südwesten Frankreichs anlaufen, dass man auch dort  von diesem Bereich des Tourismus kräftig profitiert. So werden in diesem Jahr erstmals mehr als 50 Kreuzfahrtschiffe in die Gironde einlaufen. Die meisten werden im Port de la lune von Bordeaux festmachen, doch müssen ein paar von ihnen wegen ihrer Größe in Le Verdon oder Pauillac anlegen. In Bordeaux können Schiffe bis zu einer Läge von 250 m empfangen werden, größere müssen Le Verdon oder Pauillac anlaufen. Bei der zunehmenden Größe der Kreuzfahrtschiffe wird die Zahl derer, die bis Bordeaux vordringen können, abnehmen, denn der Trend geht zu Schiffen, die die Marke von 300 m Länge überschreiten. Die neuesten Schiffe können über 5.000 Passagiere aufnehmen, die überall dort, wo die Schiffe Station machen, mehr als gern gesehen sind. Dabei ist der wirtschaftliche Hintergrund leicht zu beschreiben: Kreuzfahrttouristen geben bei Landgängen im Schnitt pro Tag zwischen 100 und 150 Euro aus.

(P. Tillinac: Les croisières battent des records, in: SUDOUEST, 15. 07. 2017)

Bäcker unter Druck

Es gibt in Frankreich 32.000 Bäckereien. Aber obwohl die Bevölkerung in Frankreich zunimmt, ist die Zahl der Bäckereien ruckläufig. In den letzten Jahren haben jeweils 1.200von ihnen  aufgegeben. Meist sind es kleinere Bäckereien auf dem Lande, in denen nur der Bäcker selbst und vielleicht noch seine Frau beschäftigt sind, die die Segel streichen. Für diese Entwicklung gibt es mehrere Gründe. Dazu zählt der Rückgang des Verbrauchs von Brot pro Kopf der Bevölkerung aber auch der Vormarsch von Großbäckerien und Brotangeboten in den großen Supermärkten und Discountläden, in denen vorgefertigtes Brot nur noch ausgebacken wird. Mit den Preisen, die dort gefordert werden, können traditionelle Bäckereien aus leicht einzusehenden Gründen nicht mithalten. Inzwischen wird bereits die Hälfte des in Frankreich verzehrten Brotes industriell hergestellt, und wie es aussieht, wird dieser Anteil noch zunehmen. Der Gesamtumsatz an Brot und Backwaren in Frankreich liegt pro Jahr bei 8,5 Milliarden Euro, wobei der Anteil, der auf Brot entfällt, kontinuierlich abnimmt. Aßen Franzosen in den 50er Jahren pro Kopf und Tag rund 360 Gramm Brot, so ist die heutige Menge auf rund ein Drtittel der einstigen Werte gesunken. Eindeutig zugenommen hat allerdings die Qualität und die Vielfalt des Sortiments in den Bäckereien. Bereits rund 40% der Verbraucher greifen inzwischen nach Brotsorten, die sich von der klassischen Baguette unterscheiden. Und hier liegt vielleicht auch die Chance für die traditionellen handwerklichen Bäckereien, ihre Vorteile gegenüber der industriellen Konkurrenz auszuspielen.

(S. Cottin: De moins en moins de pain sur la planche, in: SUDOUEST, 14. 07. 2017)

Autofrei für zwei Monate

Der Pont de pierre ist die älteste Brücke in Bordeaux und damit ein Gegenstand beständiger Sorge, was leicht zu verstehen ist, wenn man die Verkehrsbelastungen des Jahres 1822, als die Brücke eingeweiht wurde, mit den Kräften  vergleicht, die heutzutage darauf einwirken. Vom 1. August an soll nun für zunächst zwei Monate die Brücke für den Autoverkehr gesperrt werden, was unter anderem bedeutet, dass  16.000 Kraftfahrzeuge, die täglich im Schnitt gezählt werden, einen anderen Weg nehmen müssen, um an das andere Ufer der Garonne zu gelangen. Der Pont de pierre bleibt jedoch geöffnet für die rund 60.000 Personen, die ihn täglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln überqueren und ebenso dürfen die Fußgänger und Radfahrer, durchschnittlich 7.000 pro Tag, ungehindert auf vertrauten Pfaden den Fluss überqueren. Mit der Sperrung der Brücke soll einerseits die Umweltbelastung durch den Kraftfahrzeugverkehr im Stadtbereich von Bordeaux reduziert werden, andererseits soll aber, wohl noch wichtiger, die Brücke geschont werden, deren 200jähriges Bestehen bald gefeirt werden kann. In der Brücke gibt es mittlerweile ein komplexes System von Sensoren und Messgeräten, deren Auswertung darüber entscheiden wird, ob die Sperrung nach den zunächst geplanten zwei Monaten wieder aufgehoben wird oder nicht.  

(St. Dubourg: Le pont de pierre en mode sans voitures, in: SUDOUEST, 13. 07. 2017)

Er fährt wieder

Der kleine Zug, der in den Sommermonaten zwischen dem Parklatz Les Arros nördlich von Soulac und der Ponte de Grave verkehrt, ist auch in diesem jahr wieder in Betrieb, und zwar schon seitdem 15. Juni. Er wird bis zum 15. September siebenmal täglich den Weg zwischen seinen Endstationen zurücklegen. Zwischen halte sind von der Fahrplanseite her nicht vorgesehen, aber das gemächliche Tempo der kleinen Zuges erlaubt es den Reisenden, alles Wesentliche beiderseits des Bahnkörpers mitzubekommen. Wer in früheren Jahren schon einmal zu den Passagieren zählte, wird feststellen, dass die Lokomotiven ersetzt worden sind durch etwas weniger betagte Modelle, was aber dem Reiz dieses Gefährts nicht abträglich ist. Die Bahn verdankt ihre Entstehung den umfangreichen Küstenschutzmaßnahmen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, deren Materialien auf einem neu angelegten Gleiskörper an ihren Bestimmungsort geschafft worden sind. Danach haben die deutschen Besatzer die Transportmöglichkeiten der Bahn genutzt, bevor in der Nachkriegszeit der Betrieb eingestellt wurde und der Bahnkörper mehr und mehr verfiel. Als man dann den Gedanken hatte, die Bahn für den Tourismus zu nutzen, ging das nur im Schrittempo wegen des schlechten Zustandes der Schienen. Inzwischen ist allerhand Geld investiert worden, um den Betrieb sicherzustellen. Im letzten Jahr haben 10.300 Passagiere die Gelegenheit genutzt, um auf dem Schienenweg vom Nordrand Soulacs zur Pointe de Grave zu gelangen.

(M. C.: Le petit train et ses petits passagers, in: SUDOUEST, 12. 07. 2017)

Mehr zu dem kleinen Zug mit Fahrplan und Preisen: Klick

 

Paris – Bordeaux: Bahn oder Flugzeug?

Was bislang mehr theoretischer Natur war, ist nun in die tägliche Praxis eingetreten, zumindest für viele Reisende, die von Bordeaux nach Paris oder umgekehrt wollen: die Frage, ob man das Flugzeug oder die Bahn nimmt. Der Vergleich der reinen Reisezeiten (Bahn im günstigsten Fall 2 Std, 4 Min., Flugzeug etwa eine Stunde) ist einfach, aber wann man die zusätzlichen Zeitbedürfnisse für den Weg zum Flugzeug bzw. zur Bahn hinzurechnet, dann nähern sich die Gesamtreisezeiten einander an. Bei den Preisen hat wohl das Flugzeug die Nase vorn, denn da kostet das Ticket bei Hop! Air France 58,05 Euro, wobei es noch Möglichkeiten zum Sparen gibt für Inhaber von verschiedenen Ermäßigungspässen, die aber für Einmalreisende keine Vorteile bringen. Die SNCF verlangt je nach Buchungsdatum etwa das Doppelte für die schnellsten TGV-Züge. Air France verweist zudem auf die günstige Parkplatzsituation bei dem Flughafen, deren Angebot um ein Dreifaches über dem der Bahn in Bordeaux liegt. Wie teuer die Reise wirklich ist, und wie viel Zeit man tatsächlich braucht, hängt nicht zuletzt von dem eigentlichen Ziel in Paris ab. Für Fluggäste, die weiterfliegen wollen, dürfte das Flugzeug in der Regel die günstigere Alternative sein, wer in das Zentrum von Paris will, kommt von der Gare de Monatparnasse, dem Ankunftsort der Bahn aus Richtung Bordeaux, schneller in die Mitte von paris. Um hier zu einer Entscheidung für die günstigste Option zu kommen, muss jeder Reisende genau hinschauen, wobei es auch lohnt, die Angebote der Fernreisebusse zu prüfen, wenn der Zeitfaktor keine entscheidende Rolle spielt.

(P. R.: Concurrence de la LGV Bordeaux-Paris : Hop! Air France abat ses cartes commerciales, in: SUDOUEST, 14. 04. 2017, Internet-Ausg.)

 

Neue Blicke auf das Médoc

Die Namen von Delphine Trentacosta und Christian Coulon haben einen guten Klang im Médoc. Sie als Fotografin und er als schriftstellernder Historiker haben schon in der Vergangenheit einiges geschaffen, was vielen das Médoc nähergebracht hat. Auf dieser Linie liegt auch die neueste gemeinsame Veröffentlichung, die soeben erschienen ist. Der Titel Un autre Médoc ist programmatisch, er verweist auf das Bestreben, den Blick zu lenken auf weniger geläufige Seiten des Médoc, das sich ansonsten oft auf die beiden Facetten Wein und Strand reduziert. Der opulent bebilderte Band von D. Trentacosta und Chr. Coulon  stellt 32 Orte vor, an denen die meisten Touristen bislang wohl vorbeigegangen sein dürften. Dabei haben sie sich sowohl Orten zugewandt, die eher in der Vergangenheit verwurzelt sind als auch solchen Bereichen, die eine erfolgversprechende Zukunft vor sich haben. So wird der Leser mit dem sagenhaften Noviomagus oder der sagenumwobenen Quelle von Benon Bekanntschaft machen als auch mit im Médoc beheimateten Aktivitäten wie der Harzsammlung und der Austernzucht, die gerade dabei sind, wieder zu neuem und erfolgversprechendem Leben zu erwachen. Auch wer Fotos am liebsten im Großformat betrachtet, kommt auf seine Kosten, denn demnächst wird eine Ausstellung der Fotografien von Delphine Trentacosta an mehreren Orten des Médoc gezeigt werden und sicher dazu beitragen, dass das neue Buch, das schon jetzt ein richtiger Verkaufserfolg ist, noch weiter bekannt wird. (Trentacosta, D. / Coulon, Chr.: Un autre Médoc. Sites et monuments insolites. Edtitons Confluences, 2017, 25. Euro)

(A. Larrue: Le Médoc tel qu’on n’a pas l’habitude de le voir, in: SUDOUEST, 08. 07. 2017)

 

Premiere bei der Tour de France?

Der Streckenverlauf der diesjährigen Tour de France berührt zwar den Südwesten Frankreichs nur flüchtig, doch könnte es dabei zu einem Ereignis kommen, das in der bisherigen Tour-Geschichte noch nicht vorgekommen ist. Hinter dieser Eventualität steht der Abbé Eric Lestage, ein radsportbegeisterter Priester, in dessen Sprengel eine Kapelle mit dem beziehungsreichen Namen Notre-Dame des cyclistes steht. Diese Kapelle beherbergt einen Fundus an Radsport-Devonationalien, zu denen unter anderem rund 800 Trikots von Radsportgrößen zählen. Und, zufällig oder nicht, der diesjährige Steckenverlauf der Tour de France führt direkt an der besagten Kapelle vorbei. Als er davon erfuhr, war der Abbé Lestage geradezu elektrisiert und  überlegte, wie er es fertigbringen könnte, die Tour-Karavane für eine kurze meditative Andacht und Pause an seiner Kapelle anhalten zu lassen. Da ihm klar war, dass ein einfacher Dorfgeistlicher nicht einfach in den Rennverlauf der Tour eingreifen kann, wandte sich der gute Abbé an den Papst und, sicher zweckmäßig, an den Leiter der Tour. Der Papst signalisierte zwar, dass er allem positiv gegenüberstehe, was den Glauben befördere, er ließ aber im Unklaren, ob er es für geraten hielt, die Tour-Teilnehmer einfach zu stoppen und sie erst nach einem Gebet weiterfahren zu lassen. Auch der Leiter der Tour vermied eine Festlegung, ließ aber erkennen, dass er Verständnis dafür hätte, wenn ein kurzer Stopp an der Kapelle eingelegt würde, der natürlich keine Auswirkungen auf den Rennverlauf haben dürfte. Angesichts dieser Antworten ließ Monsieur l’Abbé erkennen, dass er den göttlichen Segen, den zu spenden er willens sei, auch auf die Tour-Teilnehmer herabflehen könnte, wenn sie an der Kapelle vorbeiführen ohne extra anzuhalten. Und das wird auch wohl an dem Tag passieren, an dem die Tour vor der Kapelle Notre-Dame des cyclistes vorbeirollt. Obwohl, man soll ja schließlich niemals nie sagen.

(S. Cotttin. Monsieur le curé veut arrêter le peloton du Tour de France, in: SUDOUEST, 08. 07. 2017

 

Umweltzonen in Frankreich

Auch in Frankreich gibt es inzwischen Städte, in die Kraftfahrzeuge nur dann zeitlich uneingeschränkt einfahren dürfen, wenn sie eine Umweltplakette haben. Wir haben dazu schon vor geraumer Zeit detaillierte Informationen gegeben.

Mehr: Klick

Neuerdings hat auch der ADAC zu dieser Thematik wieder Hinweise gegeben, die Frankreichreisende unbedingt beachten sollten, um vermeidbare Bußgelder zu umgehen:

Der ADAC hat hierzu auf seiner Seite Erklärungen bereit gestellt :

https://www.adac.de/reise_freizeit/top_news/detail.aspx?ItpId=8021&PagingIds=NachrichtenListe&ReturnUrl=pU2e4GEeBfIMvtNQvtNNpUu.2AZ,vGqnpfuevnymF05,EGELwA__

Hier geht zur (deutschsprachtigen) Bestellformularseite (gouv.) :

https://www.certificat-air.gouv.fr/de/

 

Brexit und Bordeauxwein

In Bordeaux geht der Congrés national de la viticulture zu Ende, an dem 500 französische Profis des Weinbaus und der Vermarktung teilgenommen haben. Eines der Hauptthemen bei dieser Veranstaltung waren die Folgen des Austritts Groß-Britanniens aus der Europäischen Union, die zwar erst in zwei oder drei Jahren vollzogen werden wird, doch schon jetzt ihre Auswirkungen zeigt. Dazu gehört in erster Linie die Finanzierung de Agrarpolitik der EU, die sich durch den Wegfall der Beiträge Groß-Britanniens vor Probleme gestellt sieht, für die noch keine allseits zufriedenstellende Lösung gefunden ist. Zur Zeit erhält der französische Weinbau aus Brüssel Subventionen von 280 Millionen Euro jährlich, deren Höhe freilich nicht bestehen bleiben dürfte. Zusätzlich finanziert Brüssel eine Versicherung, die die Weinbaubetriebe gegen Ernteausfälle, zum Beispiel durch Frost während der Blütezeit der Rebstöcke schützen soll. Trotz der wenig erfreulichen Zukunftsperspektiven bezüglich der Subventionen ist der Kongress mit einer erfreulichen Nachricht abgeschlossen worden, denn es wurde ein Übereinkommen mit Japan geschlossen, das noch bestehende Einfuhrzölle für Wein in Japan abschafft und einen wirksamen Schutz der Herkunftsbezeichnungen der französischen Anbaugebiete bringen wird.

(C. Compadre: Le Brexit brouille le jeu, in: SUDOUEST, 07. 07. 2017)

 

 

Olympia 2024 im Médoc?

Wenn, was durchaus möglich ist, Paris Austragungsort für die Olympischen Spiele 2024 sein wird, gibt es eine Fülle von sportlichen Ereignissen und Disziplinen, die nicht alle in der Hauptstadt ausgetragen werden können. Dazu gehören die Surf-Wettbewerbe, die nur an einem dafür geeigneten Küstenabschnitt durchgeführt werden können. Und in dieser Beziehung ist man in Lacanau der Meinung, dass man dafür besonders geeignet sei. Um nichts dem Zufall zu überlassen, laufen schon seit mehreren Monaten Aktivitäten, bei denen es vor allem darum geht, Lacanau als möglichen Austragungsort in Stellung zu bringen, so dass vielleicht gar nicht mehr über Alternativen für die Austragung der Surf-Wettbewerbe nachgedacht wird. Zu diesem Zweck hat man sich zunächst des Rückhalts von Bordeaux versichert und eine Abordnung des Gemeinderates mit einem detailliert ausgearbeiteten Konzept losgeschickt, die wenig Mühe hatte, die Verantwortlichen der Garonne-Metropole zu überzeugen. Eine zweite Initiative wurde gestartet, um die Vorzüge von Lacanau bei der Fédération Française de Surf herauszustellen, und damit niemand vergessen würde, präsentierte man die Pläne von Lacanau auch beim Kongress der Internationalen Surf-Vereinigung in Biarritz. Um die Attraktivität von Lacanau noch zu steigern, unternimmt man große Anstrengungen, um das bis 2024 durchaus realisierbare Projekt eines Anschlusses an das Überland-Straßenbahnnnetz von Bordeaux  zu erreichen. Wenn Lacanau doch nicht zum Zuge kommen sollte, hat es bestimmt nicht daran gelegen, dass die Canaulais (so heißen die Bewohner von lacanau) nicht früh genug aktiv geworden sind.

(J. Lestage: Lacanau travaille sur les JO de Paris 2024, in: SUDOUEST, 06. 07. 2017)

 

 

Festival Les Échappées musicales

In diesem Jahr wird es im Médoc die zweite Auflage eines Festivals geben, das von einem musikbesessenen Trio zelebriert werden wird. Initiatoren und Ideengeber sind der Klarinettist Bruno Bonansea und seine Partnerin die Flötistin Julie Moulin. Der Dritte im Bunde ist ihr Freund Arthur Lamarre. Die Anfänge des Trios im Médoc reichen bald zehn Jahre zurück, wobei sie zunächst kleinere Auftritte in Kirchen hatten, bevor sie 2016 ihr Festival ins Leben riefen, zu dem auf Anhieb 1.000 Besucher strömten. Die Verbindung in das Médoc kam über Julie Moulin zustande, die hier geboren ist. Normalerweise sind die Drei in den großen Konzertsälen dieser Welt zu Hause, doch nehmen sie sich im Sommer die Zeit für Auftritte im Médoc, bei denen sie übrigens darauf achten, dass die Eintrittspreise nicht über 12 Euro pro Person liegen. In diesem jahr werden sie vom 24. bis 29. Juli sieben Konzerte geben: in den Kirchen von Talais, Gaillan, Soulac (Amélie) und Bégadan. Das Schlusskonzert wird im Château Beyzac in Beychevelle stattfinden.

(J. Lestage: Les Échappées musicales veulent enchanter le public, in: SUDOUEST, 05. 07. 2017)

Mehr zum Festival Les Échappées musicales: http://www.lesechappeesmusicales.fr/

 

 

Sport und Bewegung für die Sommergäste

Mit Beginn der Saison haben im Médoc in fünf Orten die Aktivitäten der Zentren Cap 33 begonnen, die es sich zum Ziel setzen, die Sommergäste an verschiedene freizeitverträgliche Sportarten heranzuführen und sie Neues entdecken zu lassen. Die Angebote variieren dabei von Ort zu Ort, doch sollte eigentlich für jeden, der einschlägige Interessen hat, dabei etwas zu finden sein. Einzelheiten erfragt man am besten bei den örtlichen Office de tourisme, die auch über kurzfristige Terminänderungen Bescheid wissen. Im letzten Jahr haben im Médoc 190.000 Personen von den Angeboten des Cap 33 Gebrauch gemacht, für die rund 500 Animateure bereitstehen, die von den Gemeinden beziehungsweise den Gemeindeverbänden rekrutiert werden. Zu den Kosten leistet das Departement einen Beitrag in Höhe von 362.000 Euro. Cap 33-Aktivitäten gibt es im Médoc an rund 20 Standorten, die sich auf die fünf Gemeinden Carcans, Grayan-et-l’Hôpital, Lacanau,

Vendays-Montalivet und Soulac-sur-Mer verteilen. Über Einzelheiten informiert man sich an den lokalen Offices de tourisme.

(J. Lestage: Du sport pour tous dans cinq stations avec Cap 33, in: SUDOUEST, 04. 07. 2017)

 

Loch in den Kassen

Den französischen Staatsfinanzen geht es schon seit geraumer Zeit nicht gut, doch hatte der neu gewählte Staatspräsident Emmanuel Macron angekündigt, dass er das Defizit im Staatshaushalt unter die von der EU verordnete Grenze von 3% drücken wird. Daraus wird wohl so schnell nichts werden, denn ein soeben vorgelegter Bericht des stattlichen Rechnungshofes enthüllte, dass es in den öffentlichen Kassen ein Loch von bislang irgendwie vertuschten 8 Milliarden Euro gibt. Dieses Loch wird von niemandem bestritten, aber es ist fraglich, ob und wie es gestopft werden kann. Erste Konsequenz ist, dass das Ziel der Neuverschuldung unter  3% aufgegeben werden muss. Stattdessen wird nun für das Haushaltsjahr 2017 mit einer Defizitgröße von 3,2% gerechnet. Bei der Suche nach den Ursachen für das plötzlich aufgetauchte Loch im Haushalt stellte sich heraus, dass in den letzten Jahren die Haushaltszahlen fast beständig niedriger angesetzt worden waren als die tatsächlich zu begleichenden Ausgaben, mit dem jetzt sichtbar gewordenen Ergebnis. Trotz des unerwartet düsteren Berichts des Rechnungshofes ist in den letzten Jahren das französische Staatsdefizit reduziert worden. Dabei ist es gelungen, das Minus  von 7,2% im Jahre  2009 langsam auf 3,4% im Jahre 2016 zu verringern, zumindest nach den publizierten Zahlen. Obwohl durch das neu entdeckte Loch in den Kassen die geplante Defizitgrenze von 2,8% für 2017 nicht gehalten werden kann, sondern auf 3,2% absinkt,  liegen die revidierten Zahlen mit 3.2% immer noch unter dem Wert von 3,4% für 2016. Ob das für die amtierende Staatsführung ein wirklicher Trost sein dürfte, ist jedoch mehr als unsicher.

(D. Richard: La France toujours accro au déficit, in : SUDOUEST, 30. 06. 2017)

 

 

Zu viel Licht in Bordeaux

Nach Erhebungen der Association nationale pour la protection du ciel et de l’environnement nocturne (Anpcen) sind 70% der Gebäude in Bordeaux nicht so beleuchtet, wie es von den Vorschriften her gefordert wird. Nach der Verordnung vom 25. Janaur 2013 müssen an Gebäuden, die nicht Wohnzwecken dienen, spätestens um 1 Uhr die Fassadenbeleuchtungen ausgeschaltet werden. In Geschäft- und Büroräumen muss die Beleuchtung spätestens eine Stunde nach dem Ende der gewerblichen Nutzung abgeschaltet werden. Von diesen Vorschriften sind alle Gebäude, Schaufenster und Büros nach dem Ende der Büro- bzw. Geschäftszeiten betroffen. Ausgenommen von diesen Regelungen ist die Straßenbeleuchtung, für die aus Gründen der öffentlichen Sicherheit keine Abschaltzeiten vorgeschrieben sind. In den letzten 25 Jahren ist die Beleuchtung im öffentlichen Raum um 94% angestiegen. Wenn hier die Vorschriften eingehalten würden, könnte etwa die Hälfte der aufgewendeten Energie eingespart werden.

(E. Fonteneau: Bordeaux trop éclairéin : SUDOUEST, 29. 06. 2017)

 

 

 

Sicherheit am Strand

Jedermann weiß oder sollte wissen, dass der Atlantik kein zu allen Zeiten harmloser Badesee ist, doch gibt es in diesem Bereich Vorsichts- und Schutzmaßnahmen, die es jedem Strandbesucher ermöglichen, die Risiken zu minimieren, denen er sich aussetzt. In der jüngsten Vergangenheit sind jedoch Bedrohungen durch den internationalen Terrorismus hinzugekommen, gegen die der Einzelne kaum etwas ausrichten kann. In Frankreich hat man diesem Umstand unter anderem dadurch Rechnung getragen, dass an den Ferienstränden, die möglicherweise Ziel von Anschlägen sein könnten, Angehörige des Militärs zur Abschreckung und Überwachung eingesetzt werden. An den Stränden des Médoc werden in der Zeit vom 13 Juli bis zum 31. August 2017 81 von ihnen schwer bewaffnet rund um die Uhr im Einsatz sein. Dass sie das Arsenal an Waffen, auf das sie zurückgreifen können, geradezu zur Schau stellen, stört manche empfindsame Seele vielleicht, es ist jedoch Bestandteil des Sicherungskonzeptes, das durch Abschreckung Straftaten verhindern will. Nicht schön, aber sicher zweckmäßig.

(J. Lestage: Risque terroriste : l’armée de retour sur les plages, in: SUDOUEST, 29. 06. 2017)

Mehr zur Sicherheit am Strand : Klick

 

 

Offene Rechnungen

Die Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke der französischen Staatsbahn SNCF zwischen Tours und Bordeaux, die für ohne Halt durchfahrende Züge die Reisezeit zwischen Paris und Bordeaux auf 2 Stunden und 4 Minuten senken wird, findet mit großem Gepränge am 2. Juli 2017 statt, doch sieht dabei hinter den Kulissen nicht alles wirklich rosig aus. Von den 7,8 Milliarden Euro, die die neue Strecke gekostet hat, sollten eigentlich 1,3 Milliarden Euro von den 58 Gebietskörperschaften aufgebracht werden, die an der neuen Strecke liegen. Trotz anfänglicher Begeisterung für die in Aussicht gestellte Verkürzung der Fahrtzeiten, haben nur 33 der ursprünglich in die Finanzierung einbezogenen Gebietskörperschaften ihre Verpflichtung eingehalten und die auf sie entfallenen Anteile für die Finanzierung auch überwiesen. Es blieb schließlich eine Finanzierungslücke von 350 Millionen Euro, die zunächst von der SNCF überbrückt werden musste. Das von de SNCF angerufne Verwaltungsgericht in Paris hat zwar 10 Gemeinden zur Zahlung der zugesagten Finanzierungsanteile verurteilt, aber auch danach bleibt eine Lücke von 240 Millionen Euro, von denen nicht sicher ist, ob nicht die SNCF schließlich doch darauf sitzen bleiben wird.

(SudOuest.fr avec AFP : LGV Tours-Bordeaux : la SNCF court toujours après 350 millions d’euros, in : SUDOUEST, 29. 06. 2017, Internet-Ausg.)