Médoc-Notizen April 2017

Hafenbesichtigung

Der Hafen von Bordeaux (Grand port maritime de Bordeaux (GPMB) verteilt sich auf sieben Terminals von unterschiedlicher Umschlagsleistung, die von Le Verdon an der Mündung der Gironde bis zum Port de la Lune mitten in Bordeaux reichen. Seitdem der Port de la lune keine Kräne und sonstigen Einrichtungen mehr hat, mit denen Güter umgeschlagen werden können, sind diese Aktivitäten an die anderen Standorte abgewandert. Der Terminal mit der größten Umschlagleistung befindet sich in Ambès am Zusammenfluss von Garonne und Dordogne, wo Ölprodukte der verschiedensten Art verladen werden. Der Standort mit der zweitgrößten Umschlagsleistung ist Bassens, wo Container, Getreide, Holz, Kies und Sand verladen werden. Wer sich dafür interessiert, einmal hinter die Kulissen des Hafenbetriebs zu schauen, hatte bisher wenig Glück, denn die Hafenzonen sind für alle gesperrt, die dort nicht beruflich tätig sind. In diesem Jahr hat die Hafenverwaltung beschlossen, einmal pro Monat einen Besucherbus in das Hafengebiet einfahren zu lassen und damit eine Besichtigung der Hafenanlagen von Bassens zu ermöglichen. Dies Touren starten und enden in Bordeaux am Office de Tourisme (Cours du 30 juillet, nahe der Esplanade des Quinconces) und kosten 22 Euro. Dafür wird eine vierstündige Unternehmung unter fachkundiger Leitung geboten, bei der auf dem Rückweg auch ein Halt an den Bassins à flot stattfinden wird. Der erste Termin für eine Besichtigung ist für den 12 Mai vorgesehen. Abfahrt am Office de Tourisme um 14.00h. Rückkehr nach dort 18.00h. Reservierungen beim Office de Tourisme, Tel.: 05 56 00 66 00

(G. R.: Une visite commentée du port, in: SUDOUEST, 15. 04. 2017)

 

Präsidentschaftswahlen

Ein am 13. April veröffentlichtes Ergebnis von Umfragen zur Präsidentschaftswahl in Frankreich sieht Emmanuel Macron mit 23,5% an der Spitze vor Marine le Pen mit 22,5%. Dann François Fillon mit 20% und Jean-Luc Mélenchon mit 18,5%. Interessant sind dabei die Verschiebungen in den letzten Wochen. Während Marine Le Pen sich von ihrem besten Ergebnis mit 28% von Ende Februar deutlich entfernt hat, und auch Emmanuel Macron sein bestes Ergebnis vom 21. März mit damals 26% nicht halten konnte, hat Jean-Luc Mélenchon kräftig zugelegt, eine Entwicklung, die sich auch in der letzten Woche fortsetzte, als Mélenchon noch 1,5% dazugewann. Leicht steigende Tendenz auch bei François Fillon, der sich auf mittlerweile 20% vorgearbeitet hat. Mit dem Abnehmen der Abstände zwischen den vier an der Spitze liegenden Bewerbern vergrößert sich die Unsicherheit bei den Beobachtern. Angesichts der immer noch großen Zahl von Unentschlossenen und bei einem wahrscheinlich bei einem Drittel der Wahlberechtigten  liegenden Anteil  der Nichtwähler kann nicht ausgeschlossen werden, dass jeder der vier Spitzenreiter auf dem ersten Platz beim ersten Wahlgang am 23 April landen kann und dass auch jeder die Chance auf den zweiten Platz haben kann, der die Zulassung zur zweiten Runde der Wahlen am 7. Mai bedeutet. Das einzig Sichere zur Zeit ist, dass die hinter der führenden Vierergruppe liegenden sieben übrigen Kandidaten keine Chance haben, die zweite Runde zu erreichen. Viele Beobachter machen sich Sorgen über den Fortbestand der Europäischen Union, da Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon Positionen vertreten, die keine Zweifel daran lasen, dass sie das Ende der Europäischen Union ansteuern..

(http://elabe.fr/intentions-de-vote-election-presidentielle-2017-10/ / und Macron arriverait en tête au premier tour, in: SUDOUEST, 14. 04. 2017)

Fête du livre

Die Fête du livre bildet traditionell den Start in die kulturelle Saison in Soulac. In der Salle des congrès  waren am zweiten Aprilwochenende wieder zahlreiche Tische aufgebaut, auf denen Autoren und Verlage ihre neuesten, manchmal aber auch schon etwas älteren Produkte vorstellten und,  soweit sich sehen ließ, auch verkauften. Der Präsident von Écume.doc, des Vereins, der die Veranstaltungen des Wochenendes getragen hat, begrüßte Autoren, Aussteller und Besucher und verkniff sich dann nicht einen bitteren Seitenhieb auf den Präsidentschaftswahlkampf, den er als „tragédie burlesque“ bezeichnete, wobei er sich besonders darüber ärgerte, dass im gesamten Wahlkampfgeschehen Bereiche wie Kultur, Volksbildung, und Chancengleichheit kaum oder gar nicht vorkommen.

Der Besucherstrom, der am Samstag noch etwas verhalten war, nahm am Sonntag zu, so dass alle Beteiligten die Erinnerung an ein erfolgreiches Wochenende mitnehmen konnten. Dabei kamen  nicht zuletzt die Besucher auf ihre Kosten, die sich für die Geschichte und die Kultur des Médoc interessieren, denn das Angebot der anwesenden Autoren und Verlage lud nicht nur zum Blättern, sondern auch zum Kaufen ein.

(M. Caporal: La Fête du livre engagée, pour l’éducation et la culture, in: SUDOUEST, 13. 04.2017)

 

 

Wertvoller Hund

Wenn die oft staunenswerten Fähigkeiten von Hunden richtig ausgebildet und eingesetzt werden, dann sind sie oft für Leistungen gut, zu  denen wir Menschen nicht fähig sind. Ein derartiger Fall hat sich gerade nahe der spanisch-französischen Grenze ereignet, wo eine Polizeistreifen einen Pkw angehalten und kontrolliert hat. Mit dabei war Irish, ein Labrador, der in Diensten der französischen Zollverwaltung steht. Er ist von Beruf eigentlich Drogenspürhund, aber er hat eine Zusatzausbildung durchlaufen, in der er für das Auffinden von Geld ausgebildet wurde. Und die zahlte sich bei dieser eigentlich routinemäßigen Kontrolle aus, denn kaum, dass der Hund seine Nase in das Auto gesteckt hatte, zeigte er den ersten Geldfund an, untergebracht in gewöhnlichen Reisetaschen hinter den Fahrersitzen. Beim späteren Nachzählen wurde ermittelt, dass der erste Treffer des Hundes 368.175 Euro wert war, wobei daran zu erinnern ist, dass das Mitführen von Geld ohne förmliche Anmeldung beim Überqueren von Grenzen auf 10.000 Euro begrenzt ist. Der pflichtbewusste Hund setzte danach seine Suche fort und zeigte an, dass in der hinteren Stoßstange noch etwas versteckt war. Das war Anlass, das Auto gründlich auseinander zunehmen. Am Ende stapelten sich 1.033.225 Euro in den Räumen der Zollverwaltung. Was genau es mit dem Geld auf sich hat, ist noch nicht bekannt, aber da der Verdacht auf einen kriminellen Hintergrund nahe liegt, wurden, Geld, Fahrzeug und Insassen erstmal in  Gewahrsam genommen. Ebenfalls noch nicht bekannt ist, wie die Belohnung für den Spürhund ausgefallen ist.

(E. Fère: Le labrador des douanes renifle le million, in: SUDOUEST, 12. 04. 2017)

 

 

Guter Start

Mit den Osterferien hat auch im Médoc die erste Welle der Touristen die Ferienorte an den Küsten erreicht. Der Direktor des neuformierten Tourismusverbundes Médoc-Atlantique gab erste Zahlen bekannt, nach denen die Auslastung im gesamten Beherbungsgewerbe schon gut und zufriedenstellend ist. Im Campingbereich werden erste Belegungswerte von über 50% gemeldet, was besonders bemerkenswert ist, da viele Campingplätze noch nicht vollständig geöffnet sind. Ähnlich gut sind die Werte bei den Hotels und noch besser bei den Gästezimmern. Die Tourismusbranche ist sicher, dass die kommende Saison gut sein wird, zumal es eine große Zahl von Wochenenden mit Brückentagen geben wird, die erfahrungsgemäß viele Kurzurlauber in die Ferienzonen locken. Für die  Monate Juli und August, in denen traditionell die Saison ihren Höhepunkt hat, sind die Reservierungen überaus zufriedenstellend. Bei nicht wenigen Hotels gibt es schon jetzt in dieser Zeit keine freien Zimmer mehr. Auch in diesem Jahr wird das Médoc viele Touristen aus dem Ausland anziehen, wobei man davon ausgeht, dass die Werte wie in den Vorjahren bei 20% Ausländeranteil liegen werden.

(G. Charrier: La saison démarre bien en Médoc, in: SUDOUEST, 10. 04. 2017)

 

 

In Grayan bleiben die Steuern niedrig

Auf seiner Sitzung vom 6. April hat der Gemeinderat von Grayan unter dem Bürgermeister S. Laporte die wichtigsten Weichen für das neue Haushaltsjahr gestellt. Besonders erfreulich, allerdings schon langjährig geübte gute Tradition: Die Gemeindesteuern steigen nur in dem Maße der Geldwertentwicklung. Konkret bedeutet das, dass die Taxe d’habitationauf moderate 4,47% festgesetzt wurde, die Grundsteuer für bebaute Grundstücke auf  6,12% und die Grundsteuer für unbebaute Grundstücke auf 14,71%. Die aus diesen Steuern erwarteten Einnahmen für die Gemeindekasse belaufen sich auf 262.440 Euro. Weitere Einahmen erwartet die Kasse aus den gemeindeeigenen Ferienhäusern, dem Campingplatz in Le Gurp und dem kommunalen Waldbesitz. Alles in allem gehört Grayan-et-L’Hôpital weiterhin zu den nicht gerade zahlreichen Gemeinden mit gesunden Finanzen, die mit den Portemonnaies seiner Bürger behutsam verfährt und dennoch nicht nur nach außen hin gut dasteht.

(M. Caporal: Hausse de 2 % des taux locaux, in: SUDOUEST, 10. 04. 2017)

 

Wassermangel

Das Médoc ist von altersher eine Gegend, die ausgedehnte Feuchtgebiete aufweist, die erst durch die Eindeichungen und Trockenlegungsmaßnahmen seit dem 17. Jahrhundert eingeschränkt und bewohn- und nutzbar geworden sind.  In diesem Jahr wird es aber wahrscheinlich eine dramatische Situation dadurch geben, dass die geringe Menge der Niederschläge im Herbst und im Winter den Seen, Feuchtgebieten und dem Grundwasser nicht den Nachschub verschafft hat, der in Jahren mit normalen Niederschlagsmengen zusammenkommt. Besonders deutlich ist die Situation bereits jetzt am See von Carcans-Hourtin, dem größten Binnensee Frankreichs, wo der Wasserspiegel einen für die Jahreszeit  bislang nicht beobachteten Tiefstand erreicht hat, der dem entspricht, den man sonst am Ende des Sommers registriert. Die Erklärung für diesen Zustand liegt in den geringen Niederschlägen, die im Médoc gefallen sind. Die Wetterstation bei Hourtin hat in den letzten sechs Monaten nur 310 mm gemessen, während es in normalen Jahren mehr als 600 mm sind. Wenn nicht, was allerdings höchst wenig wahrscheinlich ist, in den nächsten Wochen noch ungewöhnlich reichhaltige Regemengen fallen, wird im Médoc das Wasser im kommenden Sommer knapp, womöglich sogar sehr knapp.

(M. Caurraze: L’eau, une ressource devenue rare en Médoc, in: Le Journal du Médoc, 7. April 2017)

 

Jahrgang 2016

Die Rotweine des Bordelais aus dem Jahr 2016 sind noch lange nicht vermarktungsfähig, aber es gibt schon etwas zu kosten. Und diese jungen Weine, die primeurs, versprechen Dinge, die die Experten zum Schwärmen bringen. In der letzten Woche waren rund 6000 Weinexperten im gesamten Anbaugebiet unterwegs, um erste Eindrücke vom Jahrgang 2016 zu sammeln. Dabei konzentrierte sich das Interesse zwar auf die 300 des obersten Segments, aber auch die kleineren Weine bekamen Anerkennung. Schon jetzt steht fest, dass das Jahr 2016 einen großen Jahrgang hervorgebracht hat, der zudem in respektablen Mengen verfügbar sein wird. Es ist, so heißt es, ein Jahrgang, der dem Bordelais gut tun wird, und von dem nicht nur einzelne Kenner sagen, er sei fantastisch. Es wird erwartet, dass von diesen Einschätzungen alle Châteaux profitieren werden, wenn auch naturgemäß das Preisgefüge die Kassen der renommierten Anbaubetriebe mehr klingen lassen wird als bei den kleineren. Über die Preise kann man allerdings noch nicht urteilen, einfach, weil sie noch nicht bekannt sind. Damit wird aber in den nächsten Wochen zu rechnen sein. Angesichts der schon verlautbarten Einschätzungen der Qualitäten dieses Jahrgangs ist wohl nicht damit zu rechnen, dass die Verkaufspreise gegenüber dem Vorjahr nachgeben werden, aber was tatsächlich geschieht, wird man erst im Mai dieses Jahres wissen.

(M. Hervé: Primeurs : le millesime 2016 s’annonce de haute volée, in: SUDOUEST, 07. 04. 2017, 11.04h, Internet-Ausg.)

 

Neustart

Nach einem Jahr Unterbrechung wird 2017 wieder das Mittelalterspektakel, das an die Schlacht von Castillon erinnert, aufgeführt. Die historische Schacht fand im Jahr 1453 statt und beendete den Hundertjährigen Krieg zwischen der englische Krone und Frankreich mit einem Sieg der Franzosen. Damit hörte die englische Oberhoheit über den Südwesten Frankreichs auf, die seit der Heirat der Eleonore von Aquitanien mit dem späteren König Heinrich II. bestanden hatte. Die theatralische Inszenierung der Schlacht wird in einer Reihe von Aufführungen zwischen dem 13. Juli und dem 19 August stattfinden. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 40.000 Besuchern, die sie auch brauchen, um die Veranstaltungen ohne Defizit abschließen zu können. An den Aufführungen werden nicht weniger als 600 freiwillige Schauspieler beteiligt sein. Die Inszenierung versucht, neue Wege zu gehen und die Ereignisse mit etwas leichterer Hand darzubieten als dies in der Vergangenheit üblich war. Dazu soll es anlässlich der 40. Jahrestages des Spektakels ein paar Überraschungen für die Zuschauer geben, die aber noch unter Verschluss gehalten werden.

(E. Fonteneau: Castillon se réinvente, in: SUDOUEST, 07. 04. 2017)

 

Mehr: https://www.batailledecastillon.com/reserver/

 

 

Saisoneröffnung

Mit dem Einlaufen der Braemar in den Port de la Lune von Bordeaux wurde die neue Saison der Kreuzfahrtschiffe eröffnet. Insgesamt werden in diesem Jahr 53 der großen Kreuzfahrtschiffe in der Gironde erwartet. Die meisten davon werden im Port de la lune anlegen, einige wenige bleiben auch in Le Verdon oder, noch weniger, in Pauillac und Bassens. Der auf diesem Wege in die Gironde oder noch weiter flussaufwärts in die Garonne gelenkte Tourismus entwickelt sich stetig zunehmend seit dem Anfang des Jahrzehnts. 2016 wurden 33.200 Passagiere gezählt, die auf diesem Wege in die Gironde bzw. nach Bordeaux gelangt sind und dort für eine kräftige Belebung des Wirtschaftslebens gesorgt haben. Das bedeutete gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 66%. Es ist daher verständlich, dass man  auch in Pauillac an dieser Entwicklung teilnehmen möchte, wo überlegt wird, die Kaianlagen in Trompeloup, wo bislang hauptsächlich Bauteile  für den Airbus A 380 umgeschlagen werden, auch für das Anlegen von Kreuzfahrtschiffen zu nutzen. Die nunmehr weiter in Gang gekommene Kreuzschifffahrt ist allerdings kein absolutes Novum in Bordeaux, wo schon seit den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts regelmäßige Linienschiffsverbindungen nach Übersee bestanden haben, die zum größten Teil im zweiten Weltkrieg durchtrennt wurden und danach weitgehend vergessen und nicht wieder in der früheren Intensität wieder aufgenommen wurden.

(G. Richard: Bordeaux : la saison des paquebots est ouverte, in: SUDOUEST, 06. 04. 2017)

 

 

Bärenreport 2017

Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern ist Frankreich ein Land mit einer kleinen aber stabilen Bärenpopulation. Die hausen in zwei von einander getrennten Gruppen in den Pyrenäen und erfreuen sich der besonderen Aufmerksamkeit und Fürsorge der Arbeitsgruppe Bären des Amtes für die Jagd und die freilebenden Tiere. Dieses Gremium veröffentlich jedes Jahr einen Bericht über die Entwicklung des Bärenbestandes in Frankreich. Nach letzten Erhebungen leben 39 Bären auf dem Boden Frankreichs. 37 von ihnen halten sich in den zentralen Pyrenäen auf, während eine kleine Gruppe von zwei männlichen Bären in den westlichen Pyrenäen zu Hause ist. Um diese beiden, die keinen Kontakt zu der größeren Gruppe haben, macht man sich Sorgen, denn da sie sich nicht vermehren, werden sie wohl eines Tages spurlos verschwinden. Bei der großen Gruppe ist hingegen eine leicht ansteigende Zahl der Tiere zu beobachten, die erwarten lässt, dass diese Bären genügend Nachwuchs hervorbringen werden, um ihre Präsenz weiter zu sichern. Bei den beiden männlichen Bären im Westen würde nur die Ansiedelungen einer oder mehrer weiblicher Bären für eine positive Zukunftsperspektive sorgen, doch stellt sich das dafür zuständige Ministerium seit mehreren Jahren tot. Offensichtlich will niemand die politischen Risiken eines erneuten Aufflammens der Kämpfe zwischen Bären-Befürwortern und Bären-Gegnern auf sich nehmen. Und angesichts der anstehenden Wahlen ist nicht damit zu rechnen, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert.

(J.-D. Renard: L’ours profite des paysages pyrénéens, in: SUDOUEST, 05. 04. 2017)

 

 

 

Schuldenabbau

Als Pierre Bournel, der gegenwärtige Bürgermeister von Vendays-Montalivet, das Amt von seinem Vorgänger übernahm, sah es um die Gemeindefinanzen düster aus. Es hatte sich ein Schuldenberg von 15 Millionen Euro aufgehäuft, für dessen Abtragung keine tragfähige Konzeption bestand. Der neue Bürgermeister und seine Mannschaft haben aber Mittel und Wege gefunden die Gemeindekasse in eine Richtung zu manövrieren, die mehr als das besagte Licht am Ende Tunnels sieht. Durch konsequenten Verzicht auf die Aufnahme neuer Kredite und intensive Durchforstung der Verbindlichkeiten der Gemeinde ist es gelungen, den Schuldenberg auf aktuell 11 Millionen Euro zu drücken. Trotzdem wurden vorzeigbare neue Projekte in Angriff genommen und solide finanziert. So wurde die Maison des jeunes in Montalivet saniert, ein Centre de loisirs wurde errichtet, der Camping municipal mit 180 Stellplätzen und manch andere Einrichtung wurde geschaffen. Und, darauf legt der Bürgermeister Wert, die Gesundung der Gemeindefinanzen wird weiter vorangetrieben.

(Le désendettement se poursuit, in: Le Journal des Propriétaires du littoral du Médoc, No.139, mars-avril-mai 2017)

 

Soulac-Chronik II

Jean-Paul Lescorce ist vielen, die sich für die Geschichte des nördlichen Médoc interessieren, nicht nur als kenntnisreicher und überaus sympathischer Führer durch die Bunkeranlagen nördlich von Soulac ein Begriff, sondern auch als Autor, der eine ganze Reihe kleinerer und größerer Beiträge zur Geschichte von Soulac publiziert hat. Seine jüngste Veröffentlichung ist der zweite Band der Chronik von Soulac, der beginnend mit einem Wikinger-Einfall im Jahre 840, wesentliche Stationen der Médoc-Geschichte aufleben lässt, die im ersten Band der Chronik noch nicht beleuchtet worden waren. Namentlich für die letzten Jahrzehnte kommt dem Autor und  natürlich auch den Lesern dabei zugute, dass hier ein Mann zur Feder gegriffen hat, der seit Kindesbeinen, das heißt also seit den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg in Soulac lebt und dabei aus einer Familie stammt, die seit Generationen dort ansässig ist. Damit ist klar, dass der Leser mancherlei erfährt, was Außenstehenden sonst verborgen bliebe.

(C. Boissot: L’inventaire soulacais de Jean-Paul Lescorce, in: Le Journal du Médoc, 31. 03. 2017)

 

Rückgang

Auf dem Automarkt in Frankreich tut sich etwas, und das zu Lasten der Dieselfahrzeuge. Im März 2017 fiel ihr Anteil an den Neuzulassungen in Frankreich auf 47%. Im Jahre 2012 hatte ihr Anteil noch bei 73% gelegen. Die Gründe für den  Umschwung, von dem angenommen wird, dass er dauerhaft sein wird, sind vielfältig. Zum einen haben die Verschärfung der Abgasnormen, die Reduzierung der steuerlichen Bevorzugung der Dieselkraftstoffe, die Diskussion um die Schädlichkeit der Feinstaubemissionen und nicht zuletzt der vom Volkswagenkonzern ausgehende Skandal um manipulierte Abgaswerte zu diesem Trendwechsel beigetragen. Nicht zu unterschätzen sind auch die Ankündigungen der Bürgermeisterin von Paris, die Dieselfahrzeuge lieber heute als morgen aus dem Stadtverkehr der französischen Hauptstadt verbannen möchte. Alles in allem haben Interessenten, die heute ein neues Auto kaufen wollen, hinsichtlich der Motorenart Entscheidungen zu erwägen, die noch vor wenigen Monaten nicht erforderlich waren.

(Pour la première fois, les voitures diesel rétrogradent, in: SUDOUEST, 2. April 2017)

 

 

Hafen Le Verdon

Trotz immer wieder aufflackernder Hoffnungen ist der Tiefwasserhafen von Le Verdon noch im Tiefschlaf, da es nicht gelang, den Verladebetrieb für Container, der eigentlich die Hafenanlagen mit pulsierendem Leben erfüllen sollten, wieder in Gang zu setzen. Es gibt zwar zwei funktionsfähige Portalkräne, die die alten ersetzt haben, aber nun hakt und klemmt es mal hier und mal da, so dass ernsthafte Aussagen über das weitere Schicksal der Containerverladung in Le Verdon kaum gemacht werden können. Weniger Unsicherheiten gibt es hingegen bei der Rolle, die der Hafen als Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe spielen soll. Von denen werden rund zwanzig in diesem Jahr erwartet, die ihren Passagieren allerdings nur einen ungewöhnlich toten Hafenbetrieb bieten können.

(UM, 01. 04. 2017)

 

 

Präsidentschaftswahlen

Etwas mehr als drei Wochen vor dem ersten Wahlgang zeigen die Umfragen wenig Neues. Die fünf bestplatzierten Bewerber vereinigen rund 94% der Stimmen auf sich, auf die übrigen sechs Kandidaten entfallen die restlichen sechs Prozent. Platz eins der Liste nimmt Emmanuel Macron mit 25% der Stimmen ein, der zwar einen Prozentpunkt eingebüßt hat, aber dennoch vor Marine Le Pen rangiert, die es auf 24% bringt. François Fillon macht Boden gut, denn er kommt nunmehr auf 19%. Für den zweiten und entscheidende Wahlgang sind die Perspektiven weiterhin günstig für Emmanuel Macron, für den sich 60% der Befragten aussprechen, während es M. le Pen auf 40% bringt. Dabei weiß man natürlich, dass Prognosen und Umfragen ihre Tücken haben.

(J. Desport, Macron toujours devant, mais Fillon retrouve de l’air, in: SUDOUEST, 01. 04. 2017)

 

 

Waldbrand

Wo Wald ist, kann es auch Waldbrände geben, und zwar unabhängig von der Jahreszeit. Diese Erfahrung mussten die Verantwortlichen des militärischen Komplexes von Captieux machen, der zur einen Hälfte auf dem Gelände des Departements Gironde liegt und zur anderen auf dem Territorium des Departements Landes. Ausgelöst von militärischen Schießversuchen sind dort bei dem ersten größeren Waldbrand des jahres 2017 wenigsten rund 500 ha Kiefernwald in Flammen aufgegangen. Die Leitung des Camp veröffentlichte kurz nach Bekanntwerden des Brandes eine Meldung, in darauf hingewiesen wurde, dass der Brandherd unter Kontrolle sei, dies allerdings erst nach Einsatz von einer beträchtlichen  Zahl von Feuerwehrleuten und Soldaten, die Unterstützung aus der Luft durch zwei aus Nizza heranbeorderte Canadair erhalten hatten, die zehn Einsätze flogen. Sie verhinderten dadurch das Übergreifen des Brandes auf einen benachbarten Campingplatz. Menschen sind  nicht zu Schaden gekommen.

(E. Artigue-Cazcarra: 500 hectares en feu sur le camp militaire, in: SUDOUEST, 31. 03. 2017,