Médoc-Notizen November 2015

Gurp TT

Die nächste Auflage des Sandbahnrennens von Le Gurp, die 14. seit Beginn dieser inzwischen schon zur festen Institution gewordenen Veranstaltung, steht zwar noch nicht unmittelbar vor der Tür, aber die dafür erforderlichen Vorbereitungen beginnen schon am nächsten Wochenende. Damit am 9. und 10. Januar 2016 ein Rennen stattfinden kann, das den hohen Standards, die von den vorhergehenden Auflagen gesetzt worden sind, entspricht, wird sich der veranstaltende Club des Esteys kräftig ins Zeug legen, um nach einem genau ausgearbeiteten Zeitplan die Arbeiten auszuführen, die für die Vorbereitung des Rennens erforderlich sind. Der Verein kann sich dabei auf eine Mannschaft von 30 bis 40 Freiwilligen stützen, die von den 11 Vorstandmitgliedern und einer Gruppe von Mitgliedern gebildet werden. Die Vorbereitung und die Durchführung des Rennens werden rund 100.000 Euro kosten, die zu 70% aus den Meldegeldern der Teilnehmer an dem Rennen beglichen werden. Die restlichen 30% kommen aus verschiedenen Töpfen, die vom Département und vom Gemeindeverband Pointe du Médoc bereitgestellt werden.

(J. Lestage: Le marathon pour les bénévoles de la Gurp TT, in: SUDOUEST, 18. 11. 2015)

Gemeinderat Grayan

Der Gemeinderat von Grayan-et-L’Hôpital hat am 12. November getagt und eine randvoll gepackte Tagesordnung abgearbeitet. Zunächst gab es eine Aussprache zu den bevorstehenden Zusammenlegungen von Gemeindeverbänden, die auch das nördliche Médoc betreffen werden. Die Gemeindevertreter von Grayan erklärten, dass sie mangels echter Alternativen dem Vorhaben zustimmen, machten dabei aber deutlich, dass sie auf Garantien dafür bestehen, dass die in der Planung befindlichen Projekte für erneuerbare Energien bei Naujac und Le Verdon fortgeführt werden ebenso wie die Bemühungen um die Belebung der Hafenaktivitäten in Le Verdon. Sie sprachen sich jedoch gegen eine Zusammenlegung der Abwassersysteme der Pointe de Grave und von Saint-Vivien aus und lehnten ebenso die angekündigte Neuordnung der Zuständigkeiten im schulischen Bereich ab. Ein umfangreicher Teil der Beratungen war den Gemeindefinanzen vorbehalten. Dabei wurde beschlossen, die Gebühren der gemeindeeigenen Einrichtungen leicht um 2% anzuheben für die Mieten der  Ferienhäuser, für die Stellplätze auf dem Campingplatz Le Gurp, die Jagdhochsitze, die Tennisplätze, das Brennholz und die Jetons für die Wohnmobile. Ebenfalls beschlossen wurde, Subventionen zu beantragen für die Fortführung der Arbeiten an den Straßen im Ortskern. Zum Schluss wurden Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 50 km/h beschlossen für die Straße von L’Hôpital nach Vensac und für die Route de Saint-Vivien.

(M. Caporal: Fusion : « Oui, mais », in : SUDOUEST, 17. 11. 2015)

Recycling-Muffel

Die Bewohner des Großraums Bordeaux gehören offenbar nicht zu denjenigen, die sich sonderlich viele Gedanken machen, wenn es um die Wiederverwendung von Verpackungen geht. Sie deponieren nur durchschnittlich 40 kg pro Jahr in den dafür bestimmten Behältnissen, während der nationale Durchschnitt in Frankreich bei 46 kg liegt, in Aquitanien sogar 52 kg erbringt. Die Firma Éco-Emballage, die auf die Wiederverwendbarmachung von Verpackungen spezialisiert ist, hat eine Untersuchung angestellt und dabei ermittelt, dass die Bewohner von Bordeaux vor allem beim Altglas nachlässig sind: sie deponieren in den dafür bestimmten Behältnissen nur 22kg pro Einwohner und Jahr, während es landesweit in vergleichbaren Umgebungen 29 kg sind. Man hat daraufhin einen Plan entwickelt, der die Recycling-Rate landesweit um 2,5% anheben soll. Man suchte 110 Gemeinden aus, die besonders gefördert werden sollen bei ihren Anstrengungen, die Wiederverwendung von Verpackungsmaterialien zu erhöhen. Dazu gehört auch Bordeaux, wo das Ziel ausgegeben wurde, die eingesammelte Altglasmenge von 22 kg auf 24 kg pro Einwohner und Jahr zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen, wird Bordeaux 500.000 Euro erhalten, um ab 2016 rund 100 neue Sammelstellen einzurichten. Bis hierher herrscht große Einigkeit auf allen Seiten. Die hört jedoch schnell auf, wenn Standorte festzulegen sind, an denen die Sammelcontainer aufgestellt werden sollen. Dann stellt sich heraus, dass der Nomalbürger zwar dem Prinzip der Altglassammlung aufgeschossen gegenübersteht, wenn sich diese Aktion soweit von seinem Domizil entfernt hält, dass man davon nichts hört und sieht. Belästigungen werden sowohl von den Geräuschen beim Einwerfen von Altglas in die Sammelbehälter empfunden als auch dadurch, dass bei derartigen Containern häufig andere Abfälle abgelagert werden oder Altglas lose abgestellt wird, wenn die Behältnisse voll sind. Patentlösungen gibt es hier wohl nicht, aber man versucht, Abhilfe wenigstens in Einzelbereichen zu schaffen. Dazu sollen die Glascontainer z. B. mit Sonden ausgestattet werden, die die Füllhöhen registrieren und die zentral abgelesen werden können, damit gezielt die Container geleert werden, die überzuquellen drohen.

(C. Darfay: Du retard dans le tri du verre, in: SUDOUEST, 16. 11. 2015)

 

Wandalismus gegen Weinstöcke

Als der Besitzer eines Châteaus bei Landiras von einer Verkaufsreise nach Russland zurückkehrte und seine Weinfelder inspizieren wollte, musste er feststellen, dass bislang Unbekannte etwa 500 seiner Rebstöcke kurz über den Wurzeln abgeschnitten hatten. Dieses im Bordelais höchst seltene Verbrechen schädigt den Inhaber des betroffenen Châteaus nachhaltig, denn Rebstöcke brauchen, bis sie ihre volle Ertragskraft erreichen, eine Reihe von Jahren. Noch ist nicht klar, ob und welche der misshandelten Weinstöcke sich erholen können, doch selbst wenn das geschieht, wird es Ausfälle geben und einige Zeit brauchen, bis die volle Leistungsfähigkeit der Pflanzen wiederhergestellt wird. Loïc Pasquet, der Besitzer des geschädigten Châteaus, verwendet in seinem Betrieb nur streng biologische Verfahren, zu denen auch gehört, dass in seinen Parzellen nur mit Pferden gearbeitet wird. Dabei sind die Anbauflächen mit 5 ha recht klein, die je nach Ertrag pro Jahr nur 1000 bis 3000 Flaschen erbringen, die unter dem Etikett Liber Pater  fast alle exportiert werden, zu Preisen pro Flasche um die 3000 Euro. Das Château produziert noch eine zweite Marke Denarius, von der die Flaschen für nahezu gemäßigte 150 Euro gehandelt werden.

(C. Compadre : 500 ceps saccagés, in : SUDOUEST, 13. Nov. 2015)

Zahlen zum Médoc

Auch wenn vielerorts geklagt wird, das Médoc werde zu oft links liegen gelassen, wenn es um Investitionen geht, bei der Bevölkerungsentwicklung kann es in vorderster Reihe mithalten. In den letzten zehn Jahren hat die Zahl der Einwohner des Médoc um 15.000 auf nunmehr 84.539 (Stand 2012) zugenommen. Der größte Teil des Bevölkerungszuwachses geht vom Ballungsraum um Bordeaux aus, wo immer mehr Einwohner auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum in Gegenden ausweichen, in denen die Preise noch erschwinglich erscheinen.

Mit dem Anwachsen der Bevölkerung im Médoc hält das dortige Angebot an Arbeitsplätzen, die vorwiegend in der Landwirtschaft, dem Tourismus und bei Dienstleistungen zu finden sind, jedoch nicht Schritt.

Das Médoc zählt 54 Gemeinden und umfasst eine Fläche von 234.000 Hektar, von denen 135.000 ha bewaldet sind. Obwohl die Wälder des Médoc unter den Stürmen der Jahre 1999 und 2010 schwer gelitten haben, haben die aus öffentlichen Kassen bereitgestellten Hilfen für die Behebung der Schäden Wirkung gezeigt, so dass die Forstbetriebe der Region in eine gesicherte Zukunft blicken können, zumal in den letzten drei Jahren die Holzpreise fühlbar angezogen haben. Auf 17.000 ha des Médoc wird Wein angebaut in Châteaux, von denen viele einen weltweiten Ruf genießen. Der Tourismus profitiert von 85 km makellosem Sandstrand, die sich von der Pointe de Grave im Norden bis nach Le Porge im Süden erstrecken, und von den insgesamt 82 km² großen Süßwasserseen hinter der Dünenkante. Die Industrie- und Handelskammer in Bordeaux ermittelte, dass im Médoc 18.747 Arbeitsplätze existieren, von denen 32% zu den Bereichen Handel, Transport und Dienstleistungen gehören und 25% von der Land- und Forstwirtschaft und von der Fischerei gestellt werden. Im Jahre 2012 waren 25% der Bewohner des Médoc 60 und mehr Jahre alt, ein Anteil, der bis 2030 auf 32% ansteigen wird. Dabei wird der Zahl der über 75jährigen von derzeit 8.518 auf 15.178 anwachsen.

(J. Lestage : La presqu’île à la recherche de son point d’équilibre, in : SUDOUEST, 11. Nov. 2015)

Port de Saint-Christoly

Das kleine Dörfchen Saint-Christoly hat wie manche anderen Orte an der Gironde einen Hafen, der in einen Dornröschenschlaf gefallen ist, seit die früher dort verladenen Güter andere Wege eingeschlagen haben. Seit geraumer Zeit macht man sich aber in der Gemeinde darüber Gedanken, wie man dem alten Hafen, der immer noch malerisch gelegen ist, aufhelfen kann. Das Ziel ist klar darauf ausgerichtet, Touristen anzuziehen, was allerdings einige Vorarbeiten verlangt. In einer ersten Ausbaustufe soll der alte Hafen wieder vorzeigbar gemacht werden, wozu zunächst die reichlich heruntergekommenen Kais wieder auf Vordermann gebracht werden sollen. Dazu soll der Hafen ausgebaggert werden und es soll eine Aufschüttung aus massiven Felsbrocken vorgenommen werden, um die Hafenkanten zu stabilisieren. Später soll ein ausreichend großer Anleger beschafft werden, der Touristen von der Girondeseite her anzieht und ihnen die Möglichkeit gibt, problemlos in das Hinterland zu gelangen. Die Gemeindeväter wollen dabei so wenig Beton wie möglich verbauen und dem Hafen ein umweltverträgliches Aussehen verschaffen, wobei sie darauf hoffen, dass dieser bald ein festes Ziel für die auf der Gironde eingesetzten Ausflugsboote sein wird. Die Ideen sind da, aber das Geld, das man braucht, ist es (noch) nicht. Man schätzt das finanzielle Volumen der geplanten Arbeiten auf zunächst rund 800.000 Euro, von denen nur ein Teil aus der Gemeindekasse kommen kann. Man hofft auf Zuschüsse des Gemeindeverbandes Coeur-Médoc und, wohl in erster Line, auf Geld, das die EU bereitstellen könnte. Sicher ist da noch nichts, aber es gibt Anzeichen, dass die Erwartungen auf Finanzhilfen nicht unbegründet sind, doch wird man noch etwas Geduld aufbringen müssen, bevor die geplanten Arbeiten begonnen werden können.

(É. Gomez: Le projet de rénovation du port prend forme, in: SUDOUEST, 7. Nov. 2015)

 

Neue Kräne für Le Verdon

Der Ersatz für die seit Jahren maroden Portalkräne im Hafen von Le Verdon ist pünktlich zum angekündigten Termin eingetroffen. Die beiden neuen Kräne sollen umgehend montiert und nach einer unumgänglichen, aber kurzen Testphase noch im November in Betrieb genommen werden. Damit steht nach langen Monaten des Stillstands der Wiederaufnahme der Containerverladung in Le Verdon nichts mehr im Wege. Gut für den Arbeitsmarkt: es werden neue Kräfte eingestellt, was nicht nur für ein strukturschwaches Gebiet wie das nördliche Médoc eine gute Nachricht ist.

Mit den neuen Kränen wird es möglich sein, den Hafen von Le Verdon an bestehende Containertransportlinien anzuschließen, so dass Containerschiffe, die bis zu 2.700 Container laden können, in Le Verdon anlegen. Die bisher in Bassens angesiedelte Containerverladung erlaubte es nur, Schiffe bis zu einer Ladefähigkeit von 600 Containern abzufertigen. Künftig werden zwei bis drei Containerschiffe pro Woche in Le Verdon erwartet. Der Autonome Hafen von Bordeaux hofft, auf diese Weise den Containerumschlag in den nächsten fünf Jahr um das Zweieinhalbfache zu steigern. Zuletzt wurden 60.000 Container verladen, für 2016 werden schon 76.000 erwartet.

(M. Caporal, Les portiques sont arrivés au port du Verdon! in: SUDOUEST, 6. Nov. 2015 und: M. Caporal, La renaissance du port, in: SUDOUEST, 10 Nov. 2015))

 

Die Médoc-Austern sind zurück

Bis in die achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts war die Aufzucht von Austern im Médoc ein Erwerbszweig, der hunderte von Arbeitsplätzen bot, dann kam der Absturz mit dem durch Umweltbelastungen verursachten Verbot, aus der Gironde stammende Austern zu verzehren und das Ende der Ports aux huîtres. Erst in den letzten Jahren kamen erneute Versuche, Austern im Médoc zu kultivieren, wieder in Gang. Das dabei erreichte Volumen ist eher bescheiden gegenüber früheren Zeiten, aber der Neuanfang beginnt, festen Boden zu gewinnen. Jetzt sind die ersten Médoc-Austern nach dem Verbot, die bislang nur direkt bei den Erzeugern in Saint Vivien, Le Verdon und Talais zu bekommen waren,  in Lesparre in der Fischhandlung Histoire d’Eau (avenue Mendés-France) erhältlich. Sie stammen aus der ferme aquacole von Jean-Marie Bertet in Le Verdon und sind offenbar von besonderer Qualität, denn sie waren im Handumdrehen ausverkauft, was aber als ein gutes Zeichen dafür genommen werden kann, dass Médoc-Austern ihren festen Platz im Sortiment dieser Poissonnerie in Lesparre haben werden.

(Les huîtres du Médoc sont arrivées,  in: SUDOUEST, 7. Nov. 2015)

 

Altweibersommer im November

Der Südwesten Frankreichs hat zwar Mitte Oktober mancherorts erste Bodenfröste hinnehmen müssen, danach ist aber die große Milde ausgebrochen. Im Baskenland wurden am zweiten November-Sonntag Temperaturen bis zu 29 Grad von den Thermometern abgelesen, und für die nächsten Tage ist ähnliches zu erwarten. Für die Jahreszeit überaus milde Temperaturen wurden im gesamten Südwesten Frankreichs gemessen, wobei die im Département Gironde registrierten Werte im Mittelfeld landeten. In Belin-Beliet wurden am Sonntag, dem 8. Nov. 2015, mit 27,8Grad die höchsten Werte für Anfang November seit 2003 notiert. In Bordeaux wurde mit 26,7 Grad der höchste Wert für den 8. November seit 1925 gemessen.

(Météo : des records de chaleur ce week-end, encore de la douceur cette semaine, in: SUDOUEST, 08. Nov. 2015, 18.01h, Internet-Ausg.)

 

Geschwindigkeitsvergleich

Wer in Bordeaux und anderen Ballungszentren nicht den unschätzbaren Vorteil genießt, den Arbeitsplatz im eigenen Haus zu haben, der muss sich morgens und abends in das Getümmel auf den Straßen stürzen, was bekanntermaßen Zeit kostet. Die Redaktion des SUDOUEST wollte der Sache auf den Grund gehen und ermitteln, wie lange man mit verschiedenen Verkehrsmitteln braucht, um eine bestimmte Strecke unter genau definierten Bedingungen zurückzulegen. Dazu wurde ein  Parcours abgesteckt, der von Cenon nach Mériadeck führt, also mitten durch das tägliche Gewühl, und das um 8.15h. Sieger in diesem Wettbewerb war das Fahrrad, das für die Teststrecke 14 Minuten benötigte, im gemächlichen Radfahrtempo, wie man vermerkte. Platz 2 ging an einen Motorroller, der die Strecke in 18 Minuten bewältigte. Die Alternative Tram kam da nicht mit, denn sie benötigte, einschließlich Wartezeiten und Fußweg von und zur Haltestelle 25 Minuten. Sie kam aber immer noch einige Längen vor dem Auto an, das sich in 37 Minuten zu seinem Ziel quälte. Die Ergebnisse sprechen für sich, aber sie bestätigen wohl nur Erfahrungen, die, wenn auch nicht mit der Stoppuhr in der Hand, viele Verkehrsteilnehmer schon gemacht haben.

(De Cenon gare à Mériadeck à 8 h 15, in: SUDOUEST, 7. Nov. 2015)

 

 

Ein Hufschmied im Médoc

Wer an Berufe im Médoc denkt, hat eine Fülle von Aktivitäten vor Augen, die mit dem Wein, der Landwirtschaft etc. zu tun haben, aber nur wenige werden in einer derartigen Aufzählung den Beruf des Hufschmieds unterbringen. Zu Unrecht, wie man sagen muss, denn es gibt z: B. in Montalivet einen noch jungen Mann, der gleichwohl schon ein paar Jahre Berufserfahrung hinter sich hat, der sich der Pflege der Pferdehufe verschrieben hat. Zu diesem Zweck fährt er mit einem kleinen Auto quer durch das Médoc und versorgt dort, wo seine Dienste benötigt werden, kleine und große Pferde mit dem, was notwendig ist, um ihre Hufe gesund zu erhalten, denn anders als mancher denken mag, sind Pferdehufe, die für ein Leben in der Steppe eingerichtet sind, sehr empfindlich und brauchen Schutz vor den harten Straßenbelägen, die sich die Menschen ausgedacht haben. Der junge Hufschmied hat sich zu Beginn seiner Tätigkeit im Médoc bei Tierärzten und Pferdehaltern bekannt gemacht, und inzwischen hat er einen festen Stamm von Kunden, der ihm ein auskömmliches Leben ermöglicht. Zu seinen Spezialitäten gehören übrigens orthopädische Hufeisen, die überall dort angebracht werden, wo normale Eisen nicht ausreichen. Er passt den von ihm behandelten Pferden die neuen Hufeisen übrigens glühend an, was den Pferden bei sachgemäßem Vorgehen keine Unannehmlichkeiten bereitet, aber dafür sorgt, dass die neuen Eisen optimal sitzen.

(L. Llobell: Raphaël chausse les chevaux, in: SUDOUEST, 7. Nov. 2015)

 

Ausbau der Rocade von Bordeaux

Seit Jahrzehnten sind sich alle Beteiligten darin einig, dass die Rocade von Bordeaux auf 2 mal 3 Spuren ausgebaut werden muss, doch sind auch mehr als zwanzig Jahre nach dem Beginn der Erweiterung im Jahre 1993 die Bereiche der Rocade zwischen den Anschlussstellen 4 und 10 nicht fertiggestellt, obwohl niemand dagegen ist. Der Konsens, der im Grundsätzlichen besteht, endet sehr schnell, wenn es um die Finanzierung geht, denn das gesamte Erweiterungsprogramm kostet rund 400 Millionen Euro, die nirgendwo probemlos aufgetrieben werden können. Für das letzte Teilstück zwischen den Anschlussstellen 4 am Fuß des Pont d’Aquitaine und 10 nach Mérignac werden noch 150 Millionen Euro benötigt. Die Kosten dafür sollen nach dem Willen der Regierung zur Hälfte vom Staat und zur Hälfte von der Stadt Bordeaux aufgebracht werden, deren Finanzierungsanteil dadurch von bislang 25% auf 50% steigen würde. Alain Juppé, der Bürgermeister von Bordeaux, machte kein Hehl daraus, dass das benötigte Geld in der Stadtkasse nicht vorhanden sei. Er schlug vor, die erforderlichen Mittel über eine noch nicht näher geplante Mautregelung hereinzuholen, was jedoch von der an der Finanzierung ebenfalls beteiligten EU abgelehnt wurde. Schließlich hat man sich darauf geeinigt, dass der französische Staat und die Stadt Bordeaux zu gleichen Teilen die Finanzierung sicherstellen. Nachdem in diesem Punkt eine Klärung erreicht wurde, werden die erforderlichen Genehmigungs-Prozeduren anlaufen, so dass Anfang 2017 mit den Arbeiten begonnen werden kann, die dann, so alles gut verläuft, 2020 abgeschlossen sein werden.

(St. Dubourg: Mise à 2×3 voies de la rocade : « On va y arriver », in: SUDOUEST, 5. Nov .2015)

 

Jugendliche Diebesbande dingfest gemacht

In Bordeaux haben sich im vergangenen Sommer im Bereich der Kais vor der Place des Quinconces Diebstähle unterschiedlichster Art gehäuft, die nach Wahrnehmung der Geschädigten von Jugendlichen ausgeführt worden waren. Die gingen dabei oft wenig zimperlich vor, wenn sie nicht an das gelangen konnten, was sie haben wollten. Nach langen Nachforschungen hat die Polizei jetzt Erfolg gehabt und die Bande festgesetzt. Dabei stellte sich heraus, dass die jungen Missetäter einander vor der Sommersaison 2015 meist gar nicht kannten, sondern erst über die Straftaten zu einer Bande geworden sind, die eine beträchtliche kriminelle Energie entwickelte. Opfer waren oft Frauen, die auf der Grünfläche vor der Place des Quinconces picknickten oder sich erholten. Die Diebe hatten es vor allem auf Gegenstände abgesehen, die sich leicht zu Geld machen lassen wie Mobiltelefone, Fotoapparate etc. Die Polizei stellte fest, dass nur zwei der Täter schon volljährig sind und in Untersuchungshaft genommen werden konnten. Die noch minderjährigen übrigen Mitglieder der „Platanenbande“, wie sie wegen der Örtlichkeit ihrer Straftaten von der Polizei genannt wurde, werden zwar auch nicht ungeschoren davonkommen, aber für sie gilt das für ihre Altersgruppe anzuwendende Strafrecht.

(Fl. Moreau:  La « bande des platanes » arrêtée, in: SUDOUEST, 5. Nov. 2015)

 

 

Neues Windkraftprojekt

Das junge Unternehmen Advtech in Bordeaux, das von einer kleinen Gruppe von Professoren und Ingenieuren gestartet wurde, hat ein neues Konzept für Windkraftanlagen vorgestellt, das viele Nachteile der bisherigen Windräder, zu denen in erster Linie die Größe und die Geräuschentwicklung zählen, nicht hat. Neu an dieser Konstruktion ist die Tatsache, dass die Flügel waagerecht angeordnet sind, wodurch sich eine um vieles kleinere Bauhöhe ergibt, von der die Entwickler meinen, sie könnte auch in städtischen Gebieten problemlos aufgestellt werden, zumal sie nahezu geräuschlos arbeitet und damit an Positionen aufgestellt werden kann, die viel näher an Wohngebäuden sein können als bei den konventionellen Windrädern. Die erste durchentwickelte Anlage hat einen Durchmesser von nur 2 m bei einer Länge von 5 m. Sie erzeugt bis zu 3 KW Strom, bei einem Wirkungsgrad von 40 %. Die Konstruktionsidee ist inzwischen patentiert und wartet nun eigentlich nur darauf, dass ein finanzkräftiger Investor einsteigt und eine Produktion ermöglicht, die aus dem Experimentalstadium herausführt. Erste Anzeichen für seriöses Interesse kommen von dem Versorger Engie (vormals GDF-Suez), der den Prototypen angekauft hat und ihn im März 2016 auf einer Ausstellung in Toulouse zeigen wird.

(N. César: De l’électricité même avec peu de vent, in: SUDOUEST, 4. Nov. 2015)

 

Wölfe auf dem Vormarsch?

Am 30. Oktober bekam ein Anwohner eines kleinen Dordogne-Dorfes einen gehörigen Schrecken, als er in seinem Hühnerstall ein verletztes Tier sichtete, das nach seiner Einschätzung ein Wolf war. Ein herbeigerufener Nachbar war derselben Meinung. Er hielt das verletzte Tier für gefährlich und erschoss es mit seiner Jagdwaffe. Nach dem ersten Augenschein handelt es sich bei dem getöteten Tier tatsächlich um einen Wolf, doch besteht noch keine endgültige Klarheit. Die soll eine eingehende Untersuchung erbringen, die in dieser Woche durchgeführt werden wird. Experten halten die Anwesenheit eines Wolfes im Departement Dordogne für möglich, denn seitdem 1992 nach langer Pause die ersten Wölfe in Frankreich wieder gesichtet worden sind, gibt es zahlreiche Beobachtungen, die auch weit in den Westen des Landes hineinreichen. Im Zusammenhang mit dem jetzt getöteten Tier wird auch untersucht, ob es tatsächlich schwer verletzt war. Sollte sich das als zutreffend herausstellen, hat der Schütze nichts zu befürchten. Sollte der Befund anders sein, bekommt er jedoch ernste Schwierigkeiten, denn dann hätte er ein streng geschütztes Tier erschossen und damit ein Delikt auf sich geladen, das empfindliche Strafen nach sich zieht.

(P.-M. Réault und J.-D. Renard: Un loup en Dordogne ? Des examens réalisés et une enquête ouverte, in: SUDOUEST, 2. Nov. 20015, 8.37, Internet-Ausg.)

 

 

Freizeitzentrum eingeweiht

Am 30 Oktober wurde in Montalivet in Anwesenheit der lokalen politischen Prominenz das schon seit dem 1. Juli funtkionierende und damit gar nicht mehr ganz neue Freizeitzentrum für Kinder offiziell seiner Bestimmung übergeben. Der Bürgermeister, der sich der anwesenden Kinder wegen, wie alle anderen Redner, bei seiner Rede kurz fasste, erklärte, ihm sei diese Einrichtung ein besonderes Anliegen, da sie den Kindern der Gemeinde zugute komme, die nun nicht mehr auch während der Ferienzeiten auf dem Schulhof spielen müssten, der in dieser Beziehung kein idealer Rahmen für kindliche Aktivitäten sei. Das Freizeitzentrum liegt an der Avenue Guillaume-Payot und nutzt eine alte Ferienkolonie, die in den letzten Jahren stillgelegt worden war. Nach umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten hat sie nun eine neue Bestimmung erhalten, über die besonders die Kinder, die davon an meisten profitieren, mehr als zufrieden sind. Die Arbeiten zur Herrichtung der Anlage sind zum größten Teil von Angestellten der Gemeinde ausgeführt worden und haben damit ganz im Sinne des Sparkurses des neuen Bürgermeisters die Gemeindefinanzen weniger belastet als wenn sie von externen Firmen ausgeführt worden wären.

(L. Llobell: Le centre de loisirs inauguré, in: SUDOUEST, 2. Nov. 2015)